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Ist eine Stereoanlage noch zeitgemäß? Wie Streaming, Just add speakers und Wohnraumintegration HiFi neu definieren

Streaming, hochintegrierte Just add speakers-Systeme und aktive Lautsprecher haben die Stereoanlage grundlegend verändert. Zugleich soll hochwertiger Musikgenuss heute selbstverständlich mit dem TV-Gerät zusammenspielen, intuitiv bedienbar sein und sich elegant in den Wohnraum einfügen. Ist die Stereoanlage damit ein Relikt – oder zeitgemäßer, als es ihr angestaubtes Image vermuten lässt?

In aller Kürze
  • Die Stereoanlage hat ihren Platz nicht verloren, wohl aber ihre früher verbindliche Gestalt. Moderne Streaming-Verstärker, Just add speakers-Lösungen und aktive Lautsprechersysteme verbinden hohen klanglichen Anspruch mit einfacher Bedienung und wohnraumfreundlicher Integration. Streaming stellt heute den alltäglichen Zugang zur Musik her, während Vinyl trotz großer öffentlicher Aufmerksamkeit eine reizvolle Nische bleibt. Zeitgemäß ist eine Stereoanlage deshalb nicht durch die Zahl ihrer Komponenten, sondern durch die Qualität des gesamten Erlebnisses.

Eine Stereoanlage war einmal leicht zu erkennen. Da stand ein Plattenspieler auf einem Rack, darunter reihten sich Verstärker, Tuner, Kassettendeck und CD-Player, flankiert von zwei Lautsprechern, deren Anwesenheit im Raum nicht zu übersehen war. Die Anlage war nicht bloß ein Mittel zum Zweck. Sie war Möbel, Statussymbol, technisches Statement und für viele Menschen das sichtbare Zentrum ihrer Beziehung zur Musik.

Heute kommt Musik aus dem Smartphone, Kopfhörer begleiten uns durch den Tag, kompakte Wireless Speaker verteilen Klang in der gesamten Wohnung und das TV-Gerät ist für viele Haushalte zur wichtigsten Unterhaltungszentrale geworden. Vor diesem Hintergrund klingt die Frage beinahe unausweichlich: Ist eine Stereoanlage überhaupt noch zeitgemäß?

Die kurze Antwort lautet: ja. Die interessantere Antwort beginnt allerdings mit einer Einschränkung. Zeitgemäß ist nicht zwangsläufig jene Stereoanlage, die wir seit Jahrzehnten vor Augen haben. Zeitgemäß ist vielmehr die Idee, Musik über zwei hochwertige Kanäle so wiederzugeben, dass sie nicht bloß vorhanden ist, sondern bewusst erlebt werden kann. Wie viele Geräte dafür nötig sind, wo sie stehen und auf welche Weise die Musik zu ihnen gelangt, hat sich dagegen grundlegend verändert.


Key Facts Stereoanlage heute

  • Moderne Stereoanlagen reichen von klassischen Einzelkomponenten über hochintegrierte Just add speakers-Systeme bis zu vollständig aktiven Lautsprecherlösungen.
  • Just add speakers-Konzepte vereinen Streaming-Client, D/A-Wandler, Vorverstärker und Leistungsverstärker in einem Gerät.
  • Spotify Connect, TIDAL Connect und Qobuz Connect ermöglichen die Auswahl kompatibler Audio-Systeme direkt über die App des jeweiligen Streaming-Dienstes.
  • Streaming erreichte 2025 in Deutschland 84,4 Prozent der Brancheneinnahmen; auf CD entfielen 7,2 Prozent und auf Vinyl 6,3 Prozent.
  • In Österreich erzielte Streaming 2025 einen Umsatz von € 202,9 Millionen und einen Anteil von 87,1 Prozent am Markt für Musikformate.
  • Vinyl erreichte in Österreich € 13,3 Millionen beziehungsweise 5,8 Prozent Marktanteil, die CD € 12,4 Millionen beziehungsweise 5,3 Prozent.
  • HDMI ARC und HDMI eARC erlauben die direkte Einbindung moderner Stereoanlagen in die TV-Wiedergabe.

