iTree by KMKG Studio und Trenner & Friedl

Docking Stations für Apples iPhone oder iPod gibt es ja längst in unzähligen Varianten. Doch selbst wenn man sich lediglich auf exquisite, außergewöhnliche Lösungen konzentriert, so sticht der so genannte iTtree by KMKG Studio aus Graz sowie der Lautsprecher-Manufaktur Trenner & Friedl dennoch aus der „Masse“ hervor.

Von Michael Holzinger (mh)
03.10.2011

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Das KMKG Studio wurde ursprünglich im Jahr 2007 von Martin Kern und Georg Kettele in der steirischen Landeshauptstadt Graz gegründet und versteht sich als offenes, interdisziplinäres Studio, das sich mit verschiedensten Projekten im Bereich Design und Architektur beschäftigt. Für jedes zu verwirklichende Projekt gelte es, die richtigen Leute zusammen zu bringen, um so einen kreativen Austausch und Inspiration zu gewinnen, wobei man immer offen an neue Aufgaben herangehe. Dabei stelle das Gegebene die Herausforderung dar, Grenzen werden als Möglichkeit verstanden.

Ein sehr gutes Beispiel für diese Herangehensweise stellt das Projekt iTree by KMKG Studio dar. Dabei handelt es sich um eine überaus kreative Herangehensweise an ein Produkt, das in abertausenden Variationen Teil der Unterhaltungselektronik und somit dem Massenmarkt ist. iTree, das ist eine wohl in jeder Beziehung außergewöhnliche Interpretation einer so genannten Docking Station für Apples mobile Devices iPhone sowie iPod, wobei man wohl auf den ersten Blick in keinster Weise an eine derartige Aufgabe dieses Objekts denkt.

iTree ist, wie könnte es angesichts dieser Bezeichnung auch anders sein, zunächst ein Baumstamm - und wir sprechen hier wirklich von einem Baumstamm, und nicht etwa einem Ast - der entweder auf passenden Stativen, oder aber von der Decke hängend sowie an Wand montiert im Raum platziert wird. Dementsprechend sollte es doch ein etwas größerer Raum sein, sodass das Objekt auch tatsächlich voll zur Geltung kommt. Man könnte natürlich auch sagen, damit iTree überhaupt platz findet...

So gibt das Grazer Studio als Dimension für den iTree eine Länge zwischen 200 und 400 Zentimeter sowie einen Durchmesser von zumindest 35 Zentimeter an. Eine genaue Festlegung ist in diesem Fall nicht möglich, da jedes Stück ein absolutes Unikat darstellt.

Die Idee der Designer war es, jedem Kunden die Möglichkeit zu geben, seinen eigenen Baum als Grundlage für den persönlichen iTree auszuwählen. Diese stammen aus dem Umland von Graz, dem steirischen Vulkanland, einer der schönsten Regionen Österreichs. Für die Verarbeitung der Stämme zeichnet natürlich ein lokaler Meisterbetrieb verantwortlich, und zwar die Tischlerei Lenz. Deren Ziel ist es in diesem Fall, die Original-Struktur des Baumes möglichst beizubehalten, also nichts von dessen speziellen Charakter bei der Verarbeitung zu opfern.

Der Baumstamm wird zunächst mit einer eigens entwickelten Maschine der Länge nach durchbohrt, sodass darin anschließend die komplette Elektronik, aber natürlich auch die Lautsprecher-Systeme platz finden und ein Klangkörper entstehen kann. Zunächst muss der Baumstamm aber bis zu sechs Wochen lang in einer Trockenkammer gelagert werden, um die gesamte Feuchtigkeit zu entfernen und das Holz für einen möglichst perfekten Klang zu optimieren bzw. ein Zerspringen in späterer Folge zu verhindern.

Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, beginnt die eigentliche Arbeit. Dies bedeutet, dass zunächst der Baumstamm komplett vermessen wird um die für dessen spezielle Anforderung optimale Konfiguration der Lautsprecher auszuwählen bzw. die richtigen Positionen zu finden. Die Lautsprecher werden an der Rückseite platziert und die gesamte Elektronik im Inneren verbaut. Danach werden die Seitenwände wieder verschlossen, also verklebt und verschliffen, sodass man keinerlei Spuren von der Manipulation im Inneren bemerken sollte. In Handarbeit wird danach die gesamte Oberfläche des Baumes bearbeitet, und zwar natürlich ausschließlich mit Ölen und Wachsen rein biologischem Ursprungs. Und zwar ebenfalls aus der Region, sodass ein nach Angaben des KMKG Studio besonders wichtiger Bezug zum Ursprung erhalten bleibt.

Aus technischer Sicht setzt Trenner & Friedl bei diesem Projekt, wie bereits beschrieben, auf komplett individuell angepasste Lautsprecher-Systeme, die den individuellen Vorgaben durch den natürlichen Klangkorpus perfekt angepasst sind. Die in der Rückseite des Baumstammes integrierten Lautsprecher nutzen diesen als Klangkörper, ähnlich einem Instrument wie Klavier, Gitarre oder Violine. Der natürliche Werkstoff soll dabei einen besonders warmen, harmonischen Klang liefern.

Ausgedrückt in nüchternen Zahlen bedeutet dies einen Frequenzgang von 45 bis 40.000 Hz bei einem Wirkungsgrad von 88 dB und einer Impedanz von 4 Ohm. Zum Einsatz kommen Treiber, die ebenfalls zum größten Teil auf natürliche Werkstoffe setzen. Andreas Friedl, neben dem Mann fürs Marketing und Finanzielle Peter Trenner der kreative Teil des Teams Trenner & Friedl, kann hier seine seit langem verfolgte Philosophie, möglichst natürliche Werkstoffe einzusetzen, fortsetzen. So sind etwa die Membranen der Lautsprecher-Systeme aus speziell behandeltem Papier gefertigt.

Der iTtree ist natürlich nicht nur ein Docking System für mobile Devices aus dem Hause Apple, auch wenn diese Funktion - wohl auch aus marketingtechnischer Sicht - zunächst in den Vordergrund gerückt wird. So steht zwar an der Oberseite ein passender Dock Connector für Apple iPhone und alle entsprechenden Modelle der Apple iPod-Familie zur Verfügung, ebenso kann aber auch jede beliebige andere Quelle als Zuspielgerät fungieren. Etwa auch drahtlos, denn das System weist ein Wireless-Streaming Modul auf, das von der englischen HiFi-Schmiede Arcam stammt.

Als Option kann zudem eine Schnittstelle für Apples iPad realisiert werden und auch die Integration von Apple AirPlay sei, so die Entwickler, im iTree realisierbar.


Nachdem jeder iTree ein Unikat ist, kann natürlich kein Listenpreis im herkömmlichen Sinne angegeben werden. Zumal ja auch die technische Umsetzung, wie beschrieben, reichlich Spielraum für individuelle Anpassungen an Kundenwünsche vorsieht. Allerdings sollte man, sofern man an diesem in jeder Beziehung außergewöhnlichen Objekt Interesse zeigt, mit einem Preis jenseits der € 10.000,- rechnen. Dafür hat man aber auch die Gewissheit, ein echtes Unikat zu erwerben, dass in wochenlanger Handarbeit gefertigt wurde. Dies hat nunmal seinen Preis...

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