Foto © Yamaha Music Europe GmbH

Yamaha A-S1100 Stereo Vollverstärker im Test - Wie damals…

Eine edle Aufmachung, Bedienelemente mit dem speziellen Retro-Charme bis hin zu VU-Leistungsanzeiger, eine ausgefuchste Klangregelung und eine reichhaltige Ausstattung des neuesten Spross im Stereo-Segment aus dem Hause Yamaha lassen das HiFi-Herz höher schlagen. Wie eben vor 40 Jahren, erfüllt auch der Yamaha A-S1100 bei noch überschaubarem Preis das Pflichtenheft eines klassischen Stereo Vollverstärkers.

Kurz gesagt...

Yamaha vermittelt mit seinem mittleren Stereo Vollverstärker-Modell Yamaha A-S1100 edle Verarbeitung, liefert eine feine Signalverarbeitung und Ausstattung sowie jene Wertigkeit, die man seit jeher in dieser Klasse von den Japanern gewohnt ist.

Wir meinen...

Der Yamaha A-S1100 setzt Maßstäbe über seinen Preis hinaus. Leistung und feinsten Klang verspricht der durchaus wuchtige Stereo Vollverstärker. Dabei wurde zu einem nach wie vor „bodenständigen“ Preis ein technisch anspruchsvolles Konzept umgesetzt. Liebevolle Detail-Lösungen vereinen sich mit perfekter Technik zu einem anspruchsvollen Gesamtkonzept, wobei vor allem die integrierte Phono-Vorstufe als besonderes Highlight gewertet werden muss.
Hersteller:Yamaha Music Europe GmbH
Vertrieb:Yamaha Music Europe GmbH
Preis:€ 1.699,-

Von Juergen Weber-Rom
21.12.2015

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Der japanische Konzern Yamaha ist aus der gehobenen Unterhaltungselektronik seit Jahr und Tag nicht wegzudenken. Über Jahre hinweg fokussierte man sich stark allen voran auf das Home Cinema-Segment, wie so viele andere Unternehmen in diesem Bereich. Wer aber glaubt, dem ambitioniertem Musikliebhaber reicht die durchaus etablierte multimediale Surround-Technik für den Musikgenuss, wähnt sich unter Garantie auf dem Irrweg, und auch sehr feine Kompakt-Systeme sind natürlich nicht immer der Weisheit letzter Schluss. Die Alleskönner leisten scheinbar vieles, weisen aber im Vergleich zur klassischen Zweikanal High-end-Welt eben nur Allroundfähigkeiten auf, kompakte All-in-One Systeme wiederum spielen nicht wirklich auf dem Niveau, das sich so mancher Musik-Liebhaber wünscht. Das Herz dieser Musikliebhaber schlägt vielfach nach wie vor für die gute „alte“ HiFi-Welt in Stereo. Die Stunde für die klassische Stereo-Komponente schlägt einmal mehr, ungerührt vom Multichannel-Wahn und All-in-One Multiroom-Lösungen, allen voran Yamaha hat das frühzeitig erkannt, und entsprechend auf diesen Trend reagiert.

Den Trend erkannt…

Yamaha ist einer jener Konzerne, die auf eine vielseitige Unternehmensstruktur setzen können. Ganz speziell das Produktsortiment von Yamaha beginnt gar beim Musiker selbst, geht über den Studio-Ausstatter, bis hin zum HiFi-Liebhaber und Heimkino-Enthusiast. Der japanische Konzern vermag nahezu jeglichen Bedarf zu decken, und das freilich gar auf dem jeweils bestmöglichen Klangniveau. Ein Anspruch, der beileibe nicht von jedem Anbieter erfüllt wird.

Die sogenannte High-end-Welt bietet heute vielleicht noch viel mehr an Kuriositäten und sagenhaften Gerätschaften, welche gerne mal preislich jegliche Vorstellungskraft sprengen. Yamaha vermag solche Superlativen durchaus zu leisten, da sind wir uns sicher. Dennoch findet man keine derartigen Produkte im Portfolio. Das mag sicherlich mit einer gewissen Bodenständigkeit zusammenhängen, und ja, auch Marktchancen spielen hier eine Rolle in den Planungen der Japaner. Aber vielleicht ist es auch ganz einfach der Umstand, dass Yamaha als global agierender Konzern dann doch keine Nische bedienen will, sondern vielmehr zu realistischen Preisen feinstes HiFi baut, das sich an eine möglichst breite Kundenschicht richtet.

