Wenn ich kurz etwas sagen dürfte... Ein Aus-, und kein Rückblick

Neigt sich das Jahr dem Ende zu, so stehen zahllose Jahresrückblicke an. Gleichgültig, ob dies nun mit guten, oder schlechten Erinnerungen verbunden ist, das Zurückblicken auf Vergangenes ist nicht unseres. Der Blick in die Zukunft ist da schon weit spannender.

Von Michael Holzinger (mh)
16.12.2010

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Wenngleich wir uns ja eigentlich mit recht profanen Dingen befassen. Allerdings mit Themen, die unser Leben durchaus bereichern können und uns zahllose Stunden des Genuss und der Entspannung, der Freude und Emotion bescheren können. Und zwar der Welt der Unterhaltungs-Elektronik.

Allerdings kann man natürlich nicht einen Ausblick auf künftiges wagen, ohne sich an den Entwicklungen der letzten Monate sowie dem aktuellen Stand der Dinge zu orientieren. Und dabei zeigt sich klar: eine Vielzahl an Neuerungen und auch die meisten sich derzeit abzeichnenden Trends sind bislang sicher nicht mehr als Vorboten dafür, wohin die Reise in gar nicht allzu ferner Zukunft gehen wird. Man kann also festhalten, dass die Welt der Unterhaltungselektronik in einem Umbruch ist und damit auch die Art und Weise verändern wird, wie wir Medien konsumieren. Und zwar in allen Bereichen.

Den wesentlichen Antrieb für diesen radikalen Umschwung stellt die Verschmelzung der ehemals strickt getrennten Bereiche der Unterhaltungs-Elektronik, der Welt der IT und zunehmend auch der Telekommunikation dar. Die so genannte Konvergenz, die zunächst von führenden Unternehmen der IT propagiert wurde.

Was zunächst nur wage erste Versuche, zumal auch unbedarfte Schritte der IT-Welt waren, die mitunter völlig zu Recht von den Größen der Unterhaltungs-Elektronik eher belächelt wurden, hat inzwischen zu einer wahren Revolution geführt. Man muss sich nur das aktuelle Angebot am Markt ansehen. Nahezu kein Gerät der klassischen Unterhaltungs-Elektronik kommt heutzutage ohne Schnittstelle für mobile Devices und einer Anbindung ans Netzwerk aus. Mehr noch, in so manchem HiFi-Gerät verbirgt sich in Wahrheit längst nichts anderes, als ein PC. Und Netzwerklösungen, die bis vor Kurzem allein Business-Umgebungen vorbehalten waren, stellen inzwischen in modernen Unterhaltungs-Systemen zentrale Datenspeicher dar.

Betrachtet man nun ein typisches Szenario im Wohnzimmer und somit ein modernes Multimedia-System für die Wiedergabe von Musik und Videos, so stellt natürlich nach wie vor ein Fernseher sowie eine klassische AV- oder HiFi-Anlage den wesentlichen Bestandteil dar. Allerdings ist nur auf den ersten Blick alles beim alten.

Nicht nur auf Grund der immensen Bilddiagonalen aktueller Modelle selbst im günstigen Preisbereich ist der Fernseher natürlich ein dominierendes Element, dem künftig eine noch größere Rolle zukommen wird. Ein Fernseher dient künftig nicht nur dazu, Filme und TV-Serien sowie Nachrichtensendungen zu konsumieren, er stellt gleichzeitig auch die zentrale visuelle Verwaltungsschnittstelle dar. Denn über die Netzwerk-Integration ist nicht nur der Zugriff auf Inhalte im lokalen Netzwerk möglich - Fotos, Musik, Videos - ebenso kann auf Online-Inhalte zugegriffen werden.

Und dies wird die Medienlandschaft in gar nicht so ferner Zukunft grundlegend verändern. Denn plötzlich ist der Konsument nicht mehr auf den Empfang von Fernsehsendungen über terrestrischen Empfang, von Satellit oder dem Angebot von Kabel TV-Anbietern abhängig. Durch die Integration von Online-Diensten, so genannten On-demand Angeboten wird der Kunde in die Lage versetzt, selbst sein individuelles Programm zusammenzustellen.

Die inzwischen mitunter auch direkt über TV-Geräte abrufbaren Mediatheken der Rundfunk-Anstalten wie ORF, ZDF, ARD oder arte selbst sind da nur die ersten Vorboten und ein Versuch, die Kunden auch weiterhin an sich zu binden. Denn die „Konkurrenz“ hat ein überaus verlockendes Angebot. Ein erster Vorgeschmack darauf, wohin es geht, ist Apples iTunes Store, der nun seit wenigen Wochen mit der Verfügbarkeit des neuesten Apple TV auch hierzulande sein Angebot um Filme erweitert hat, die man nicht nur online kaufen, sondern vor allem auch mieten kann.