Foto © McIntosh Laboratory Inc. | Ist eine Stereoanlage noch zeitgemäß?
Foto © McIntosh Laboratory Inc. | Ist eine Stereoanlage noch zeitgemäß?

Das alte Bild verstellt den Blick

Wer beim Wort Stereoanlage ausschließlich an einen mächtigen Turm aus Einzelkomponenten denkt, verwechselt das Prinzip mit einer bestimmten Epoche seiner technischen Umsetzung. Eine Stereoanlage muss heute weder viel Platz beanspruchen noch kompliziert verkabelt sein. Sie kann weiterhin aus sorgfältig ausgewählten Einzelkomponenten bestehen, denn dafür gibt es klanglich wie konzeptionell überzeugende Gründe. Sie kann aber ebenso auf einen einzigen kompakten Elektronikbaustein und zwei Lautsprecher reduziert sein. Oder sie steckt fast vollständig in einem Paar aktiver Lautsprecher.

Das ist kein Abgesang auf klassische HiFi-Komponenten. Ein modular aufgebautes System eröffnet weiterhin besondere Freiheiten: Einzelne Geräte lassen sich gezielt auswählen, später austauschen, technisch aufrüsten oder an veränderte Ansprüche anpassen. Wer sich intensiv mit HiFi beschäftigt, kann genau darin einen wesentlichen Teil der Faszination finden.

Doch aus dieser Leidenschaft darf keine allgemeine Zugangsvoraussetzung werden. Musikliebhaber müssen sich nicht für Geräte interessieren, um hohe Klangqualität schätzen zu können. Eine moderne Stereoanlage darf technisch anspruchsvoll und im Alltag dennoch vollkommen unkompliziert sein.

Foto © EverSolo Audio Technology Co. Ltd. | Eversolo PLAY Series
Foto © EverSolo Audio Technology Co. Ltd. | Eversolo PLAY Series

Just add speakers – die Anlage wird kompakter, nicht anspruchsloser

Kaum ein Begriff beschreibt diesen Wandel besser als Just add speakers. Gemeint sind Systeme, die Streaming-Client, D/A-Wandler, Vorverstärker und Leistungsverstärker in einem Gerät zusammenführen. Der Anwender ergänzt lediglich ein Paar passender Lautsprecher – und erhält eine vollständige, leistungsfähige Stereoanlage.

Solche Konzepte sind längst nicht mehr nur im günstigen oder gehobenen Einstiegssegment zu finden. Sie reichen bis zu exquisiten High-end HiFi-Lösungen, bei denen Entwickler bei Netzteil, Signalverarbeitung, Wandlertechnik, Verstärkung und mechanischem Aufbau denselben Aufwand betreiben wie bei klassischen Einzelkomponenten. Integration bedeutet nicht automatisch Vereinfachung auf Kosten der Qualität. Im besten Fall bedeutet sie kürzere Signalwege, eine präzise Abstimmung der Baugruppen aufeinander und eine Bedienlogik, die nicht erkennen lässt, wie komplex die Technik im Inneren tatsächlich ist.

Das Ergebnis kann ein einziges Gerät sein, das nahezu alle Aufgaben übernimmt, die früher mehrere Komponenten erforderten. Für den Wohnraum ist das ein erheblicher Gewinn. Für ambitionierte Musikliebhaber kann es ebenso eine klanglich kompromisslose Lösung darstellen. Weniger Gehäuse bedeuten schließlich nicht zwangsläufig weniger HiFi.

Noch konsequenter verfolgen aktive Lautsprechersysteme diesen Ansatz. Sind Streaming, Signalverarbeitung und Verstärker direkt in die Lautsprecher integriert, reduziert sich die sichtbare Anlage im Extremfall auf zwei Schallwandler und eine Stromversorgung. Auch hier reicht das Spektrum von unkomplizierten Wireless Speakern bis zu hoch entwickelten Aktivsystemen, die eindeutig der High-end-Klasse zuzurechnen sind.

