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Und alles hört aufs Wort… Sprachsteuerung als Fluch oder Segen?

Foto © Amazon

Ein Thema scheint derzeit die komplette Unterhaltungselektronik zu dominieren, und zwar die Steuerung mittels Spracherkennungs-Lösungen wie Amazon Alexa, Google Assistant oder Apple Siri. Mehr noch, Sprachsteuerung soll die zentrale Verbindung im Smart Home sein, somit auch die komplette Haussteuerung mit einbeziehen. Kurzum, alles soll aufs Wort gehorchen. Doch worauf lässt man sich hiermit ein?

Kurz gesagt...

Sie sollen unsere täglichen Begleiter sein, die Sprach-Assistenten und Sprach-Erkennungslösungen, die uns Google, Apple und Amazon im Verbund mit Herstellern der Unterhaltungselektronik, Smart Home Lösungen und vielen weiteren Bereichen versuchen schmackhaft zu machen.

Wir meinen...

Sie locken mit Komfort und allseits verfügbaren Informationen, bieten sich bereitwillig an, uns unser Leben zu erleichtern, all dies allein auf Zuruf, tunlichst immer und überall, die Sprachsteuerungslösungen von Amazon, Google und Apple. Sie präsentieren sich unscheinbar in Lösungen der Unterhaltungselektronik, in unseren Smartphones und Tablets, und bald auch in Fahrzeugen, sind also omnipräsent und letztlich auf nichts anderes aus, als immer mehr über uns und unser Leben zu erfahren. Das ist letztlich der Preis, den wir für ihre Dienste zu entrichten haben. Ist dieser Preis zu hoch oder kann man sich darauf einlassen? Eine Entscheidung, die letztlich jeder für sich treffen muss…

Von Michael Holzinger (mh)
30.03.2018

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Seit Jahr und Tag ist die Industrie auf der Suche nach tunlichst innovativen, intuitiven Bedienkonzepten für Lösungen der Unterhaltungselektronik. Die klassische Fernbedienung allein soll es nicht mehr sein, schließlich werden die Systeme immer vielseitiger und damit auch komplexer, zumindest, wenn man nicht Alternativen vorsieht, die diese Funktionsvielfalt auch beherrschen.

Über Jahre hinweg fand man in der Verschmelzung mit mobilen Devices eine ideale Lösung, Smartphones und Tablets boten die beste Möglichkeit, all dieser neuen Funktionen Herr zu werden und über entsprechende Apps eine komfortable Steuerung zu garantieren. Diese mobilen Devices wurden damit essentieller Bestandteil nahezu jedes Bedienkonzepts, beginnend bei TV-Geräten, die ja nun ebenfalls „smart“ waren, über jedwedes Audio-System bis hin zu komplexen Multiroom Audio-Streaming-Lösungen.

Allerdings hat dies auch entscheidende Nachteile. Einerseits sorgte die zunehmende Vernetzung aller Lösungen im Haushalt dafür, dass eine wahre Flut an Apps über die Anwender hereinbrach. Zudem, im Gegensatz zu einer herkömmlichen Fernbedienung, die im Prinzip stets „betriebsbereit“ vor dem Anwender lag, und damit einfachste Funktionen wie etwa die Kontrolle der Lautstärke, Senderwechsel oder Wahl einer aktiven Quelle im wahrsten Sinne des Wortes auf Knopfdruck erledigte, sieht dies bei Apps auf Smartphones und Tablets ganz anders aus. Hier gilt es zunächst, die entsprechende App erst einmal zu starten, bevor auch nur das noch so simpelste Kommando abgesetzt werden kann.

Letztlich ist die Steuerung mittels Smartphones und Apps also auch nicht der Weisheit letzter Schluss… es muss noch simpler gehen.

Schon vor Jahren verfolgten daher erste Unternehmen einen Ansatz, der eigentlich nahe liegt, nämlich im Prinzip auf jedwedes Gerät zur Steuerung zu verzichten, vielmehr die Sprache direkt zur Steuerung heran zu ziehen. Spracherkennung zur Sprachsteuerung war also das erklärte Ziel. Allerdings scheiterten diese Ansätze kläglich, da die Erkennung schlichtweg nicht zufriedenstellend klappte.

