Universell - Logitech Harmony 650 im Test

Man muss gar keinen allzu umfangreichen AV- oder HiFi-Gerätepark sein Eigen nennen, um den Couchtisch mit zahllosen Fernbedienungen überseht vorzufinden. Fernseher, SAT-Receiver oder Settop-Box des Kabel TV-Anbieters, DVD- oder Blu-ray Player und ein entsprechendes Sound-System reichen, um gut ein halbes Dutzend Fernbedienung bewältigen zu müssen.

Von Michael Holzinger (mh)
29.06.2010

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Nahezu jeder Couchtisch ist inzwischen von einer ganz außergewöhnlichen Spezies in Beschlag genommen worden: der gemeinen Fernbedienung. Diese Spezies bietet für sich allein genommen einen ganz besonderen Komfort, denn sie ermöglicht ihrem Besitzer, das ihr zugehörige Gerät gemütlich aus der Ferne zu steuern, ohne dafür die geliebte Couch verlassen zu müssen. Leider ist die Spezies Fernbedienung ganz klar als echtes Herdentier einzustufen, neigt also in ihrem primären Lebensraum, dem gutbehüteten Ökosystem Wohnzimmer, zur Gruppenbildung. Einzeln oder in kleinen Gruppen durchaus von uns Menschen toleriert, entwickelt sie sich mit dieser Neigung allerdings zur Plage, der nur durch ganz spezielle Hilfsmittel Einhalt geboten werden kann. Und zwar durch eine Universal-Fernbedienung.

Es gibt zahllose entsprechende Angebote am Markt, und zwar von der sehr einfachen Produkten für ein paar Euro vom Noname-Anbieter bis hin zu sehr flexiblen, sehr umfangreichen, dafür aber zumeist auch entsprechend kostspieligen Lösungen, die dann aber auch tatsächlich keinerlei Wünsche offen lassen, da sie von Spezialisten wirklich individuell für die jeweiligen Aufgaben programmiert werden können.

Irgendwo dazwischen bewegen sich die Produkte des Zubehörspezialisten Logitech, der seit geraumer Zeit mit der so genannten Harmony Serie auch in diesem Bereich tätig ist.

Ein überaus flexibles, gleichzeitig durchaus preislich attraktives Modell in der inzwischen recht umfangreichen Produktpalette von Logitech stellt die Harmony 650 dar. Diese Universal-Fernbedienung weist den großen Vorteil auf, dass sie einer herkömmlichen Fernbedienung weitestgehend entspricht, also nicht allzu viele zusätzliche Tasten aufweist, dennoch bis zu fünf Geräte steuern kann und eine Reihe sehr komfortabler Eigenschaften bietet.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass dieses Modell eine ergonomische Formgebung aufweist und somit überaus gut in der Hand liegt. Zudem ist sie, selbst mit den für den Betrieb nötigen zwei AA-Batterien vergleichsweise leicht. Natürlich ist dies eine Frage des persönlichen Geschmacks, unserer Ansicht nach sieht die Harmony 650 mit ihrem auf der Oberseite glänzendem, silberfarbenem Kunststoffgehäuse zudem sehr schick aus.

Die Anordnung der zahlreichen Tasten ist sehr übersichtlich und klar strukturiert, sodass man rasch den Überblick gewonnen hat und nahezu alle wesentlichen Funktionen sogar „blind“ findet. So sind die wichtigsten Tasten fürs Umschalten der Kanäle, die Regelung der Lautstärke und die Wiedergabesteuerung als auch das Steuerkreuz so angeordnet, dass der Daumen nahezu automatisch darauf zu liegen kommt, sobald man die Harmony 650 in die Hand nimmt.


Darunter findet man die üblichen Zifferntasten, darüber eine Reihe von Funktionstaste und ein hintergrundbeleuchtetes Farb-Display mit weiteren Funtionstasten an den Seiten. Darüber gibt‘s noch einen „Hauptschalter“ sowie vier so genannte Aktions-Tasten und eine Help-Funktion.

Die Harmony 650 wurde von den Entwicklern bei Logitech mit einem Bewegungssensor ausgestattet, der dafür sorgt, dass die Tasten dezent beleuchtet werden, als auch das Display erstrahlt, sobald man die Fernbedienung in die Hand nimmt.

Für die Einrichtung der Harmony 650 setzt Logitech zwingend einen PC voraus. Die entsprechende Software bietet man für die Microsoft Windows- als auch Apple MacOS X-Plattform an. Diese Software nennt sich schlicht Harmony Software und kann in der jeweils aktuellsten Version direkt von der entsprechenden Webseite Logitechs unter der Adresse www.logitech.com/MyHarmony geladen werden.

