R.E.M. „Out of time“ in 24 Bit und 192 kHz

Mit „Out of time“ produzierte die US-amerikanische Band R.E.M. ein über die gesamte bisherige Band-Geschichte absolut untypisches Album, das eingeschworene Fans sogar als Anbiederung an den Mainstream ansehen, wenngleich die Formation durchaus immer mit Pop-, teils Folk und sogar Country-Elementen spielte, daraus aber einen ganz eigenen Stilmix kreierte, und damit auch auf diesem Album brilliert.

Von Michael Holzinger (mh)
15.07.2011

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Egal wie man dieses Album auch wertet, es war zumindest jenes Werk, mit dem R.E.M. der internationale Durchbruch gelang, selbst wenn sie davor bereits etliche vielbeachtete und durchaus auch kommerziell sehr erfolgreiche Alben seit ihrer Gründung 1980 in Athens im US-Bundesstaat Georgia veröffentlichten und somit zu einer festen Größe nicht nur in den USA zählten.

Während in den ersten Jahren Live-Konzerte zum täglich Brot der Band rund um Frontsänger Michael Stipe zählten und sie so über die Jahre eine treue Fan-Gemeinde aufbauten, ihre spezielle Stilmischung bis hin zu den doch mitunter recht komplexen Texten aber nicht so recht kompatibel mit einer Mainstream-Vermarktung waren, so sieht dies beim Album „Out of time“ völlig anders aus. Dementsprechend muss dieses 1991 produzierte Album durchaus als Bruch der Band mit ihrer bisherigen Geschichte gesehen werden, wobei man natürlich nur schwer abschätzen kann, was davon wirklich von der Band ausging, oder aber von ihrem neuen Label, dem Major Warner mitbestimmt wurde.

In jedem Fall ist „Out of time“ das wohl insgesamt gefälligste Album, dass für eingeschworene Fans zum damaligen Zeitpunkt mitunter als glatter Tabu-Bruch gewertet wurde. Das von der Band und Scott Litt produzierte Album unterscheidet sich zwar über weite Strecken kaum von den zuvor veröffentlichten Werken, sodass man unterm Strich sagen muss, dass sich die Band sehr wohl treu blieb und das neue Album nur ein konsequenter Schritt in ihrer Entwicklung darstellt, den Unmut vieler Fans zogen sich R.E.M. jedoch mit Titeln wie „Shiny happy people“ zu, bei dem Michael Stipe zum fröhlichen Sound der B-52‘s mit Kate Pierson recht belanglose Textzeilen von sich gibt. Und auch „Losing my religion“ wurde von Radiostationen und natürlich dem Musik-Sender MTV im Dauerlauf geradezu zu Tode gespielt. Und es gibt wohl nichts „verwerflicheres“, als das ein Künstler bzw. eine Band, die irgendwie der Alternativ-Szene zugerechnet werden, kommerziellen Erfolg erlangen. R.E.M. konnte es wohl rückblickend ziemlich gleichgültig sein, denn die Formation tat genau das Gegenteil dessen, was ihnen ihre eingeschworene Fangemeinde damals vorwarf. Ja, sie waren plötzlich internationale Superstars, aber im Gegensatz zu so manch anderem Musiker diesen Ranges nutzen sie ihre nunmehrige absolute Unabhängigkeit dazu, ihren eigenständigen Weg zu gehen, wie nahezu alle nachfolgenden Alben eindrucksvoll beweisen.

Und ganz nüchtern betrachtet ist selbst „Out of time“ im Gesamten ein für die Band sehr typisches Album, das durchaus gefälliger tönt, als so manch anderes, aber das soll ja kein Nachteil sein. Vielmehr diente es als perfekter Einstieg, um sich den mitunter sperrigeren Werken der US-amerikanischen Formation anzunähern.

In jedem Fall lieferte R.E.M. mit „Out of time“ ein Werk ab, das perfekt produziert, erstklassigen, anspruchsvollen Pop liefert und Songs enthält, die selbst nach Jahren in keiner Playlist fehlen dürfen. Zumal nun auch eine audiophile Klientel versorgt wird, denn dieses Album steht inzwischen nicht nur als Audio CD zur Verfügung, sondern auch als exquisiter Download im hochauflösenden FLAC-Format. Das US-amerikanische Portal HDtracks.com bietet „Out of time“ von R.E.M. sowohl mit 24 Bit und 96 kHz als auch 24 Bit und 192 kHz an.

Im Vergleich zur doch recht flauen Audio CD aus den 1990igern des letzten Jahrhunderts gewinnt das Album in hochauflösender Form natürlich deutlich an Präsenz und Detailreichtum, zudem wirkt die neue Version deutlich dynamischer und ansprechender, sodass dieser Download wohl für alle eine gute Option ist, dieses Album in bestmöglicher Qualität neu zu erwerben, anstatt die alte CD zu rippen und diese der Mediathek für hochwertige Streaming-Systeme hinzuzufügen. Allerdings muss man klar sagen, dass „Out of time“ wohl kein Meilenstein sein wird, denn aus rein klangtechnischer Sicht gibt es durchaus beachtenswertere Werke, die das volle Potential hochauflösender Audio-Daten viel besser und eindrucksvoller demonstrieren. Daher sei angeführt, dass es das Album „Out of time“ von R.E.M. auch als so genannte SHM-CD aus dem Jahr 2008 gibt, und da fallen die Unterschiede dann doch recht bescheiden aus, wenngleich sie natürlich nach wie vor gegeben sind, allein auf Grund der höheren Auflösung. Wer diese CD allerdings hat, wird nicht den immensen Drang verspüren, das Album nun nochmals in FLAC zu erwerben. Zumindest nicht, wenn er nicht auch das entsprechend hochwertige Equipment hat, das die dezenten Unterschiede auch tatsächlich zur Geltung bringt.

Übrigens, wer schon immer wissen wollte, was sich hinter dem auf den ersten Blick durchaus ominösen Band-Namen verbirgt, es ist wie so oft ein reines Zufallsprodukt. Denn R.E.M. steht als Abkürzung für das so genannte Rapid eye movement, also die unkontrollierte Bewegung der Augen während der Schlafphase. Und wie kommt man zu so einem Band-Namen? Nun, man macht es wie Michael Stripe und schlägt ein Wörterbuch auf, und nehme den ersten Begriff, der einem ins Auge sticht...

Michael Holzinger

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