Foto © Sony Europe Limited

Sony HAP-Z1ES im Test - Ein unkonventioneller, selbstbewusster Ansatz…

Sony überzeugte bereits im ersten Teil dieses „Doppel-Testberichts“ mit seinem spartanisch audiophilen Vollverstärker Sony TA-A1ES. Wie sich der ebenso brandneue Festplatten-Player Sony HAP-Z1ES schlägt, möchten wir hier erläutern. Gelingt es dem Player mit seinem doch ungewöhnlichen Konzept gegenüber der Vielzahl an Streaming-Clients zu bestehen? Gelingt Sony mit diesem Konzept ein wirklich großer Wurf?

Kurz gesagt...

Sony zelebriert seinen Wiedereinstieg ins HiFi-Segment mit einem Produkt, das scheinbar gegen den Trend konzipiert wurde. Der Sony HAP-Z1ES ist nämlich kein weiterer Streaming-Client, sondern ein reinrassiger Festplatten-Player, ausgelegt auf die Bedürfnisse selbst anspruchsvoller Musik-Enthusiasten.

Wir meinen...

Der Sony HAP-Z1ES ist bewusst kein Streaming-Client, und zeigt sich dem Musik Liebhaber somit als eigenständige Geräte-Kategorie. Er lädt zwar die Musik via Netzwerk auf ein internes Laufwerk, agiert dann aber als eigenständige Lösung, die keinerlei Infrastruktur benötigt, und somit tatsächlich 1:1 einen herkömmlichen CD bzw. Super Audio CD-Player ersetzt, dabei aber einige „Schmankerl“ bereit hält, und zwar den Komfort, als auch die Klangqualität betreffend.

Von Jürgen Weber-Rom (jwr)
05.02.2014

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sempre-audio.at Empfehlung der Redaktion
„Sony is back“, so titelten wir im ersten Teil dieses Doppel-Testberichtes zum Comeback der legendären „ES“ Serie der Sony Corporation Japan, in Europa vertreten durch Sony Europe Limited. Während der brandneue Vollverstärker Sony TA-A1ES auf Anhieb zu begeistern vermochte, und während des Testzeitraumes die anfänglichen positiven Eindrücke immer mehr vertiefte, so sollte der gegenständliche Festplatten-Player, welcher auf die Bezeichnung Sony HAP-Z1ES hört, anfangs etwas enttäuschen. So manche Komponenten wollen anfangs einfach nur gebeten werden. Wie sooft kommt es dann doch ganz anders, aber schön der Reihe nach.

Der Harddisk Drive Player, man nennt ihn so, weil er keinen klassischen Streaming-Client darstellt, sondern seine Musikdaten ausschließlich von einer internen 1 TByte Festplatte kredenzt, stellt sich dem qualitätsverliebten Musikliebhaber mit dem selben edlen silbernen Erscheinungsbild, wie sein verstärkendes Pendant, der Vollverstärker Sony TA-A1ES. Der Player gliedert sich perfekt mit seinen Maßen, 43 cm x 13 cm und 42 cm in der Tiefe, also dem sogenannten 43 Zentimeter-Rastermaß, in jedwede bestehende Anlagenkonfiguration ein - bildet aber auch gerne mit dem famosen Vollverstärker ein minimalistisches High-end Musiksystem für jede Art von Musik, und stellt damit optisch wie technologisch die perfekte Ergänzung zum hauseigenen Vollverstärker dar. Wie der Vollverstärker weiß der HDD-Player mit einer nahezu perfekten Verarbeitung zu glänzen. Das Gewicht von ca. 15 kg belegt diesen hohen Anspruch. Neben dem massiven und dem Label „ES“ würdigen rigiden Gehäuse, welches mit massiven Alu-Seitenprofilen nachdrücklich der Schwerkraft folgen möchte, trägt das stabile, aus zwei Netz-Trafos bestehende Netzteil, samt eigener Spannungsstabilisierung für die jeweils kanalgetrennten DAC- und Ausgangssektion, maßgeblich zu dem hohen Gewicht bei. Intern ist das Gerät mit mehreren isolierten Platinen für die jeweilige Aufgabe gerüstet, aufgebaut. Vorteilhaft, wenn mal ein Servicefall vorliegen sollte, denn durch die Modulbauweise können schadhafte Teile, so der Fall, rasch und ohne großen Aufwand getauscht werden. Anschlussseitig lassen sich eine weitere USB-Festplatte zur Erweiterung des internen Speicherplatzes anschließen, während das Heim-Netzwerk per LAN oder integriertem WLAN Empfangsmodul eingebunden wird. Zusätzlich bietet der HAP-Z1ES auch einen Remote-Anschluss an, um auch den Verstärker TA-A1ES mittels App vom Smartphone oder Tablet steuern zu können. Dieser verfügt natürlich selbst über keine Netzwerk-Anbindung, über den Umweg des Sony HAP-Z1ES klappt dies aber doch, zumindest für die wesentlichen Steuerbefehle. Alternativ gibt es natürlich die edle Handfernbedienung für die Grundfunktionen des Players, sowie eine Lautstärkeregelung.

