klangBilder|10: Seit Jahr und Tag verspricht uns die Industrie, mit AV-Lösungen Kino-Atmosphäre auch im Wohnzimmer zu erlauben. Nunmehr sogar in 3D." /> Sempre Audio

Wenn ich kurz etwas sagen dürfte... Dreidimensionale TV-Welten

klangBilder|10: Das Bestreben, bei Filmen den Eindruck von räumlicher Tiefe zu ermöglichen, beschäftigt die Industrie bereits seit Jahrzehnten. Alle paar Jahre sorgte ein kurzfristiger Hype dafür, dass Menschen mit teils obskuren Hilfsmitteln wie Papkarton-Brillen vor TV-Schirmen saßen, und irgendwie einen dreidimensionalen Eindruck erhielten. Mehr als ein Gag war das aber nie. Nun hat die Industrie ein neues Qualitätsniveau erreicht. Die neuesten TV-Geräte erlauben tatsächlich einen dreidimensionalen Eindruck, in bester HD-Auflösung, der der Erfahrung im Kino um nichts nachsteht.

Von Michael Holzinger (mh)
30.09.2010

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Ihren Beginn hatte die aktuelle Technologie natürlich ebenfalls zunächst im Kino. Doch im vergleich zu vergangenen Jahren war es nicht nur ein kurzfristiger Hype, vielmehr setzten Hollywood-Studios massiv auf die neueste Technologie um ihre mitunter aus rein cineastischer Sicht gar nicht so spannenden neuesten Werke aufzuwerten und dennoch die Kino-Kassen klingeln zu lassen, also einen echten Blockbuster zu landen. Im Vergleich zu vergangenen „analogen“ Zeiten stellt die Erzeugung von dreidimensionalen Welten die digitale Produktionstechnik eigentlich vor keine wirklichen Probleme und kann mit erstaunlich realistischen Ergebnissen aufwarten.

Der Schritt, diese Erlebnisse auch zuhause im Wohnzimmer zu ermöglichen, ist aus der Sicht der Filmindustrie, aber natürlich auch der Unterhaltungselektronik-Industrie ein sehr wesentlicher. Denn längst wird auch in der Filmindustrie hier das Geld verdient, und nicht mehr an der Kinokasse. Und nach HD und Blu-ray braucht auch die Unterhaltungselektronik-Industrie ein neues Zugpferd zur Vermarktung ihrer neuesten Produkte.

Somit ist klar, warum 3D derzeit, wie kein anderes Thema, die Welt der Unterhaltungselektronik beherrscht. Das schöne für den Konsumenten ist, dass er tatsächlich eine, im übertragenen Sinne neue Dimension des Fernsehkonsums erhält, auch wenn er dafür einmal mehr in neue Geräte investieren muss.

Die neuen dreidimensionalen Welten sind natürlich nach wie vor, ganz nüchtern betrachtet, nicht mehr als ein „Gaukler-Trick“. Denn selbstverständlich ist die Kinoleinwand, aber auch der TV-Schirm flach und erlauben somit nur zweidimensionale Ergebnisse. Allerdings trickst die neueste Technologie unsere Wahrnehmung geradezu perfekt aus, in dem sie in hoher Frequenz nicht nur ein Bild liefert, sondern immer ein zweites, perspektivisch leicht unterschiedliches Bild dazu fügt. Eine so genannte Shutter-Brille wechselt genau in diesem Takt und somit synchron zur Bilderfolge auf der Leinwand oder dem Bildschirm zwischen linkem und rechten Auge. Unser Gehirn nimmt diesen Wechsel nicht wirklich wahr, sondern produziert daraus ein neues Bild, das scheinbar über räumliche Tiefe verfügt.

Würde man also die bisherigen Versuche der Industrie bei 3D, um bei diesem Vergleich zu bleiben, als erste bemühte Gehversuche eines Zauberlehrlings abtun, so handelt es sich nunmehr um eine wirklich perfekt inszenierte Magie-Show mit beeindruckenden Ergebnissen.

Und das gilt nicht nur fürs Kino, sondern mit der neuesten TV-Generation auch fürs heimische Wohnzimmer. Allerdings sind dafür Investitionen in neue Hardware erforderlich.

