The Beatles Live at the Hollywood Bowl

Bereits im Jahr 1977 veröffentlichte Capitol Records das Album „The Beatles at the Hollywod Bowl“, ein Mitschnitt der Konzerte aus dem Jahr 1964 und 1965. Nun steht mit „The Beatles Live at the Hollywood Bowl“ ein aufwendig produziertes Remaster zur Verfügung.

Von Michael Holzinger (mh)
10.09.2016

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Es war am absoluten Höhepunkt der so genannten Beatlemania, die sich in ihrer extremsten Ausprägung insbesondere bei den Live-Konzerten der The Beatles in den USA zeigte, als die vier Musiker aus Liverpool zunächst im Jahre 1964 in der legendären Hollywood Bowl auftraten. Nahezu exakt ein Jahr später machten sie im Rahmen einer weiteren US-Tournee erneut in Los Angeles Station, erneut in der Hollywood Bowl in den Hügeln der kalifornischen Metropole in 2301 North Highland Avenue.

Was die Formation The Beatles jeden Tag aufs Neue mit ihren Auftritten bei ihrem Publikum auslösten, war bislang völlig unbekannt. Selbst andere Stars, wie etwa Elvis Presley, die ebenfalls dafür gerühmt wurden, ihr Publikum in Ekstase zu versetzen, konnten eine derartige nahezu schon außer Kontrolle geratene, überbordende Euophorie nicht einmal auch nur annähernd bewirken. Was sich während der Konzerte der The Beatles abspielte, kann durchaus mit einer Massenhysterie gleichgesetzt werden.

Zahllose Dokumentationen widmeten sich bereits diesem Phänomen, nun erneut der Dokumentar-Film von Ron Howard, „The Beatles: Eight days a week“.

Zeitgleich mit diesem Film präsentiert man nunmehr das Album „The Beatles Live at the Hollywood Bowl“, das genau die zwei zuvor beschriebenen Konzerte umfasst, die die Liverpooler Formation im August 1964 und ein Jahr darauf im August 1965 in Los Angeles gaben.

Es ist keineswegs das erste derartige Album, bereits im Jahr 1977 veröffentlichte Capitol Records in den USA und Parlaphone in Europa einen Live-Mitschnitt dieser beiden Konzerte, seinerzeit aber als „The Beatles at the Hollywod Bowl“, wobei niemand geringerer als Sir George Martin die Verantwortung für diese Produktion übernahm.

Er gab seinerzeit zu Protokoll, dass die beiden Konzerte in Los Angeles unter extremsten Bedingungen stattfanden, die Aufnahmen dazu somit ebenfalls, und eigentlich zu nicht mehr gedacht waren, um diese beiden Konzert-Ereignisse einfach irgendwie auf Band festzuhalten. Daher setzte man allein auf eine Dreispur-Aufnahme, und zwar ohne wirklich großartigen weiteren technischen Aufwand.

Bereits für diese Aufnahme nahm Sir George Martin ein aufwendiges Remixing und Remastering vor, was mit der Überspielung der Dreispur-Aufnahmen auf moderne Multitrack-Recording-Systeme begann, und zu umfangreichem Filtering, EQing usw. führte. Es sei ein Projekt gewesen, dass man zunächst allein aus Liebe an der Musik begann, denn es war völlig offen, ob all der Aufwand dazu führen würde, tatsächlich ein Resultat zu erzielen, das „good enough for the world to hear“ sein würde, so Sir George Martin wörtlich.

Nun ja, aus technischer Sicht haben Sir George Martin und sein Techniker Geoff Emerick damals wohl unbestritten feinste Arbeit geleistet, denn das Album „The Beatles at the Hollywod Bowl“ aus dem Jahr 1977 klingt zumindest aus technischer Sicht nicht schlecht.

Allein, was die Bewertung der musikalische Qualität der Darbietung betrifft, so steht dies auf einem gänzlich anderen Blatt. Dieses Album ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, warum es die vier Musiker, die über die wenigen Jahre der intensivsten Live-Perfomances rund um den Globus gereift waren, es schließlich schlichtweg satt hatten, Konzerte unter derartigen Bedingungen zu geben. Mehr noch, sie haben es gehasst, allen voran etwa John Lennon.

