Foto © Michael Holzinger - sempre-audio.at

Zu Besuch bei… Rega Research Limited

Zwei Tage lang war mit Thomas Rabenseifner von simply HiFi, Franz Lamparter von Longtone und Martin Kafka von Tonmoebel Kafka eine kleine Delegation österreichischer Fachhändler auf Einladung von Novis Electronics GmbH und deren Geschäftsführer Jodok Kaufmann zu Gast bei Rega Research Limited in England, und auch Michael Holzinger, Chefredakteur von sempre-audio.at, durfte sich vor Ort ein Bild davon machen, wie einer der führenden HiFi-Hersteller Produkte auf höchstem Niveau entwickelt und fertigt.

Von Michael Holzinger (mh)
30.07.2017

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Das englische Unternehmen Rega Research Limited zählt seit Jahr und Tag zu den führenden Herstellern der HiFi. Gegründet 1973 von Tony Relph und Roy Gandy, deren Nachnamen auch für den Unternehmensnamen herangezogen wurden - Re Ga - widmete man sich zunächst allen voran Schallplatten-Spielern, mit denen man sich sehr rasch einen tadellosen Ruf erarbeitete. Nach und nach erweiterte man das Angebot auf verschiedenste Elektronik-Lösungen, hier natürlich allen voran Phono-Vorstufen und Verstärker, in späterer Folge auch Audio CD-Player und D/A-Wandler, zudem sollten auch Lautsprecher-Systeme hinzukommen und ebenso wollte man bei entscheidenden Komponenten wie Tonabnehmer-Systemen ebenfalls alles aus eigener Fertigung anbieten können. Man ist somit seit vielen, vielen Jahren ein Komplett-Anbieter, der die eigene, ganz spezielle Unternehmensphilosophie über ein breit aufgestelltes, aber letztlich durchaus bewusst straff und kompakt gehaltenes Produktsortiment hinweg anbieten kann.

Dieser Tage lud der österreichische Vertrieb von Rega Research Limited, das in Bregenz ansässige Unternehmen Novis Electronics GmbH und dessen Geschäftsführer Jodok Kaufmann einige Fachhändler zu einer Reise nach Essex, um sich direkt vor Ort bei Rega Research persönlich einen Eindruck davon verschaffen zu können, wie das englische Unternehmen an die Entwicklung von Produkten heran geht, welche Philosophie und welche Menschen hinter diesen Lösungen stehen, und mit welch hoher Akribie und somit auf welch bemerkenswert hohem Fertigungsniveau diese Produkte letztlich gefertigt werden. Thomas Rabenseifner von simply HiFi, Franz Lamparter von Longtone, sowie Martin Kafka von Tonmoebel Kafka zählten zur Reisegruppe nach England.

Welcome to Essex...

Auch Michael Holzinger, Chefredakteur von sempre-audio.at durfte mit auf die Reise, die, wie sich zeigte, teils ganz anders verlief, als es üblicherweise bei derartigen Events der Fall ist. So begann bereits der erste Abend in England damit, dass wir von niemand geringerem als Roy Gandy selbst und seiner reizenden Familie in deren altehrwürdigen Landhaus in der Nähe von Southend-on-Sea, gemeinsam mit Phil Freeman, begrüsst wurden. Dies bot bereits unmittelbar die Gelegenheit, über die ganz eigenen Ideen und Konzepte und die sich daraus ergebende Unternehmensphilosophie des Engländers und seines Unternehmens zu plaudern, während Roy selbst mit einem Gläschen feinem Weins in der Hand für seine Gäste schmackhaftes Fleisch am Griller brutzelte.

Damit erhielten wir bereits am Vorabend zum eigentlichen Höhepunkt der Reise einen sehr guten Eindruck davon, dass man bei Rega Research Limited so manches bei Trends und Entwicklungen anders sieht, als andere in der Branche, sich bei vielem etwa rund um politische und wirtschaftliche Geschehnisse der Branche letztlich kaum Gedanken macht, was andere hingegen sehr beschäftigt, sich trotz eines sehr bewegten Marktumfelds allen voran auf eigene Stärken verlässt, wohlwissend, dass man mit dieser Strategie bislang über Jahrzehnte hinweg überaus erfolgreich war, und damit durchaus die Gewissheit haben darf, sich auch künftig bestens behaupten zu können.

Zugegeben, es wurde ein wenig später an diesem Abend, denn in lockerer Atmosphäre gab es auch nach dem Abendessen bei der ein oder anderem Flasche Weins sehr viel zu besprechen, gab es die ein oder andere Anekdote, wie und warum so manches Produkt genau so und nicht anders aussieht, darüber, wie sich Rega Research Limited über die Jahrzehnte hinweg entwickelte, wohin die Zukunft führen könnte, und vieles mehr.