Leider stellt die Konnektivität gleichzeitig auch einen sehr wesentlichen Nachteil dar – es fehlen weitere digitale Eingänge. Zudem ist der Player leider nicht in der Lage, als Streaming-Client zu fungieren, aber auch Streaming-Dienste wie Spotify können über den HAP-Z1ES nicht konsumiert werden. Lediglich ein Internet Radio ist auf Basis des Anbieters vTuner vorhanden.

So erscheint das Konzept leider in heutigen Zeiten unvollständig, zumindest auf den ersten Blick. Der HDD-Player will aber gar nicht als Multimedia-Zentrale verstanden werden, er ist genau genommen eine Quellkomponente, die ein in sich geschlossenes System darstellt. Der HAP-Z1ES lässt sich gerne mit Zuspielern wie einem CD- und SACD-Player vergleichen, ohne jedoch ein eigenes Laufwerk zu besitzen. Aber Sony wäre nicht Sony, wenn dieser „heldenhafte“ spartanische Alleingang aus technisch-funktionaler Sicht nicht doch Potential für ein „Aha“-Erlebnis erlauben würde.

Formatseitig ist so ziemlich alles erlaubt, was hinlänglich am Markt an Musik-Dateien angeboten wird. Der HD-Player verdaut dabei FLAC, WAV, WMA, AIFF, ALAC, ATRAC, MP3 und AAC, sowie die Sony eigenen High-res Formate DSD64 und DSD128. Die maximale Auflösung hierbei beträgt im PCM-Format 24 Bit und 192 kHz und im DSD Format, wie bereits beschrieben, bis zu 5,6 MHz bei DSD128.

Nachdem man das Gerät ausgepackt und an die bestehende Anlage über die analogen RCA- (Cinch) oder die symmetrischen XLR-Anschlüsse angeschlossen hat, darüber hinaus auch Kontakt mit dem Netzwerk hergestellt ist, kann es eigentlich schon los gehen. Der HDD-Player wird nach Anschluss an das Heimnetzwerk umgehend als weiteres „Laufwerk“ erkannt, und steht nach den Netzwerkfreigaben mit allen üblichen Funktionen zur Verfügung.

Nach Anwahl der Festplatte des HDD-Players im Windows Explorer kann man prompt mit den „Musik-Transferarbeiten“ beginnen, und auf diesem Wege den internen Speicher, also die 1 TByte fassende Festplatte des Sony HAP-Z1ES befüllen. Da es sich bei dem Testprobanden um das Messe-Vorführmodell der Firma Sony handelt, fand ich auch etliche Musikdateien, welche Sony Mitarbeiter für die Messe vorbereitet haben. Damit Eigentumsrechte gewahrt bleiben, habe ich kurzer Hand einen eigenen sempre-audio.at Ordner am Laufwerk angelegt, um so meine Testmusik getrennt von andern Dateien zu speichern. Ich muss hier an dieser Stelle festhalten, dass auch ungeübte IT Anwender, wie ich, ohne jedwede Probleme den Sony HDD-Player in ein PC-Netzwerk einbinden können, aber auch aus organisatorischen Gründen problemlos eigene Dateien am internen Laufwerk des Players erstellen können.