Der neue Stereo Vollverstärker Yamaha A-S1100 tritt an, um genau diese Fähigkeiten einmal mehr unter Beweis zu stellen. Er wartet als klassischer Zweikanal-Vollverstärker mit einer praxisgerechten Ausstattung und Leistung auf, dies sei gleich zu Beginn verraten. Mit seinem empfohlenen Verkaufspreis von etwa € 1.700,- hat er die preiswerte Consumer-Klasse zwar ganz klar verlassen, bleibt aber dennoch für viele Musikenthusiasten durchaus erschwinglich, und erfreut dabei mit einer makellosen und hochwertigen Verarbeitung. Feines Aluminium, das schwere Gewicht durch zahlreiche hochwertige elektronische Bauteile, einem überwiegend diskreten Aufbau und dicken Transformatoren, fördern sehr schnell den sprichwörtlichen „haben wollen“ Impuls. Dabei befindet es sich in guter Gesellschaft, denn er ist „nur“ der neueste Spross von Yamaha in klassischen Stereo-Segment, das sich bei den Japanern bestens aufgestellt präsentiert und vom tatsächlichen Einstiegs-System bis hin zur besonders edlen Vor- und Endstufen-Kombination der Referenz-Klasse einiges an sehr, sehr feinen Lösungen zu bieten hat.

Anschluss gesucht?

Der gut 23 kg schwere Edel-Verstärker des japanischen Unterhaltungselektronik-Konzerns bietet, abgesehen von digitalen Schnittstellen, die gibt es hier nicht, in bewährter Art und Weise zahlreiche Eingänge, also für analoge Quellen, darunter gar einen hochwertigen Phono-Anschluss für wahlweise MM- als auch MC-Tonabnehmer-Systeme. Die obligatorische Masse-Buchse ist natürlich vorhanden, und erlaubt das Vinyl-Laufwerk zu erden. Im Detail handelt es sich bei den analogen Anschlüssen um insgesamt vier Cinch-Pärchen - wobei der Eingang Line 2 sogar mit einem Record-Out etwa für Tape Decks ausgestattet ist. Auf die sogenannte Monitor-Schaltung wurde aber verzichtet. Direkte Hinterband-Kontrollen sind demzufolge lediglich über das entsprechend ausgestattete Aufnahmegerät möglich. Das sollte aber heute kein Beinbruch mehr darstellen, denn viele Musikhörer setzen eher auf die digitale Welt, denn auf alte analoge Bandtechniken.

Meist unerwähnt, aber umso hilfreicher ist die Möglichkeit, den Verstärker in eine Heim-Automatisation einzubinden. Für die Technik-affinen Tüftler bieten sich die Trigger In- und Out-Buchsen an, welche eben jenen Komfort bieten. Ganz und gar nicht geheimnisvoll ist der kleine Schiebeschalter, der den so genannten Auto Power-Standby aktiviert. Er erlaubt es dem Verstärker, nach acht Stunden automatisch in den Standby-Modus zu schalten, sofern er nicht bedient wird.

Die Quellenwahl kann direkt an den entsprechenden Bedienelementen auf der Frontplatte und über die edle und erstaunlich schwere Fernbedienung getätigt werden. Der Verstärker gibt über kleine in die Frontplatte eingelassenen gelben LED-Anzeiger jederzeit Rückmeldung. Lediglich der Wert der Lautstärke-Einstellung ist nicht ablesbar. Die kleine Kerbe auf dem Regler ist leider aus bereits mittleren Entfernungen nicht mehr erkennbar. Erwähnenswert, wenn man neugierige und fingerfertige Kinder hat, und diese ebenso „Technik-affin" sind wie die Eltern…

Alles im Griff

Die Fernbedienung möchten wir gerne an dieser Stelle explizit lobend erwähnen. Selbst bei sehr teuren Geräten kann es vorkommen, dass ein billiges Plastikteil beigelegt wurde. Nicht so Yamaha, hier wird dieselbe Leidenschaft und Akribie an den Tag gelegt, wie beim Gerät selbst. Auch wenn das hintere Gehäuse des Gebers „nur“ aus einem - zugegebenermaßen hochwertigen - Kunststoff gefertigt wurde, verwöhnt die Tastenoberfläche mit feinstem Aluminium. Die Drucktasten, dessen Druckpunkt selbstverständlich perfekt ist, sind hierbei ebenfalls aus demselben Material gefertigt wie die Oberfläche des Gebers. Ich erinnere an dieser Stelle daran: der Verstärker kostet keine Unsummen.

