The Rocky Horror Picture Show Soundtrack auf Vinyl

Es gibt wohl wenige Filme, die man bereits anhand einer einzigen Textzeile erkennt. „Play it again, Sam“, ist etwa unzertrennlich mit „Casablanca“ verbunden, „Yippie-ya-yeah, Schweinebacke“ aus der „Die hard“-Reihe wird wohl als der markanteste Satz Bruce Willis in Erinnerung bleiben, und „It's astounding, time is fleeting...“ reicht völlig, um die dazu passenden Bilder aus „The Rocky Horror Picture Show“ sofort ins Gedächtnis zu rufen.

Von Michael Holzinger (mh)
15.10.2013

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„The Rocky Horror Picture Show“, also jener Film, der auf Basis des Bühnenstücks „The Rocky Horror Show“ entstand, gilt längst als absoluter Kultfilm. Wobei der Begriff „Kultfilm“ hier noch in seiner ursprünglichen Form gilt, denn heutzutage gilt ja alles, was mit entsprechender Marketing-Power gepusht wird, sofort als Kultfilm, sodass der Begriff, wie so viele andere, geradezu inflationär verwendet wird.


Und dieser Status kam keineswegs von einem Tag auf den anderen, vielmehr galt „The Rocky Horror Picture Show“ zunächst schon als veritabler Flop, als der ab Oktober 1974 gedrehte Film im Jahr 1975 erstmals in die Kinos kam.

Dabei wäre der Erfolg wohl nach Ansicht der Produzenten vorprogrammiert, schließlich war zu dieser Zeit das Bühnenstück „The Rocky Horror Show“ überaus erfolgreich, und zwar nicht nur in Großbritannien, sondern ebenso in den USA.

Richard O‘Brien erschuf mit diesem zunächst als Musical konzipierten Stück sein Meisterwerk, denn bis heute konnte er in keinster Weise an diesen Erfolg auch nur annähernd anknüpfen. Nicht nur, dass er hier eine geradezu skurrile Welt und eine gar abstruse Handlung kreierte, er schrieb sich selbst, wohl ohne es zu planen, mit der Rolle des Riff Raff geradezu eine Paraderolle, die keiner so ausfüllte und zum Leben erweckte, wie er selbst.

Die gesamte Show ist eine bunte Mischung aus Anspielungen an verschiedenste B-Movies, überspitzt formuliert ist es die Glorifizierung des Trash, die als Grundlage für Handlung als auch die in deren Rahmen agierenden Charaktere dient. O‘Brien weidet dabei geradezu genüsslich in Klischees, etwa das junge Paar, Brad Majors und dessen Verlobte Janet Weiss, ein Abbild von Unschuld pur, das auf die frivole, der Lüsternheit frönende Welt des Dr. Frank N. Furter und dessen zunächst unterwürfiges Gefolge trifft - Riff Raff, Magenta und Columbia. Den absolut durchgeknallten Rock‘n‘Roll Junkie Eddie, oder den muskelstrotzenden Liebesklaven Frank N. Furters, Rocky. Oder der Wissenschaftler und Lehrer Dr. Everett Scott („...or should I say Dr. von Scott?“), dessen Akzent allein sofort Rückschlüsse auf etwa Wernher von Braun und dessen ganz spezielle Geschichte nahe legt, bis hin zum stocksteifen Kriminologen, einem Briten ganz, ganz alter Schule, der als Erzähler fungiert.

Was also auf der Bühne perfekt funktionierte, dass musste doch auch als Film ankommen, zumal man hier noch ausgiebiger mit Klischees und Bezügen zu Klassikern des B-Movie Genres spielen kann.

Aber dem war nicht so, zumindest nicht zu Beginn. Der immerhin von 20th Century Fox produzierte Film unter der Regie von Jim Sharman sowie Richard O‘Brien floppte. Und das, obwohl nahezu die komplette Besetzung der Bühnenshow übernommen wurde, allen voran Tim Curry als Frank N. Furter, Richard O‘Brien als Riff Raff, Little Nell als Columbia und Patricia Queen als Magenta sowie Jonathan Adams als Dr. Everett Scott. Sie alle stammten von der Londoner Besetzung des Stücks, aus Los Angeles wurde ein damals völlig unbekannter Künstler hinzugezogen, der aber perfekt die Rolle des Eddie verkörperte: Meat Loaf.

Apropos unbekannt, das Studio entschloss sich, auch für zwei weitere Hauptrollen zwei damals nahezu gänzlich unbekannte Schauspieler zu engagieren: Susan Sarandon als Janet, und Barry Bostwick als Brad Majors.

