Trenner & Friedl The Duke 2010 - Ein Lebenswerk!

Im Jahr 1994 gründeten Peter Trenner und Andreas Friedl eine Lautsprecher-Manufaktur, deren Ziel es war, einen der besten, wenn nicht gar den absolut besten Lautsprecher überhaupt zu entwickeln. Eine Zielsetzung, die sich auch zahllose andere Klangtüftler setzen, aber das wunderbare an der Welt der HiFi ist ja, dass es die absolute, allgemein gültige Perfektion ohnedies nicht gibt.

Von Michael Holzinger (mh)
03.02.2011

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Zumal Definitionen wie „das Beste“ oder „absolute Referenz“ durch immer neue Entwicklungen im steten Wandel sind. Dass, was heute noch als State-of-the-art gilt, kann morgen schon längst überholt sein. Und zwar schon allein deshalb, weil die eigenen Ansprüche stetig wachsen, je intensiver man sich mit einer Thematik, einer Problemstellung oder Aufgabe auseinander setzt.

So erging es auch Peter Trenner und Andreas Friedl bei der Entwicklung ihres Traums, dem nach ihren Vorstellungen perfekten Lautsprecher. „...immer dann, wenn wir das Gefühl hatten, jetzt endlich sind wir soweit, verschob sich unser Horizont ein Stückchen nach vorn, und die Suche nach dem "Endgültigen" ging weiter“, so die Klangtüftler selbst über die Entstehungsgeschichte des Duke. Die Messlatte für das „Absolute“ wurde über die Jahre immer höher gelegt, die Finalisierung des Projekts auf unbestimmte Zeit verschoben, sodass der ursprünglich als erster Lautsprecher geplante Duke erst im Jahre 2000 präsentiert wurde. Sechs Jahre nahm die Entwicklung dieses in jeder Beziehung außergewöhnlichen Lautsprechers somit in Anspruch.

Und dennoch, der Duke von Trenner & Friedl mag wohl tatsächlich einer der besten Lautsprecher überhaupt gewesen sein, und nach wie vor sein. Doch mit den Jahren wuchsen erneut die Ansprüche, die die beiden Klangtüftlern selbst an sich stellen, sodass über die Zeit offensichtlich der Drang größer wurde, den Duke „next generation“ zu entwickeln.

„Seit ziemlich genau einem Jahr arbeite ich mehr oder weniger fast ausschließlich am Duke „next generation“. Die vorangehenden Recherche zog sich Jahre dahin.“ sagt Andreas Friedl. Vor allem die letzten Wochen vor der endgültigen Fertigstellung standen Arbeitstage mit 16 Stunden am Plan, aber nun sei es vollbracht. „Der Duke ist zum jetzigen Zeitpunkt so etwas wie mein Lautsprecher-Lebenswerk. Ein Höhepunkt in der Firmengeschichte!“ so Andreas Friedl abschließend.

The Duke... allein der Name verheisst Großes, kann es doch nichts anderes sein, als eine Hommage an einen der genialsten Musiker überhaupt, den 1974 verstorbenen Duke Ellington.

Die wohl größte Herausforderung für die beiden österreichischen Klangtüftler war aber wohl, ihr bisheriges Meisterwerk aus dem Jahr 2000 nochmals zu übertreffen. Denn nach wie vor galt es, das bereits im Jahr 1994 festgeschriebene Pflichtenheft zu erfüllen, allerdings mit Hinblick aus den über inzwischen nahezu 16 Jahren Lautsprecherentwicklung selbst gestiegenen Ansprüchen. Duke sollte sich durch absolute Präzision auszeichnen und zwar bei der zeitlichen Wiedergabe, der tonalen sowie der dynamischen Wiedergabe von Musik. Denn ursprünglich, so der Plan, sollte der Duke nicht weniger sein, als ein akustisches Elektronenraster-Mikroskop für die Musikproduktionen von Peter Trenner und Andreas Friedl.

Seine Prämiere feierte der neue Duke übrigens auf der CES 2011 in Las Vegas, wobei allein der Transport des Lautsprecher-Systems in die Wüstenstadt von Nevada eine logistische Meisterleistung erforderte. Kein Wunder, schließlich kann man den Duke von Trenner & Friedl schon allein auf Grund seiner beeindruckenden Abmessungen und des Gewichts eigentlich nicht nach den Massstäben herkömmlicher Lautsprecher beurteilen. Selten passte es besser, ein Lautsprecher-System als solches zu bezeichnen. Denn es handelt sich tatsächlich um ein komplexes System, das in Summe den Duke von Trenner & Friedl ergibt.

