Foto © Michael Holzinger - sempre-audio.at

Wenn Schallplatten-Kauf frustriert, statt erfreut…

Gleich vorweg, dies soll keine Pauschalverurteilung werden, aber leider passiert es dennoch viel zu oft: die eben erst nagelneu erworbene, natürlich noch originalverschweißte Schallplatte wird mit Vorfreude ausgepackt, und als wäre das billige Inlay aus rauem Papier, an dem die schwarze Scheibe festklebt, nicht bereits Ärgernis genug, präsentiert sich die Schallplatte geradezu verdreckt und somit nahezu unspielbar…

Von Michael Holzinger (mh)
17.04.2014

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Ich habe es auf dieser Plattform ja schon mehrmals thematisiert, aber heute war es für mich besonders klar ersichtlich, mit welch Frechheit so manches Label der immer größeren Leidenschaft für Vinyl von Musikliebhabern begegnet. Natürlich ist es überaus erfreulich und zu begrüssen, dass inzwischen nahezu jedes neue Album nicht nur als Download und Audio CD erscheint, sondern ebenso als Schallplatte angeboten wird. Ebenso ist es zu begrüssen, dass sich viele Labels ihrer Schätze in den Archiven bewusst werden, und diese erneut als Vinyl auf den Markt bringen, dies alles zeigt, dass man von Seiten der Industrie längst erkannt hat, dass hier ein immens lukrativer Markt defakto aus dem Nichts erwachsen ist.

Weniger zu begrüssen ist allerdings, dass inzwischen mitunter sehr mutige, um nicht zu sagen sehr freche Preise für so manches Album auf Vinyl ausgerufen wird, vor allem dann, wenn es sich um eines der inzwischen geradezu inflationär angebotenen Limited Edition-Schätzchen handeln soll.

Aber, als wirklich leidenschaftlicher Vinyl-Liebhaber und Sammler ist man ja zu vielem bereit, und legt schon mal ein paar Euro mehr hin, um die heiß begehrte Aufnahme in angeblich bester Qualität in Händen halten zu können.

Umso frustrierender aber ist es dann, wenn sich das teuer erkaufte Schätzchen als Mogel-Packung entpuppt. Gut, dies mag etwas hart formuliert sein, sagen wir lieber als nicht adäquat dargebotenes Angebot. Denn immer öfter muss ich feststellen, dass man trotz hohem Preis zumindest mangelhafte Ware erhält.

Besonders bewusst wurde mir dies dieser Tage, als ich gleichzeitig vier Schallplatten als Paket erhielt. Zwei davon waren Second-hand Angebote, also gebrauchte Original-Scheiben aus den 80er, und zwei zwar nicht ganz aktuelle, aber originalverpackte, und somit neue Schallplatten. Natürlich war ich zunächst über die Qualität der Second-hand-Ware besorgt, und packte somit zunächst diese beiden Scheiben aus. Siehe da, deren Cover hatten zwar die üblichen Gebrauchsspuren, aber die schwarzen Scheiben selbst waren in absolut tadellosem Zustand und drehten sofort ihre Runden auf dem Teller des Schallplatten-Spielers, und zwar in einer Qualität, als hätten sie eben erst das Presswerk verlassen.

Umso größer war daher die Enttäuschung ob der Qualität der tatsächlich neuen Schallplatten dieser Lieferung. Vor allem eines der beiden Alben war in einem Zustand, den man nicht für möglich halten sollte. Nicht nur, dass diese Scheibe derart hartnäckig an dem wirklich geradezu schäbig ausgeführten Inlay klebte, sodass diese kaum daraus hervorzuholen war, war diese Scheibe derart mit Produktionsresten verklebt und mit Papierschnitzel des Inlays verschmutzt, dass diese in dieser Form schlichtweg nicht abspielbar war. Eine derartige Verschmutzung wollte ich meinem Tonabnehmer nicht antun, zumal sie sich nicht einmal mit einer entsprechenden Bürste entfernen ließ. Erst ein intensiver Waschgang brachte hier die Qualität zutage, die ich von einer nagelneu erworbenen Schallplatte erwartet habe!

Der Ärger war vor allem deswegen so groß, da es sich im konkreten Fall um ein alles andere als kostengünstig feilgebotenes Album als Limited Edition handelte. Mit Verlaub, eine derartige Darreichungsform empfinde ich, gelinde gesagt, als Frechheit gegenüber dem Kunden!

Als Fazit ist für mich eins klar: Natürlich werde ich auch weiterhin Musik vor allem auf Vinyl erwerben, vor allem dann, wenn man als Zugabe eine CD oder zumindest einen Download-Code ohnedies dazu erhält. Und dies ist - auch das muss einmal mehr lobend hervorgehoben werden - keineswegs selbstverständlich, und darf ohne weiteres ein paar Euro mehr kosten. Aber… ich werde noch mehr als bisher allen voran auf den Second-hand Markt setzen, zumal so manch altes Schätzchen aus den 70er und 80er Jahren zumeist besser klingt, als das entsprechende neue Remaster als Limited-über-drüber-was-weiss-ich-was-Edition. Soweit zumindest meine Erfahrung…

Zudem werde ich tunlichst nur noch dort meine Einkäufe tätigen, wo mir entsprechender Service geboten wird, der den Preisen der Ware angemessen ist. Und das ist mit Sicherheit nicht der Online-Handel bei den üblichen Branchen-Größen, sondern das sind die wirklichen Spezialisten. Ja, auch die gibt es Online, aber allen voran natürlich als klassische Fachhändler. Seit Jahr und Tag sind sie es, die Vinyl die Treue hielten, während alle anderen diesem Tonträger abgeschworen hatten. Und mit Verlaub, es sollten auch diese Fachhändler sein, die nunmehr die Früchte ihrer über Jahre hinweg geleisteten Arbeit ernten sollten, und nicht die Mitläufer, die nun auf die Schnelle abkassieren wollen.

Daher abschließend ein Appell auch an Sie, all die Musikliebhaber da draussen: Auf zum Fachhändler „ums Eck“, denn der ist der perfekte Nahversorger für unsere Leidenschaft, und der hat auch zumeist ein Auge darauf, dass das, was bei ihm in den Regalen steht, auch die Qualität aufweist, die seine Kunden erwarten! Und zur Not bieten vielen davon den Service an, Schallplatten gleich vor Ort einem Waschgang zu unterziehen, und dann sollte auch in hartnäckigen Problemfällen der Spass, und nicht der Frust garantiert sein!

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