Wenn ich kurz etwas sagen dürfte... Reif für die Insel!

Immer wieder stellt man fest, dass man in der alltäglichen Hektik geradezu unterzugehen droht. Ab und an ist es also durchaus angebracht, sich diesem Stress zu entziehen und sich etwas Zeit für sich selbst zu gönnen. Klugerweise bevor der Punkt endgültig erreicht ist, an dem man wirklich reif für die Insel ist...

Von Michael Holzinger (mh)
31.01.2011

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Es war einer jener nasskalten Abende, an dem einmal mehr bei einer launigen Diskussion im Freundeskreis übereinstimmend über den alltäglichen Stress und die ständige Hektik im Berufs- als auch Privatleben geklagt wurde. Wie so oft mündete diese Runde, die auf Grund des Themas nahezu schon die Form einer Selbsthilfe für vom Burn-out Betroffene annahm, in der Feststellung, dass allesamt eigentlich „reif für die Insel“ wären.

Allerdings drifteten die Vorstellung darüber, wie denn so eine Insel idealerweise auszusehen habe, etwas auseinander. So kann ich persönlich - scheinbar im Gegensatz zu allen anderen an diesem Abend versammelten - endlosen Sandstränden, tropischer Hitze und Palmen nur sehr wenig abgewinnen, was offenbar, wohl auch auf Grund der vorherrschenden Wetterlage, als konsensfähig Idealvorstellung gehandelt wurde. Mit der Ansicht, dass mich das trübe Wetter, abgesehen von den zugegeben etwas frostigen Temperaturen, eigentlich gar nicht so stören würde, meine Insel also durchaus vor der Küste Schottlands oder Irlands liegen dürfe, da mir sanfte, grüne Hügel getaucht in Nebel doch lieber wären, war ich somit ziemlich alleine.

Meine Vorliebe für guten Whiskey anstatt irgendwelcher gepanschter Longdrinks wurde zwar noch akzeptiert, bei meiner Antwort auf die unweigerliche Frage, welche drei Dinge man denn mit auf die Insel nehmen würde, stieß ich jedoch zunächst auf heftigen Widerstand. Denn natürlich lautete meine Antwort auf die Frage spontan: meine Musik-Sammlung!

Dieser Wunsch wurde jedoch sofort einhellig mit dem Vorwand abgeschmettert, dass eine Regalwand vollgefüllt mit LPs und CDs wohl kaum als „drei Dinge für die Insel“ durchgehen kann.

Hätten die Mädels und Jungs aber geahnt, dass sie nun eine allgemeine Belehrung über die multimedialen Fähigkeiten moderner mobiler Lösungen über sich ergehen lassen müssen, hätten sie wohl mein CD-Regal als Handgepäck anstandslos akzeptiert. So aber war ich voll in meinem Element, setzte mein Apple iPad auf die Liste und referierte eifrig drauf los, was damit nicht alles möglich wäre.

Damit hätte ich nämlich zumindest meine absoluten Lieblings-Musikstücke mit - in etwa so rund 2.000, 3.000 Alben, also wirklich nur das allernötigste - und selbstverständlich in erstklassiger Qualität in nicht verlustbehaftet komprimierten Formaten. Zudem wäre dann ja auch der ein oder andere Film plötzlich mit auf Reisen, wobei ich ja zuvor bei meiner ersten spontanen Antwort daran ja nun nicht einmal gedacht hatte. Auch die von anderen im Freundeskreis geäußerten Bücher wären somit kein Problem, wobei ich mich nunmehr ja gar nicht auf ein Buch beschränken müsste. Ein paar hundert eBooks dürfen‘s dann schon sein. Geradezu verächtlich blickte ich dabei in die Runde jener, die zuvor krampfhaft versuchten, ihr persönliches Lieblingsbuch zu benennen, das unbedingt mit im Gepäck sein sollte. Zur Not könnte ich auch, selbst auf einer einsamen, aber hoffentlich mit bester Kommunikations-Infrastruktur ausgestatteten Insel, damit auf Online-Inhalte im Internet zugreifen - sofern es mir dann doch zu langweilig wird. Außerdem bestünde zudem die Möglichkeit, mein HiFi-System zu steuern und Inhalte unmittelbar darüber abzuspielen...


Aber an diesem Punkt sahen die bislang zum still an ihrem Wein nippenden und zum zuhören verdammten Anwesenden ihre Chance, meinen Monolog jäh zu unterbrechen. Die HiFi-Anlage war ihrer Ansicht nach dann schon wieder zuviel des Guten. Also setzte ich noch ein paar hochwertige Kopfhörer und meine Zahnbürste auf die Liste für meinen Tripp auf die Insel. Denn auf die würde ich ebenfalls nur sehr ungern verzichten...


Michael Holzinger

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