So besteht das System aus zahlreichen Komponenten, allein schon aus mehreren Chassis, in denen die zahlreichen Treiber untergebracht sind. Bei den Gehäusen setzten die Entwickler auf einen ihrer Ansicht nach relativ leichten, aber extrem steifen Materialmix aus Bambus-Sandwich sowie Birkenholz, die in bewährter Weise von Tischlermeistern in Handarbeit gefertigt werden. Man habe zudem, zumindest bei den Gehäusen auf allzuviel Hightech-Materialien wie Aluminium oder Stahl verzichtet, und zwar aus rein klanglichen Gründen. Dazu passt auch, dass die Fronten mit feinstem Leder bespannt sind, wobei man hier mit einem Anbieter zusammenarbeitete, der sich auf die Veredelung feinster Nobelkarossen spezialisierte und somit ein entsprechendes Know how im Umgang mit diesem Naturwerkstoff einbringen konnte.

Jeder „Lautsprecher“ verfügt über zwei Bassmodule, die als eine eigens entwickelte Mischform aus Horn-Resonator und Bass-Reflex-System mit 14 Kanälen sandwichartig aufgebaut sind und somit, so Peter Trenner, die Seitenwände geradezu abartig versteifen.

Dieses System allein sei bereits derart komplex, dass die Simulations-Rechner der österreichischen Lautsprecher-Manufaktur bis zu 30 Minuten pro Simulation benötigten. Üblich sei hier eine Berechnungszeit von rund zwei Minuten, um einen Vergleichswert zu nennen. Es seien hunderte Schritte bis zum Endergebnis erforderlich gewesen.

Trenner & Friedl setzen im untersten Frequenzbereich auf 12 Zoll Tieftöner die in Zusammenarbeit mit SB Acoustics entwickelt wurden und Membranen aus Kartonwaben mit Glasfaserarmierung aufweisen. So soll ein deutlich geringeres Gewicht und ebenso deutlich geringere Eigenresonanzen gegenüber üblichen Aluwaben erzielt werden. Angetrieben werden die Membranen von großen Schwingspulen mit lediglich 12 Ohm, sodass in Summe eine, so die Entwickler, röhrenfreundliche Impedanz erzielt wird. Zudem seien die Körbe, wo immer möglich, hinterlüftet.

Die Gehäuse der Tieftöner sind laut Herstellerangaben im goldenen Schnitt und somit innen völlig symmetrisch aufgebaut um Taumelbewegungen der Membranen zu verhindern. Um die Schallableitung zu den Ports zu verbessern werden die Gehäuse innen nach hinten hin größer. Allein die Woofer bringen es übrigens bereits auf ein Gewicht von 10 kg.

Auf dem oberen der beiden Tiefton-Module wird über eine Justage-Vorrichtung das Mittelhochton-Modul aufgesetzt, um so das System im Zeitverhalten perfekt auf den jeweiligen Raum anpassen zu können. Die Module sind über je drei Kugeln unterschiedlicher Härte miteinander verbunden, sodass die Schallleitung an verschiedenen Punkten mit unterschiedlicher Geschwindigkeit stattfindet, wobei die Ankoppelung im Gehäuse selbst, quasi als „Kugellager, über Hartholzstäbe erfolgt.

Auch die Treiber im Mittelhochton-Modul sind völlig symmetrisch eingebaut. Trenner & Friedl gingen hierbei sogar soweit, dass sie die Magneten der von Seas speziell für Duke gebauten Treiber mit Papyrus-Membran zum Zwecke der absoluten Symmetrie nachbauten. Diese Treiber sollen sich durch eine leichtere Schwingspule, ein Magnet-System aus einer AlNiCo-Legierung und einer akustisch völlig durchlässigen Zentrierspinne auszeichnen, die das freie Schwingen der Membrane erlaubt.

Der Aufwand, den die Lautsprecher-Manufaktur Duke angedeihen ließ, ist schier unglaublich. Dies äußert sich in Details wie einem Phaseplug aus gedrechseltem Ulmenholz ebenso wie dem beim Mittelhochton-Modul eingesetzten Isolationsmaterial. Dabei handelt es sich nämlich um einen eigens für diesen Zweck gewalkten Filz, der als so genannter akustischer Sumpf fungiert um den Druckausgleich zu gestatten, ohne allerdings Reflexionen durch die Wände nach Außen durch die dünnen und leichten Membranen dringen zu lassen. Selbstverständlich setzen Trenner & Friedl auch hierbei auf bewährte heimische Natur-Produkte, denn der Duke sei, wo immer möglich, ein „No-Metal-Speaker“. Somit stammt das Isolationsmaterial von steirischen Schafen...

