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Sir Oliver Mally und Ripoff Raskolnikov im RadioKulturhaus

Sir Oliver Mally, einer der renommiertesten Vertreter des Blues in Österreich, und Ripoff Raskolnikov, wohl am ehesten dem Genre Singer/Songwriter zuzuordnen, aber mit einer sehr ausgeprägten Leidenschaft für den Blues, gaben sich am Abend des 6. Juni 2014 gemeinsam die Ehre, und zwar im RadioKulturhaus in Wien.

Von Michael Holzinger (mh)
07.06.2014

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Eins stand bereits vorab fest, es sollte ein einmaliger Abend werden, der Freitag, 6. Juni 2014, denn mit Sir Oliver Mally und Ripoff Raskolnikov trafen zwei Ausnahmekünstler zusammen, von denen bereits jeder für sich allein ein Erlebnis ist, gemeinsam musste man wohl von einem wahren Gipfeltreffen des österreichischen Blues sprechen, das im Grossen Sendesaal des ORF RadioKulturhaus abgehalten werden sollte. Und es war nicht weniger als das, denn von einem Konzert im herkömmlichen Sinne durfte man nicht sprechen, es war vielmehr ein Ereignis.

Sowohl Ripoff Raskolnikov als auch Sir Oliver Mally müssen als überaus charismatische Künstler bezeichnet werden, die stets absolut authentisch und überzeugend ihre Leidenschaft für Musik zum Ausdruck bringen. Dies gilt einerseits für ihre erstklassigen Aufnahmen, aber allen voran für die Darbietung im Rahmen ihrer Live-Auftritte. Jeder für sich ist bereits ein Erlebnis der ganz außergewöhnlichen Art, in diesem Fall aber standen sie beide auf der Bühne des RadioKulturhaus in Wien.

Der steirische Musiker Sir Oliver Mally ist seit Jahr und Tag einer der renommiertesten Blues-Größen Österreichs, und längst weit über die Grenzen hinaus als ein Künstler bekannt, der sich zwar an all den Großen des Genres orientierte, und akribisch von diesen lernte, die verschiedensten Einflüsse aber auf einzigartige Art und Weise zu etwas Neuem, zu etwas ganz persönlichen verband, und aus dieser Vielfalt seine eigenen Songs erschuf.

Ripoff Raskolnikov wird zwar dem Genre Singer/Songwriter zugeordnet, doch bekanntermaßen ist die Verbindung zu Blues & Roots eine sehr unmittelbare, bei wenigen Musikern wohl so direkt, wie bei dem ebenfalls in der Steiermark lebenden Künstler. Auch er widmet sich hauptsächlich eigenen Songs, die keinerlei Vergleiche mit seinen großen Vorbildern aus dem Singer/Songwriter-Genre, aber nicht dem Blues scheuen müssen. Selbst wenn er sich als Hommage Werken anderer Musiker annimmt, so stehen diese zumeist geradezu gleichberechtigt neben dem Original.

Doch zunächst fand sich Oliver Mally allein auf der Bühne des RadioKulturhauses ein. In gewohnt lockerer Art moderierte er den Abend an, und als er das erste Mal in die Saiten seiner „alten Dame“, sprich der Gitarre griff, war bereits klar, hier stimmt einfach alles. Leider haben wir keine Ahnung, wer an diesem Abend am Mischpult des RadioKulturhaus saß und seinen Dienst verrichtete, eins aber steht fest, es war ein wahrer Meister seines Fachs. Es war, als würde man im eigenen Wohnzimmer ein feines HiFi-System nutzen, allerdings musste man sich diesmal nicht vorstellen, dass der Künstler vor einem im Raum steht, denn da saß ja nun tatsächlich einer der exzellentesten Blues-Musiker des Landes, und wurde einmal mehr seinem Ruf vollends gerecht.

Selbst wenn es zunächst ein Song aus der Feder Bob Dylans war, gab es in Folge allerallerfeinsten Blues, zumeist allein aus der Feder der darbietenden Künstler, aber stets einfach zum Genießen, und zwar jeden Takt, jede einzelne Note, jeden Augenblick!

Daran änderte sich auch nichts, als in Folge auch Ripoff Raskolnikov die Bühne betrat, und gemeinsam mit Sir Oliver Mally einige Songs bestritt, wobei Raskolnikov zu diesem Zeitpunkt noch als Sideman fungierte. Doch dies sollte sich nach der Pause ändern, denn da gehörte zunächst Ripoff Raskolnikov die Bühne allein. Und einmal mehr bewies auch er, dass das Genre Singer/ Songwriter sehr, sehr nah beim Blues angesiedelt sein kann, diese zwei „Welten“ gar auf wunderbare Art und Weise geradezu verschmelzen können. Zumal Ripoff Raskolnikov das Tempo merklich steigerte, und so manchen Song voller Inbrunst und geradezu energiegeladen in den Raum schmetterte. Herrlich! Das war Leidenschaft pur! Und so blieb es auch, als sich erneut Sir Oliver Mally zu Ripoff Raskolnikov auf die Bühne gesellte, sodass die beiden herausragenden Künstler den Abend gemeinsam zu Ende führten.

Um es nochmals zu unterstreichen, es war nicht einfach nur ein erstklassiges Konzert, es war ein Erlebnis der ganz außergewöhnlichen Art. Unvergesslich, und hoffentlich bald wieder in dieser Konstellation zu genießen! Bitte!

PS: Eins sei abschließend an die Adresse von Ripoff Raskolnikov gesagt: Künftig darf Raskolnikov nicht mehr behaupten, er hätte in Wien 13 Fans. Spätestens seit diesem Abend sind es ein paar mehr, einige mehr. Verbrieft gehört ab sofort zumindest die sempre-audio.at Redaktion dazu! Und der Sir, tja, den hatten wir ohnedies bereits seit langem schon allein auf Grund seiner famosen Alben ins Herz geschlossen. Aber live... tja, wer nicht dabei war...