In den englischen Bray Studios fand man die perfekte Location, denn diese waren seinerzeit auf Horror Movies spezialisiert, man konnte also auch diesbezüglich aus dem Vollen schöpfen.

Dennoch, zunächst wollte der Film nahezu niemand begeistern. Fast wäre er sang und klanglos wieder abgesetzt worden, hätte sich nicht binnen kürzester Zeit eine stetig wachsende Fangemeinde gefunden, die zumindest dazu führte, dass man von Seiten der Studios nach ein paar Umbearbeitungen einen Neuanfang wagte. Allerdings wurde der Film nunmehr zu sehr später Stunde angesetzt, und genau das war das Erfolgsrezept - „...at the latenight, double feature picture show“

Die immer schneller anwachsende Fangemeinde ging mitunter täglich ins Kino, und mit der Zeit konnten natürlich alle jede Textzeile auswendig, und anstatt diese nur leise mitzuflüstern, wurde eifrig mitgesungen, mitgesprochen. So wurde nach und nach aus jeder Filmvorführung ein Event. Besucher teilten sich die Rollen auf, kleideten sich wie diese, und agierten vor der Leinwand, während auf dieser der Film lief. Klopapierrollen flogen durchs Kino, Popcorn, Reis, Toast, Konfettis, an den richtigen Stellen wurden Regenschirme aufgespannt, Gummihandschuhe an- und ausgezogen, Partyhüte aufgesetzt, und, und, und... Die Show im Publikum war zumeist fast ebenso skurril, wie jene im Film.

Und wer denkt, dies alles sei ein Phänomen der 70er, der irrt. Nach wie vor wird in so manchen Kinos regelmässig ein Midnight Movie rund um die „Rocky Horror Picture Show“ zelebriert. Allen voran im Museum Lichtspiele in München, wo man seit dem 29. September 1977 bis heute dieses Spektakel treu blieb. Ja, selbst jedwede herkömmliche Musical-Aufführung der „Rocky Horror Show“ kommt heute nicht ohne diese rund um den Film entwickelten Rituale im Publikum aus, mitunter etwas zum Leidwesen der Schauspieler, die es gelegentlich nicht ganz so zu schätzen wissen, wenn ihnen Klopapierrollen entgegen fliegen. Der Schauspieler, der den Part des Erzählers übernimmt, der muss aber in jedem Fall ausreichend Nerven beweisen, und einfach damit leben, dass ihn das Publikum aus Prinzip „boring“ findet...

Kurzum, „Rocky Horror“ ist Kult, ob auf der Bühne, oder als Film. Und dies gilt natürlich auch für den Soundtrack, den wohl auch nicht so enthusiastische Fans über weite Strecken auswendig kennen, in jedem Fall gewisse Schlüsselszenen, etwa den einleitend erwähnten Beginn des „Time Warp“.

Zunächst erschien dieser Soundtrack in den 70ern natürlich auf Vinyl, und zwar in den verschiedensten Versionen, etwa als Colored Vinyl oder gar als Picture Disc. Dann folgte die herkömmliche CD. Nun aber, da steht erneut eine Neuauflage des Albums in der weitestgehend von der Original-Version übernommenen Fassung zur Verfügung. Auf dem Album findet man also erfreulicherweise keine Bonus-Tracks, und das Cover entspricht eins zu eins dem Original.

Auch wenn der Autor dieser Zeilen natürlich das Original auf Vinyl im Regal stehen hat, auch die Audio CD sein Eigen nennt und die Blu-ray des Films stets griffbereit hat, ja sogar eine dieser Picture Disc gehört zur Sammlung, wurde die nunmehr erhältliche Vinyl-Fassung dennoch erneut geordert. Schließlich zeigt die Original-Fassung nach all den Jahren intensivstem Gebrauch doch schon ein paar Abnützungserscheinungen.

Und welch freudige Überraschung, die neue Ausgabe entpuppte sich als "Rocky Horror Picture Show" Colored Vinyl. Sie präsentiert sich als famose, halbtransparent rote Schallplatte, die an sich eine sehr gute Pressqualität aufweist. Gut, an ein paar „Produktionsreste“ haben wir uns ja fast schon gewöhnt, und ein erster „Waschgang“ vorm Spielen gehört leider auch hier dazu, zudem sollte man das scheußliche Innen-Cover aus Papier gegen ein hochwertiges tauschen, aber dann, dann ist es wie „damals“.

I've tasted blood and I want more...

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