Es versteht sich ja nach all den genannten Eckdaten geradezu als Selbstverständlichkeit, dass auch beim Hochton-Modul des Duke von Trenner & Friedl rein gar nichts „von der Stange“ kommt. So wird auch der Hochtöner, eine weitere Eigenentwicklung der Lautsprecher-Manufaktur, speziell für den Duke in Italien gefertigt. Er weise eine ultraharte, ziemlich große Titannitrid-Membrane auf und sei an ein speziell entwickeltes Traktrix-Horn angebunden und durch einen großen Neodymmagneten agetrieben, so Trenner & Friedl. So soll der Hochton-Treiber dynamisch „...nicht gegen den Mitteltöner abstinken“, so das Statement der Entwickler. Schon allein dieser Hochton-Treiber soll auf Achse bis über 40 kHz völlig verzerrungsfrei abdecken, aber damit begnügten sich Peter Trenner und Andreas Friedl natürlich nicht.

Denn über all dem thront noch ein Super-Hochtöner mit einer 360° Abstrahlung. Während der Entwicklung zeigte sich, dass Signale über 15 kHz so stark gebündelt sind, dass der optimale Klangeindruck lediglich an einem einzigen Punkt im Raum wahrnehmbar sei. Daher sei dieser zusätzliche Rund-Strahler geradezu Pflicht, zumal die Vorgabe für den Duke lautete, dass er Frequenzen bis 100 kHz abdecken sollte.

Dafür gaben Trenner & Friedl einen kleinen Hochtöner mit 19 mm Diamantmembran bei den Spezialisten von Thiel in Auftrag, dessen Schall von einem Bleikristall-Brillanten aus dem Hause Swarovski im Raum verteilt wird. Die besondere Schliffform habe sich als besonders günstig für diese Aufgabe erwiesen, so die Entwickler. Zudem gibt es dem Lautsprecher-System natürlich den entsprechenden letzten Schliff...

Auch bei den Frequenzweichen kommen natürlich nur handverlesene Komponenten und spezielle Lösungen zum Einsatz. So ist etwa jene des Mittelhochton-Moduls als passive Weiche ausgelegt, die zwar erstaunlich einfach, aber ebenfalls streng symmetrisch aufgebaut ist. Man experimentiere bereits seit geraumer Zeit mit einem derartigen Aufbau und sei davon überzeugt, dass diese Lösung zwar - offen gesagt - deutlich teurer sei, aber nur so ein optimales Ergebnis realisierbar ist, so Trenner & Friedl.

In den unteren Frequenz-Bereichen setzt man hingegen auf eine aktive Weiche, die - wen wundert‘s - natürlich ebenfalls symmetrisch aufgebaut ist und extrem rausch- und verzerrungsarm mit hoher Bandbreite arbeiten soll.

Bei allen Kabeln setzten Trenner & Friedl übrigens auf Produkte von Cardas Clear.

Wir ersparen uns an dieser Stelle eine umfangreiche Angabe der in diesem Zusammenhang ja geradezu als profan einzustufenden technischen Daten. Denn wen interessiert es am Ende des Tages in Anbetracht der Detailliebe wirklich, dass der Duke nach strengen technischen Massstäben einen Frequenzbereich von (zumindest) 20 Hz bis 80 kHz abdeckt, eine Impedanz von 8 Ohm sowie einen Empfindlichkeit von 92 dB bei den Mittelhochton-Modulen bzw. 93 dB bei den Bassmodulen aufweist und mit Abmessungen von 50 cm Breite, 80 cm Tiefe und 150 cm Höhe stolze 126 kg ohne Aktivweiche auf die Waage bringt.

Wer diese technischen Details ganz genau studieren möchte, der kann dies auf der Webseite von Trenner & Friedl tun. Wir erwähnen an dieser Stelle auch ganz bewusst keinen Preis, denn in Anbetracht der aufgeführten Ausstattungsmerkmale muss ohnedies klar sein, dass der Duke von Trenner & Friedl in jeder Beziehung ein absolut außergewöhnliches Lautsprecher-System darstellt, das sich jedwedem Vergleich, aber auch einer Klassifizierung anhand des Preises entzieht. Auch diesbezüglich verweisen wir kurzerhand an die Entwickler, die - soviel sei an dieser Stelle noch zu sagen - natürlich persönlich dafür Sorge tragen, dass wirklich jeder Duke perfekt spielt. So meint Andreas Friedl etwa: „Wer Duke kauft, kriegt mich dazu - und ich messe den Lautsprecher vor Ort ein.“

Michael Holzinger

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