Foto © PonoMusic

SXSW 2014 - Neil Young gibt Details zu PonoPlayer und PonoMusic bekannt

Seit Jahr und Tag geistert der Pono bislang als reiner „Papiertiger“ durch die Medien, jener mobile Player, der nach Ansicht seines Schöpfers, immerhin niemand geringerer als Neil Young, erstmals die tatsächliche Qualität von Musik in digitaler Form liefern könne. Nun nennt man erstmals handfeste Details, und zwar im Rahmen der SXSW 2014.

Kurz gesagt...

Im Rahmen der SXSW 2014 wird niemand geringerer als Neil Young eine Keynote abhalten, und in der wird es natürlich allen voran um „seinen“ PonoPlayer und die Plattform PonoMusic gehen.

Wir meinen...

Viel Lärm um nichts... Ja, leider hat es ein wenig den Anschein. Nach Jahren an Gerüchten, irgendwelchen Ideen und Konzepten, allesamt ohne viel realem Inhalt, soll es nun endlich soweit sein: Neil Young präsentiert sein Konzept dessen, wie Musik im digitalen Zeitalter wieder "Seele" erhalten soll und der Konsument die Qualität erhalte, wie sie im Studio produziert wurde. Nüchtern betrachtet muss man sich aber nach der derzeitigen Faktenlage fragen, was da nun kommen sollte, was wir nicht schon längst haben können?
Hersteller:PonoMusic
Vertrieb:PonoMusic
Preis:US$ 399,-

Von Michael Holzinger (mh)
11.03.2014

Share this article


Mittlerweile seit Jahren ist Neil Young auf einem Kreuzzug, einem Kreuzzug gegen den - seiner Ansicht nach - Niedergang der Musik, besser gesagt der Qualität von Musikwiedergabe. So vertritt der Musiker die Ansicht, dass mit der fortschreitenden „Digitalisierung“ der Musik die Qualität dieser immens gelitten habe, und über die herkömmlichen Vertriebswege nur noch ein Bruchteil dessen beim Konsument ankomme, was etwa er im Studio tatsächlich produziere.

Allen voran Download-Angebote mit komprimierter Musik, also etwa im MP3-Format, aber auch das Angebot des absoluten Marktführers in diesem Segment, der Apple iTunes Store mit den darin zu findenden Daten im AAC-Format, seien nicht dazu geeignet, Musik in ihrer Gesamtheit wiederzugeben.

Seine Mission sei es, der Musik ihre Seele wieder zu geben, die in den letzten Jahren durch die Entwicklungen rund um Download-Angebote, aber ebenso Streaming-Dienste, verloren ging.

Bislang war dieser Kreuzzug von Neil Young aber allein dadurch geprägt, dass dabei eigentlich rein gar nichts unterm Strich heraus kam. Mehr als viele, viele inhaltlich eher nichts sagende Ankündigungen, und noch viel mehr Gerüchte war bislang rund um die Bestrebungen der US-amerikanische Rock-Ikone, wenngleich Young ja eigentlich aus Toronto stammt, nicht zu erfahren. So geisterten unter anderem Meldungen durch die Medien, Neil Young habe sich mit dem charismatischen Apple-Gründer Steve Jobs verständigt, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die seinen Ansprüchen genügen könnten, aber auch dies erwies sich als haltlos, zumal diese Meldungen nach dem Tod von Steve Jobs auftauchten.

Im Oktober 2012 (!!) präsentierte Neil Young erstmals den so genannten PonoPlayer, und zwar sehr medienwirksam in der Late Show der US-Talk-Legende David Letterman. Tatsächlich konkrete Details über die Ausstattung, die Verfügbarkeit und vor allem den Preis betreffend konnte Neil Young aber auch da nicht präsentieren. Zudem wurde eine eigene Web-Präsenz ins Leben gerufen, die laufend über die Entwicklung informieren sollte, aber auch hier fand sich über lange Zeit nichts konkretes. Verschiedenste Kooperationen mit Hardware-Produzenten, aber allen voran auch Labels wurden angedeutet, mehr aber auch nicht.

Nun aber soll es tatsächlich handfeste Facts geben, und zwar direkt von Neil Young, der im Rahmen der SXSW 2014 eine Keynote bestreitet, deren Thema allen voran Pono, und zwar sowohl der PonoPlayer selbst, als auch die diesen umrahmende Infrastruktur PonoMusic umfassen soll.

Bereits im Vorfeld verkündete PonoMusic, deren Gründer und Chairman Neil Young ist, dass es sich bei PonoMusic um ein Projekt handle, das digitale Musik in das 21. Jahrhundert bringe, was immer dies genau bedeuten mag. PonoMusic sei als System konzipiert, in dessen Mittelpunkt besagter PonoPlayer stehe. Dieser sei als Lösung für den mobilen Einsatz, den Einsatz im Auto, aber ebenso für die Anbindung mit HiFi-Systemen konzipiert, stelle also die zentrale Hardware für alle Eventualitäten dar. PonoMusic.com sei der dazu perfekt passende Dienst, der hochauflösende Musik-Daten in bester Qualität anbiete, und zwar sowohl von zahlreichen Independent-Labels, als auch führenden Majors, und redaktionell betreut durch PonoMusic. Die Verbindung zwischen PonoPlayer und PonoMusic.com stelle der so genannte Pono Desktop Media Manager dar, der für Downloads und die Verwaltung der Daten genutzt werden soll, aber auch die Synchronisation mit dem PonoPlayer sowie - und dies ist nicht uninteressant - auch anderen High-res Audio-Playern übernimmt.