Und dies ist sicher nur der Anfang, zahlreiche weitere Anbieter werden folgen und dem Kunden ein überaus vielseitiges Angebot offerieren, aus dem er sein ganz persönliches Programm jederzeit auf Abruf zusammenstellen kann. Dies wird nicht nur Rundfunkanstalten vor Probleme stellen, sondern zuallererst natürlich Pay TV-Anbieter, die bereits jetzt immense Probleme haben, irgendwie positiv zu bilanzieren.

Die Grundlagen für diese Dienste werden bereits jetzt von der Industrie geschaffen. Wie bereits erwähnt, verfügt nahezu jeder Fernseher ab der mittleren Preisklasse über eine Anbindung ans Netzwerk und entsprechende Plattformen, gleichgültig, welcher Hersteller. Ebenso gibt es Settop-Boxen, die ihre Inhalte eben nicht über klassische Wege „empfangen“, sondern ausschließlich übers Netzwerk. Sei es die bereits angeführte Lösung von Apple, das Apple TV der zweiten Generation, oder aber Alternativen wie etwa die von D-Link vermarktete Boxee Box und auch das bislang nur in den USA verfügbare Google TV zielt genau auf diesen Markt ab. Google TV ist übrigens ein perfektes Beispiel dafür, dass die etablierten Rundfunkanstalten und Pay TV-Anbieter sehr wohl erkannt haben, dass hier große Probleme auf sie zukommen werden und sie in gar nicht so ferner Zukunft entbehrlich sind. Kein Wunder also, dass die großen Medienkonzerne in den USA im Interesse ihrer Sendeanstalten und Pay TV-Angebote versuchen, Google wertvolle Inhalte zu verwehren.

Fakt ist aber, und dazu muss man gar nicht allzu tief in die Glaskugel blicken, dass herkömmliche Medien sehr bald vom Markt verschwinden werden. Der Blu-ray, die nun endlich drauf und dran ist, die DVD abzulösen, wird also wohl kein allzu langes Leben beschert sein und sie wird wohl das gleiche Schicksal erleiden, wie die CD im Audio-Bereich.

Denn auch hier ist bereits jetzt absehbar, dass Musik künftig nahezu ausschließlich Online, und nicht mehr in der klassischen Form auf einem physikalischen Medium erworben wird.

Allerdings wird sich das Angebot in zwei Bereiche aufteilen. Zum einen wird es ein Angebot für den Mainstream-Markt geben, bei dem eher Quantität als Qualität zählt. Hier werden die Preise der aktuellen Angebote nicht lange zu halten sein und wohl von sehr günstigen Flatrate-Angeboten abgelöst werden. Viele Kunden wollen Musik einfach immer und überall konsumieren können, und zwar ohne Einschränkungen. Die Qualität ist dabei jedoch nicht entscheidend, sodass hier auch weiterhin verlustbehaftet komprimierte Audio-Daten angeboten werden.

Auf der anderen Seite werden sich Angebote etablieren, die sich an Kunden mit hohem Qualitätsanspruch richten und die dafür sehr wohl bereit sind, entsprechende Preise zu zahlen. Diese Kunden suchen das Besondere und geben sich nicht mit dem Mainstream zufrieden. Und sie wollen dies in entsprechender Form dargereicht bekommen. Hier sind also nicht nur hochauflösende Audio-Daten, sondern zudem Zusatzangebote wie ein aufwendiges Booklets gefragt, auch wenn diese nur als Datei vorliegen.

Wer wirklich nicht nur erstklassige Audio-Qualität, sondern auch das entsprechende haptische Erlebnis genießen möchte, der wird auch in Zukunft auf ein ganz klassisches Medium setzen, dass eigentlich bereits in den 80iger Jahren des letzten Jahrtausend zu Grabe getragen wurde: die Schallplatte. Seit einigen Jahren feiert Vinyl eine wahre Renaissance und wird wohl auch künftig für anspruchsvolle Anwender die erste Wahl darstellen.

Doch zurück zur digitalen Welt, den Download-Angeboten. Auch hier gibt es die entsprechende Infrastruktur bereits, und zwar in allen Preisbereichen. Dies beginnt beim einfachen Internet-Radio mit integrierten Abo-Diensten wie Napster, last.FM usw. bis hin zu Streaming-Lösungen in kompakten HiFi-Anlagen oder anspruchsvollen Lösungen für audiophile Musikliebhaber. Auch Handys mit integriertem Musik-Player sind bereits heutzutage Standard.

Allerdings geht hier der Trend ganz klar zu so genannten Smartphones, die eben weit mehr sind, als normale mobile Telefone. Es sind wahre multimediale Alleskönner, die den Online-Zugang unterwegs ebenso erlauben, wie die Navigation, einfache Office-Anwendungen und die Wiedergabe von Audio und Video. Dank integrierter Kamera kann man zudem derartige Inhalte auch jederzeit selbst erstellen, und das in immer besserer Qualität. Selbst HD-Videos kann man inzwischen mit einer Vielzahl an Smartphones aufzeichnen und Fotos mit zig MPixel knipsen.

