Foto © 2L

Norwegisch-audiophil – Vorreiter im Sinne feinster audiophiler Klänge

Die komplette Musikindustrie ist derzeit im Umbruch. Seit langem bestehende Regeln gelten schon lange nicht mehr, aber nur langsam können oder wollen sich die Großen der Branche darauf einstellen und etablierte Pfade verlassen, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Einmal mehr sind es die kleinen Labels, unabhängige, innovative Produzenten, die Vorreiter spielen, und mit neuen Konzepten gegen den allgemeinen Trend überaus erfolgreich sind.

Kurz gesagt...

Das norwegische Label 2L produziert neben SACDs nunmehr reine Audio Blu-rays mit exzellentem Klang und mit spannender Surround-Abmischung.

Wir meinen...

Das norwegische Label 2L von Morten Lindberg gilt seit Jahr und Tag als Vorreiter, wenn es um neue Technologien geht, die zu einer noch hochwertigeren, noch exakteren Aufnahme von Musik führen sollen. So widmet man dem Thema Pure Audio Blu-ray Disc viel Aufmerksamkeit, ebenso der Thematik Hi-Res Downloads. Somit geht das Label auch im Bereich der Musik-Distribution teils neue Wege.

Von Michael Holzinger (mh)
03.05.2009

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Dazu zählt das norwegische Label 2L, sowie der zugehörige Vertrieb Lindberg Lyd AS unter der Leitung von Morten Lindberg. Während sich die Major-Labels immer mehr auf Downloadangebote ihrer Mainstream-Kost im datenreduzierten Format MP3 für die breite Masse konzentrieren, verfolgen Anbieter wie Lindberg Lyd AS einen gänzlich anderen Weg. Studiobetreiber und Label-Chef Morten Lindberg - selbst klassisch ausgebildeter Musiker - arbeitete zunächst als Tontechniker und Produzent im Auftrag renommierter Klassik-Labels wie EMI/Virgin, Naxos, ASV, Hyperion, Philips und Linn, bevor er 2001 sein eigenes Label gründete.

Seitdem erscheint rund die Hälfte der Produktionen von Lindbergs Studio im eigenen Label 2L. Über 60 Produktionen sind somit seit 2001 bereits erschienen, wobei die aktuelle Planung von jährlich rund zwölf Neuproduktionen ausgeht.

Klasse statt Masse

Klasse anstatt Masse ist also das Motto. Bei den Produktionen des norwegischen Labels steht Qualität in jeder Beziehung an oberster Stelle. Dies beginnt bereits bei der Auswahl der Projekte. Das Repertoire des Labels besteht daher vor allem aus Werken norwegischer Komponisten, aber auch aus Werken renommierter Komponisten, jedoch interpretiert von teils nicht so bekannter, nichtsdestotrotz exzellenter, teils gar virtuoser norwegischer Künstler.

Gleichgültig, ob Standardwerke der Klassik, Neuinterpretationen und Variationen von Repertoire-Werken oder zeitgenössischer norwegischer Musik, nahezu jede Veröffentlichung von 2L zeichnet sich durch Besonderheiten, wie einzigartige Interpretationen, eine neue Herangehensweise oder durch eine spannende Zusammenstellung der Werke aus. Produktionen aus dem Bereich Jazz, Pop und traditioneller norwegischer Musik runden das inzwischen sehr vielseitige Œuvre von 2L ab.

Mittendrin statt nur dabei

Genauso sorgfältig wie bei der Auswahl der Künstler und Stücke geht das Label bei der Umsetzung der Aufnahmen zu Werke. Dies beginnt schon bei der Wahl des Aufnahmeortes. „Norwegen ist gesegnet mit einer Vielzahl an Kirchen und Kathedralen. Die meisten unserer Aufnahmen entstehen in diesen wunderbaren Räumen.“, so Morten Lindberg. Das Erstaunliche bei nahezu allen derart entstandenen Aufnahmen aber ist, dass sich die Musiker nicht in den Weiten eines Kirchenraums verlieren.