Zum PonoPlayer selbst gibt das Unternehmen bekannt, dass dieser gemeinsam mit Ayre Acoustics , einem Unternehmen aus Boulder Colarodo, entwickelt wurde, das als führend im Bereich Digital Audio Technology gelte.

Bei der Entwicklung sei man keinerlei Kompromisse eingegangen, und war bestrebt, einen Player zu realisieren, der als High-end Lösung gelte und Musik in ihrer ursprünglichen Qualität, so wie diese im Studio tatsächlich aufgenommen wurde, wiedergeben könne.

Am Design des PonoPlayer hat sich offensichtlich seit der bereits angeführten ersten Präsentation in der Letterman-Show nichts geändert. Nach wie vor wirkt der PonoPlayer als überaus klobige „Plastik-Lösung“, die wohl in verschiedensten Farben angeboten wird. Im Mittelpunkt steht hier ein simples, textbasiertes LCD mit Touchscreen-Funktion, unter dem man lediglich drei Tasten findet. Ein Kopfhörer-Ausgang sowie ein Line Out und eine USB-Schnittstelle sind ebenfalls auf den veröffentlichten Produktbildern zu erkennen, mehr aber nicht.

Der PonoPlayer soll mit 128 GByte Speicherkapazität ausgestattet sein, um nach Angaben von PonoMusic 100 bis 500 High-res Musik-Alben speichern zu können, und zwar abhängig von deren Auflösung. Über nicht näher spezifizierte Speicherkarten könne man die Kapazität des PonoPlayer erweitern.

Wer nun aber denkt, der PonoPlayer sei nun tatsächlich in Kürze erhältlich, der irrt. PonoMusic wählte kickstarter.com als Plattform, um Vorbestellungen für den PonoPlayer entgegen zu nehmen. Ab dem 12. März 2014 kann man hier zum Preis von US$ 399,- seinen PonoPlayer vorbestellen. Es wird also mal Geld gesammelt, um die tatsächliche Produktion zu starten, nicht mehr, und nicht weniger. Nach all den Jahren sollte man aber meinen, dass es an der Zeit wäre, endlich loszulegen, vor allem in Anbetracht der vielen heißen Luft, die diesbezüglich bereits bislang „produziert“ wurde.

Überhaupt muss man ganz nüchtern die Frage stellen, was sich Neil Young und PonoMusic von diesem Projekt tatsächlich erwarten. Es ist ja keineswegs so, dass hier irgendwas „neu erfunden“ wird, denn nach den derzeit vorliegenden Fakten, handelt es sich beim PonoPlayer um nichts anderes, als einen weiteren mobilen Audio-Player, der eben auch High-res Audio-Daten wiedergeben kann. Mit Verlaub, davon gibt es bereits einige am Markt, und die weisen mitunter eine deutlich flexiblere, bessere Ausstattung auf.

Und auch Download-Anbieter abseits von Apple iTunes Store und Amazon MP3 Store gibt es ja nun bereits den „ein oder anderen“, der Audio-Daten wahlweise in „CD-Qualität“, ja gar in High-res und somit so genannter Studio Master-Qualität anbietet, und zwar in den unterschiedlichsten Formaten, sei es nun Apple Lossless, WAV, AIFF, FLAC oder gar DSD. Und die „performen“ mitunter bereits sehr gut, und liefern ein breites Angebot verschiedenster Labels. Ja selbst Streaming in CD-Qualität ist mittlerweile nichts „exotisches“ mehr, sondern allein eine Frage des Preises, den Kunden dafür gewillt sind zu zahlen. Was nun genau bei PonoMusic anders oder gar besser sein soll, als bei all diesen Anbietern, ist derzeit nicht wirklich offensichtlich…

Gut, weder auf den verfügbaren High-res Playern, noch bei den Download-Anbietern steht „Neil Young“ drauf, aber das allein kann es ja hoffentlich nicht sein, bei allem Respekt gegenüber dem Künstler und seinem bisherigen Schaffen.

Kurzum, ob die „Welt“ wirklich auf diesen Player gewartet hat? Wir wissen es nicht, sind aber ganz offen gesagt eher skeptisch… Aber vielleicht überrascht uns Neil ja doch noch!

Nach derzeit vorliegenden Informationen sollen die ersten PonoPlayer nicht vor Oktober 2014 ausgeliefert werden. PonoMusic geht davon aus, dass man zu diesem Zeitpunkt wohl 10.000 Stück ausliefere, alle anderen müssen sich zumindest bis Dezember 2014, wenn nicht gar bis Beginn 2015 in Geduld üben.

Share this article