Samsung übernimmt Boxee

Boxee, das ist ein junges Unternehmen, das sich der Entwicklung von Media-Center Lösungen verschrieben hat und zunächst ein Media-Center für PCs und Macs anbot, sich danach aber auf Hardware-Lösungen wie etwa die Boxee Box oder Iomega TV with Boxee konzentrierte. Nun wurde bekannt, dass der koreanische Gigant Samsung das Unternehmen übernahm.

Kurz gesagt...

Gestern war es noch ein Gerücht, heute ist es Fakt: der koreanische Konzern Samsung kauft das junge Unternehmen Boxee.

Wir meinen...

Für Produkte wie dei Boxee Box wird der Markt zunehmend schwerer, denn diese Funktionalität bietet im Prinzip jedes Smart TV. Gleichzeitig überfrachten Hersteller wie Samsung ihre Smart TVs mit Funktionen, die Konsumenten kaum nutzen. Hier könnten sich also durchaus Synergien aus der Übernahme ergeben.

Von Michael Holzinger (mh)
04.07.2013

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Am gestrigen Tag geisterten erste Spekulationen durchs Web und vereinzelt war zu lesen, der Deal sei bereits offiziell bestätigt, was allerdings zunächst nicht der Fall war. Nun aber ist es tatsächlich Fakt, denn nunmehr hat das betroffene Unternehmen selbst in einer ersten Stellungnahme die Gerüchte im vollen Umfang bestätigt: ab sofort übernimmt der koreanische Unterhaltungselektronik-Gigant Samsung das vergleichsweise junge Unternehmen Boxee.

Die Geschichte von Boxee begann im Jahr 2008 mit der Vorstellung einer Software, die als so genanntes Media-Center entwickelt war, um multimediale Inhalte aus verschiedensten Quellen, bis hin zu Live TV, auf einem Computer möglichst intuitive darstellen zu können. Damit konkurrierte man direkt mit Microsoft und deren doch sehr eingeschränkten und somit unterm Strich missglückten Microsoft Windows Media Center Edition. Boxee bot den Vorteil, dass man eine sehr offene Plattform schuf, die mit allen relevanten Inhalten umzugehen wusste und zudem von Anbeginn an darauf ausgelegt war, mit verschiedensten Online-Angeboten interagieren zu können. Außerdem war die Unterstützung für diverse TV-Tuner vorgesehen, was etwa bei Microsoft zunächst ein immenses Problem darstellte. Zudem bot man die Software auch für verschiedenste Plattformen an, also nicht nur für Microsoft Windows, sondern ebenso für Apple MacOS X als auch Linux. Die Basis für Boxee bildete übrigens das XBMC Media Center, ein unter GNU General Public License entwickeltes Software-Projekt zum Abspielen von Videos, Fotos und Musik, auf dem verschiedenste eigenständige Projekte entwickelt wurden.

Allerdings entschied sich Boxee in Folge dazu, die Entwicklung zu verlagern, und die Software-Lösung künftig ausschließlich für Settop-Boxen anzubieten, der so genannten Boxee Box, die gemeinsam mit dem Netzwerk-Spezialisten D-Link entwickelt wurde.

Damit konnte man vor allem in den USA zunächst große Erfolge feiern, denn die direkte Anbindung an Online-Inhalte verschiedenster Anbieter war ein schlagkräftiges Argument im Wettbewerb mit anderen Anbietern wie etwa TiVo oder selbst Apple und deren Apple TV. Allerdings war dies auch das wohl größte Problem für eine weltweite Etablierung dieses Systems, denn außerhalb der USA konnten viele dieser Angebote natürlich nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden. Und die Begeisterung für eine derartige Lösung hielt sich bei lokalen Anbietern etwa in Europa naturgemäß in Grenzen, denn schließlich hatte man in diesen Angeboten den großen Feind für die eigenen Geschäftsmodelle auserkoren. Ein Problem also, an dem auch vergleichsweise „Giganten“ wie etwa Google mit deren Google TV bislang scheiterten. Ohne große globale Konzerne sowie lokale Inhalte sind derartige Systeme natürlich zum Scheitern verurteilt.

Wenn es also selbst mächtige Konzerne wie Apple oder Google nur schwer oder gar nicht schaffen, relevante Content-Anbieter für ihre Lösungen zu gewinnen, so ist dies für ein Start-up wie Boxee natürlich geradezu unmöglich. Daher war es rund um Boxee geradezu still geworden, und deren aktuelles System Boxee Cloud DVR konnte hierzulande kaum Aufmerksamkeit für sich gewinnen, und auch international dürften die Geschäfte nicht mehr allzu rosig gelaufen sein. Zumindest war Boxee in den letzten Monaten intensiv auf der Suche nach neuen Investoren.

Und die dürfte man nunmehr gefunden haben, denn wie jetzt bekannt wurde, hat der koreanische Konzern Samsung das israelische Start-up komplett übernommen. Was zunächst als Gerücht durchs Web geisterte, wurde inzwischen sowohl von Boxee als auch Samsung bestätigt. Nicht bestätigt hingegen wurde der kolportierte Kaufpreis von immerhin 30 Millionen US-Dollar, für Samsung wohl nicht mehr als ein Griff in die Porto-Kasse.

Wie es mit Boxee nun tatsächlich weiter geht, ist völlig offen. Auf der Webseite des Unternehmens findet sich derzeit nicht mehr, als der in solchen Situationen ohnedies übliche - mit Verlaub... - „Marketing-Schmus“. Man sehe große Chancen in der neuen Konstellation, und sei daher über alle Massen erfreut, in Samsung einen neuen Partner gefunden zu haben. So könne man die Entwicklung... und so weiter, und so fort...

Fakt ist wohl eher, dass die Zeiten für derartige Lösungen wie die Boxee Box in jeglicher Ausprägung längst vorbei sind. Deren Funktionalität wird - zumindest in der Theorie - von jedem Smart TV-Gerät abgedeckt. Allerdings ist hier wohl auch der Grund dafür zu suchen, warum sich ein Konzern wie Samsung junge, innovative Unternehmen wie Boxee einverleibt. Denn gerade Samsung gilt im Bereich Smart TV als Vorreiter, steht aber wie viele andere Unternehmen in diesem Bereich vor dem großen Problem, dass deren Smart TV-Funktionen vom Konsumenten nicht wirklich angenommen werden. Natürlich streiten die TV-Hersteller derartige Behauptungen kategorisch ab und verweisen sofort auf irgendwelche Studien, die belegen wie erfolgreich vor allem ihre eigenen Smart TV-Lösungen sind, die Praxis zeigt aber ein gänzlich anderes Bild.

Der Grund dafür ist zumeist in der überbordenden Funktionalität der Smart TV-Oberflächen zu suchen. Allen voran Samsung überfrachtet den Konsumenten geradezu mit verschiedensten Apps für alles nur erdenkliche, sodass man kaum den Überblick behält, und auch Optionen zur einfachen Bedienung wie Sprachsteuerung, Gestenerkennung und ähnliches sind in der Praxis nicht mehr als Spielereien für Technikverliebte, aber nichts, was den normalen Konsumenten tatsächlich interessiert.

Hier könnte ein junges Team eines Start-ups frischen Wind in die Entwicklung bringen, vor allem beim prinzipiellen Design und grundlegenden Konzept. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Akquise von Boxee auf künftige Smart TV-Lösungen aus dem Hause Samsung auswirken wird.

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