Funktional verwöhnt der Geber mit der Auswahl der Quellkomponente am Verstärker, dem Standby-Modus des Verstärkers, und eines hauseigenen Audio CD bzw. SACD-Players, wobei auch dieser Player in Grundfunktionen mitgesteuert werden kann. Etwa das Öffnen der Lade, die Anwahl des Layers (SACD-Spur oder CD-Spur) und die Wiedergabe-Pause-Stoppfunktionen. Als feines Zusatzzuckerl kann auch ein FM-Tuner von Yamaha über diese Fernbedienung gesteuert werden. Das FM- oder AM-Sendeband und die einzelnen gespeicherten Sender-Presets können hierbei der Reihe nach angewählt werden. Man kann also von einer feinen System-Fernbedienung sprechen.

Die Lautsprecher werden über sehr solide und vollvergoldete Anschlussklemmen verkabelt. Hierbei kann man die Lautsprecherkabel sehr flexibel konfektionieren. Auch wenn hochwertige Anschluss-Stecker die erste Wahl darstellen sollten, lassen sich Kabelenden (bis rund 6 mm im Durchmesser) sicher verkabeln. Um Bananen-Stecker anschließen zu können, muss man allerdings die Buchsen-Kopfe abschrauben und die kleinen Kappen entfernen, welche die Steck-Öffnung ab Werk verschließen. Eine kleine Prozedur, welche in ein paar Minuten erledigt ist. Der Musikliebhaber kann insgesamt zwei Lautsprecher-Paare anschließen, wobei hier auf die gesamte Impedanz Rücksicht genommen werden will, wenn diese gleichzeitig angesteuert werden sollen. Die Griffigkeit der Knöpfe ist hervorragend ergonomisch ausgeformt, sodass ohne besonderen Kraftaufwand die Anschlüsse zugedreht werden können.

Obligatorisch mutet die Einbindung des Verstärkers in ein Heimkino-System an. Hierzu bietet der Verstärker den sogenannten „Main In“ Eingang an. Über diese Schnittstelle steuert ein Heimkino-Verstärker die Endstufen des Yamaha A-S1100. Der Vorverstärker-Teil des Verstärkers ist somit stillgelegt.

Die Leistung stimmt…

Die Leistungswerte können sich sehen lassen. Die Endstufe des Verstärkers knechtet die angeschlossenen Lautsprecher-Systeme mit 90 Watt an 8 Ohm und mit 150 Watt an eine 4 Ohm Anschlussimpedanz. Die Musik-Spitzenleistungen beginnen bei 105 Watt an 8 Ohm, und werden mit bis zu 220 Watt an einer 2 Ohm Last angegeben. Die Frequenzband-Breite kann sich ebenfalls durchaus sehen lassen, denn 10 Hz bis 50 kHz versprechen ein sehr breitbandiges Klangerlebnis.

Die Anschlusswerte für Quellgeräte entsprechen dem derzeitigen Standard, und erlauben selbstverständlich den sorgenfreien Anschluss aller derzeitigen Geräte, die der Markt bereithält. Der Phono-Eingang ist praxisgerecht empfindlich, wobei für den MC-Eingang 50 Ohm und für den MM-Eingang 47 kOhm voreingestellt sind. Klirrfaktorwerte befinden sich für die Vinyl-Liebhaber dabei immer im 0,0… Prozent-Bereich. So gibt Yamaha für den MC-Eingang einen Klirrfaktorwert von 0,02 Prozent an, und für MM sogar 0,005 Prozent. Die Abweichung von der RIAA-Kennlinie beträgt +/- 0,5 dB. Ein Wert, der sich bis weit über diese Preisklasse hinaus sehen lassen kann.

