High End 2013: In diesem Jahr machten Anbieter von Tonträgern mit teils astronomischen Preisen auf sich aufmerksam und sorgten für Unmut bei so manchem Besucher der High End 2013." /> Sempre Audio

Wenn ich kurz etwas sagen dürfte... Mit leeren Händen

High End 2013: Messen wie die High End in München sind normalerweise für das Team von sempre-audio.at eine gute Gelegenheit, mit viel zu vielen neuen Tonträgern von dannen zu ziehen. In diesem Jahr aber traten wir die Heimreise mit leeren Händen an.

Von Michael Holzinger (mh)
13.05.2013

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Seit Jahr und Tag klagt die Musikindustrie über stagnierende oder gar sinkende Absätze von Tonträgern. Nahezu immer wird dabei das „böse, böse“ Internet als der Quell allen Übels dargestellt, wenngleich darüber zahllose sehr kontroversielle Diskussioinen geführt werden, die bislang zu keinem wirklichen Ergebnis führten, und dies wohl auch niemals werden. Doch das soll gar nicht unser Thema sein, denn Fakt ist, Tonträger in ihrer bisherigen Darreichungsform sind tatsächlich für viele Kunden kein Thema mehr. Musik wird tatsächlich in erster Linie übers Web konsumiert, aber längst nicht mehr allein über illegale Tauschbörsen. Download-Anbieter können seit Jahr und Tag Umsatzzuwächse verbuchen, die niemals zuvor im klassischen Vertriebsweg auch nur annähernd erzielt wurden. Und auch On-demand-Anbieter sowie Streaming-Dienste erfreuen sich größter Beliebtheit und sind somit inzwischen ein maßgeblicher Faktor für die Industrie.

Fest steht aber auch, dass es eben auch jene Zielgruppe gibt, die zwar eventuell auch diese Dienste nutzen, aber dann doch einer Sammelleidenschaft frönen, die es geradezu erzwingt, all die Alben auch tatsächlich als Tonträger zu besitzen. Ein paar Bytes als Download, und sei es auch mit Cover-Artwork, reicht da nicht aus. Diese Bytes auf einer Festplatte oder gar nur als On-demand Angebot, die können das Bedürfnis eines stolzen Sammlers nicht befriedigen. Da muss es nach wie vor die Audio CD, im besten Fall sogar als Special-Limited-Edition sein, da geht nichts über eine aufwendig produzierte Vinyl, die mit edlem Cover und ausreichend Beigaben versehen, das Herz des leidenschaftlichen Sammlers erfreut.

Derartige Musikliebhaber sind somit eine immens treue Klientel, und für bemühte Anbieter eigentlich - man kann es ja gar nicht anders formulieren - eine unerschöpfliche Einnahme-Quelle. Über den Tisch ziehen aber lassen auch sie sich nicht.

Aber genau dieses Gefühl beschleicht wohl so manchen Sammler dieser Tage, wenn er sich das Angebot ansieht, das genau ihn im Visier hat. Da werden mehr oder weniger aufwendige Re-Issues, produziert und zu recht stolzen Preisen feilgeboten. Da tauchen so manche Remaster mit angeblich noch nie da gewesener Qualität auf, bei denen man sich fragt, wie dies angesichts der Umstände der Original-Aufnahme mit halbwegs realistischen Mitteln zu bewerkstelligen wäre. Oder aber man lockt Musik-Liebhaber mit dem als Komplett-Set verpackten Œuvre eines Künstlers oder einer Band, eines Orchesters oder anlässlich eines Komponisten, und verleitet Sammler vielfach dazu, so manche Aufnahme doppelt und dreifach zu erwerben, damit seine Sammlung dennoch um ein paar Schätze anwächst. Wenngleich dies gerade in den letzten Monaten recht bunte Auswüchse annimmt, ist dies alles soweit in Ordnung und ein freies Spiel des Marktes.

Seltsam mutet es aber an, wenn so mancher das Spiel versucht auf die Spitze zu treiben, und dabei mitunter gehörig übers Ziel hinaus schießt. Geradezu skurril wird es, wenn dies ausgerechnet jene Anbieter sind, die sonst nicht müde werden, den Verfall der „Werte“ zu bekritteln, und sich maßlos über angeblich unseriöse Preistreiber und - einmal mehr - das böse Internet beschweren, die das Leben der sorgfältig arbeitenden Geschäftsleute in diesem Segment erschweren oder gar unmöglich machen.

So sind etwa Messen wie die High End in München für das Team von sempre-audio.at stets eine perfekte Gelegenheit, um ein wenig „Zusatzgepäck“ für die Heimreise zu erstehen. Und zwar in Form von Tonträgern jedweder Art, sei es nun als exklusive Sammler-Box von Audio CDs, Schallplatte, oder aber ganz bunt durchgemischt ein vielfältiges Potpourri an Tonträgern, die man schon immer haben wollte. Normalerweise verleitet das doch erfreulich umfangreiche Angebot ja geradezu zum kaufen.