Nun aber soll dies auf einem ganz anderen Niveau und mit viel größerer Tragweite möglich werden, zumal hinter den neuesten Lösungen wahre IT-Giganten stehen, die diese Entwicklung nun mit geballter Kraft voran treiben. Apple, Microsoft, Amazon und Google, dies sind allen voran die großen Player, die Spracherkennung und Sprachsteuerung als die große Revolution ausgerufen haben. Während Apple zunächst mit Apple Siri vorpreschte, dann aber ganz klar den Anschluss verlor, Microsoft Cortana auch irgendwie nicht wirklich in Gang kommen will, sind es derzeit insbesondere Google Assistant und Amazon Alexa, die die Entwicklung tatsächlich massiv voran treiben und zunehmend den Markt beherrschen.

Spannend an dieser Entwicklung ist, dass alle Giganten sich keineswegs auf einzelne Segmente konzentrieren, sie verfolgen vielmehr den Ansatz, dass Sprachsteuerung letztlich in möglichst alle unsere Lebensbereiche vordringt, überall und immer sollen wir auf Sprachsteuerung setzen können.

Dies beginnt natürlich bei der Unterhaltungselektronik, diese bietet schließlich längst alle Grundlagen dafür. Viele Lösungen der Unterhaltungselektronik sind vernetzt, setzen somit auf Dienste im lokalen Web und stellen die Schnittstelle zu Diensten im Internet dar. Dass sich Amazon, Google und auch Apple also allen voran die Produktgruppe kompakter All-in-One Speaker als zentrale Schnittstelle für die Integration in unsere Wohnungen auserkoren haben, ist geradezu genial. Google Home, Google Home Mini, Amazon Echo, Amazon Echo Dot, Amazon Echo Plus, Amazon Echo Spot und Amazon Echo Show, sowie zuguterletzt Apple HomePod, in dieser Form ziehen Sprachsteuerungssysteme in immer mehr Wohnzimmer ein. Ganz dezent, unscheinbar stehen sie da und lauschen im wahrsten Sinne jedem Wort unserer Lippen…

Während Apple sich wie so oft dazu entschloss, Apple Siri für sich allein zu nutzen, öffneten Google und Amazon ihre Technologien auch für andere Unternehmen, sodass inzwischen eine Vielzahl an Lösungen von renommierten Herstellern der Unterhaltungselektronik ebenfalls zur Verfügung steht, die sich ebenso als kompakte All-in-One Speaker präsentieren, und mit einer besseren Klangqualität überzeugen wollen. Im Kern steckt aber auch hier allen voran Amazon und Google…

Dass eine der wesentlichen Funktionen all dieser Speaker die Multiroom Audio-Streaming-Möglichkeit ist, ist kein Zufall. Dies soll uns dazu verleiten, nicht nur einen, sondern möglichst in jedem Raum ein derartiges Device zu platzieren. Musik in jedem Raum, auf Zuruf, darüber hinaus auch Möglichkeiten wie Gespräche von Raum zu Raum zu führen, gar Anrufe mit Freunden und Verwandten, die ebenfalls mit derartigen Lösungen ausgestattet sind, all dies spricht ja für eine möglichst flächendeckende Anwendung.

Zumal ja auch die direkte Schnittstelle zu weiteren Lösungen der Unterhaltungselektronik geboten wird, gar zu Haussteuerungssystemen wie Licht, Heizung, ja gar Sicherheitssystemen, sodass das so genannte Smart Home ebenfalls aufs Wort hört.

Doch selbst hier sind den Lösungen der IT-Giganten noch keine Grenzen gesetzt, man will viel, viel mehr. Übers Smartphone oder Tablet ist man ohnedies stets mit dabei, wohin auch immer der Anwender geht. Selbst im Auto soll die freundliche Stimme der Systeme unser ständiger Begleiter werden, damit auch die letzte Lücke geschlossen wird…

Dass man dabei keineswegs allein das hehre Ziel verfolgt, uns den Alltag zu erleichtern, ist wohl klar. Vielmehr ist der dabei versprochene Komfort, die Einfachheit und geradezu intuitive Anwendung der Köder, der uns dazu verleiten soll, uns auf diese Entwicklung einzulassen. Nur dadurch wird das eigentliche Ziel der Konzerne erreicht, nämlich im wahrsten Sinne des Wortes unser ständiger Begleiter zu sein, und damit letztlich lückenlos über uns, unsere Gewohnheiten, Vorlieben, schlichtweg alles bescheid zu wissen.

