Viermal mehr... Aus 4K wird Ultra HD TV

Schon seit geraumer Zeit taucht bei der ein oder anderen TV- und AV-Lösungen das Schlagwort 4K auf. Die Industrie sieht darin die nächste Revolution im Fernsehsegment, die eine drastische Verbesserung der Bildqualität liefern soll. Dahinter verbirgt sich nichts anderes, als eine nochmals gesteigerte Auflösung, die nunmehr auch offiziell als Standard gilt, aber unter der Bezeichnung Ultra HD oder Ultra High Definition firmieren wird.

Von Michael Holzinger (mh)
25.10.2012

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Kaum ist Full HD zumindest bei Endgeräten soweit, dass man von einer passablen Marktdurchdringung sprechen kann, schon steht die nächste „Revolution“ ins Haus. Auch diesmal geht es in erster Linie um eine Steigerung der Auflösung, wobei die Industrie dies gar mitunter als wahren Quantensprung bezeichnet. So war zumindest im Premium-Segment das Schlagwort 4K neben allen Spekulationen rund um OLED eines der vorherrschenden Themen auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung in Berlin Ende August bzw. Anfang September.

Mit 4K soll Full HD abgelöst werden und eine vierfach höhere Auflösung erzielt werden. Anstelle einer Auflösung von 1.920 x 1080 Bildpunkten sollen Fernseher künftig somit eine Darstellung von 3.840 x 2.160 Bildpunkten aufweisen. Dies soll vor allem bei TV-Geräten mit großer Bilddiagonale eine deutlich bessere Bildqualität mit detaillierter Darstellung erlauben.

Schon vor geraumer Zeit segnete die International Telecommunication Union ITU die Auflösung von 3.840 x 2.160 als Standard ab, nunmehr folgte auch die CEA, die Consumer Electronics Association, und gab diesem neuen Standard auch gleich einen neuen Namen. Was also bislang als 4K bezeichnet wurde, soll künftig Ultra HD TV, oder Ultra High Definition TV heissen.

Zumindest diesmal unterließ es das Standardisierungsgremium, für Verwirrung zu sorgen, wie etwa in den Anfänden des derzeit noch aktuellen HD-Standards. Es wird also bei der nächsten Auflösungsstufe zumindest weitestgehend keine halben Geschichten geben, wie etwa die Bezeichnung HD Ready, die zunächst auf vielen TV-Geräten zu finden war, und die lediglich ein Seitenverhältnis von 16:9 sowie bei Vollbildern eine Auflösung von 1.280 x 720 Bildpunkten, also 720p, und 1.920 x 1.080 Pixel bei Halbbildern, und somit 1.080i, vorgab. Erst Full HD garantierte tatsächlich eine Auflösung von 1.920 x 1.080 auch bei Vollbildern. Dementsprechend verwirrend war diese nicht strikt verfolgte Produktkennzeichnung für Konsumenten.

Mit 4K, besser gesagt nunmehr Ultra HD wird es diese Unart nicht geben, ein Ultra HD Ready etwa ist nicht vorgesehen - ganz, oder gar nicht. Allerdings wird so mancher Hersteller wohl auch künftig 4K anstelle des nunmehr festgeschriebenen Standards Ultra HD nutzen, vor allem für jene Produkte, die bereits angekündigt, und teils schon in Produktion oder gar Auslieferung sind.

Zumindest aus technischer Sicht sind bereits alle Vorraussetzungen für Ultra HD TV gegeben. So ist die hohe Auflösung bereits im aktuellen HDMI-Standard 1.4 integriert, und neben TV-Geräten, Projektoren, ersten Consumer Camcordern stehen bereits auch erste AV-Receiver und Blu-ray Player zur Verfügung, die zumindest in der Lage sind, Inhalte mit 4K zu liefern, zu übertragen und darzustellen.

Allein, es sind einmal mehr die Inhalte, die fehlen. Und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern. Schon Full HD wird in Wahrheit recht spärlich genutzt. Klar, Blu-ray liefert natürlich die volle HD-Auflösung, aber schon bei TV-Inhalten ist es nach wie vor keinesfalls selbstverständlich, auch tatsächlich Inhalte in voller Auflösung zu erhalten. So begnügen sich nach wie vor viele Sende-Anstalten mit 720p, manche setzen auf 1.080i, wobei die eigentlichen Inhalte aber vielfach ohnedies nur hochskaliert werden. Schließlich bestreiten viele Sendeanstalten einen Großteil des Angebots mit Archiv-Material, das schlicht nicht in dieser hohen Auflösung vorliegt. Zudem sahen so manche Sendeanstalten in HD ihre große Chance gekommen, für ihre Programme in HD extra abkassieren zu können. Ein Versuch, der bislang nicht von allzu großem Erfolg gekrönt ist, denn nur durch eine höhere Auflösung allein wird das zum Großteil aus schlecht recherchierten Informationssendungen, Pseudo-Reality- und Casting-Shows und Serien-Trash bestehende Programm auch nicht „gehaltvoller“ und sehenswerter.  Die Bereitschaft der Konsumenten, dafür separat weitere monatliche Fixkosten zu schlucken, ist somit - verständlicherweise - zumeist nicht gegeben.

Blu-ray wird somit auch bei Ultra HD die erste Quelle sein, die entsprechende Inhalte liefert. Aber bislang ist hier nichts in Aussicht. Und von Seiten der TV-Anstalten winkt man derzeit ab, Ultra HD ist hier kein Thema. Zu groß wären die damit einhergehenden Investitionen in Technik bis hin zu den entsprechend adaptierten Studios, und die Infrastruktur ist in Wahrheit auch nicht dafür ausgelegt.

Dennoch setzt die Industrie voll auf Ultra HD TV als nächste Revolution, die für erneut klingelnde Kassen im immer schwierigeren Fernseher-Markt sorgen soll. Mit zu den wesentlichen Ausstattungsmerkmalen von 4K TV-Geräten gehört somit die Möglichkeit, Inhalte in Full HD oder gar SD auf 4K hochzuskalieren, damit man dem Konsument zumindest irgendwie die neuen Lösungen schmackhaft machen kann.

Wer sich aber wohl wirklich sehr auf 4K, besser gesagt nunmehr Ultra HD TV freuen wird und sofort davon profitiert, das ist die stetig wachsende Zahl an ambitionierten Hobby-Fotografen. Denn mit Ultra HD stehen Displays zur Verfügung, die tatsächlich die hohe Auflösung aktueller Digitalkameras zu nutzen wissen.

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