Trio Lepschi „Warz und Schweiß“

Political Correctness ist sicher nichts für die Herren Stefan Slupetzky, Tomas Slupetzky und Martin Zrost, zumindest nicht dann, wenn sie als Trio Lepschi in Erscheinung treten. Und dies tun die Herren nunmehr etwa bereits mit ihrem dritten Album, das, so die Künstler, toll gefönt und leer gesungen, rau geschleimt und mild gewixt ist...

Von Michael Holzinger (mh)
20.06.2013

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Stefan Slupetzky, seines Zeichens Schriftsteller, der sich Romanen, Theaterstücken und Kurzgeschichten widmet, sein Bruder Tomas Slupetzky, hauptberuflich im Sozialbereich unterwegs, sowie der Musiker Martin Zrost kennen sich seit immerhin bereits 30 Jahren, wenngleich ihre Werdegänge ganz unterschiedlich verliefen. Das gemeinsame Musizieren aber hat sie immer schon verbunden. Nunmehr bilden sie das Trio Lepschi, das es auch schon auf drei Alben gebracht hat, wobei das neueste eben frisch aus der CD-Vervielfältigunsanstalt angeliefert wurde, wie es die Künstler ausdrücken.

Schon von den bisherigen Alben „Mit links“ sowie "z Tod gfiacht" ist klar, dass es die deri Herren nicht ganz so genau nehmen mit der so genannten Political Correctness, und dies durchaus mit einem stets präsentem Augenzwinkern geradezu zelebrieren. Dies gilt selbstverständlich auch für das neueste Werk, das Album „Warz und Schweiß“, wobei dieses nunmehr zumindest eine durchaus ernst zu nehmende Warnung aufweist.

So sei diese Aufnahme nicht mehr als das Produkt einer schweren Psychose, nicht mehr als der Auswurf eines chronischen geistigen Katarrhs, der, so die Künstler, leider nichts mit Katharsis zu tun habe. So leide die komplette Formation unter dem Zwang, sich Schüttelreimen hinzugeben, einem scheinbar nicht zu heilendem Leiden, das wohl auch Auswirkungen auf das soziale Umfeld nach sich zieht. Denn es gelinge dem davon Betroffenen nicht, diesen Zwang zu unterdrücken, und er sei geradezu dazu verdammt, sich in jedes sich bietende Sumpfloch des Unkorrekten und Obszönen zu stürzen. Wohl dem es gelinge, trotz dieser Krankheit sprachlich und auch menschlich nicht vollkommen zu verrohen. Dem Trio Lepschi ist diese Segnung nicht gegeben, wie auch das nunmehr dritte Album der Formation beweist. „Ohne eine Chance auf Linderung müssen wir jedes Wort so lange schnetzeln und pürieren, bis etwas Schlüpfriges, Brutales oder wenigstens Verschrobenes dabei herauskommt“, so die Künstler über ihr Schicksal.

Sie warnen zudem eindringlich davor, dass es sich hierbei um eine höchst ansteckende Krankheit handle, die sich geradezu perfide über Augen und Hörorgane übertrage. Mit diesem Hinweis hofft man, bei etwaigen Infektionen klag- und schadlos gehalten zu werden. Rein prophylaktisch, und wohl auf Anraten ihres Rechtsbeistands definieren die Musiker gleich vorweg Wien als Gerichtsstand...

Dieser Warnhinweis ist durchaus mit Bedacht angeführt, denn die Ansteckungsgefahr ist ob dieses „Teufelswerks“ geradezu eklatant groß. Immerhin 14 Stücke, allesamt verfasst in Form von Schüttelreimen, finden sich auf dem Tronträger „Warz und Schweiß“. Diese stammen zum überwiegenden Teil aus der Feder von Stefan Slupetzky, zwei steuerte Tomas Zrost bei.

Wie nicht anders zu erwarten, erweisen sich die drei Protagonisten auch hier als wahre Wortakrobaten, die mit viel Fingerspitzengefühl Themen wie einem belanglosem Besäufnis und dem damit einhergehendem Gemütszustand abarbeiten, einen Lokalaugenschein in einer Sauna wagen, Kochtips im Sinne einer optimierten Verdauung abgeben, kleine und auch größere Gauner ins Visier nehmen, das Wesen des Wienerliedes näher bringen und ihre Sicht der Welt vertonen. Es darf nicht erstaunen, dass dies alles mitunter ganz, ganz knapp an der Grenze zum Derben changiert, zumal es die Form des Schüttelreims ja geradezu nahelegt, und dies immer mit einem zwinkernden Auge rechtfertigt. Es ist die spezielle Kunst des Trios, dass man darüber nicht schamvoll errötet, sondern vielmehr herzhaft lacht. Gepaart mit einem überaus feinen Gespür für eine sehr reduzierte Instrumentierung bestehend aus Gitarre und geklopfter sowie gestrichener Säge, ein wenig Blockflöte, gelegentlich angereichert mit Klarinette, Saxophon, Cello, Zither und Akkordion bildet der Dreigesang eine gar gefährliche Mischung, die sich ohne Widerstand ihren Weg in die Hörgänge des Zuhörers bahnt.

Perfekt arrangiert wurde all dies von Martin Zrost, der auch für die Komposition verantwortlich zeichnet. Er übernahm auch die Aufgabe des Produzenten und erledigte die Aufnahme und den Schnitt. Die Abmischung und das Mastering erledigte Ollmann, wobei auch hier perfekte Arbeit geleistet wurde.


„Warz und Schweiß“ wird wohl einmal mehr vielfach in der Kategorie „Wienerlied“ zu finden sein, was wohl zu einem Gutteil auch zutreffen mag, denn nicht nur die spezielle Darbietung der Künstler, auch die Themen passen wohl zu keinem Ort der Welt derart gut, und irgendwie ist es ja auch erfreulich, dass man in dieser Stadt nicht immer allein bei Altbewährtem verharrt. Auch die Melancholie, die in vielen Liedern mitschwingt, ist fest mit der Gattung Wienerlied verbunden. Allerdings würde eine Festlegung allein auf dieses Genre viel zu kurz greifen, denn die Künstler bedienen sich derart vieler Details verschiedenster Genres, dass hier eine neue, immens bunte, wenn auch in eher gedeckteren Farben gehaltene Melange entsteht, die einfach hörenswert ist. Und sollte sich doch jemand ob der Texte peinlich berührt fühlen, so kann eventuell die „jugendliche Schönheit der Protagonisten“, wie diese ganz bescheiden festhalten, darüber hinwegtrösten...

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