Wie eingangs erwähnt, ist der Yamaha A-S1100 zwar alles andere als der Kleinste, aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange im Verstärker-Sortiment der Japaner, und doch kann man mit diesem neuesten Produkt sehr lange glücklich und zufrieden Musik genießen. Der Optikfaktor und die Haptik spielen für uns HiFi-Liebhaber durchaus eine wichtige Rolle. Und hier weiß der neue Kraftmeier gleich auf den ersten Blick bzw. dem allerersten Kontakt zu überzeugen.

Bei seinen Abmessungen von 43,5 cm in der Breite und 46,3 cm in der Tiefe benötigt der Yamaha A-S1100 einen respektablen Platz im Rack oder auf dem Sideboard. Die Höhe wird mit 15,7 cm angegeben. Als besonderes Feature muss man die höhenverstellbaren Füße erwähnen. Speziell dann, wenn Sie etwa eine edle Naturschiefer-Platte als Unterlage für das Gerät verwenden. Vier Standfüße neigen nun mal bei unebenem Grund zum kippen und wackeln, und das will man tunlichst vermeiden. Die Standfüße sind drehbar gefertigt und erlauben in einem gewissen Rahmen die Niveau-Anpassung an den Untergrund. Die 23,3 kg Gewicht resultieren aus einem enorm stabilen Gehäuse, einem diskreten Aufbau und natürlich aus einem massiven Transformator im Netzteil. Die erdfreie und vollkommen symmetrisch aufgebaute MOSFET-Endstufe verlangt nach einem kräftigen und leistungsstarken Netzteil. Die Ausgangselemente haben sowohl auf Plus- als auch auf Minus-Seite die gleiche Polarität, der NFB (Negative Feedback)-Schaltkreis sowie die Stromversorgung sind dabei auf insgesamt vier Plus- und Minusseiten des linken und rechten Kanals aufgeteilt. Das Ergebnis ist ein völlig symmetrischer Push-Pull-Betrieb der Ausgangsstufe. Darüberhinaus ist der gesamte Endstufen-Schaltkreis erdfrei, und somit nicht von Spannungsschwankungen oder Störspannungen betroffen.

Es sind die Details…

Das Gehäuse ist für diese Preisklasse sehr massiv und aufwändig gefertigt, das haben wir nun bereits mehrfach hervorgehoben. Die Frontplatte etwa ist 5 mm dick und feinpoliert, während die Bedienelemente, denselben Kriterien folgend, sich nahtlos in das Haptik-Erlebnis einfügen. Die Frontplatte wirkt trotz der zahlreichen Bedienelemente aufgeräumt, was nicht zuletzt an den schlanken Klangreglern liegen mag. Neben der Lautsprecherauswahl A+B, oder jeweils ein Lautsprecher-Ausgang einzeln betrieben, vermag der Besitzer die Betriebsart der VU-Leistungsanzeiger zwischen VU und Peak sowie Off zu unterscheiden. Die Einstellung Peak erlaubt es, den elektrischen Ausgangspegel zu betrachten, während VU sich stark an das Hörempfinden annähert.

Wir haben das natürlich neugierig verglichen. Die Ausschläge der Zeiger bei der Einstellung VU wirken intensiver, während sie sich bei der Einstellung Peak wesentlich gedämpfter verhalten. Einen praktischen Nutzen leiten wir nicht ab, verbuchen dieses Feature aber gerne unter „fein, dass es da ist“.

Aber Hand aufs Herz, wer lässt sich von schicken, und vielleicht auch als „altbackenen“ - man verzeihe uns den Ausdruck – VU-Leistungsanzeiger nicht vereinnahmen? Auch wenn diese Anzeige-Instrumente beim Yamaha A-S1100 etwas klein geraten sind, der große Yamaha A-S3000 macht es vor, wie man das Thema auch umsetzen kann, so sind sie hier ebenso gut abzulesen und verleihen dem Verstärker den letzten optischen Schliff.

Die Regler für die Tiefton-Regulierung und Mitten- sowie Hochton-Korrektur weisen konstruktiv eine Besonderheit auf. Die Regelbereiche umfassen +/- 10 dB als Maximalwert der Anhebung oder Abschwächung. Wobei der Hersteller die Übernahmefrequenzen mit 350 Hz im Bassbereich und 3,5 kHz im Hochton-Bereich angibt. Die jeweiligen Spitzen ergeben sich nach der Grafik bei circa 20 Hz und im Bereich von 20 kHz bis 50 kHz.