Trotz aufwendigster Neuabmischung und Remaster ist das wohl für die Musiker vor Ort ohrenbetäubende Geschrei und Gekreische über das ganze Album präsent und teils gar richtig dominierend. Dies solche Dimensionen angenommen haben, dass die Musiker selbst nicht mehr hörten, was sie selbst spielten, geschweige denn, was die anderen auf der Bühne machten. Das erklärt auch, dass etwa allen voran John und Paul eigentlich streckenweise nur irgendwas ins Mikrofon schreien, von Gesang kann man teils gar nicht mehr sprechen. Manches mal sei es derart ernüchtern gewesen, dass die Musiker gar nur noch irgendwas spielten oder gar irgendwie auf ihre Instrumente einschlugen, weil es ohnedies unerheblich, gleichgültig war.

Dass dies alles der musikalischen Qualität keineswegs zuträglich ist, ist wohl verständlich. Somit ist „„The Beatles at the Hollywod Bowl“ allen voran als Zeitdokument zu werten und wird wohl bei so manchem eingeschorenen Fan der The Beatles genau aus diesem Grund im Regal stehen. So auch in der Redaktion von sempre-audio.

Warum man also nun erneut daran ging, sich dieses Material vorzuknöpfen, und es erneut auf den Markt zu bringen, dürfte wohl allen voran ganz banale finanzielle Interessen haben, diese Unterstellung wagen wir nun aufzustellen.

Da hilft es wenig, dass für das erneute Remaster Giles Martin verantwortlich zeichnet, der Sohn von Sir George Martin. Dieser führt an, dass sich die Möglichkeiten der Technik gegenüber 1977 massiv erweiterten und verbesserten, er somit auf gänzlich neuem Niveau arbeiten hätte können, als dies seinem Vater möglich war. Man setzte etwa auf die so genannte Demix-Technology, um die Musik vom Gekreische des Publikums zu separieren. Zudem habe man bei Capitol Records neue Dreispur-Bänder entdeckt, die deutlich besser im Schuss waren, als jene, die im Londoner Archiv aufbewahrt wurden, und die 1977 die Grundlage für das Remaster bildeten. So war es möglich, auf dem neuen Release ein paar neue, bislang nicht veröffentlichte Tracks zu präsentieren.

Ganz ehrlich, man hätte sich den Aufwand sparen können, einen wirklich entscheidenden Unterschied macht dieser nämlich in der Praxis nicht! Schließlich wird dadurch die Qualität der Darbietung selbst nicht besser. Eigentlich stehen somit auch in der neuesten Version allen voran die 17.000 Fans in der Hollywood Bowl im Mittelpunkt, denn deren Geschrei ist nach wie vor sehr präsent, und nicht das Geschehen auf der Bühne. Insofern gilt wohl auch für dieses neue Album, dass es hauptsächlich als Zeitdokument dient, nicht mehr, nicht weniger…

PS: Das auf dem Bild abgelichtete Album ist natürlich nicht das neue Remaster. Ehrlich gesagt, wir ersparen uns das Neue nach den ersten Hörbproben und sind ganz zufrieden mit dem abgebildetem Original aus dem Jahr 1977, das ja nach wie vor zu durchaus attraktiven Preisen auch als Vinyl angeboten wird.

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Cover

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Facts

Album

The Beatles Live at the Hollywood Bowl

Künstler

The Beatles

Komponist

The Beatles, Diverse

Genre

Pop

Jahr

2016

Format

Audio CD, Download, Vinyl

Photo highlights

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The Beatles Live at the Hollywood Bowl: Giles Martin nahm sich das Original-Material in Form von Dreispur-Bändern vor und unterzog es einem De-Mixing, Remixing und Remaster
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The Beatles Live at the Hollywood Bowl: Hier das Album aus dem Jahr 1977, bei dem Giles Martins Vater, niemand geringerer also als Sir George Martin selbst das Remixing und Remaster übernommen hatte.