Denn was braucht‘s? Inhalte kommen von Blu-ray, dem längst etablierten Format im Home-Cinema-Bereich. Die neuesten Blu-ray Player sind bereits, dank HDMI 1.4a-Schnittstellen, allesamt auch für die Wiedergabe von Inhalten in 3D gerüstet. Wer auf einen AV-Receiver setzt, der wird auch hier nicht um ein Gerät herum kommen, dass 3D Inhalte durchreicht, also ebenfalls über HDMI 1.4a-Schnittstellen verfügt. Das wichtigste Element stellt aber natürlich ein Fernseher dar, der mit Inhalten in 3D auch etwas anzufangen weiß und die dafür derzeit nötigen Shutter-Brillen ansteuern kann. Die Alternative für wahre Heimkino-Freunde, ein Projektor, steht nunmehr ebenfalls von einigen Herstellern in Varianten für 3D Inhalte zur Verfügung.

Allein diese Aufzählung zeigt, dass es eines komplett neuen AV-Systems bedarf, sodass 3D derzeit wohl vor allem für jene interessant erscheint, die ohnedies vor der Anschaffung neuer Gerätschaften stehen. Denn für sie gibt es die gute Nachricht, dass all die Funktionalität rund um 3D keine wirklich zusätzlichen Kosten verursacht. 3D gibt es also zumindest ab der guten Mittelklasse als „kostenlose“ Zugabe.

Somit kann man auch verschmerzen, dass das Angebot an Inhalten in 3D derzeit, nun ja, überschaubar ist. TV in 3D macht derzeit erste Gehversuche, wird aber auf absehbare Zeit nur über Pay-TV Angebote verfügbar sein. Bleibt also nur Blu-ray, wenngleich das Angebot hier derzeit ebenfalls nicht überragend ist. Eine Handvoll Titel, mehr ist es leider nicht, was uns die Filmindustrie derzeit für 3D im heimischen Wohnzimmer anbietet. Und daran wird sich bis Mitte nächsten Jahres auch nicht allzuviel ändern. Denn selbst das Zugpferd bei 3D in den Kinos, der Blockbuster „Avatar“ wird derzeit auf Blu-ray nur als Standard-Version angeboten. Die 3D-Version folgt  voraussichtlich erst 2011, wie viele andere Kino-Erfolge in 3D.

Somit sind es vor allem zwei Bereiche, die aber nicht unterschätzt werden dürfen, denn diese könnten für viele Konsumenten ein sehr wesentlicher Grund dafür sein, bereits jetzt auf 3D zu setzen. Da wäre zunächst die Welt der Spiele, die in 3D überaus beeindruckende Erlebnisse erlaubt. Und dann natürlich eigene Inhalte, denn schon längst stehen auch Anbieter von Digitalkameras und Camcordern mit entsprechenden Lösungen bereit, Fotos und Filme mit räumlicher Tiefe auf sehr einfache, aber dennoch beeindruckende Weise zu kreieren.

Abschließend kann man sagen, dass 3D diesmal wohl weit mehr ist, als ein kurzfristiger Hype, der binnen kürzester Zeit wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Die inzwischen erzielbaren Ergebnisse sind einfach zu beeindruckend, um darauf wieder verzichten zu wollen. Dabei ist selbst der Industrie klar, dass der derzeitige Stand der Dinge, trotz der bereits erstklassigen Ergebnisse, nicht der Weisheit letzter Schluss ist und nur ein erster Schritt auf dem langen Weg gemacht wurde, 3D als Standard zu definieren. Eifrig wird bereits an Lösungen gearbeitet, die noch beeindruckendere dreidimensionale Bilder liefern. Auf lange Sicht gesehen wird 3D somit ein fester Bestandteil in der Unterhaltungselektronik sein.

Der Einstieg ist bereits jetzt möglich, und zwar mit überaus beeindruckenden Ergebnissen, und für Neueinsteiger sogar ohne zusätzliche Kosten. Denn wie bereits erwähnt, 3D ist ab nun ein weiteres Feature, das einfach dazu gehört. Davon können sich Konsumenten auch auf der Messe klangBilder|10 vom 5. und 7. November 2010 im Hotel Hilton Vienna Plaza überzeugen. Hier zeigt die Industrie und der Fachhandel in gemütlicher, Wohnzimmer ähnlicher Atmosphäre, was dreidimensionale Welten in Bild als auch Ton tatsächlich bedeuten, und wie beeindruckend und faszinierend die zu sehr überschaubaren Kosten erzielbaren Ergebnisse sein können.

Michael Holzinger

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