Die technische Umsetzung der Klangregelung ist bei Yamaha dabei doch gänzlich anders realisiert als sonst üblich. Der technikbegeisterte Musikliebhaber vermerkt wohlwollend, dass die Regelstufen jeweils parallel konzeptioniert sind, und nicht wie oft üblich, seriell geschaltet. Das hat den elementaren Vorteil, dass der Widerstand der Schaltung äußerst gering ausfällt. Bei Null-Stellung der Regler wird die gesamte Schaltung deaktiviert und aus dem Signalweg genommen. Das macht einen sogenannten Direkt-Schalter obsolet und spart damit effektiv Schaltungswege und Kreise.

Vollendete Schönheit einer klassischen HiFi-Komponente mag natürlich im Auge des Betrachters liegen, und stellt per se kein Qualitätskriterium dar, auch wenn wir hier die Themen absichtlich etwas vermischen. Yamaha muss sich diesbezüglich nichts vorwerfen lassen, denn man macht hier einen tollen Job. Ein feines Alu-Kleid und schicke Holzwangen als Seitenverkleidung dürfen getrost den universellen Geschmack treffen. Yamaha zeigt dabei seine geballte Kompetenz als Klavierbauer, und die sind bekannterweise im Klavierlack-Finish käuflich zu erwerben. Die Seitenteile der überaus schicken Retro-Linie der klassischen HiFi-Komponenten sind schlicht perfekt. Wir lassen das an dieser Stelle einfach mal so stehen. Aber auch helle und dunkle Holzvarianten sind erhältlich. So kann man beim Gehäuse zwischen Schwarz und Alu-Natur sowie zwischen drei Varianten der Seitenteile wählen.

Physis und Aussehen wären vorhanden, aber wie sieht es klanglich aus? Immerhin schafft man sich einen Verstärker an, um bestmöglich für das aufgewendete Budget Musik zu genießen. Was die eingesetzte Technik und das Yamaha-Marketing versprechen, wird nach Punkt und Komma umgesetzt, soweit ein vorgegriffenes erstes Urteil.

Und nun zur Praxis…

Das Auspacken der Komponente gerät zu einem Genuss, wobei wir den Teil mit dem Rauswuchten der 23 Kilogramm höflich ausblenden. Die Schutzfolie des Verstärkers ist rutschig und will bewusst mit kräftigen Händen ergriffen werden, sonst wird die Schwerkraft unerbittlich auf ihr Recht pochen. Nachdem die passgenauen Styropor-Teile entfernt sind, und die Schutzfolie fein säuberlich zusammengefaltet im Karton verstaut wurde, steht ein stattlicher Vollverstärker am Tisch, der mit dem Rest der Anlage verbunden werden will. Die Anschlussbuchsen sind penibel sauber verbaut, und lassen uns einmal mehr grübeln, wie man im kommerziellen Groß-Seriengeschäft so sauber und massiv arbeiten kann. Solide und erzstabil finden die Geräte Anschluss. Nach ein paar Gedenksekunden schalten die Relais das Kraftwerk zu den Lautsprecherklemmen durch und das Musikvergnügen kann beginnen. Das Anwählen der Quellgeräte geschieht mit demselben dezenten „Klacken“ tief aus dem Inneren des Verstärkers, und verbreitet das wohlige Gefühl einer feinen high-endigen Verstärker-Anlage.

Nach der ersten Gewöhnungsphase sollte das japanische Kraftwerk an kritischer Musik seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Kräftige Stimmen in einem minimalistischen Klangumfeld sind hier ein harter Prüfstein. Amanda McBroom weiß hier mit felsenfester Stimme zu überzeugen, während das Orchester und die Musiker mit ausreichend Raum ausgestattet die Stimmlagen umgarnen und ein inniges Gesamtspiel darbieten. Zu jeder Zeit vermag der Yamaha A-S1100 dem Musiker Raum zu geben, ohne die Instrumente in einem unangemessen kleinen Raum zu komprimieren. Feinste Anblas-Geräusche einer Trompete werden beinahe magisch in das Klangspektrum eingewoben. Das signalisiert eine enorme Verzerrungsarmut eines modernen Verstärkers, welcher die Tugenden auch im schlimmsten Getümmel konsequent beibehält.

