Sara K. „The Chesky Collection“

Die aus Texas stammende Sängerin Sara K. begann ihre Karriere, wie so viele andere, in kleinen Clubs in Texas, New Mexico und Kalifornien. Hier lernte sie von der Picke auf, wie man ein Publikum mit geringen Mitteln verzaubern, mit dezent gesetzten Höhepunkten überraschen, und mit eingängigen, persönlichen Texten und emotionalem Vortrag in den Bann ziehen kann. Eigenschaften, die auch ihre Alben auszeichnen.

Von Michael Holzinger (mh)
21.05.2009

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Zwischen 1992 und 2001 war Sara K. beim New Yorker Label Chesky unter Vertrag. Die hohen Ansprüche, nach denen die Brüder David und Norman Chesky ihre Alben produzierten, waren genau die richtige Umgebung für das Schaffen der texanischen Sängerin. Chesky Records galt seit seiner Gründung als ein Label, das vor allem für ein audiophiles Publikum produzierte. Die Philosophie lautete, stets mit State-of-the-art Equipment zu arbeiten und so das maximal mögliche aus Produktionen herauszuholen. Dazu wählte man für die Produktionen mitunter auch außergewöhnliche Orte, um bereits bei der Aufnahme eine möglichst authentische, perfekt zur Musik passende Akustik einfangen zu können, und so bei der Abmischung und Mastering auf künstlich hinzugefügte Räume aus Effektprozessoren weitestgehend verzichten zu können.

Die Musik von Sara K. passte perfekt zu dieser Philosophie der Brüder Chesky. Denn die zumeist solo, nur mit eigener Gitarrenbegleitung vorgetragenen Lieder, oder die sehr einfach gehaltenen Arrangements mit kleiner Begleitband wurden durch die spezielle Herangehensweise der Chesky-Brüder immens verdichtet, und alle Feinheiten der kleinen Kunstwerke wie durch eine Lupe betrachtet präsentiert.

In ihrer Zeit bei Chesky Records produzierte Sara K. sechs Alben, eines besser und genialer als das andere, und Grundlage dafür, dass Sara K. fortan in der Fachpresse und in der HiFi-Szene als „Queen of Audiophile“ bezeichnet wurde. Die Quintessenz dieser sechs Alben findet sich auf dem 2003 erschienen Album „Sara K. The Chesky Collection“.

Normalerweise sind Alben der texanischen Sängerin recht homogen gestaltet, in sich geschlossene Aufnahmen, bei denen sich Stück an Stück zu einem Gesamtbild vereint. Anders formuliert, die Titel einer CD sind sich sehr ähnlich. Man merkt klar, in welcher Stimmungslage die Alben entstanden. Dieser „Nachteil“ tritt hier natürlich nicht so stark hervor. Denn diese Compilation umfasst 15 Lieder von sechs CDs, wobei die Zusammenstellung sehr spannend ist. Klar, jeder hat wahrscheinlich andere Lieblingstitel, aber die Auswahl, die hier getroffen wurde, entspricht nicht unbedingt dem üblichen Muster einer Best of-Compilation, bei der alle „Hits“ zu einem neuen Album zusammengefasst werden. Vielmehr wurde die Auswahl mit viel Bedacht darauf getroffen, mit dieser Compilation ebenfalls ein sehr ausgewogenes, in sich stimmiges Album zu gestalten, das ein sehr gutes Bild davon abliefert, wie vielschichtig das Werk von Sara K. ist.

Hier haben die Produzenten David und Norman Chesky, der für die Compilation und deren Mastering hauptverantwortliche Nicholas Prout und Lisa J. Marks also wirklich hervorragende Arbeit geleistet.

Selbstverständlich umfasst die Zusammenstellung hauptsächlich Werke, die komplett von Sara K. stammen. Bereichert wird die Compilation aber auch mit Stücken, bei denen Sara K. nur als Interpretin von Werken anderer Musiker auftritt. So findet sich unter anderem „Vincent“ von Don McLean auf diesem Album, dem Sara K. ebenso neue Facetten abringt, wie „Whipping Post“ von dem Allman Brothers.

Die meisten Stücke auf dieser Compilation kommen mit sehr reduzierten Arrangements aus. Zumeist steht Saras Stimme im Vordergrund, nur unterlegt mit ihrem Gitarrenspiel. Manchmal wird dies sparsam mit kleiner Begleitband angereichert, in der unter anderem auch der langjährige Freund der Künstlerin, der Folk- und Jazz-Gitarrist Bruce Dunlap, mitwirkt.

Eigentlich wäre es nicht nötig, wir wollen aber dennoch auf die ausgezeichnete Aufnahmetechnik hinweisen, die alle Alben von Chesky Records, aber natürlich auch ganz besonders diese Compilation von Sara K. auszeichnet. Je nach Album saßen Bob Katz oder Barry Wolifson während der Aufnahmesessions am Mischpult. Stattgefunden haben die meisten Aufnahmen für Sara K‘s Alben übrigens in einer Kirche, und zwar der St. Peter‘s Church mitten in Manhattan. Sara K. bezeichnete diese Kirche als Ort der Ruhe und unbedingter Konzentration. Man gehe durch die Tür, und der Rest der Welt sei nicht mehr existent, so Sara K. über die nicht unbedingt gewöhnliche Location für die Aufnahmen ihrer Jahre bei Chesky Records.

Besonders hervorheben möchten wir abschließend, dass in diesem Fall auch das Booklet nicht nur einfach ein schön gestalteter Beipackzettel ist. Vielmehr wurden nicht nur alle Songtexte in das Booklet aufgenommen, es finden sich auch kurze Erläuterungen zu den einzelnen Alben.

Nicht nur aus diesem Grund sei diese Compilation allen Freunden des Singer/Songwriter-Genres ans Herz gelegt. Sara K. ist ein exzellentes Beispiel dafür, dass gerade bei sogenannten audiophilen Alben die Musik im Vordergrund stehen sollte, und nicht allein das perfekte technische Handwerk der Tontechniker. Dies wird leider allzu oft vergessen, hier eindrucksvoll belegt. Die Tontechnik ist ein Werkzeug, um das Beste aus Sara K‘s Songperlen herauszuholen. Insofern eignet sich dieses Album perfekt, um Sara K. für sich zu entdecken.

Michael Holzinger

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