Vielmehr wird durch die einzigartige, detailverliebte Aufnahmetechnik des Teams um Morten Lindberg dem Zuhörer ein sehr intimes, sehr inniges Hörerlebnis geschenkt. Denn abgesehen von der guten, ganz eigenen Akustik einer Kirche, die so in keinem Studio realisierbar ist, liebt der Tontechniker Lindberg vor allem den Platz, den er hier für seine Aufnahmen vorfindet. Dies erlaubt es ihm, seine ganz speziellen Konzepte bei der Aufnahme von Solokünstlern, kleinen und großen Ensembles umzusetzen.

Raumklang ganz anders eingefangen

Selbst Aufnahmen eines Solokünstlers, wie z. B. Klavier, realisiert Lindberg konsequent als Mehrkanalaufnahmen. Denn selbst ein Klavier sei, so Lindberg, keine einzelne isolierte Tonquelle, sondern entwickle seinen ganz speziellen Klang erst im Raum. Also gilt es folgerichtig, das Instrument sowie seinen Klang im Raum einzufangen.

Wer nun vermutet, dass dies unter Einsatz zahlloser Mikrofone erfolgt, liegt völlig falsch. Vielmehr beschränkt sich die eingesetzte Technik auf das absolut Nötige. Selbst bei Aufnahmen größerer Ensembles beschränkt sich 2L auf nur einige wenige Mikrofone, um den Gesamtklang des Orchesters einzufangen, sowie eine Handvoll Stützmikrofone für die wichtigsten Instrumente des Ensembles. Allerdings kommt hierfür natürlich Technik vom Allerfeinsten zum Einsatz.

Platzierung der Mikrofone nach dem SACD-Standard

Da inzwischen alle Produktionen des Labels zumindest auf SACD erscheinen, orientiert sich das Team von 2L bei der Platzierung der Mikrofone bei den Vorgaben, die der SACD-Standard definiert. Zwei Mikrofone für den linken und rechten Kanal, einen Center-Kanal sowie zwei Surround-Kanäle stellen daher die Basis für die Aufnahme dar, wie bereits erwähnt, im Bedarfsfall ergänzt durch Stützmikrofone, um einzelne Stimmen im Orchester hervorzuheben.

Allerdings werden die Mikrofone nicht, wie bei derartigen Produktionen sonst üblich, vor dem Orchester platziert, um auf den Frontkanälen das Orchester und auf den Surroundkanälen die Raumakustik abzubilden. Vielmehr versetzt 2L die Zuhörer genau ins Orchester, indem das Ensemble rund um die Mikrofone platziert wird. Wer aber nun Surround-Spielereien der übelsten Sorte vermutet, liegt gänzlich falsch.

Hier schafft diese Anordnung ein einzigartiges Klangerlebnis, eine ganz spezielle Intimität, eine immense Dichte, die man als normaler Konzertbesucher nie erleben kann, sondern nur als Musiker, der mitten im Orchester sitzt.

Sich Zeit nehmen...

Ein wichtiger Faktor, um bestmögliche Qualität zu erzielen, ist Zeit. Klar, viele geniale Einspielungen entstanden in kürzester Zeit und mit nur wenigen Aufnahmedurchgängen. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist sicher Dave Brubecks legendäres „Take 5“, von dem berichtet wird, dass es sich dabei um den fünften Aufnahmedurchgang handelte, der schließlich auf der 1959 erschienenen Platte „Time Out“ landete. Allerdings gibt es auch eine Menge anderer Interpretationsmöglichkeiten...

Wie auch immer, das Team von 2L nimmt sich viel Zeit bei der Realisierung einer Produktion. So benötigt eine Aufnahme von 60 Minuten laut Lindberg rund vier bis sechs Aufnahmetage. Dies liegt natürlich nicht daran, dass die Musiker die Stücke nicht schneller bewältigen würden, vielmehr sei es das Ziel, die richtige Stimmung und Dynamik zu erzielen. Ensembles, die normalerweise in Konzertsälen vor 1.500 Menschen spielen, müssen zunächst „lernen“, leiser zu spielen, gleichzeitig aber die Spannung, die Intensität und die Energie zu erhalten.