Ein Aufbrechen der Klangbühne in viele Einzelereignisse bei komplexem Musikmaterial ist nicht zu vermerken. Selbst bei enormen Lautstärken vermag der Yamaha A-S1100 Strukturen zu bewahren und kritische Stimmen felsenfest an ihrem angestammten Platz zu behalten. Auch episch breit wirkende Aufnahmen, wie so mancher symphonische Soundtrack, welche mit Synthesizer-Effekten unterlegt sind, behalten Struktur und Ordnung. Eine Souveränität, die man nicht zwangsläufig in dieser Preisklasse erwartet. Auch tonal kann man nichts Negatives finden. Vielleicht gibt es eine „Ahnung“ vom silbrigen Glanz und einer latenten Vorliebe für Obertöne. Möglicherweise ist das ein Attribut aus den hervorragenden Messwerten und den bärenstarken Netzteil und der wieselflinken Antrittsgewalt, aber so genau lässt sich das nicht trennen. Der Verstärker vermag viel Kontrolle und Stärke auszuüben, ohne dabei auf Feinsinn und Charme zu verzichten. Klanglich eine sehr selten erlebte Gratwanderung zwischen Kraft und Finesse.

Es gibt Momente, wo man einfach nur „Gott sei Dank“ sagt. Wir erleben derzeit einen Vinyl-Boom, und das Angebot an tollen Pressungen breitet sich aus. Vinyl-Laufwerke waren ja irgendwie nie verschwunden. Aufschlussreich ist dabei ein Blick auf das Angebot der letzten 20 Jahre. Heute haben wir die technologischen und fertigungstechnischen Möglichkeiten, die Vinyl zu etwas Besonderem zu machen, auch wenn es scheinbar eine veraltete Technik ist.

Der ambitionierte High-ender investiert dabei oftmals nicht unerheblich in ein entsprechendes Analog-Laufwerk, und verlässt sich dabei gerne auf eine externe Lösung zur Vorverstärkung. Die eingebaute Alternative, die internen Phonostufen, haben es da leider unberechtigterweise sehr schwer, denn sie sind „unsichtbar“ über ein Paar Eingangsbuchsen, und ab und an mal durch Auswahlregler zur Anpassung der elektrischen Werte, erreichbar. Dabei schöpft eine Phonoplatine im Inneren eines Vollverstärkers von einer bärenstarken Stromversorgung und absolut kürzeste Signalwege aus dem Vollen. Lapidar die interne Platine als eine Notlösung abtun, ist manchmal sträflicher Leichtsinn.

Heutzutage bemerken die Hersteller und Verkäufer durchaus ein Abwandern der Kunden vom klassischen Anlagen-Aufbau. Der Design-Aspekt wird zunehmend wichtig, und ein nicht vorhandenes Gerät ist manchmal das optimale Gerät. Ein externer Phono-Verstärker vermag natürlich je nach Aufwand Grenzen zu sprengen, und aus der Schallplatte das Machbare raus zu kitzeln, aber es ist manchmal eben auch eine Platzfrage, und sehr oft auch eine des Geldbeutels. Die Phono-Platine des Yamaha A-S1100 präsentiert sich sehr praxisgerecht und erfüllt auch ganz praktische Aspekte einfach perfekt - es ist eben eine unsichtbare interne Lösung.

Klanglich ist die Phono-Vorstufe des Yamaha A-S1100 ein voller Erfolg. Fremdfabrikate wurden klanglich bis zu einer nicht unerheblichen höheren Preisklasse schlicht verfrühstückt. Ein Highlight ohne Fehl und Tadel. Den letzten Schub in die hochedle Welt der Phono-Vorverstärker erreicht man natürlich damit nicht, aber das will eine interne Lösung auch gar nicht - und andere Hersteller vermögen das ebenso wenig zu bewerkstelligen. Die Welt ist wieder in Ordnung und um eine ausgezeichnete interne Phono-Platine reicher.

Es verbleibt nur noch ein Thema, dass für Diskussionsbedarf sorgen könnte. Der Klangregler! Macht man das heute überhaupt noch?