Streaming hat HiFi nicht abgeschafft

Der wichtigste Tonträger unserer Zeit ist kein Tonträger mehr. Streaming ist der Normalfall geworden, nicht die Ergänzung. Das lässt sich auch mit Zahlen belegen: Nach Angaben des Bundesverbands Musikindustrie entfielen 2025 in Deutschland 84,4 Prozent der Brancheneinnahmen auf Audio- und Video-Streaming.

In Österreich war die Dominanz noch ausgeprägter: Laut IFPI Austria erwirtschaftete Streaming im selben Jahr € 202,9 Millionen und erreichte damit einen Anteil von 87,1 Prozent am Markt für Musikformate.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob eine moderne Stereoanlage Streaming unterstützen sollte, sondern wie selbstverständlich sie damit umgeht.

Genau hier haben Technologien wie Spotify Connect, TIDAL Connect und Qobuz Connect die Nutzung hochwertiger Audio-Systeme entscheidend verändert. Die vertraute App des jeweiligen Dienstes bleibt die Bedienoberfläche. Ein kompatibles Wiedergabegerät wird ausgewählt, anschließend bezieht das Audio-System den Stream direkt aus dem Netzwerk. Das Smartphone dient als komfortable Steuerung, nicht als klanglich limitierende Zwischenstation.

Damit wird ein Übergang möglich, der vor wenigen Jahren noch überraschend umständlich sein konnte. Unterwegs hört man über das Smartphone und hochwertige Bluetooth Kopfhörer. Zu Hause angekommen, wählt man in derselben App die Stereoanlage im Wohnzimmer als Wiedergabeziel und setzt die Musik dort fort. Die Technik tritt in den Hintergrund, obwohl hinter diesem einfachen Vorgang eine vollständige Netzwerk- und Streaming-Infrastruktur arbeitet.

Gerade dieser Punkt ist für die Zukunft von HiFi entscheidend. Die Stereoanlage darf keine abgeschlossene Insel sein, zu der man erst umständlich wechseln muss. Sie sollte die beste Wiedergabemöglichkeit innerhalb eines durchgängigen Musikerlebnisses darstellen. Das Smartphone ist dabei nicht der Gegner hochwertigen Musikhörens. Richtig eingebunden ist es dessen vielleicht beste Fernbedienung.

Foto © Pro-Ject Audio Systems | Die Schallplatte ist Lifestyle und wieder gekommen, um zu bleiben
Foto © Pro-Ject Audio Systems | Die Schallplatte ist Lifestyle und wieder gekommen, um zu bleiben

Vinyl ist wichtig – und bleibt dennoch eine Nische

Kaum ein Thema erhält in der öffentlichen Wahrnehmung rund um HiFi so viel Aufmerksamkeit wie die Schallplatte. Das ist nachvollziehbar. Vinyl gibt Musik wieder eine physische Gestalt. Ein Album wird ausgewählt, aus der Hülle genommen, aufgelegt und bewusst von einer Seite zur anderen gehört. Cover, Gestaltung und Mechanik gehören zum Erlebnis. In einer weitgehend unsichtbaren digitalen Medienwelt besitzt dieses Ritual eine besondere Anziehungskraft.

Man sollte diese Faszination weder kleinreden noch romantisch überhöhen. Vinyl wächst seit Jahren und hat für den Fachhandel, die Musikindustrie und nicht zuletzt für die HiFi-Branche eine bemerkenswerte Bedeutung. Dennoch bleibt die Schallplatte gemessen am gesamten Musikkonsum eine Nische. In Deutschland stand Vinyl 2025 laut Bundesverband Musikindustrie für 6,3 Prozent des Branchenumsatzes; Streaming kam, wir haben es ja schon beschrieben, auf 84,4 Prozent. Vinyl erzielte 2025 in Österreich € 13,3 Millionen Umsatz und einen Marktanteil von 5,8 Prozent – ebenfalls ein klarer Beleg für eine wirtschaftlich relevante, aber weiterhin begrenzte Nische.