Ein HiFi-Gerät, dass sich wie ein moderner PC einbinden und konfigurieren lässt, ist eine wirklich praktikable Angelegenheit. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie geht der Aufbau der Musik-Datenbank auf dem HDD-Player vonstatten, leider fungiert der Player ja nicht als Client. Das Kopieren der eigenen Musikdateien lässt sich auf zwei Arten nebenher erledigen, wobei beide Varianten extrem betriebssicher und einfach ausgeführt sind. Auf der einen Seite arbeitet man mit dem Windows Explorer und verschiebt bzw. kopiert die Musik-Files einfach in das entsprechende Ziellaufwerk (der Sony HAP-Z1ES), und wartet, bis der Kopiervorgang erledigt ist. Oder aber man bedient sich des Programms Sony HAP Music Transfer, welches für Microsoft Windows Anwender, wie auch für Apple OS X auf der Sony Homepage zum Gratis-Download angeboten wird. Das Programm stellt eine Benutzeroberfläche dar, die es dem Anwender ermöglicht, den angeschlossenen HAP-Z1ES mit einem hohen Automatisierungsgrad permanent mit Musikdateien zu versorgen. Dazu wählt man in diesem Tool den Quellordner aus, welcher als Standardordner mit dem Empfänger kommunizieren soll. Mit eigens einstellbaren Arbeitszeitpunkten wird der HDD-Player regelmäßig mit den Musikdateien aktualisiert, welche am PC bzw. Mac in diesen Ordner verschoben wurden. Es findet damit also eine Synchronisation statt, die ganz nebenbei die Aufgabe einer Datensicherung übernimmt. Einfacher geht es fast nicht mehr, bedingt aber, dass die „Quelle“, also der PC bzw. Mac in Betrieb ist, wenn Daten abgeglichen werden sollen. Für die Wiedergabe selbst wird aber durch dieses Konzept kein PC oder Mac benötigt.

Die Bedienung und die Funktionen, die verschiedene Wiedergabemodi beinhalten, sind am Gerät selbst, aber auch über besagte App für Tablets und Smartphones anzuwählen. Die Bedienung am Gerät selbst ist nicht umständlich, aber mit den Nachteilen einer mehrschichtigen Menü-Führung verbunden. So führt der Wunsch nach einer speziellen Einstellung durchaus durch mehrere Menü-Ebenen. Gänzlich anders verhalten sich hier die Apps. Diese bieten nicht nur den Vorteil, dass das Gerät bequem vom Sofa aus gesteuert werden kann, es geht damit auch deutlich intuitiver von der Hand. Vorbei erscheinen die Zeiten der irrwitzigen Fernbedienungen, die mit 30 oder mehr, vielfach belegten Tasten den Anwender in den Wahnsinn treiben. Besagte App hört auf den Namen Sony HDD Audio Remote und eröffnet dem Musikliebhaber einen unkomplizierten Zugang zu seinem neu erstandenen HAP-Z1ES.

Nach dem Antippen des Icons auf dem Display des Smartphones verbindet sich die App mit dem bereits eingeschalteten Festplatten-Player und öffnet die Benutzeroberfläche. Das Menü beinhaltet Grundeinstellungen und Schaltflächen für die Grundfunktionen wie Auswahl nach Genres, nach Interpreten, Alben, Titel, aber auch funktionale Wiedergabefunktionen wie Wiedergabelisten, Auswahl der Favoriten und auch stimmungsorientierte Einsortierung der eigenen Musik-Datenbanken. Weiters steht dem Anwender natürlich das bereits erwähnte Internet Radio auf Basis vTuner zur Verfügung. Während die Auswahl des Genre, des Interpreten und Alben selbsterklärend sind, bedarf die sogenannte SensMe Channel-Wiedergabe doch genauerer Erklärung.

