Foto © Michael Holzinger - sempre-audio.at

Weniger, und weniger… Vorbei ist es mit der Anschluss-Flut

Wer sich vor nicht einmal fünf Jahren einen zünftigen AV-Receiver zulegte, der erhielt in jedem Fall ein immens mächtiges Gerät, dessen Rückseite geradezu übersät war mit Anschlüssen verschiedenster Art. Heutzutage weisen die meisten AV-Receiver deutlich weniger Anschlüsse auf, obwohl sie zumeist deutlich flexibler sind und viel mehr Funktionen aufweisen.

Von Michael Holzinger (mh)
18.06.2014

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Es ist schon bemerkenswert, wie schnell sich in manchen Bereichen ansich grundlegende Dinge geradezu entscheidend ändern können. Nehmen wir etwa das Beispiel AV-Receiver, denn hier ist der Paradigmenwechsel in der Unterhaltungselektronik besonders eklatant auszumachen.

Kaufte man sich etwa vor rund fünf Jahren einen AV-Receiver, und dabei musste es gar nicht ein Gerät im obersten Preisbereich handeln, so erhielt man ein wirklich mächtiges Produkt, dass schon allein auf Grund der Abmessungen einen richtig beeindruckenden Auftritt hinlegte und bereits optisch ganz klar das bestimmende, zentrale Element eines AV-Systems war. Ein Blick auf die Rückseite zeigte zumeist eine wahre Flut an Anschlüssen für die verschiedensten Quellen und in den unterschiedlichsten Formaten. Kein Zentimeter war da verschwendet, denn dicht an dicht drängten sich hier Cinchbuchsen für analoges Audio und Video, standen digitale Ein- und Ausgänge in Form von koaxialen und optischen S/PDIF-Schnittstellen zur Verfügung, abgerundet durch HDMI-Ports und natürlich einer Batterie an Schraubklemmen für die Lautsprecher-Systeme sowie Trigger-Anschlüsse und gar RS323-Schnittstellen für die Integration in komplexe Steuerungssysteme.

Doch die Zeiten sind vorbei, wie nahezu jede Produktneuvorstellung in diesem Bereich zeigt. Natürlich gibt es nach wie vor die wahren AV-Schwergewichte, die ebenfalls für alle Eventualitäten gerüstet sind, aber selbst diese „Kaliber“ weisen eine deutlich locker mit Anschlüssen versehene Rückseite auf, als Geräte von vor ein paar Jahren.

Und dennoch, das ist das erstaunliche, die Geräte von heute sind zumeist deutlich flexibler, deutlich besser ausgestattet, als ihre Vorgänger.

Abgesehen davon, dass bei nüchterner Betrachtung eine derartige Batterie an Anschlüssen wohl nur von den wenigsten Kunden jemals tatsächlich benötigt wurde, und dies natürlich ein für Hersteller überaus willkommener Weg war, genau hier den Rotstift anzusetzen, um einen besonders attraktiven Preispunkt zu erzielen, hat sich die Art der Schnittstellen natürlich geändert. So ist HDMI längst der Standard für die digitale Signalübertragung von Audio und Video, sodass man kaum mehr in die Verlegenheit gerät, tatsächlich Video-Quellen rein analog anschließen zu müssen. Und selbst da bieten vielfach AV-Receiver mehr an HDMI-Schnittstellen, als Kunden wohl jemals benötigen.

Was wäre denn als Quelle zu nutzen? Natürlich ein Blu-ray Player, eventuell ein SAT-Receiver oder eine Settop-Box eines Kabel TV-Anbieters, vielleicht eine Spiele-Konsole und… tja, dann war´s das aber schon. Somit bleiben viele der HDMI-Schnittstellen an der Rückseite eines AV-Receivers ohnedies ungenutzt.

Zudem weisen die heutigen AV-Receiver bereits selbst eine derartige Funktionsvielfalt auf, sodass man auf externe Geräte vielfach verzichten kann. Wozu etwa einen Streaming-Client anschließen, wenn der AV-Receiver selbst ins Netzwerk eingebunden, und sehr flexibel diese Aufgabe übernehmen kann? Und die paar externen Quellen, die man eventuell doch noch nutzt, die bindet man zumeist ohnedies über die optischen als auch koaxialen S/PDIF-Eingänge an. Bleibt nur noch ein analoger Eingang für etwa eine Phono-Vorstufe, denn auf Vinyl sollte man bekannter Maßen ja nicht verzichten. Somit ist Bluetooth und ein USB-Port wohl für viele wichtiger, als zahlreiche analoge Audio-Eingänge. Insofern kann man wohl durchaus festhalten, dass weniger in diesem Fall auch mehr bedeutet. Und nicht zuletzt hat ein „weniger“ an Schnittstellen auch dafür gesorgt, dass bei AV-Receivern auch schlankere Abmessungen möglich sind, und AV-Receiver nun gar als Lifestyle AV-Receiver vermarktet werden können…

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