Foto © Michael Holzinger - sempre-audio.at

Umfrage von Qobuz und Sony belegt: Das Album hat noch lange nicht ausgedient…

Wie eine aktuelle Umfrage, initiiert von Sony und dem Musik-Download-Portal Qobuz zeigt, hat das klassische Album noch lange nicht ausgedient. Immerhin nahezu die Hälfte der Befragten geben an, ein Album am Stück, also vom Anfang bis zum Ende zu hören, und sich nicht mit einzelnen Songs zu begnügen. Zudem ziehen immer mehr Kunden auch beim Download „CD-Qualität“ oder gar High-res Daten verlustbehafteten Formaten vor.

Kurz gesagt...

Einer aktuellen Umfrage von Sony und Qobuz zufolge hat das klassische Album nach wie vor einen hohen Stellenwert. Immerhin fast die Hälfte der Befragten gab an, ein Album tatsächlich in voller Länge zu hören.

Wir meinen...

Kein Grund zum Pessimismus, dies zumindest legt die aktuelle Umfrage von Sony und Qobuz nahe, derzufolge das klassische "Album" als Gesamtwerk nicht ausgedient hat, zumindest für eine doch erhebliche Anzahl an wahren Musik-Liebhabern. Diese genießen nach wie vor ein Album so, wie es vom Künstler erdacht und umgesetzt wurde. Allen voran dann, wenn auch die Qualität stimmt, man Audio-Daten also nicht in verlustbehafteter Form als MP3 vorgesetzt bekommt, sondern diese zumindest in "CD-Qualität", wenn nicht gar High-res Auflösung erwerben kann.

Von Michael Holzinger (mh)
21.11.2014

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Es war das US-amerikanische Unternehmen Apple, das mit dem Online Musik-Angebot Apple iTunes die Art und Weise der Musik-Distribution gravierend veränderte. Abgesehen davon, dass damit erstmals ein für jeden komfortabel nutzbares, kommerzielles, aber allen voran legales Online-Musikangebot zur Verfügung stand, das Musik zu attraktiven Preisen feilbot, brach das Unternehmen mit einer Tradition, die über Jahrzehnte hinweg unumstößlich war: erstmals konnte man Musik nicht nur in Form eines gesamten Albums erwerben, sondern tatsächlich einzelne Musik-Titel.

Dies stellte tatsächlich eine gravierende Änderung dar, die zwar von vielen Konsumenten begrüsst, von der Industrie, aber allen voran von den Künstlern selbst keineswegs wohlwollend aufgenommen wurde, sondern vielmehr für sehr kontroverse Diskussionen, und teils gar zu Boykotts des Angebots von Apple durch einige Musiker führte.

Nicht nur kategorische Pessimisten sahen mit dieser Entscheidung Apples das Konzept eines Albums insgesamt in Gefahr, abgesehen davon, dass damit wohl so manchen durchaus sehr relevante Einnahmen abhanden kamen, denn anstatt sich ein gesamtes Album zum regulären Preis zu kaufen, konnte sich der Kunde fortan allein die „Rosinen“ heraus picken, zu einem deutlich geringeren Preis, im Extremfall nur einen einzigen Songs von 10, 12, 16 oder gar noch mehr Titeln eines Albums.

Und tatsächlich, viele Kunden wählten genau diesen Weg, selbst auf die Gefahr hin, dass dabei so manche Song-Perle unentdeckt blieb, auf die man eben nur stößt, wenn man tatsächlich das gesamte Album kauft, und auch anhört. Ja, so mancher Song erschließt sich ja erst, wenn man ihn ein paarmal gehört hat…

Doch wie nun eine aktuelle Umfrage zeigt, dürfte es doch einen Hoffnungsschimmer geben. Initiiert wurde diese Umfrage vom japanischen Unterhaltungselektronik-Konzern Sony, und durchgeführt wurde sie in Zusammenarbeit mit dem Musik-Download-Portal Qobuz. Ein Portal, das sich allen voran dadurch von anderen Anbietern unterscheidet, dass hier Musik nicht nur in Form von verlustbehafteten MP3-Daten, sondern gegen entsprechenden Aufpreis in bestmöglicher Qualität angeboten wird, und zwar zumindest „CD-Qualität“ als FLAC mit 16 Bit und 44,1 kHz, aber ebenso, wenn immer vorhanden, auch in höherer Auflösung, als so genannte High-res Dateien. Nicht umsonst rühmt sich das französische Unternehmen, der erste Anbieter von Online-Musik in HiFi-Qualität zu sein.