Werksschau

Somit war die österreichische Delegation bereits bestens in der Theorie gerüstet, als es Tags darauf ins Werk von Rega Research Limited ging, und auf Grund des lockeren Plauderns am Abend davor war niemand sonderlich darüber erstaunt, dass Phil Freeman als auch Roy Gandy ausdrücklich betonten, dass Rega Research zwar eine durch und durch Technology-driven Company sei, aber auch eine komplett offene Strategie verfolge. Es gäbe somit nichts weg zu räumen, nichts zu verstecken, wenn Besuch anstehe, ganz im Gegenteil, ganz ausdrücklich sei man bemüht, alles zu zeigen, jede Frage zu beantworten, zumal man es gewohnt sei, mit zahllosen Unternehmen tagtäglich in den verschiedensten Bereichen eng zusammen zu arbeiten, und zwar nicht nur mit zahlreichen Lieferanten und Partnern, sondern gar selbst mit eigentlich „direkten“ Mitbewerbern am Markt. So sei es möglich, offen für neueste Technologien zu sein, offen für Ideen und Lösungen, von denen man selbst profitieren könne.

So kam es im Laufe des Tages etwa oftmals vor, dass Roy Gandy von Mitarbeitern aus den verschiedensten Bereichen während der Tour durch die Fertigung auf diverse Dinge angesprochen wurde, dabei aber nicht dezent zur Seite trat, sondern dies offen im Kreise seiner Gäste besprach.

Offene Unternehmenskultur

Überhaupt war es bemerkenswert zu erleben, welch Unternehmenskultur man bei Rega Research Limited offensichtlich pflegt. Man mache so manches anders, als andere, so Roy Gandy und Phil Freeman, so achte man etwa auf eine sehr flach ausgelegte Hierarchie. Klar, jemand müsse letztlich die Verantwortung tragen, aber im alltäglichen Betrieb sei man bewusst darauf bedacht, dass es so wenige „Chefs“ wie nur möglich gäbe und das man von all den Erfahrungen jedes Mitarbeiters direkt profitiere, diese also so weit wie möglich in Entscheidungsprozesse und Optimierung von Abläufen mit einbeziehe. Zudem achte man sehr darauf, dass Mitarbeiter in verschiedensten Bereichen eingesetzt werden, denn das stärke einerseits die Flexibilität in der Fertigung, das technische Know-how durch konstante Weiter- und Fortbildung der Mitarbeiter, aber ebenso ganz nebenbei das Zusammengehörigkeitsgefühl im Unternehmen. Und tatsächlich war es beeindruckend, mit welch Begeisterung Mitarbeiter in den verschiedensten Segmenten bereitwillig und technisch fundiert über ihre jeweilige Aufgabe, ihre Tätigkeit Auskunft gaben und uns diese demonstrierten.

Kein Detail ist unwichtig

Ganz besonders beeindruckend war zudem, welch Gedanken man sich bei Rega Research Limited über selbst scheinbar völlig nebensächliche Details macht, doch lauschte man den Ausführungen der Mitarbeiter und Roy Gandy, so wurde stets sehr rasch klar, dass es so etwas wie nebensächliche Details nicht gibt, dass es letztlich gerade bei den Laufwerken aus dem Hause Rega Research Limited und deren spezieller Philosophie rein gar nichts gäbe, was nicht irgendwie eine Auswirkung auf die Qualität des Laufwerks, des Tonarms oder des Tonabnehmer-Systems habe.

Überspitzt formuliert gibt es kein noch so unscheinbares Detail an diesen Produkten, über das man sich nicht sehr ausführlich Gedanken machte. In allen Bereichen gilt einzig und allein eine Prämisse, und zwar eine möglichst exakte Wiedergabe zu erzielen, die frei von äußeren Einflüssen ist. Es soll nichts anderes dargeboten werden, als die Information, die sich in der Rille einer Schallplatte verbirgt. Demzufolge ist es laut Roy Gandy entscheidend, dass man einen Schallplatten-Spieler letztlich als reines Messinstrument ansieht, und man alles daran setzen muss, dass dieses besonders präzise ist. Die einzige Entscheidung die getroffen werden muss sei, zu welchem Preispunkt man welch Präzision erzielen könne. Darauf allein sei die Produktpalette von Rega Research Limited ausgelegt. Ein höherpreisiges Laufwerk liefere also nicht mehr „Spielereien“ kosmetischer Natur, es liefere nicht eine edlere Ausstattung, sondern allein ein Mehr an Präzision, nicht mehr, nicht weniger…