Anfangs habe ich die Funktion doch etwas belächelt, denn ich weiß ja ganz genau welche Musik zu meiner aktuellen Stimmung passt, und eine Unterteilung in „Nacht“, „Tag“, „Mittags“, aber auch „Emotional“, „Chillout“ und „Tanz“ mag mir doch etwas skurril erscheinen. Ist nicht jeder Mensch anders? Ich entspanne mich zwar nicht mit Hardrock und Trashmetal, aber entspannende Meditations-Musik verleitet mich dann doch eher zum umgehenden Eindringen in das Land der Träume.

Nun – diese Funktionalität ist nett, aber bestimmt nicht für jeden Musikliebhaber in der gleichen Weise anzuwenden. Hier ist ein Ausprobieren ratsam. Die Auswahl der Musiklieferungen an den Verstärker und Lautsprecher gelingt nachvollziehbar unterschiedlich, ob man sich mit dem Genre der propagierten Stimmung vollinhaltlich identifizieren kann, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Ob man das nun negativ sehen möchte, kann gerne kontrovers diskutiert werden.

Die Auswahl über den Interpreten brachte mir persönlich dann doch den größten Nutzen. Speziell wenn man bereits umfangreiche Datenbanken angelegt hat. Die Track List zeigte die Interpreten nach dem Alphabet sortiert an. Zu den jeweiligen Interpreten wird die Anzahl der gespeicherten Tracks angezeigt, so habe ich beispielsweise von Alphaville 52 Tracks auf drei Alben in meiner Liste verzeichnet. Nach der Auswahl des Interpreten wechselt man in das Untermenü und sieht in Folge die einzelnen Alben, welche dann direkt zur Musikwiedergabe führen. In der Album-Ansicht zeigt die App die einzelnen Liedtitel mit dem dazugehörigen Datenformat und Auflösung des Musik-Signals und natürlich die Spielzeit an. Auf meiner Liste der Lieblingsfunktionen steht gleich nach der praktischen Alben-Ansicht die Wiedergabeliste. Neben den Unterfunktionen wie „neu hinzugefügt“ und „am häufigsten/seltensten abgespielt“ kann man individuelle Wunschlisten erzeugen. Hierzu wählt man die entsprechende Funktion „neue Playlist erstellen“ und gelangt nach der Namensvergabe sogleich in die Auswahl der Titel. Man markiert die ausgewählten Lieder und speichert diese direkt in der App ab.

Ich gehe deshalb derart ausführlich auf diese Funktionalität der App ein, damit klar wird, dass man durch das gewählte Konzept von Sony eigentlich auf nichts verzichten muss. All diese beschriebenen Funktionen erledigt man bei herkömmlichen Streaming-Lösungen zumeist direkt am PC oder Mac, bei manchen kann man es auch direkt über eine App abarbeiten. Hier stehen all diese überaus wichtigen Funktionen ebenfalls über die App zur Verfügung, und werden direkt vom Sony HAP-Z1ES verwaltet.



Zudem erlaubt er auch ein sehr detailliertes Verwalten anhand der so genannten ID-Tags, wobei der Anwender durch eine automatische Anbindung an den Dienst Gracenote unterstützt wird. Dies klappt beim Sony HAP-Z1ES überaus gut, sodass fehlende Daten automatisch „nachgebessert“ werden.

Wiedergabeseitig hält Sony mit dem neuen Festplatten-Player auch einige audiophile „Schmankerl“ bereit. Konkret geht es um die Thematik High-res und das Sony eigene DSD-Format. Digitale Medien lassen sich groß in zwei unterschiedliche Technologien unterteilen. Auf der einen Seite wäre da das Format PCM, es ermöglicht den Toningenieur das Musiksignal in vielen Spuren aufzunehmen, zu mischen und nach zu bearbeiten, was bei DSD so nicht möglich ist. DSD ist idealerweise auf ein analoges Master zurück zu führen, denn genau dafür wurde es ursprünglich von Sony entwickelt, nämlich als Archiv-Format. So sollte man dem Datenformat DSD auf einer PCM-basierenden digitalen Produktion doch mit etwas Skepsis begegnen, denn da wurde konvertiert. Man kann also nicht von einer nativen DSD-Aufnahme sprechen.