Und genau diese Strategie scheint sich zu bewähren, denn wie die besagte Umfrage ergab, ist den Kunden dieses Dienstes Musik in ihrer Gesamtheit, also nicht nur die Quantität, sondern vor allem die Qualität und der Kontext, in dem ein Musik-Titel aus Sicht des Künstlers auf einem Album steht, tatsächlich besonders wichtig. Immerhin gaben bei dieser von Sony und Qobuz durchgeführten Befragung von 2.000 Qobuz-Kunden, die Musik herunter laden, rund die Hälfte (49 Prozent) an, dass sie ein Album zur Gänze hören, also vom Beginn bis zum Ende, anstatt nur einzelne Titel zu erwerben, und sich somit ausschließlich eigenen Playlists zu widmen. Interessant ist zudem, dass immerhin einer von vier Konsumenten, der Musik-Portale nutzt, nach wie vor fünf bis sogar zehn Musik-Alben pro Quartal kaufen. Zudem ziehen, dieser Umfrage zufolge, beachtliche 84 Prozent der befragten Konsumenten ein Album einer komprimierten Single vor, sofern dieses Album in so genannter High-res Qualität vorliegt. Qualität schlägt hier also doch ganz klar Quantität, schließlich könnte man sich ums gleiche Geld gut ein Dutzend Songs verschiedenster Künstler kaufen. Doch wie bereits beschrieben, dürfte der Kontext, in dem ein einzelner Song auf einem Album aus Sicht des Musikers oder der Band steht, für zumindest die Hälfte der Kunden nach wie vor überaus wesentlich sein, vor allem dann, wenn auch die rein technische Qualität passt - erfreulicherweise!

Natürlich ist der Erfolg aber auch vom Angebot abhängig. So kann Qobuz nicht zuletzt davon profitieren, dass immer mehr aktuelle Produktionen tatsächlich auch als High-res Download angeboten werden können, und auch zahllose Titel der so genannten Backkataloge erneut zumindest in „CD-Qualität“, wenn nicht gar ebenfalls als High-res Download zur Verfügung stehen. Schließlich wird seit Jahr und Tag in den Studios dieser Welt digital produziert, und zwar zumindest mit 24 Bit und etwa 96 kHz. Waren es im letzten Jahr nicht mehr als rund 1.500 Alben, so sollen inzwischen bereits rund 26.000 Alben als High-res Download zur Verfügung stehen, und zwar quer durch alle Genres, und nahezu täglich werden es mehr.

Einerseits wittern die Labels ein durchaus sehr lukratives Geschäftsfeld, und selbst aus Sicht der Künstler eröffnen sich hier gänzlich neue Möglichkeiten.

Tom Smith von der britischen Indie-Band The Editors, die nach Audio CD und Vinyl nun vorerst zwei ihrer gefeierten Alben am 19. November erstmals auch in High-res Audio veröffentlicht haben, meinte etwa anlässlich deren Präsentation in den Londoner Metropolis Studios: „Ich finde es großartig, dass die Fans jetzt die Möglichkeit bekommen, Musik mit wesentlich mehr Detailtiefe zu hören. Für einen Musiker ist es wirklich schön zu wissen, dass die Hörer alle Feinheiten der Aufnahmen genießen können, wenn sie dies möchten.“

Und selbst für die Unterhaltungselektronik-Industrie ergibt sich hier eine enorme Chance, denn schließlich bedarf es der entsprechenden Lösungen, die High-res Dateien auch in adäquater Form wiedergeben können. Dies soll keineswegs allein auf das High-end Segment beschränkt bleiben, sondern vielmehr einer möglichst breiten Kundenschicht zugänglich sein. Insofern ist es natürlich nachvollziehbar, dass etwa ein Konzern wie Sony großes Engagement im Bereich der Musikwiedergabe von High-res Daten zeigt. Gerade derart breit aufgestellte Konzerne wie eben Sony können ein enorm vielseitiges Produktsortiment über die verschiedensten Produktgruppen und durchaus auch Preisklassen hinweg anbieten. So rühmt sich Sony etwa, das mit Abstand umfangreichste Produktsortiment für die möglichst einfache, aber qualitativ dennoch besonders ansprechende Wiedergabe von Daten in hochauflösender Qualität anzubieten.

Alberto Ayala, Director of Vision and Sound bei Sony Europe, meint dazu: „Da es für die Konsumenten zunehmend wichtiger wird, Musik in optimaler, originalgetreuer Qualität hören zu können, arbeitet Sony stetig an der Entwicklung neuer Hi-Res Produkte. Wir sind überzeugt, dass das Musikalbum noch viele Generationen lang eine wichtige Rolle spielen wird, und Hi-Res wird hoffentlich dazu beitragen, diesen Fokus zu bewahren.“

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