Technology-driven Company

Als weiterer Punkt zur Untermauerung dafür, dass man bei Rega Research Limited so manches anders anpacke als andere Unternehmen sei auch, dass man selbst über keinerlei Marketing-Abteilung verfüge. Diese durchaus heikle Aufgabe lege man zur Gänze in die Hände der lokalen Vertriebe, konkret etwa für Österreich Novis Electronics GmbH, und für Deutschland TAD-Audiovertrieb GmbH. Dies bedingt, dass man bei der Auswahl der Vertriebe mit sehr großer Sorgfalt vorgehe, so Phil Freeman. Zudem arbeite man nahezu weltweit teils seit Jahrzehnten mit den gleichen Partnern zusammen, und jene Budget-Mittel, die man sich dadurch natürlich unmittelbar erspare, werden direkt wieder in das Unternehmen investiert. Wie bereits beschrieben, verstehe man sich als Technology-driven Company, setze somit auf Mitarbeiter, die in erster Linie Ingenieure mit hoher Expertise auf ihren jeweiligen Gebieten seien, aber ebenso eine modernste Ausstattung in der Fertigung als auch in Meßtechnik zur Kontrolle der Fertigung. Nur so sei die erwünschte Präzision in allen Bereichen auf derart hohem Niveau überhaupt erzielbar.

So verging Stunde um Stunde, und es wurde rasch klar, warum Roy Gandy bereits am Abend davor meinte, es gäbe wirklich viel zu sehen und das ein Tag im Werk recht knapp bemessen sei…

Rega Naiad - Das Laufwerk, das keine Grenzen kennt...

Man könnte es fast als einen letzten Beleg für das Versprechen am Morgen sehen, dass es keinerlei Geheimnisse gäbe, als Roy Gandy und Phil Freeman zum Abschluss der Tour noch den wohl einzig versperrten Raum des Unternehmensgeländes öffneten, und Teile eines für Rega auf den ersten Blick wirklich außergewöhnlichen Laufwerks bestehend aus einem komplett neu entwickelten Chassis, einer passenden Wandmontage-Vorrichtung, und einer nochmals verfeinerten Version des Tonarms Rega RB2000 hervorholten. All diese sind Teil eines Konzepts rund um ein Schallplatten-Spieler-Design, das Rega Research Limited einfach mal als Versuchsobjekt unter dem Gesichtspunkt des technisch Machbaren, und ganz und gar nicht unter den Zwängen eines irgendwann als kommerzielles Produkt zu realisierenden Laufwerks entwickelt. Die Idee dahinter ist, einen Schallplatten-Spieler zu konzipieren, bei dem man sich wirklich keinerlei Gedanken darüber macht, wie und zu welchen Kosten dieser in Serie gefertigt werden könnte, denn er wird so nie in Serie gefertigt werden. Zwar habe man dieses Laufwerk zwar in verschiedenen Entwicklungsstufen bereits an einige Distributoren verkauft, aber allein auf Grund deren ausdrücklichen Wunsch. Dass dieses Laufwerk in absehbarer Zeit tatsächlich Teil des regulären Produktsortiments sein wird, kann man sich zumindest derzeit nicht vorstellen.

Auch dies war im Anschluss natürlich Thema beim gemütlichen Abendessen in einem feinen Pub, aber der wirklich krönende Abschluss des Tages, und wohl auch des gesamten Besuchs in Essex war, als Roy Gandy uns in den Hörraum seines Landhauses lud, denn siehe da, das Laufwerk, dessen Einzelteile man uns zuvor im Werk als reines „Experiment“ zeigte, stand hier spielbereit.

Rega Naiad, so lautet der Name dieses Laufwerks, wobei diese Bezeichung auf ein Klavierstück zurück geht, das für Roy Gandy eine ganz besondere Bedeutung hat. Es sei eines seiner Lieblingsstücke, seit seine Mutter, eine herausragende Pianistin, ihm dies einst vorspielte. Seit dem sei er auf der Suche nach einer perfekten Inperpretation in Form einer perfekten Aufnahme, so Roy Gandy, somit sei es naheliegend, dass das Laufwerk, das aus seiner Sicht der perfekten Musikwiedergabe von Schallplatte am nächsten komme, diesen Namen trage. 

So legte Roy Gandy noch den ganzen Abend eine Platte nach der anderen auf, und wir konnten uns entspannt zurück lehnen und neben ein paar Gläsern Wein auch feinste Musik genießen…