Der Festplatten-Player Sony HAP-Z1ES verarbeitet grundsätzlich jedes Format, wie Eingangs bereits aufgelistet, aber macht genau dass, was wir eben angeführt haben, er konvertiert eine PCM-Datei in Echtzeit ins DSD-Format. In dieser Form bietet das keine andere Komponente eines Mitbewerbers am Markt an. Auch wenn ein konvertiertes PCM-Signal keineswegs zu einem nativen DSD wird, so profitiert die Klangqualität erstaunlicherweise in diesem Fall doch enorm von diesem „Kunstgriff“, wohl nicht bei jedwedem Quellmaterial, aber unterm Strich bei den meisten Aufnahmen in unserem Test.

Ich bedaure etwas den Umstand, dass Sony diese Funktion nicht bedeutsamer propagiert, denn verdient hätte sich die Funktion eine angemessene Werbung allemal. Ein weiteres trickreiches und sehr hilfreiches Ausstattungsmerkmal ist die sogenannte Sony DSEE-Funktion, welche sich automatisch zuschalten lässt. DSEE steht für den englischen Begriff „digital sound enhancement engine“ und soll bei komprimierten Musikdateien verlorene Frequenzbereiche wieder herstellen. Konkret soll hier der Sony HAP-Z1ES das komprimierte Signal eines MP3-Files zum Beispiel wieder zu einem „vollwertigen“ PCM-Signal wandeln, dass zusätzlich vor der Rückwandlung in das analoge Signal nochmals ins DSD-Format konvertiert wird. Kryptisch und umständlich, aber es funktioniert klanglich nachvollziehbar.

Der Festplatten-Player HAP-Z1ES von Sony ist ein veritables Rechengenie, das die Geschlossenheit des Systems nachvollziehbar erscheinen lässt. Sie erinnern sich, der HDD-Player gibt nur ein fertiges analoges Signal aus, und verweigert jeglichen digitalen Bluttransfer zu einem AV-Receiver via HDMI Schnittstelle, oder über sonstige digitale Ausgabeformate an einen anderen externen DAC. Ob dies nun gut oder schlecht empfunden wird, es unterstreicht doch einen gewissen Minimalismus und fördert damit einmal mehr ein sehr forsches Alleinstellungsmerkmal unter den Herstellern erlesener Audio-Wiedergabegeräte. Selbstbewusst prägt hier allein die Signalverarbeitung des Sony HAP-Z1ES das Klangbild, und lässt sich dabei nicht ins Handwerk „pfuschen“.

Nun bevor ich es noch vergesse, es gibt ja noch die Internet Radio-Funktion. Eigentlich führt der moderne Nachfolger des FM Tuners, und natürlich des niemals richtig gelebten DAB Tuner, ein Schattendasein. Ich frage mich, wer das intensiv nutzt. Eigentlich wäre ich so ein potentieller Kandidat, denn ich sehe mich in der Tat schon seit geraumer Zeit nach einem schicken und wertig verarbeiteten Radioteil um. Mein Lieblingshersteller für periphere Quellgeräte, wie ich einen FM Tuner gerne bezeichne, lässt mich im Stich. Er bietet einfach keinen an, lediglich in seinen Streaming-Clients inkludiert er einen Internet Tuner. Ok, Sie werden einwerfen, dass ein Internet Tuner zumindest theoretisch besser klingt, und auch viel mehr Sender anbieten kann, als auf herkömmlichen Wege regional empfangbar sind. Gut, Sie sehen mich zähneknirschend Ihnen Recht geben, aber wer benötigt mehrere tausend Radioinhalte weltweit? Wozu eine relativ gute Auflösung und Bandbreite gegenüber FM Radio? Wozu die Anzeige der Datenrate, als Rückschluss auf die Klangqualität? Und natürlich wozu soll man eine vielschichtige Vorsortierung nach öffentlich rechtlichen Sendern und Privatanstalten, aber auch einer modernen Playlist entsprechenden Genre-Sortierung benutzen, wenn man die paar empfangbaren FM Sender sowieso nach Sendernamen unterscheiden kann? Sie lesen ja bereits meine Selbstironie heraus, und damit habe ich bereits die Antwort auf einige Fragen zu der zusätzlichen Funktionalität im Sony Festplatten-Player gegeben. Er hat die Funktionsgruppe Internet Tuner mit an Bord, und bietet unzählige Sender via vTuner in einer zumeist exzellenten Klangqualität an. Selbst mein letztes Argument zu Gunsten des altehrwürdigen FM Radios hebelt er augenzwinkernd aus, nämlich die Zugriffszeiten. Ich kenne das moderne Internet Radio nur mit langen Wartezeiten, bis der Client einen konstanten Stream mit dem „Sender“ hergestellt hat und der musikalische und unterhaltsame Fluss „läuft“. Eine Minute ist ja leider keine Seltenheit. Der Sony erledigt die Verbindung in ein paar Sekunden - zwei oder drei um genau zu sein. Genau so verhält es sich mit der gesamten Bedienung des Ausnahme-Players. Ok, einen CD-Player schaltet man ein, öffnet die Lade um eine CD einzulegen, und spielt die Musik ab. Im Normalfall ein Vorgang, der nur Sekunden andauert. Ein Client, ein netzwerkbasierender Zonen-Player, aber auch ein Blu-ray Player fahren hoch, sie booten, sie konfigurieren und verbringen ausreichend Gedenk-MINUTEN, um sich in einen spielbereiten Zustand zu transferieren. Der Sony HP-Z1ES wird eingeschaltet, und ist nach circa 5 Sekunden mit jedem Inhalt spielbereit. Ein weiteres Argument, warum ich Sonys systemtechnische Introvertiertheit gelassen sehe.