Selbst die perfekteste Aufnahme ist nur eine Illusion

Laut Lindberg gäbe es derzeit noch nichts, mit dem man das Erlebnis eines richtigen Konzerts reproduzieren könne. Man arbeite nur mit Illusionen. Wie ein Musiker auch, muss der Tontechniker und Produzent ein Stück richtig interpretieren, und für das Ausgabemedium, aber auch für den Raum, in dem der Konsument eine CD hört, adaptieren. Es gilt also, die Kraft und Energie eines Orchesters auf die Dimension eines Wohnzimmers zu übertragen, um den Zuhörer in die Klangwelt einzubinden, und nicht, ihn durch ungebremste Dynamik zu erdrücken.

Exzellente Aufnahmetechnik und neue Formate

Nahezu alle Veröffentlichungen aus dem Hause 2L sind auf SACD erschienen. Dabei setzt das Label auf Hybrid-SACDs, Medien also, die zusätzlich eine CD-Schicht enthalten, und somit auch in ganz normalen CD-Playern wiedergegeben werden können. Auf dem SACD-Layer findet man neben der Surround-Variante zudem auch eine Stereo-Abmischung, sodass jede Zielgruppe bestens bedient wird. Während normale CDs Audiodaten im PCM-Format mit 44,1 kHz und 16 Bit enthalten, kommt bei SACDs DSD zum Einsatz. DSD bietet eine Datenrate von 2,8224 Mbit/s, und erlaubt neben Stereo auch Mehrkanal-Ton.

2L nutzt allerdings für die aktuellsten Produktionen ein dem DSD-Format deutlich überlegeneres Verfahren für die Aufzeichnung des Audiomaterials.

Digital eXtreme Definition

Bei den Produktionen von 2L kommt seit kurzem das sogenannte DXD-Format zum Einsatz. DXD steht für Digital eXtreme Definition und liefert einen Datenstrom von 11,2896 Mbit/s, also rund das Vierfache eines DSD-Signals. Mit einer gigantischen Auflösung von 352,8 kHz und 32 Bit erlaubt dieses Format, wirklich feinste Details aufzuzeichnen, und ein sehr warmes, homogenes und dynamisches Ergebnis zu erzielen, das nach dem derzeitigen Stand der Technik keinerlei Wünsche offen lässt.

Auch wenn das Endergebnis auf SACD eine deutlich geringere Auflösung aufweist, allein die Flexibilität, die man durch den hierbei verfügbaren Spielraum bei der Bearbeitung der Aufnahmen im Studio und beim Mastering gewinnt, führt zu wirklich exzellenten Ergebnissen.

SACD war gestern, der Blu-ray gehört die Zukunft

Noch wichtiger wird der Einsatz einer Technologie wie DXD dann, wenn man - so wie 2L - einen noch höheren Qualitätsstandard als SACD erreichen will. Hier sieht das Label die Blu-ray als den idealen Datenträger für audiophile Aufnahmen der nahen Zukunft. Wobei die Zukunft in diesem Fall schon längst begonnen hat. Denn mit „Divertimenti“ der TrondheimSolistene, „SOnAR“ von Ellen Sejersted Bødtker und „Mozart, Grief - Werke für zwei Klaviere“ des Dena Piano Duo stehen bereits die ersten entsprechenden Veröffentlichungen zur Verfügung.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Musik-DVDs oder eben nunmehr Blu-ray-Produktionen wird hier die immense Speicherkapazität nicht für hochauflösendes Video plus Ton genutzt. In diesem Fall belegt die immense Speicherkapazität des Mediums ausschließlich Audiomaterial in allerhöchster Auflösung.