Hier lässt sich trefflich diskutieren. Natürlich gibt es Gründe gegen eine Klangregelung, aber manchmal ist das einfach ein praktisches Ausstattungsmerkmal. Das gute alte Analog-Radio ist etwa ein vorzüglicher Einsatzzweck, und ja wir haben das natürlich getestet.

Üblicherweise wird durch den Einsatz der Klangregler der Signalweg verlängert. Das ist nicht optimal. Darüber hinaus erhöht man das Rauschen, wenn die Regler-Stufen nicht mit sehr hohem Aufwand realisiert werden. Wie jeder analoge Filter verbiegt das Regelwerk auch den Phasengang. Das alles führt natürlich zu dem Umstand, dass ein Klangregler eher als schädlich wirkend dargestellt wird als es einen Klanggewinn bringt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn es kommt auf den Einsatzzweck an, und nicht auf die Technik im Allgemeinen. Vermutlich wird man den Klang einer feinen Schallplatte nicht verbiegen wollen, auch haben wir heute Lautsprecher im Einsatz, die durchentwickelt und feinst verarbeitet sind.

Aber was ist mit dem guten alten Radio, es ist und bleibt ein sehr eingeschränktes Medium, das trotz seiner Verbreitung ein klangliches Relikt aus älteren Tagen ist. Weshalb also nicht ein bisschen den Klang verbiegen und gegen die Schwächen des Mediums einsetzen. Der Zweck heiligt die Mittel, und wenn es zudem so gut und konsequent gemacht ist wie im Yamaha A-S1100, dann sollte sich das schlechte Gewissen nicht so anstellen und ruhig im Hintergrund Zeitung lesen, oder eben mit entspannt Radio hören. Kritisch sind die männlichen Sprecherstimmen. Der Einsatz eines Klangreglers würde hier die Männerstimme übergebührlich aufdicken, und das macht sich sehr unangenehm bemerkbar. Es klingt wie ein schlecht abgestimmter Lautsprecher. Auch beim Yamaha A-S1100 tritt dieser Effekt zutage, aber bei weitem nicht übergebührlich und unangenehm. Sofern man den Bass nur teilweise im Pegel regelt, wird feinfühlig der Bassanteil der Musik erhöht, ohne dabei allzu stark in die Stimmlagen einzugreifen. Die Stimmlagen der Sprecher verändern sich bei moderaten Regeleinsatz nur unmerklich. Für den Radio-Liebhaber ein probates Mittel zur Klangmodifikation mit überschaubaren „Nebenwirkungen“.

Der Yamaha A-S1100 ist eine klare Kampfansage an die versammelten Mitbewerber allen voran japanischer Herkunft, die ebenfalls nach Jahren der Fokussierung auf das Surround-Segment im HiFi-Bereich erneut Fuss fassen wollen, das wird sehr schnell deutlich. Speziell dann, wenn eine interne Phono-Vorstufe ganz oben im Pflichtenheft steht und wenn man eine gewisse Affinität zur guten „alten“ HiFi-Zeit aufweist, also den dezenten Retro-Touch, den auch dieser Yamaha Stereo Vollverstärker versprüht, zu schätzen weiss. Derart stilvoll gelang es bislang nur den Designern von Yamaha, an die Blütezeit der HiFi anzuknüpfen, und gleichzeitig eine moderne, zeitgemäße Ausstattung und Leistung zu bieten. Der Yamaha A-S1100 führt diesen bereits vor etlichen Jahren eingeschlagenen, bislang sehr erfolgreichen Weg konsequent fort.

Auf den Punkt gebracht

Der Yamaha A-S1100 ist für uns eine Referenz der Herzen. Er verkörpert den klassischen Vollverstärker der 70er und 80er Jahre, allerdings mit zeitgemäßer, wirklich toller Ausstattung und natürlich aktueller Technik.

7,0 (Sehr gut)

The Good

  • Preiswert und kraftvoll mit sinnvoller Ausstattung
  • flexibel einsetzbar
  • tadellose Verarbeitung
  • klanglich ein Musterknabe mit Ambitionen auf einen „kleinen„ Referenz-Titel
  • hervorragende interne Phono-Platine
  • hochwertige Fernbedienung
  • subtil einsetzbare Klangregelung

The Bad

  • VU Anzeigen eine Spur zu klein
7 Klang
7 Bedienung
7 Design
8 Preis/Leistung

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