Ist die Software installiert, so muss der Anwender ein neues Benutzerkonto bei Logitech anlegen. Dafür ist die Angabe des Vor- und Nachnamens sowie eine Email-Adresse nötig. Warum dies so sein muss, weiss wahrscheinlich allein Logitech, denn unserer Ansicht nach ist es für den reibungslosen Betrieb der Harmony 650 nicht nötig, ein Online-Konto bei Logitech einzurichten, das mit dem in Folge anzulegenden Profil der Fernbedienung verknüpft ist.

Um also die Fernbedienung einzurichten, muss diese über das im Lieferumfang natürlich enthaltene USB-Datenkabel mit dem PC verbunden werden. Danach wählt man aus einer Datenbank zunächst die Art des zu steuernden Geräts und dann den Hersteller aus. Wichtig ist, dass man die genaue Typenbezeichnung der Geräte weiss, denn diese muss man selbst eintippen. Zumeist wird man aber fündig, denn nach Herstellerangaben sind bereits über 250.000 Geräte von über 5.000 Herstellern bei Logitech erfasst. Im Rahmen unseres Tests wurde der komplette Gerätepark im Testraum problemlos erkannt - bis hin zur UPC Media Box HD. Zur Not kann die Harmony aber auch Steuercodes von der Original-Fernbedienung erlernen. Allerdings auch nur dann, wenn sie per USB-Kabel mit dem PC verbunden ist. Zumindest wird auch hierbei der Anwender - wie beim gesamten Installations-Prozess - durch einen Assistenten von Schritt zu Schritt geleitet.

Bis zu fünf Geräte kann die Logitech Harmony verwalten, was für eine normale Ausstattung - Fernseher, SAT-Receiver, DVD- oder Blu-ray Player, AV-System... - durchaus reichen müsste.

Die Besonderheit der Harmony-Reihe insgesamt besteht darin, dass man nicht nur einzelne Geräte mit lediglich einer Fernbedienung steuert, sondern so genannte Aktionen abrufen kann. Dafür sind die bereits erwähnten Tasten oberhalb des Displays zuständig und auch die Anzeige am Display selbst unterscheidet die zwei Betriebszustände „Aktionen“ sowie „Geräte“. Über drei Tasten können Aktionen direkt abgerufen, weitere stehen über die vierte Taste an der Oberseite „More Activities“ zur Verfügung.

Die drei direkt zugänglichen Tasten tragen die Bezeichnung „Listen to music“, „Watch TV“ und „Watch a Movie“, was eigentlich schon alles über die jeweilige Funktion verrät.

Und genau diese Aktivitäten gilt es gleich beim Setup am PC zu definieren. Und hier kann es durchaus etwas komplizierter werden, denn man muss die verschiedenen Geräte und die jeweiligen Einstellungen für die einzelnen Aktivitäten in Gleichklang bringen.

Es gilt z.B. also festzulegen, dass bei „Watch TV“ der SAT-Receiver als auch der Fernseher eingeschalten wird - soweit kein Problem. Dazu muss aber auch festgelegt werden, auf welchem Eingang des Fernsehers der SAT-Receiver angeschlossen wird. Auch das ist noch vergleichsweise simpel, denn wirklich kompliziert wird es, wenn man die selben Vorgaben bei einem Blu-ray Player, AV-Receiver und dem Fernseher für „Watch a movie“ festlegen muss.

Hier zeigte die Software bzw. die verfügbaren Module im Test durchaus Schwächen, vor allem bei unserem eigentlich ganz und gar nicht mehr aktuellen AV-Receiver Sony STR-DA5300ES. Da tauchten plötzlich Eingänge auf, die es am AV-Receiver so gar nicht gibt, was die Sache natürlich ein wenig kompliziert gestaltet.

Allerdings bietet die Harmony Software durchaus die Option, jederzeit einzugreifen und Eingänge hinzuzufügen, mit einem anderen Namen zu versehen sowie in der gewünschten Reihenfolge anzuordnen. Zudem kann man wirklich tief bis in die Steuercodes vordringen, was allerdings nur versierten Anwendern anzuraten ist.

Interessanter sind da schon weitere optionale Einstellungen, wie etwa z.B. die TV-Sender mit den richtigen Logos zu versehen, sodass diese direkt übers Display abrufbar sind.

Alles in Allem ist das erstmalige Setup nicht immer ganz so harmonisch, wie es Logitech verspricht. Vor allem dann nicht, wenn man etwas komplexere Geräte im „Fuhrpark“ stehen hat, wie etwa einen ausgewachsenen AV-Receiver mit zahllosen Funktionen, die schon auf der Original-Fernbedienung nur schwer zu finden sind.