Was ist aber klanglich zu erwarten? Immerhin wollen für den Player knallharte, unerbittliche € 1.999.- über die Ladentheke gewuchtet werden. Eines vorweg, die knapp € 2.000,- sind noch immer viel, aber trotzdem preiswert, wenn man auf Klangqualität hohen Wert legt. Sie merken es schon, ich leide noch immer an der fehlenden Streaming-Möglichkeit, insbesondere Streaming-Dienste wie Spotify fehlen mir persönlich hier ganz besonders.

Aber mein Leid ist keines mehr, denn der feine Sony HDD-Player hat mich klanglich versöhnt. Versöhnt mit einer authentischen und ausgesprochen feingeistigen Spielweise ohne grobdynamische Schlachten außen vor zu lassen. Im Vergleich zu einem (teuren und edlen) CD-Spieler kann er durch aus Schritt halten, diesen aber mit seiner DSD Konvertierung aller niederrangen Signalauflösungen und nativen DSD-Musikstücken gekonnt ausspielen. Gleichpreisige, aber auch ein etwas teurere CD/SACD Spieler haben hier deutliche Probleme sich abzusetzen. Dann fehlt den reinrassigen Disc-Playern auch noch ein Internet Tuner, mit sensationellen Zugriffszeiten. Ach ja, Sie müssen auch noch aufstehen und eine neue CD einlegen, während Sie beim Sony HAP-Z1ES einfach sitzen bleiben, und auf locker 2.000 CDs bequem mittels App über ein Smartphone oder Tablet zugreifen können. Sollte das noch zu wenig Speicherplatz für Ihre wertvolle Musiksammlung darstellen, können Sie über die USB-Schnittstelle auf der Rückseite eine weitere Festplatte anschließen. Vermutlich ausreichend auch für den nicht mehr ganz durchschnittlichen Musikliebhaber.



Der HDD-Player bildet die Klangbühne sehr selbstbewusst aus, ohne dabei einen natürlichen Rahmen zu sprengen, wie man ihn unter normalen raumakustischen Bedingungen zu Hause erwarten darf. Ein MP3-Musikstück über die interne Rechenmaschine des HDD-Players aufgearbeitet, gerät feinzeichnend mit einer gelungenen Raumausleuchtung, wobei die Klangfarben angenehm ohne grobe Struktur transportiert werden. Ein Musikstück im verlustfreien FLAC-Format gerät schon ohne DSD-Konvertierung zu einem Hochgenuss und lässt klanglich nichts anbrennen. Der zuschaltbare DSD Nachbrenner erzeugt noch eine zusätzliche Geschlossenheit und Selbstverständlichkeit in allen Tonlagen. Streichinstrumente gewinnen an Intimität und Natürlichkeit. Großorchestrale Werke verzeichnen ein deutliches Plus an Durchhörbarkeit und Verständlichkeit. Die Instrumentengruppen rücken etwas aus einander und präsentieren sich präziser. Es verbleibt mehr „Raum“ für die feinen Zwischentöne. Das Sesselrücken und das Einstimmen der Musiker zu Beginn eines Konzertes erfährt eine sehr authentische Zusatznote.