In diesem Jahr aber, da fiel es uns geradezu sehr leicht, standhaft zu bleiben und ohne auch nur eine einzige neue Audio CD oder Schallplatte von dannen zu ziehen, die Heimreise also diesbezüglich mit leeren Händen anzutreten.

Der Grund dafür war nicht etwa ein in diesem Jahr kleines Angebot, ganz im Gegenteil. Da hätte es durchaus die ein oder andere Aufnahme gegeben, die in unserer Sammlung noch fehlt, und auch auf so manche Neuerscheinung freuten wir uns bereits, und haben deren Kauf ganz gezielt bis zur High End 2013 hinausgezögert. Denn da ist ja ohnedies eine gute Gelegenheit, dem Shopping-Fieber zu frönen. Doch daraus wurde nichts. Das Shopping-Fieber war rasch abgeklungen, als wir die in München von so manchem Anbieter ausgerufenen Preise sahen. Wir würden es freundlich als „sportlich“ bezeichnen, so mancher Messebesucher war da nicht so zurückhaltend, und Begriffe wie Frechheit oder unverschämt waren da noch die gesellschaftsfähigsten Ausdrucksweisen.

So waren etwa € 40,- und mehr für eine reguläre Audio CD nicht die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel an so manchem Stand. Und es fiel schwer, eine Schallplatte unter € 30,- zu finden, vor allem dann, wenn diese aus dem Hause der üblichen „Verdächtigen“ stammte, sprich, von einem renommierten audiophilen Label. Auch hier war dann zumeist eher € 40,- oder gar € 50,- und mehr die Regel. Besonders dreist fiel uns die ein oder andere Sammler-Box auf, die um teils wirklich maßlos überhöhte, und durch nichts zu rechtfertigende Preise feilgeboten wurde. Und das selbst von Anbietern, bei denen die gleiche Box online deutlich günstiger zu haben ist. Das teils sichtlich gelangweilte Standpersonal, das durchaus offen zur Schau stellte, dass es bereits als Zumutung verstanden wird, wenn ein Kunde zahlen will oder gar sich erdreistet, eine Frage zu stellen, kann wohl kaum als Argument für diesen "Aufpreis" herhalten.

Wohlgemerkt, es spricht nichts gegen einen angemessenen Aufpreis, wenn es sich tatsächlich um echte Sammler-Stücke handelt, die der ein oder andere Anbieter exklusiv offerieren kann. Auch so manch aufwendige Produktion, eine entsprechend hochwertige Aufmachung, vielleicht gar von einem kleinen Label in kleiner Serie gefertigt rechtfertigt natürlich einen angemessenen Preis. In diesem Fall waren es aber durchwegs Aufnahmen, die man überspitzt formuliert haargenau in dieser Form an jedem Eck erstehen kann, zumindest reicht dazu ein Besuch bei Amazon.de.

Und damit sind wir auch schon bei des Pudels Kern angelangt... Auch wenn Amazon.de hinlänglich als „Preistreiber“, und auf Grund jüngster Diskussionen wohl nicht unbedingt als Arbeitgeber erster Wahl verschrieen ist, zumindest wenn es um die Preise geht, ist Amazon keinesfalls einer der günstigsten Anbieter, auch nicht bei Tonträgern. Das schafft der lokale Fachhandel zumeist locker zu unterbieten, ohne dabei wirklich ein Verlustgeschäft hinnehmen zu müssen. Umso abstruser wirkt es dann, wenn es ausgerechnet jene Anbieter sind, die sich über Amazon.de und ähnliche lauthals beschweren, die Kunden aber mit offensichtlich überzogenen Preisen genau in die Hände des Online-Handels treiben.

Besonders erstaunt hat uns in München übrigens ein Anbieter, der für die Bezahlung mittels Kreditkarte gleich nochmals 3 Prozent extra kassieren wollte. Wir sind ja keine Experten, aber vielleicht sollte sich dieser Geschäftsmann doch einmal die von ihm mit den Kreditkarten-Firmen abgeschlossenen Verträge ansehen, die derartige „Bonus-Zahlung“ dezidiert ausschließen, zumindest nach der uns auf Nachfrage bei Mastercard und VISA vorliegenden Informationen. In Österreich zumindest wäre dies, nach Auskunft des Vereins für Konsumenteninformation, ein klarer Verstoss gegen das Zahlungsdienstegesetz. Wird wohl in Deutschland nicht anders aussehen...

Und selbstverständlich ich hab meinen Shopping-Drang gleich Abends im Hotelzimmer ausgelebt, und all die Alben Online geordert, die ich eigentlich vor Ort in München kaufen wollte, bei den angeblichen Spezialisten. Und nur so nebenbei, ich hab wohl genauso viel Geld ausgegeben, wie meine Wunschliste in München auf der Messe gekostet hätte, auch wenn die einzelnen Alben deutlich günstiger waren. Allerdings wurde es dann eben das ein oder andere Album mehr. Und „die“ akzeptierten anstandslos mein Geld, auch wenn es von Kreditkarte kommt. Und geliefert wurde auch bereits - heute morgen...

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