Auch hier sind es erstaunlicher Weise Unternehmen, die bis vor Kurzem niemand auf der Rechnung hatte, die für den Umschwung am Markt verantwortlich zeichnen. Allen voran natürlich Apple und Google. Diese beiden Unternehmen verstehen es perfekt, nicht nur Geräte, sondern eben auch die entsprechende Infrastruktur dafür anzubieten und so dem Kunden die Möglichkeit - im wahrsten Sinne des Wortes - in die Hand geben, sein individuelles mobiles System mit so genannten Apps selbst zusammen zu stellen.

Den Vorsprung, den sich Apple und Google hier erarbeitet haben, werden die angestammten Branchenriesen wie Nokia, Sony Ericsson, aber auch Microsoft, Palm und Blackberry wohl auch im nächsten Jahr nicht ohne weiteres aufholen können.

Zumal sich die Plattformen Apple iOS sowie Google Android auch zu einer festen Größe in der Welt der Unterhaltungs-Elektronik etablieren. Denn von der Möglichkeit, Apps für diese Plattformen entwickeln zu können, machen sich auch angestammte Unternehmen der Unterhaltungs-Elektronik zunutze und bieten Lösungen für die komfortable, intuitive Steuerung ihrer Audio- und Video-Systeme im Netzwerkverbund an. Smartphones entwickeln sich also immer mehr zur universellen Fernbedienung, bis hin zur komplexen Haussteuerung.

Apple tätigte unlängst übrigens einen Schritt, der einen weiteren Trend der nächsten Monate und Jahre aufzeigte. Mit der Einführung von Apple AirPlay mit dem Update des Apple iPhone, iPod touch und iPad werden mobile Devices nicht nur zur flexiblen Universal-Fernbedienung, sie stellen plötzlich selbst einen ernstzunehmenden Zuspieler für Musik, Videos und Fotos dar. Damit kann man nicht nur direkt auf dem mobilen Gerät mit seinem doch eingeschränkten Display und mitunter bescheidener Klangqualität Medien konsumieren, sondern die gleichen Inhalte auf das hochwertige AV- und HiFi-System übertragen. Drahtlos, selbstverständlich, und somit überaus komfortabel und flexibel. Es ist somit absehbar, dass auch andere Hersteller auf diese oder ähnliche Lösungen setzen werden. Das direkte Streaming von Audio und Video von mobilen Devices wird also in Kürze Standard sein, und zwar nicht nur über das doch eher nur bedingt geeignete Bluetooth, sondern Wireless LAN und somit -dank deutlich höherer Datenraten - in bester Qualität.

Auch wenn Smartphones also immer flexibler werden, so zeigt sich, dass zwischen herkömmlichen Notebooks und derartigen Smartphones noch reichlich Platz für andere mobile Lösungen ist. Während der Hype rund um die so genannten Netbooks längst Geschichte ist, gelang Apple mit dem iPad ein beachtenswerter Erfolg, und einmal mehr versucht der Rest der Industrie mit allen Mitteln daran partizipieren zu können. Allerdings bislang mit eher mässigem Erfolg. Vergleichbar komfortable und gleichzeitig leistungsfähige Systeme, eingebettet in eine ähnlich flexible Infrastruktur wie - einmal mehr - den Apple iTunes Store mit entsprechenden Apps - werden wir in großer Zahl wohl erst im Laufe des kommenden Jahres sehen. Wenngleich auch hier Google in Zusammenarbeit mit einigen Partnern als Hardware-Lieferant am ehesten dran ist.

Die Kategorie der Tablets zeichnet sich dadurch aus, dass sie eben deutlich mehr können als Smartphones, aber deutlich mobiler sind als Notebooks. Und sie werden dafür sorgen, dass wir künftig auch Tageszeitungen, Fachmagazine und Zeitschriften, aber auch Bücher gänzlich anders konsumieren werden, als heutzutage. Auch hier stellt das aktuelle Angebot in diesem Bereich nicht mehr als erste Versuche dar, die zum Großteil noch nicht wirklich an die neuen Möglichkeiten angepasst sind.

Wie überhaupt alles bislang aufgezählte seinen besonderen Reiz erst dann wirklich offenbart, wenn man die einzelnen Bereiche nicht jeweils separat betrachtet, sondern immer im Kontext mit allen anderen Möglichkeiten und dies dann noch um Angebote wie Social Media-Plattformen wie YouTube, FlickR, Twitter und Facebook erweitert.

Denn dann erkennt man das wahre Potential, dass in einer vernetzten Welt aus Unterhaltungs-Elektronik, IT und Telekommunikation steckt. Es geht künftig somit nicht allein darum, wie man multimediale Inhalte in einer vernetzten Welt konsumiert, sondern sich darüber mit anderen Menschen online austauschen kann.

Abschließend sei uns aber, bei aller Begeisterung über die neuen Möglichkeiten die Feststellung erlaubt, dass es auch ganz angenehm sein kann, die vernetzte, schnelllebige Welt „auszuschalten“ und einfach bei einem guten Glas Wein im Kreise von Freunden eine wunderbare Aufnahme auf .... Schallplatte zu genießen!

Michael Holzinger

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