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Wie man sich selbst ein Bein stellt…

Wenn man sich Tag ein, Tag aus, mit einer gewissen Materie befasst, so sollte man meinen, dass man über die Zeit hinweg eine gewisse Expertise erarbeiten kann, die zu einer Souveränität führen, um nahezu jedwedem Problem mit Routine und Gelassenheit zu begegnen. Nebstbei, Probleme, welche Probleme…

Kurz gesagt...

Selbst wenn man meint, man versteht sich auf eine gewissen Materie, oft reichen kleine Details, an denen man scheitert.

Wir meinen...

Gelegentlich scheitert man an Details, an die man eigentlich denken hätte müssen, nein, die vielmehr eigentlich selbstverständlich sind, an die man aber eben nicht dachte. Vor allem aus der Routine heraus sind es oft wirklich Kleinigkeiten, die Sand ins Getriebe bringen können und durchaus am Nervenkostüm zehren.

Von Michael Holzinger (mh)
28.11.2016

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Es gibt jene, die bei der Verwaltung ihrer Musik-Sammlung auf Festplatte als Grundlage für eine Streaming-Lösung recht locker und unbekümmert ans Werk gehen. Das, was ihnen die Programme an Vorgaben für die Beschriftung der Daten vorgeben, ist ihnen meist gut genug. Interpret, Album-Titel, Song-Titel, und natürlich Cover Artwork, das muss entsprechend vorhanden sein, dann passt das schon.

Ich halte fest, zu dieser Gruppe gehöre ich definitiv nicht!

Wenn es um die Erfassung und Verwaltung der Audio-Daten für meine Mediathek geht, da bin ich nicht nur Perfektionist, so manchem mag dies bereits pedantisch und ganz und gar übertrieben erscheinen, was ich diesbezüglich anstelle. Ja, mir ist es wichtig, dass da einfach alles stimmt, schließlich eröffnet erst eine gut gehegte und gepflegte Mediathek alle Vorteile, wie etwa das Suchen nach ganz bestimmten Kriterien, und das in den Kontext setzen einer Aufnahme mit anderen. Gut, das wirklich perfekte System habe ich bislang noch nicht gefunden, aber zumindest eine weitestgehend praxisgerechte Vorgehensweise, die annähernd alles bietet, was ich mir wünsche.

Bei herkömmlichen Rock-, Pop-, Folk- oder Blues-Aufnahmen mag es kein wirklich großes Problem sein, die von diversen Online-Datenbanken gelieferten Daten zu übernehmen. Das passt auch mir zumeist, bis auf einige Ausnahmen, bei denen ich noch zusätzlich Hand anlege. Ganz anders aber sieht es bei Aufnahmen aus der Klassik aus. Zum Haareraufen ist es, was da so manche Online-Datenbank ausspuckt, und ein Programm zum Rippen von Audio CDs, aber auch so manche Abfrage eines ID-Tag Editors an Daten in die Mediathek ein pflegen will.

Nein, Mozart hat niemals eine CD aufgenommen, es ist also schlichtweg falsch, dass Mozart als Titel- oder Album-Interpret auftaucht. Auch Beethoven oder Haydn sind hier fehl am Platz, aber durchaus üblich, wie es scheint. So wird bei mir etwa ein Solist oder der Dirigent als Album-Interpret ausgewählt, wobei: was spricht dagegen, ein Orchester als solches anzugeben, ebenso den Dirigenten und etwaige Solisten? Für all das gibt es entsprechende ID-Tags, man muss sie nur zu nutzen wissen, aber das ist ein anderes Thema. Ich bin ja schon damit zufrieden, wenn das Feld des Komponisten zumindest einen halbwegs nachvollziehbaren Namen aufweist. Dass dies über mehrere Alben hinweg, ja gar innerhalb einer CD einheitlich ist, erwarte ich schon gar nicht. Da findet man Beethoven, Beethoven L.v., Ludwig van Beethoven, L.v.Beethoven, alles bunt gewürfelt. Besonders spannend kann es auch bei Komponisten wie Georg Friedrich Händel werden, vor allem, wenn man deutsche Aufnahmen und englische Aufnahmen hat. Und gar nicht auszudenken, welch Variationen erst Komponisten wie Pjotr Iljitsch Tschaikowski oder Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow eröffnen…

Dann geht es an die einzelnen Tracks. So manchem mag es reichen, wenn eine CD mit der 5. Symphonie von Beethoven die Tracks „1. Allegro“, „2. Andante“ und „3. Allegro“ sowie „4.Allegro“ enthält, ich würde es definitiv etwas detaillierter bevorzugen. Gleiches gilt für Opern, bei denen ich eine Beschriftung im Stile „Verdi: La Traviata, 1. Akt - 1. Szene „Lunge da lei…“ gegenüber „Scene 1 Aria“ ganz klar bevorzuge.

Also, wieder einmal genau nach besagtem Schema vorgegangen, alles fein säuberlich vom Booklet abgetippt, und dann noch alle Files in einen Ordner verfrachtet. Wieso müssen Rip-Programme stets zwei Ordner anlegen für Doppel-Alben? Und damit da auch die tatsächlichen File-Namen passen, gleich anhand der ID-Tags in einem Rutsch die Daten unbenannt, noch auf die NAS damit, und fertig.

Aber hallo, wo ist das eben gerippte und so aufwendig edierte Album? Warum taucht das nicht und nicht in der App der Streaming-Lösung auf? Ein Blick auf die NAS verrät, alles da wo es hingehört, also nochmals neu indizieren, dann klappt das schon…

Oder auch nicht…

Ich gestehe, es hat mich einen halben Tag gekostet, bis ich erkannte, dass ich an meiner eigenen i-Tüpferlreiterei gescheitert bin, mir also ganz klar selbst ein Bein gestellt habe.

Bleiben wir gleich bei dem zuvor erwähnten Beispiel, um zu verdeutlichen, woran ich so kläglich gescheitert bin, nämlich jenem File „Verdi: La Traviata, 1. Akt - 1. Szene „Lunge da lei…“

Was passiert, wenn man diesen ID-Tag eins zu eins fürs Beschriften des Dateinamens selbst heranzieht? Richtig, die Streaming-Lösung kann das File schlichtweg nicht lesen! Umlaute, teils gar Abstände, aber ganz sicher diverse Sonderzeichen sind nicht dafür geeignet, in Dateinamen aufzutauchen. Tun sie das, taucht das File nicht mehr auf.

Ein paar Klicks an der richtigen Stelle in den Preferences des ID-Tag Editors verhindern dies zwar automatisch, aber die muss man zunächst natürlich erst anklicken!

Lange Rede… worauf will ich hinaus: Wenn es mal wieder so ganz und gar nicht funktionieren will, nicht gleich verzweifeln und das schlimmste fürchten, vielfach sind es die klitzekleinen Kleinigkeiten, das eine nicht ausgewählte Häkchen in irgend einem Untermenü, im Zweifelsfall auch mal die eigene „Dummheit“, an der es scheitert. Und es passiert auch jenen, die sich Tag ein Tag aus mit einer bestimmten Materie beschäftigen, als Experte gelten…

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