Doch das heisst nicht, dass Vinyl von geringer Bedeutung wäre. Vinyl kann kulturell auffällig, wirtschaftlich relevant und für seine Anhänger von großer persönlicher Bedeutung sein, ohne deshalb wieder zum dominierenden Format zu werden. Eine zeitgemäße Stereoanlage muss sich daher auch nicht zwischen analog und digital entscheiden. Ein Phono-Eingang neben einem Streaming-Client ist kein konzeptioneller Widerspruch, sondern für viele Nutzer die treffendste Abbildung ihrer tatsächlichen Hörgewohnheiten.

Die Schallplatte ist dann nicht der Beweis für eine vermeintlich bessere Vergangenheit. Sie ist eine zusätzliche Art, Musik zu erleben – langsamer, haptischer und bewusster. Streaming übernimmt unterdessen den weitaus größeren Teil des Alltags.

Die CD spielt nach wie vor noch mit

Auch die CD ist keineswegs aus dem Markt verschwunden: 2025 blieb sie in Deutschland mit 7,2 Prozent Umsatzanteil sogar das zweitstärkste Format vor Vinyl, während sie in Österreich mit € 12,4 Millionen Umsatz beziehungsweise 5,3 Prozent Marktanteil nur knapp hinter der Schallplatte rangierte.

Der Fernseher gehört zur Anlage

Auch eine andere Trennung wirkt zunehmend künstlich: jene zwischen Stereoanlage und TV-Gerät. In vielen Wohnzimmern stehen die besten Lautsprecher links und rechts vom Fernseher. Trotzdem wurde der TV-Ton lange Zeit behandelt, als hätte er mit der HiFi-Anlage nichts zu tun. separate Fernbedienungen, umständliche Eingangswahl und fehlende zentrale Lautstärkesteuerung machten die Verbindung unnötig unbequem.

Eine zeitgemäße Audio-Lösung sollte sich direkt mit dem TV-Gerät kombinieren lassen. HDMI ARC beziehungsweise HDMI eARC, eine automatische Eingangswahl und die Lautstärkeregelung über die TV-Fernbedienung machen aus zwei guten Lautsprechern zugleich eine überzeugende Lösung für Filme, Serien, Konzerte und Spiele. Nicht jeder Wohnraum braucht dafür ein Mehrkanal-System. Eine sorgfältig aufgestellte Stereoanlage kann Stimmen klar abbilden, ein breites Klangbild erzeugen und dem Fernsehton eine Souveränität verleihen, die integrierte TV-Lautsprecher konstruktionsbedingt kaum erreichen.

Das ist keine Abkehr vom reinen Musikhören, sondern eine vernünftige Erweiterung des Nutzens. Eine Anlage, die täglich auch beim Fernsehen zum Einsatz kommt, ist kein Spezialgerät für seltene Hörabende. Sie wird zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Wohnraums.

Foto © KEF | KEF LS LUXE
Foto © KEF | KEF LS LUXE

HiFi muss sich dem Wohnraum anpassen

Jahrzehntelang wurde gerne so getan, als müsse ein Raum vor allem der Anlage dienen. Lautsprecher sollten weit in den Raum rücken, Kabel durften sichtbar bleiben und Geräte beanspruchten ein eigenes Möbel. Akustisch lässt sich vieles davon gut begründen. Als allgemeines Lebensmodell taugt es dennoch nur für einen begrenzten Teil der Musikliebhaber.

Hochwertiger Musikgenuss muss sich heute in den Wohnraum einfügen. Das betrifft Abmessungen und Design ebenso wie Kabelführung, Aufstellung und Bedienung. Ein Audio-System darf sichtbar und selbstbewusst gestaltet sein, sofern es als Teil der Einrichtung verstanden wird. Es darf sich ebenso diskret zurücknehmen. Entscheidend ist, dass gestalterische Integration nicht erst nach dem Kauf als lästiges Problem behandelt wird.