Habe ich Nachteile gefunden? Nichts schlimmes, das von einem Kauf abraten lässt. Zugriffszeiten auf die Medien sind erfreulicherweise fast nicht vorhanden. Er klingt atemberaubend gut, und dreht sehr vielen Klangkollegen eine lange Nase. Die Aufarbeitung geringwertiger Daten-Formate gelingt nachvollziehbar mit einem echten klanglichen Mehrwert. Der Internet Tuner ist eine komfortable Einrichtung, zumal andere Protagonisten am Markt mit „anspruchsvollen“ Such- und Ladezeiten glänzen. Der Tuner klingt hervorragend, wenn die Datenquelle es hergibt. Die Datenverwaltung kann man nicht mehr einfacher gestalten. Die Apps für die mobilen Devices laufen stabil, sehr stabil sogar. Ich habe das für Sie ausprobiert. Man braucht nur durchgehend fünfzehn Minuten ein Gerät mit unzähligen Befehlen überschütten um es, und die dazugehörigen Apps, treffsicher abstürzen zu lassen. Es ist mir nicht gelungen. Metadaten werden nach Aktualisierung der Musikdatenbank selbständig gesucht und gefunden. Wieder kein Kritikpunkt, es gelingt einfach.



Aber um nun doch eine paar Kritikpunkte aufzulisten: Es fehlt leider eine digitale Schnittstelle, sei es HDMI für einen topmodernen AV-Receiver, oder ein herkömmliches Format für einen fremden D/A-Wandler. Dazu kann man sich bei einem Gerät dieser Preisklasse über die fehlende Netzwerk Streaming-Funktionalität echauffieren. Aber das wäre unfair, denn es ist ganz bewusst ein geschlossenes System - Punkt! Bleibt noch abzuwarten, ob noch weitere Geräte aus der neuen Sony ES-Serie folgen. Ich vermisse eine ausgefeilte Vor- Endstufen Kombination, vielleicht sogar ein Paar kräftige, leistungsfähige Mono-Verstärker, aber eben auch einen Streaming-Client. Um meine Sony ES-Leidenschaft aus den 90er Jahren zu frönen, würde ich mir einen topmodernen SACD-Player wünschen, auch wenn es keinen technischen und klanglichen Grund mehr gibt, einen klassischen Player zu betreiben. Ich fürchte, dass der Sony HAP-Z1ES nach Ansicht von Sony exakt diesen ersetzen soll… Aber Holz-Seitenteile in Verbindung mit der legendären Champagner Gehäusefarbe, die darf ich mir doch bitte wünschen…

Auf den Punkt gebracht

Das von Sony gewählte, durchaus unkonventionelle Konzept des Sony HAP-Z1ES geht vollends auf. Hier handelt es sich nicht um einen Streaming-Client, sondern allein um einen Festplatten-Player, der zwar nicht gänzlich auf die IT verzichtet, für den eigentlichen Betrieb aber autark führt tatsächlich zu sehr überzeugenden Ergebnissen.

7,0 (Sehr Gut)

The Good

  • Intelligente Ausstattung
  • perfekte Verarbeitung
  • fein differenzierter Klang
  • flächendeckend erhältlich. Mehr als ausreichend Speicherplatz
  • sogar erweiterbar. Hochwirksame Klangpolitur bei geringwertigen Formaten. Bei nativem DSD von einem analogen Masterband erstellt
  • schlicht sensationell. Sehr stabiles Betriebssystem und Apps.

The Bad

  • Nur analoge Ausgänge. Keine schwarze Gehäusevariante erhältlich.

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