Man sollte sich also für das erste Setup ausreichend Zeit nehmen, denn hat man diese Hürde ersteinmal genommen und das fertige Profil auf die Fernbedienung als abschließenden Setup-Schritt übertragen, so ist wirklich alles Eitel, Wonne und Sonnenschein. Dann nämlich kann die Logitech Harmony 650 ihr volles Potential ausspielen.

Wie bereits erwähnt kennt die Fernbedienung prinzipiell zwei Betriebsarten, wobei die Übergänge eigentlich fliessend sind. Wählt man übers Display einzelne Geräte, so hat man vollen Zugriff auf alle noch so versteckten Optionen. In den meisten Fällen reicht aber die Steuerung über die Aktivitäten, wobei man hier nicht einzelne Geräte, sondern den Geräteverbund steuert. So wird z.B. bei „Watch a movie“ die Lautstärke nicht am Fernseher, sondern selbstverständlich direkt am AV-Receiver geregelt. Wechselt man bei „Watch TV“ zwischen den Programmen, so erfolgt das natürlich am SAT-Receiver bzw. der Settop-Box des Kabel TV-Anbieters, und nicht am Fernseher.

Zudem werden die jeweils richtigen Geräte direkt über die entsprechenden Aktivitäts-Tasten aufgedreht. „Watch TV“ schaltet also nicht nur den Fernseher ein, sondern auch die Settop-Box bzw. den SAT-Receiver und wählt automatisch den richtigen Eingang am Fernseher. Hat man beim Setup zudem den AV-Receiver für die Tonausgabe bestimmt, so schaltet sich auch dieser automatisch ins Geschehen ein.

Umgekehrt sorgt der ebenfalls bereits einleitend erwähnte „Hauptschalter“ auf der Logitech Harmony 650 dafür, dass mit einem Tastendruck wirklich alle Geräte ausgeschaltet werden.

Abschließend können wir somit festhalten, dass uns die Logitech Harmony 650 trotz einiger Ungereimtheiten überzeugen konnte. Zumal einige der erwähnten Hürden nicht unbedingt dem Hersteller angekreidet werden können, schließlich ist es schlicht unmöglich, die abertausenden Module mit Infrarot-Steuercodes bis ins letzte Detail auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Ein Problem, vor dem ohnedies alle Anbieter in diesem Segment stehen und eben wir Anwender ab und an selbst die richtige Bezeichnung vornehmen müssen. Logitech erleichtert dies zumindest nach besten Kräften mit einer wirklich durchdachten und sehr einfach zu handhabenden Software, die durchaus auch sehr tiefgehende Eingriffe zulässt.

Nicht ganz nachvollziehbar ist aber, warum Logitech den Kunden dazu nötigt, sich mit vollem Namen und Email-Adresse zu registrieren. Freunde bei Logitech, wenn Ihr Eure Kunden nett darum bittet, eventuell sogar mit einem kleinen Goodie als Anreiz, geben Euch sicher viele freiwillig ihre Daten in Form einer optionalen Registrierung, und die dürft Ihr dann auch mit einem Newsletter beglücken ;)

Sei‘s drum, mit der Harmony 650 bietet Logitech eine wirklich überaus empfehlenswerte Universal-Fernbedienung an, die wirklich Schluss machen kann mit dem Chaos an Fernbedienungen am Couchtisch. Durch die sinnvolle Kombination der Steuerbefehle zu Aktionen hat man alle Geräte perfekt im Griff, sodass man schon allein auf Grund des damit einhergehenden Komfort liebend gerne die Original-Fernbedienungen in die Schublade verfrachtet und stattdessen ausschließlich auf die Harmony 650 setzt.

Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von € 79,99 ist die Logitech Harmony 650 zudem zu einem durchaus attraktiven Preis im Fachhandel erhältlich. Wer dennoch ein wenig sparen möchte, der erhält die gleiche Funktionalität in Form der Logitech Harmony 600, muss dann aber auf das Farbdisplay verzichten. Die Logitech Harmony 600 gibt‘s nämlich nur mit S/W-Display zum empfohlenen Verkaufspreis von € 59,99 im Fachhandel.

Michael Holzinger

Auf den Punkt gebracht

Die Logitech Harmony sieht schick aus, liegt gut in der Hand und erlaubt die komfortable Steuerung von bis zu 5 Geräten anhand praktischer Aktivitäten, sodass man das komplette Line-Up an AV- und HiFi-Komponenten bestens im Griff hat.

7,0 (sehr gut)

The Good

  • Komfortables Setup mit tiefen Eingriffsmöglichkeiten und Installations-Assistent
  • Aktionen fassen mehrere Geräte zusammen
  • liegt gut in der Hand

The Bad

  • Hersteller verlangt Registrierung

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