Foto © Island (Universal Music)

Record Store Day ad absurdum geführt… Queen Live at The Rainbow auf Vinyl nicht so exklusiv, wie behauptet

Ursprünglich war der Record Store Day eine Initiative, die den unabhängigen Fachgeschäften eine möglichst breite Aufmerksamkeit bringen sollte. Doch mehr und mehr verkommt diese Initiative zu einem reinen Marketing-Gag, der zunehmend wieder den reinen Online-Versendern in die Hände spielt.

Von Michael Holzinger (mh)
18.08.2014

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Immer öfter regt sich Kritik rund um die Aktionen des so genannten Record Store Day. Ursprünglich ins Leben gerufen, um unabhängige Schallplatten-Fachgeschäfte zu fördern, und diesen eine möglichst breite Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, verkommt die eigentlich gute Sache immer mehr zu einem reinen Marketing-Gag, so die kritischen Stimmen, die noch dazu immer mehr werden.

Und tatsächlich zeigte sich beim letzten Record Store Day alles, was Kritiker immer mehr bemängeln, in geradezu geballter Form. Da wurden angebliche Exklusiv-Releases bereits vorab über Plattformen wie eBay zu teils horrenden Preisen gehandelt, während diese am eigentlichen Record Store Day in den Plattenläden nicht zu finden waren. Zudem fanden sich jede Menge an eigentlich nur für den Verkauf durch unabhängige Plattenläden bestimmte Tonträger einmal mehr im Angebot reiner Online-Versender wie etwa hierzulande amazon.de oder jpc.de. Desweiteren warb man mit einer Unmenge an - mit Verlaub - Schrott, der besser nie auf Tonträger verewigt werden sollte, als Exklusiv-Veröffentlichungen, was natürlich auch nicht unbedingt im Sinne der Idee ist. Zudem wählte man hierzulande ausgerechnet einen Künstler als Werbebotschafter aus, der zeitgleich mit einem reinen Online-Anbieter ein Exklusiv-Angebot seines aktuellen Albums lancierte…

Und das es rund um das Gesamt-Konzept des Record Store Day derzeit so ganz und gar nicht in die richtige Richtung geht, sondern längst andere Interessen im Fokus stehen dürften, zeigt sich auch übers ganze Jahr hin, also nicht nur am eigentlichen Record Store Day.

So warb die Plattform des Record Store Day etwa dieser Tage auf der Social Media Plattform Facebook mit einer durchaus sehr lohnenden Neuveröffentlichung, und zwar einem Live-Album der britischen Formation Queen aus dem Jahre 1974. Es handelt sich hierbei um einen Live-Mitschnitt aus dem Londoner Club The Rainbow, der an zwei Abenden entstand, und die damals noch vergleichsweise unbekannte Band in Bestform festhielt.

Anlässlich des 40jährigen Jubiläums wird dieser Mitschnitt nunmehr im September 2014 als Doppel-Album erscheinen, und zwar nicht nur auf CD und als Download, sondern eben auch auf Vinyl.

Das Problem an der Sache: das Organisationsteam rund um den Record Store Day warb damit, dass dieses Album auf Schallplatte exklusiv über unabhängige Fachgeschäfte, also durchaus ganz im Sinne des Konzepts des Record Store Day, erscheinen soll. Wortwörtlich stand da zu lesen: „Forty years ago, a little band named Queen played two shows in one year at the London club The Rainbow. Those shows from 1974 are coming out on a double disc set on 9/9, and the vinyl version of this package is going to be something you can ONLY get at indie record stores.“

Ein kurzer Blick auf das Angebot der hiesigen Online-Anbieter zeigt, dass dies schlicht nicht stimmt. Sowohl bei amazon.de als auch jpc.de wird man sofort fündig. Bei beiden Plattformen kann das Album nicht nur als Limited Super Deluxe Boxset auf CD und etwa auch als Blu-ray, sondern natürlich auch als Limited Vinyl-Set bereits vorbestellt werden. Und zwar nicht nur als "Live at The Rainbow (Limited Edition)" mit zwei LPs , sondern ebenso als "Live at The Rainbow (Limited Edition)" mit vier LPs

Eine entsprechende Anfrage an die Organisatoren des Record Store Day durch die Redaktion blieb unbeantwortet, und zwar sowohl in Form eines Emails, als auch als Kommentar auf Facebook…

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