Wenn ich kurz etwas sagen dürfte... Hochauflösend gesellschaftsfähig

Download-Angebote haben sich inzwischen als einer der wesentlichsten Vertriebswege für Musik etabliert. Und zwar weltweit und somit ein - wenngleich mit einigen Fallstricken behaftet - globales Angebot geschaffen. Bislang dominieren allerdings nach wie vor Angebote, die eine Qualität anbieten, die deutlich unter jener der herkömmlichen Audio CD liegen, da es sich um verlustbehaftet komprimierte Daten handelt. Noch!

Von Michael Holzinger (mh)
22.08.2011

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Wenn es um Downloads von Musik geht, so ist natürlich an erster Stelle Apple zu nennen. Der Apple iTunes Store hat sich in kürzester Zeit zum absoluten Marktführer entwickelt. Inzwischen ist der Apple iTunes Store nicht nur die klare Nummer eins im Bereich der Musik Download-Portale, Apples Online-Store ist auch insgesamt einer der wichtigsten, in manchen Ländern sogar der führende Vertriebsweg von Musik insgesamt.

So verkauft Apple allein online etwa in großen Märkten mehr „Musik“, als landesweit agierende Handelsketten in Summe an klassischen Audio CDs und Downloads unters Volk bringen. Was zunächst von der gebeutelten Musik-Industrie als Ausweg für die eigene Misere angesehen wurde, hat sich längst ins Gegenteil verkehrt. Der ehemals als Retter gefeierte Steve Jobs, CEO von Apple, wurde mit seinem Apple iTunes Store derart mächtig, dass nun Apple zumeist die Spielregeln vorgibt, denen sich die ehemals so mächtige Musik-Industrie unterzuordnen hat. Die Querelen zwischen Apple und Musik-Industrie interessieren uns nun aber nur am Rande. Dies sei nur angeführt, um zu verdeutlichen, welch immenser Markt hier in den letzten Jahren entstanden ist.

Dementsprechend mannigfaltig ist auch das Angebot im iTunes Store. Allerdings muss man klar sagen, dass das, was man bei Apple online erwirbt, aus qualitativer Sicht ein absoluter Rückschritt zur, aus dieser Perspektive ebenfalls nicht unumstrittenen Audio CD ist. Denn während wir uns mit der CD-Qualität und somit 16 Bit und 44,1 kHz halbwegs angefreundet haben, werden bei Apple Audio-Daten im so genannten AAC-Format, und somit einem verlustbehaftetem Datenformat angeboten. Dies weist zwar nicht so drastische Einbusen auf, wie etwa das MP3-Format, Unterschiede zum „Original“ sind aber dennoch mal mehr, mal weniger klar hörbar.

Und es gibt längst Alternativen, die derzeit zwar noch eine kleine Nische darstellen, sehr bald aber auch für einen breiten Markt interessant sein könnten. So betraten in den letzten Monaten einige Anbieter den virtuellen Marktplatz, die mit allen bislang im Online-Handel von Musik geltenden Regeln brechen. Hier wird Musik nicht in begrenzter, sondern deutlich besserer Qualität angeboten, es wird auf ein offenes, von keinem Unternehmen mit Lizenzgebühren behaftetem Format gesetzt, das zudem über keinerlei Kopierschutz-Mechanismen und somit Einschränkungen verfügt.

Die Rede ist von so genannten FLACs, also Daten, die im FLAC-Format, dem Free Lossless Audio Codec angeboten werden. Und zwar nicht allein in „CD-Qualität“, sondern mitunter deutlicher besser, etwa mit einer Auflösung von 24 Bit und 96 kHz oder sogar 24 Bit und 192 kHz. Man spricht hier von so genannter Studio Master Qualität, denn erstmals erhält hier der Kunde die Möglichkeit, Musik in genau jener Qualität zu kaufen, wie sie im Tonstudio produziert wurde. Auf Grund dieser Tatsache gerät selbst das Weltbild audiophiler Anwender ins wanken, die bislang allein auf Schallplatte schworen und CDs als Teufelszeug ansahen.

Wer nun denkt, dies sei ein sehr eingeschränktes Angebot, das sich allein an eine kleine Schar von Klangfanatikern richtet, der irrt gewaltig. Einerseits wächst das Angebot derzeit geradezu explosionsartig. So gibt es immer mehr Anbieter, zum anderen gelang es etwa der US-amerikanischen Plattform HDtracks.com, eine umfassende Zusammenarbeit mit dem Musik-Giganten Warner Music abzuschließen und somit auf einen immens vielseitigen und großen Katalog zuzugreifen. Und dies dürfte nur ein Vorgeschmack dessen sein, was in den nächsten Monaten passiert. Denn wie bereits erwähnt ist die Musik-Industrie durchaus auf der Suche nach Alternativen zum derzeit den Markt völlig dominierenden Apple iTunes Store.

Interessant ist vor allem, dass die gebotene deutlich höhere Qualität sich zumeist in keinster Weise auf den Preis niederschlägt. So werden hochauflösende Daten im FLAC-Format bei den meisten Anbietern zum gleichen, teils sogar günstigeren Preis als die Audio CD angeboten. Um nochmals ausdrücklich darauf hinzuweisen, natürlich ohne irgendwelche Einschränkungen, inklusive Cover-Artwork und mitunter ausführlichem Booklet im PDF-Format.

