Foto © Jesse England

The Universal Record - Das „Missing Link“ zwischen IT und Vinyl?

Hätte Jesse England The Universal Record am 1. April angekündigt, wäre es wohl als ein durchaus veritabler April-Scherz durchgegangen. Doch irgendwie ist das durchaus ernst gemeint, zumindest als eine Art Kunst-Projekt, das Fragen aufwerfen soll, die sich eigentlich niemand stellte…

Von Michael Holzinger (mh)
15.04.2015

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Zugegeben, sieht man sich das bisherige Schaffen des Künstlers und Tüftlers Jesse England ein wenig genauer an, dann dürfte man zu der Erkenntnis gelangen, dass so manches, was er bislang präsentierte, nicht allzu ernst gemeint ist. Angesichts dessen kann man wohl auch sein neuestes Projekt irgendwo zwischen Kunstprojekt und, nun, nennen wir es Machbarkeitsstudie einordnen. Ein reales Produkt wird es wohl kaum werden, und wenn doch, dann ist es ganz klar in die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht…“ einzuordnen.

Auf den ersten Blick würde es ja auch als famoser April-Scherz taugen, aber dann wäre der US-Amerikaner aus Pittsburgh mit seiner Ankündigung ein paar Tage zu spät dran…

The Universal Record

The Universal Record, die England nunmehr präsentiert, soll nichts anderes ermöglichen, als die Funktionalität moderner Streaming-Lösungen mit dem Zauber von Vinyl zu verbinden. Die Intension des Tüftlers sei es, die komplette Musik-Sammlung in digitaler Form über Schallplattenspieler zugänglich zu machen. Dafür entwickelte er eine eigentlich banal wirkende Plastik-Box, die sich in Form einer Single präsentiert, nur ein wenig höher ausgefallen ist, denn in ihrem Inneren steckt zunächst ein Bluetooth Modul, über das mobile Devices als Quelle dienen können. Über einen akustisch-elektrischen Wandler an der Oberseite, auf den der Tonabnehmer des Schallplattenspielers aufgesetzt wird, werden die Signale über Schwingungen auf die Nadel übertragen, die wiederum diese mechanischen Informationen in elektrische Signale wandelt und damit einem HiFi-System zugänglich macht.

The Universal Record - Das „Missing Link“ zwischen IT und Vinyl?

Allein aus dieser Erklärung sollte klar sein - mit Verlaub - welch Schwachsinn dieses gesamte Projekt im Kern eigentlich ist.

So gibt Jesse England an, dass er die The Universal Record als Projekt versteht, das zum Nachdenken anregen soll. So wirft er die Frage auf, was mit all den modernen Arten des Musikhörens gewonnen wird, gleichzeitig dadurch aber auch verloren geht…

Hand aufs Herz, haben Sie, werte Leser, sich diese Frage tatsächlich jemals gestellt? Und nun, da sie von Jesse England gestellt wird, interessiert Sie wirklich eine mögliche Antwort darauf?

Nun der Autor dieser Zeilen hält es dann doch eher ganz pragmatisch, denn in Wahrheit muss man rein gar nichts aufgeben, um Neues nutzen zu können. Streaming in allen Formen kann problemlos neben der bewährten Musik-Wiedergabe über Audio CD oder eben auch Schallplatte bestehen. Je nach Lust und Laune, je nach Anforderung, ja, je nach Musik die gerade gespielt werden soll, wird entweder das Streaming-System aktiviert, oder landet eine Schallplatte auf dem Dreher…

Nun ja, zumindest gelang es Jesse England, den wohl bislang niemand kannte, mit dieser Idee weltweit Schlagzeilen zu machen. Frei nach Andy Warhol: „….everybody will be world famous for 15 minutes“

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