Foto © Michael Holzinger - sempre-audio.at

Roland Neuwirth und Extremschrammeln im Theater am Spittelberg

Das Theater am Spittelberg kann sich seit Jahr und Tag rühmen, ein überaus buntes Sommerprogramm zu offerieren, dass Künstler fast sprichwörtlich aus aller Welt nach Wien bringt, und als wahrer Publikumsmagnet fungiert. Am Abend des 24. Juli 2014 stand aber Wien selbst im Mittelpunkt, besser gesagt das Wienerlied in seiner schönsten Form, dargeboten von Roland Neuwirth samt Extremschrammeln.

Von Michael Holzinger (mh)
25.07.2014

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Seit nunmehr fast 40 Jahren gilt Roland Neuwirth als eine Art Inbegriff dessen, was das so genannte Wienerlied sein kann. Auch wenn er gekonnt all die Klischees aufgreift, die damit in Zusammenhang gebracht werden, verkehrt er die auf geradezu meisterhafte Art und Weise zu etwas, was geradezu als Spiegelbild wohl nicht nur der Wiener Seele herhalten kann.

Niemand sonst setzt derart konsequent auf alles, was das typische Wienerlied ausmacht, etwa die Besetzung seiner Musiker, der Extremschrammeln, deren Name geradezu als Ansage verstanden werden kann. Es ist tatsächlich die ganz typische Schrammel-Besetzung, die jedoch bei Roland Neuwirth als Grundlage dafür dient, in das nur allzuvertraute Klangbild vielerlei Genres einzubinden. So mischen sich in die musikalische Heurigen-Idylle sehr oft Anklänge aus dem Jazz bis hin zu teils gar rockigen Passagen, wird also eifrig improvisiert und somit das perfekte Klangbild gewoben, in dem sich die Texte von Roland Neuwirth geradezu entfalten können. Und würde Neuwirth nicht Wienerisch singen, der Blues als Bezeichnung für das Schaffen des Musikers wäre wohl auch keine Themenverfehlung.

Es ist die teils geradezu weinerliche, aber zumeist zumindest wehmütige Stimmung, eben das typische Suderantentum, das nirgendwo so leidenschaftlich zelebriert wird, wie in Wien, und das hier gekonnt teils gar überzeichnet, aber niemals karikierend übertrieben wird, zudem angereichert mit jenem teils geradezu morbiden, aber in jedem Fall tiefschwarzen Humor, der die Lieder von Roland Neuwirth auszeichnet. Er versteht es auf geniale Art und Weise, anhand augenscheinlicher Banalitäten des Alltags den großen Schmerz der Menschheit insgesamt zu skizzieren, nur um zu dem Schluss zu kommen, dass es ohnedies „eh ois wurscht ist…“, und trifft damit zielgenau ins Herz seiner Zuhörer, die sich sogar noch köstlich darüber amüsieren können, dass ihre zumeist zumindest dunkelgraue Seele hier gnadenlos offen gelegt wird.

Dies stellte der Wiener Künstler einmal mehr im Theater am Spittelberg unter Beweis, selbst wenn die Extremschrammeln diesmal deutlich dezimiert antraten. Doch allein die wunderbare Doris Windhager als im wahrsten Sinne des Wortes Überstimme, sowie Marko Zivadinovic an der Knopfharmonika reichten aus, um gemeinsam mit Roland Neuwirth den Besuchern dieses Abends ein fantastisches Konzert zu bescheren.