Es verwundert daher kaum, dass die größten Zweifler an HD-Downloads ausgerechnet diejenigen sind, die sich bislang mit so genannten audiophilen Datenträgern im wahrsten Sinne des Wortes eine goldene Nase verdienten, da sie ihre Produkte zu teils horrenden Preisen feilboten. Natürlich werden diese Anbieter auch weiterhin - zumindest die nächsten Monate - ihre Kunden finden, die der Überzeugung sind, dass Musik allein dadurch besser klingt, dass sie auf einem güldenen, anstatt silbernem Polycarbonat-Träger dargereicht wird.

Allerdings sehen diese Anbieter ihre Felle schon heute allmählich davon schwimmen und nutzen daher jede Gelegenheit, das stetig wachsende Angebot an Downloads in HD in Zweifel zu ziehen und mitunter sogar zu diskreditieren. So vernimmt man etwa von einem deutschen Anbieter Kommentare wie, es handle sich bei den meisten HD-Downloads gar nicht um echtes hochauflösendes Material, sondern vielmehr einfach um hochgerechnete Rips von Audio CD. Peinlich nur, dass ausgerechnet dieser Anbieter selbst so manche dieser Aufnahmen anbietet, und dabei sehr wohl bewirbt, dass es sich um neu gemasterte Aufnahmen der Original-Bänder handle, die mit „...größter Sorgfalt und unter Zuhilfenahme modernstem Studio-Equipment neu gemastert“ wurden. Was also liegt näher, diese Remaster nicht nur auf Audio CD anzubieten, sondern gleich als hochauflösende Downloads in echter Studio Master-Qualität anzubieten...

Zumal auch die Welt der Unterhaltungs-Elektronik längst auf dieses neue Angebot vorbereitet ist. Und zwar keineswegs nur im kostspieligen High-end Segment. Mit der Verflechtung der Unterhaltungs-Elektronik mit der Welt der IT gehört Streaming, die Integration von Speichermedien und mobilen Devices zur Standard-Ausstattung, selbst im mittleren und sogar unteren Preissegment. So stehen nicht nur günstige Audio-Streaming Lösungen zur Verfügung, die selbstverständlich auch Daten im FLAC-Format abspielen können, sondern auch kompakte Audio-Systeme, AV-Receiver, Blu-ray Player, ja selbst so mancher Fernseher versteht sich auf die Wiedergabe dieses Formats, wenngleich die praktische Bedeutung in diesem Fall eher gleich Null ist. Und für alle Geräte, die es nicht können, gibt‘s für jedes Betriebssystem kostenlose Werkzeuge, die eine Konvertierung in jedes andere Format gestatten.

Natürlich gilt auch hier, dass die tatsächliche Qualität durch alle Bestandteile einer Kette bestimmt werden. Wer also wirklich das Optimum aus hochauflösenden Daten im FLAC-Format kitzeln möchte, der wird auf ein entsprechend hochwertiges HiFi-System setzen müssen. Dann kann man tatsächlich nachvollziehen, warum hochauflösende Daten als Studio Master bezeichnet werden. Auf Grund der Auflösung, der Details und Dynamik wird man rasch verstehen, dass Musik als MP3, AAC, ja selbst in Form der Audio CD nicht der Weisheit letzter Schluss war...

Wer sich ein Bild davon machen möchte, welch reichhaltiges Angebot an hochauflösenden, oder zumindest nicht verlustbehaftet kodierten Aufnahmen bereits als Download verfügbar ist, dem sei als erstes natürlich der größte Anbieter mit dem umfangreichsten Programm, die US-amerikanische Webseite HDtracks.com empfohlen, die über den Umweg über PayPal auch europäischen Kunden offen steht und schon allein auf Grund der attraktiven Preise für jeden Musikfreund einen Besuch wert ist. Hier reicht das Angebot von Rock, Pop, Blues, Jazz, Folk, Easy Listening bis hin zur Klassik.

Eher Klassik sowie smoothen Jazz, aber auch Blues und Singer/ Songwriter mit starker Affinität zur lokalen schottischen Musik-Szene findet man bei Linn Records. Ebenfalls eher im Bereich Jazz, aber auch in Klassik und Singer/ Songwriter beheimatet ist Naim, wobei sowohl Linn als auch Naim zunehmend mit der ein oder anderen erstklassigen Pop und Rock-Produktion aufwarten können.

Sehr empfehlenswert ist übrigens auch ein Besuch der Webseite des norwegischen Labels 2L von Morten Lindberg, der sich vor allem auf zeitgenössische Klassik aus Skandinavien spezialisiert hat, aber ebenso Standard-Werke der Klassik anbietet und sich in letzter Zeit zunehmend auch in Richtung Jazz orientiert. Lindberg und sein Team prodizieren außergewöhnliche Aufnahmen auf Pure Audio Blu-ray, Super Audio CD, aber bieten diese eben auch als Download im FLAC-Format an. Zudem stehen hier ein paar Demo-Files zum kostenlosen Download bereit, um sich ein Bild von den tatsächlichen Qualitätsunterschieden der verschiedenen Auflösungen und Datei-Formate zu machen.

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