Das Einzige, was der Anwender zu sehen bekommt, ist ein dezent animiertes Menü zur Auswahl des Tonformats und der Stücke, mehr nicht. Während man bei „Divertimenti“ beim Setup des Audioformats sowie der Auswahl der Titel noch auf ein Display angewiesen ist, um die entsprechenden Menüeinträge auswählen zu können, so erfolgt dies z. B. bei „SONaR“ allein über die Farbtasten des Blu-ray Players.

Auf den Blu-rays findet man das Material auf jeden Fall in Linear PCM in Stereo mit 24 Bit und 96 kHz und teils sogar 5.1 Surround mit ebenfalls 24 Bit und 192 kHz. Darüber hinaus hat man zumeist die Wahl zwischen den Formaten dts-HD Master Audio und Dolby TrueHD mit ebenfalls jeweils 5.1 Surround in 24 Bit und 192 kHz. Auch auf das „klassische“ Dolby Digital AC-3 in 5.1 Surround wurde bei einigen Produktionen nicht verzichtet, wenngleich es in diesem Fall nicht mehr als eine Notlösung darstellen sollte.

Als Alternative liegt sowohl „Divertimenti“, den „Werken für zwei Klaviere“ als auch „SONaR“ eine Hybrid-SACD bei. Auf dieser findet man das Material nicht nur in DSD in Stereo sondern auch 5.1 Surround. Diese Disc kann selbstverständlich auch auf jedem CD-Player oder aber einem PC oder Mac abgespielt werden, und liefert dabei das übliche PCM-Signal mit 44,1 kHz und 16 Bit.

Online-Vertrieb als weitere Option

Bemerkenswert ist, dass auch ein derart spezialisiertes Label wie 2L auf den Online-Vertrieb seines Angebots setzt. So finden sich inzwischen nahezu alle Produktionen des Labels auch als Download-Angebot auf den Webseiten des Vertriebs Lindberg Lyd AS. Selbstverständlich geht man aber auch hier einen eigenen Weg. Denn neben dem üblichen Angebot im MP3-Format mit 320 kbps stehen die Daten zudem auch im FLAC-Format zur Verfügung.

Hochauflösende Audiodaten auch als Download

Hier hat der Kunde die Wahl zwischen mehreren hochauflösenden Formaten. So stehen die Files in HiRes 24/96 kHz FLAC Stereo und HiRes 24/192 kHz FLAC Stereo als auch in HiRes 24/96 kHz FLAC 5.1 Multichannel zur Verfügung. Dies setzt natürlich eine Streaming-Lösung bzw. eine Media-Center Lösung voraus, die diese Formate auch unterstützen. Darüber hinaus setzt auch Lindberg natürlich auf die etablierten Plattformen, und bietet viele seiner Produktionen z. B. auch über Apples Online-Angebot iTunes Store in den dort üblichen Formaten an.

Die Grenzen verschwinden

Angesprochen auf die Möglichkeiten, die er im Zusammenspiel zwischen Tonträger in herkömmlicher Form und Downloadangeboten sieht, gab Morten Lindberg übrigens ein sehr bemerkenswertes Statement ab. Man sei sehr daran interessiert, dass diese beiden Welten zusammen wachsen, so Lindberg gegenüber sempre audio. Dann wäre es durchaus vorstellbar, dass man als Käufer einer Blu-ray oder SACD gleichzeitig auch einen Code erhält, um sich die entsprechenden Daten als MP3- oder FLAC-Files herunterzuladen, um diese auch mit einem Media PC, einer Streaming-Lösung oder einem mobilen Audioplayer nutzen zu können.

Lindberg abschließend: „Wir müssen außerdem diesen verpflichtenden AACS (Kopierschutz bei Blu-ray Discs, A.d.R.) loswerden, sodass unsere Kunden selbst hochauflösende Audiodaten ihrer Blu-rays für ihre Media Center Systeme anfertigen können.“

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