Reference Recordings setzt wieder auf Vinyl

Offen gesagt, nach viel zu langer Zeit setzt das US-amerikanische Label Reference Recordings nicht allein auf digitale Vertriebsformen von Musik und somit in erster Linie auf die verschiedensten Varianten optischer Datenträger sowie hochauflösende Downloads, sondern erneut auf Vinyl.

Von Michael Holzinger (mh)
31.08.2011

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Audiophile Musikliebhaber kommen am US-Label Reference Recordings eigentlich nicht vorbei. Zumindest die ein oder andere Aufnahme wird sich wohl in jedem CD-Regal finden, oder aber bereits in Form hochauflösender Audio-Daten auf der Festplatte abgelegt sein. Das in der kalifornischen Metropole San Francisco ansässige Unternehmen setzte in den letzten Jahren ausschließlich auf die digitale Distribution seiner Schätze und somit auf die verschiedensten Formate an optischen Datenträgern. Angefangen von Audio CDs oder Super Audio CDs bin hin zu speziellen DVDs reichte das Angebot. Diese DVDs stellten gar eine Besonderheit am Markt dar, denn mit diesen so genannten HRx DVD-R Data Discs lieferte man erster Linie reine Datenträger, vollgepackt mit Audio-Files in Form hochauflösender WAV-Dateien, die für entsprechend ausgestattete Streaming- sowie für hochwertige Audio-Wiedergabe optimierte PC-Systeme konzipiert sind. Zudem war man bei nahezu allen maßgeblichen Download-Plattformen, die sich auf hochauflösendes Datenmaterial spezialisiert haben, Lieferant der ersten Stunde.

Natürlich wird man auch weiterhin diese Philosophie verfolgen, stellen Download-Angebote in hochauflösender Form ja ganz klar die Zukunft dar. Allerdings gewinnt ein zweiter Distributionsweg, nicht nur im rein audiophilen Lager, immer mehr an Zuspruch, und zwar die gute, gar nicht so alt wirkende Schallplatte. Diesem will sich das Label aus San Francisco natürlich ebenfalls nicht verschließen und wird ab sofort ausgesuchte Aufnahmen auch wieder auf Vinyl anbieten.

Dabei ist der nunmehr vollzogene Schritt gar kein Schnellschuss, um auf die wieder steigende Nachfrage reagieren zu können, sondern vielmehr das Resultat eines über Jahre laufenden Projekts, wie das Label in einer Aussendung mitteilt. Über viele Jahre war man auf der Suche nach den besten Möglichkeiten für Vinyl-Mastering, den geeigneten Produktionsstätten um erneut in die Fertigung von Schallplatten auf dem gewohnt hohen Niveau einsteigen zu können. Heutzutage kein leichtes Unterfangen, wie Insider stets aufs Neue berichten, denn die wenigen verbliebenen Unternehmen können die steigende Nachfrage längst nicht befriedigen, und um weitere Fertigungskapazitäten zu schaffen, fehlt es schlicht und einfach am entsprechenden Maschinenpark.

Reference Recordings wird Schallplatten künftig in Salina, im US-Bundesstaat Kansas fertigen, wobei man vor allem auf Produktionen mit 200 Gramm hochwertigstem Vinyl sowie LPs mit 33 1/3 als auch 45 Umdrehungen pro Minute setzen wird - abhängig von den jeweiligen Aufnahmen - um so eine stets optimale Qualität zu erzielen. Als Besonderheit will man LPs mit einem so genannten FDS finish versehen, was nichts anderes bedeutet, als das jede LP am Ende eine 30 Sekunden dauernde „Auslauf-Zone“ aufweist, sodass Musikliebhaber ausreichend Zeit haben, den Tonarm abzuheben bevor das leidige „Tackern“ der „Endlos-Rille“ am Schluss beginnt.

Aufnahmen von Reference Recordings auf Vinyl werden wohl sehr bald in den Prospekten der einschlägigen lokalen Vertriebe auftauchen, wobei davon auszugehen ist, dass diese in „bewährter“ Art und Weise zu deutlich überhöhten, teils eigentlich sogar unverschämten Preisen offeriert werden.

Auch wenn wir normalerweise jederzeit auf den Fachhandel verweisen, so hört sich der Spass unserer Ansicht nach an dem Punkt auf, wo der Konsument „ausgenommen“ wird. Und im Bereich audiophiler Aufnahmen ist der Fachhandel leider auf lokale Distributoren angewiesen, bei denen dies offensichtlich für so manchen zum "guten" Ton gehört. Natürlich muss man Transport und Zoll mit einkalkulieren und etwaige Kursschwankungen berücksichtigen. Doch selbst wenn man all dies mit einbezieht, rechtfertigt das in keinster Weise die „Apotheker-Preise“ mancher Anbieter. Mündige audiophile Musikliebhaber sollten daher auch hier auf Alternativen setzen und selbst in den USA einkaufen. Internet und Kreditkarte machen‘s möglich...

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