Ja, es geht letztlich um nichts anderes als möglichst viele Informationen, ein möglichst lückenloses Wissen, über das was wir tun, was uns interessiert, was uns bewegt und begeistert, und allen voran das, was sich aus diesem Wissen an Gewinn erzielen lässt. Information ist das „Gold“ des 21. Jahrhunderts, und nach dem muss man nicht aufwendig schürfen, man muss uns lediglich dazu verleiten, sie bereitwillig und möglichst lückenlos preis zu geben…

Es ist also durchaus angebracht, sich ein paar Gedanken darüber zu machen, ob man sich darauf wirklich einlassen will, und wenn, bis zu welchem Grad.

Natürlich ist es legitim, diese Entwicklung gänzlich zu verweigern, mehr noch, es spricht eigentlich sogar vieles dafür. Lässt man sich aber dennoch darauf ein, sollte man sich absolut darüber im klaren sein, was man da tut!

Fakt ist, man öffnet mit Siri, Alexa und Google Assistant das Tor zur eigenen Lebenswelt nicht nur einen Spalt, man stösst es sperrangelweit auf. Schließlich sind die dezenten Begleiter ständig auf „Empfang“, lauschen unseren Worten, ob denn nicht ihr Stichwort fällt, sodass sie in Erscheinung treten. Und auch wenn sie überaus souverän erscheinen, sie sind allesamt letztlich strohdumm, die Intelligenz, die sie vermitteln, die sitzt in mächtigen Rechenzentren der IT-Giganten, wohin unsere „Befehle“ übertragen, analysiert und interpretiert werden, sodass letztlich die geforderten Aktionen und Informationen auch tatsächlich ausgeführt oder geliefert werden.

Die von vielen ins Spiel gebrachten Sicherheitsbedenken sind natürlich noch ein weiteres Argument das dafür spricht, sehr genau vor einem Einsatz derartiger Lösungen nachzudenken, was man da tut, vor allem, wenn man diesen sehr tiefgreifende „Rechte“ zubilligt, Stichwort Haussteuerung- oder gar Sicherheitssysteme im Smart Home.

Man kann die Sache aber auch recht pragmatisch angehen und die dadurch gewonnenen Vorteile bei Flexibilität und Komfort auch sinnvoll nutzen, ohne sich im wahrsten Sinne komplett „entblössen“ zu müssen.

Welche Musik ich liebe, das weiss Amazon und Apple ohnedies, schließlich beziehe ich vieles davon direkt bei ihnen. Welche Nachrichten und Webseiten ich konsumiere, dass weiss Google auch so, schließlich ziehe ich meine diesbezügliche „Datenspur“ allein beim Surfen im Web. Mit welchen Personen ich im regen Kontakt stehe, das offenbare ich tagtäglich auf Facebook, Tweeter und Co, und das ich Abends nicht gerne im Dunkeln sitze und in meinem Wohnzimmer 22° bevorzuge, ist nun kein allzu großes Geheimnis. Selbst wo ich mich aufhalte, teile ich vielfach auf Facebook mit, wohin ich reise, weiß Google mit jeder Abfrage über Google Maps… Die Liste lässt sich beliebig fortführen…

Google Assistant, Amazon Alexa und Apple Siri sind somit, bei bedachtem Einsatz, also nur redundante Informationsquellen für die Konzerne, bieten dafür aber immensen Komfortgewinn. Zumal man ja eins nicht außer Acht lassen sollte: während es bei Facebook, Google und auch Amazon praktisch nahezu unmöglich ist, keine Datenspuren bei deren Nutzung auf bisherigen Wege zu hinterlassen, ist es bei Google Assistant, Amazon Alexa und Apple Siri in Form von Hardware überaus einfach, ihrem Informationshunger Einhalt zu gebieten. Man zieht einfach den Stecker!

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