Foto © Vincent Catala

Richard Galliano „Laurita“

Man muss etwas „leidensfähig“ sein, oder zumindest mit einem anspruchsvollen Crossover gut Freund sein. Das Album, um es gleich vorweg auf den Punkt zu bringen, ist alles andere als eine leichte Kost. Sie sollten ein großer Fan eines Akkordeon, einer Harmonika, und vor allem einer tiefgründigen und sonoren Bass-Klarinette sein. Weitere Mitspieler: ein Doublebass und Percussion.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
23.06.2014

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Richard Galliano sortiert enthusiastische und hochmotivierte Künstler, wie etwa Michel Portal an der Bass-Klarinette, ein Toots Thielemans an seiner Harmonika, aber auch ein begnadeter Palle Danielsson an seinem Doublebass, sowie ein scheinbar wahnsinnig gewordener Joey Baron mit seinen wieselflinken Sticks an den Drums, wohlgeordnet um insgesamt 10 phantastisch eingespielte, und ebenso arrangierte musikalische Leckerbissen. Richard Galliano spielt virtuos sein Akkordeon.

Galliano nimmt sich verschiedener Genre an, und zaubert ein dramatisches und explosiv-dynamisches Klangbild auf die Wohnzimmerbühne. Libertango, Titel zwei, führt den belastbaren Zuhörer in eine melancholisch dramatische Welt des Tanzes. Der Tango hat viele Facetten, welche von Galliano perfekt zu seinem Mid-tempo Track zusammengestellt wurde, wobei er dabei von sein Akkordeon geradezu traktiert. Galliano versprüht hier den spröden Charme seines Akkordeons mit viel Spielwitz und hochrhythmischer Raffinesse. Ein gelungener Dialog zu Michel Portals Bass-Klarinette.

Spätestens wenn Sie Titel 9 „Mr. Clifton“ auf der Playlist erreichen, ist aber Schluss mit lieblichen und melancholischen Klängen, oder einem verhaltenen Wechselbad aus Dramatik und Liebelei vorheriger Titel, die versöhnlich Dramatik und Spielwitz vermischen. Joey Baron nimmt Sie gleich von Beginn an auf eine perkussive Achterbahn mit. Spätestens wenn die Footdrums knallen, und die Druckwellen in Ihrem Hörraum explodieren, realisieren Sie, welches Leid Ihre Tieftöner durchleben müssen. Erneut viel Spielwitz und augenscheinlich nicht minder viel Spaß der Musiker entführen Sie und Ihre Bassmembranen in die Welt der Dynamik.

Das im Studio Ferber im November 1994, und beim Mastering des Herrn Wilfried Harpaille im Jahr 1995, erstklassig gearbeitet wurde, hört man vom ersten Ton an. Das Klangbild ist vollkommen frei von störenden Artefakten, und konzentriert sich auf ein wohlsortiertes und perfekt arrangiertes Klangerlebnis, und bietet selbst auf gefühlten Zentimetern viel Platz auf der virtuellen Bühne. Feine Details, wie zarte Anblasgeräusche, das Klappenspiel der Bass-Klarinette, oder ein zartes Luftziehen der Harmonika wirken wie ein selbstverständliches natürliches Geräuschbett, auf dem wild tanzend das musikalische Karussell dreht. Mikrofeine Pegelsprünge werden mit derselben Verständlichkeit wieder gegeben, wie die hochdramatischen explosiven Impulse des Schlagzeugs, oder ein brutal angespieltes Akkordeon.



Dieses Album ist geradezu ein Muss für den für Neues offenen Musikliebhaber, aber auch für den „fiesen“ Anlagen-Tester, der seinem HiFi-Freund einen Streich spielen will. Und glauben Sie mir, bei manchen Titeln wissen Sie einfach nicht, was da noch auf Sie und Ihr feines HiFi-System zukommt…

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