Moderne Technik kann dabei helfen. Aktive Lautsprecher reduzieren die Zahl externer Komponenten, Streaming erspart zusätzliche Zuspieler, HDMI ARC beziehungsweise HDMI eARC bindet den Fernseher ein und eine gute App bündelt die Musikauswahl. Verfahren zur Raumeinmessung und Raumkorrektur können zudem dort unterstützen, wo eine theoretisch ideale Lautsprecherposition im realen Wohnraum nicht möglich ist. Sie ersetzen keine vernünftige Aufstellung, können aber den Abstand zwischen akustischem Ideal und gelebtem Alltag verkleinern.

Die Herausforderung für Hersteller liegt deshalb nicht allein in besserem Klang. Ein modernes Audio-System muss beim Einschalten, bei der Quellenwahl und im täglichen Betrieb so selbstverständlich funktionieren, dass seine Qualität nicht durch unnötige Bedienhürden verdeckt wird. Intuitive Bedienung ist kein oberflächliches Komfortmerkmal. Sie entscheidet darüber, wie oft eine Anlage tatsächlich genutzt wird.

Wie eng hochwertige Musikwiedergabe inzwischen mit Architektur, Interieur Design und vernetztem Wohnen verbunden ist, beleuchtet auch the LUXURY HOME guide. Dort stehen nicht einzelne Geräte isoliert im Mittelpunkt, sondern Audio-Lösungen, die als sichtbare Designobjekte oder diskret integrierte Systeme Teil eines ganzheitlich geplanten Wohnraums werden – von eleganten All-in-One-Konzepten und Aktiv-Lautsprechern bis hin zu maßgeschneiderten Custom-Installation-Lösungen.

Foto © Triangle Electroacoustique | Triangle Capella 2 Wireless Speaker System
Foto © Triangle Electroacoustique | Triangle Capella 2 Wireless Speaker System

Bewusst hören, ohne daraus eine Zeremonie zu machen

Vielleicht liegt der größte Wert einer Stereoanlage heute nicht in einem bestimmten technischen Merkmal, sondern in der Möglichkeit, Musik wieder einen eigenen Platz zu geben. Streaming hat praktisch jede gewünschte Aufnahme jederzeit verfügbar gemacht. Diese Freiheit ist enorm. Sie führt jedoch nicht automatisch dazu, dass wir intensiver zuhören. Häufig begleitet Musik das Arbeiten, Kochen, Lesen oder Scrollen durch andere Inhalte.

Eine gute Stereoanlage kann einen Gegenpol schaffen, ohne dass jeder Hörmoment zur feierlichen Zeremonie werden muss. Sie verbessert auch beiläufig gehörte Musik. Vor allem aber eröffnet sie die Möglichkeit, sich hinzusetzen, ein Album auszuwählen und für eine Weile nichts anderes zu tun. Nicht aus Nostalgie, sondern weil konzentriertes Hören eine eigene Qualität besitzt.

Dabei ist es unerheblich, ob die Musik von einer Schallplatte, einem lokalen Musikserver oder einem Streaming-Dienst kommt. Das Medium beeinflusst das Ritual und mitunter die klangliche Ausprägung. Entscheidend bleibt aber, ob das System den Zugang zur Musik erleichtert und ihre Wirkung transportiert.

Wann ist eine Stereoanlage tatsächlich unzeitgemäß?

Unzeitgemäß ist eine Stereoanlage nicht, weil sie groß ist, aus mehreren Komponenten besteht oder Schallplatten abspielt. Ein klassisches System kann heute genauso sinnvoll sein wie vor 30 Jahren, sofern es den Wünschen seines Besitzers entspricht. Ebenso wenig ist eine Anlage allein deshalb modern, weil sie eine App besitzt und Musik drahtlos empfängt.

Unzeitgemäß wird sie dort, wo sie den Alltag ignoriert. Wenn sie sich nicht vernünftig mit den tatsächlich genutzten Quellen verbinden lässt, für grundlegende Aufgaben mehrere Fernbedienungen verlangt, den Wohnraum unnötig dominiert oder nur von einer Person im Haushalt bedient werden kann, stimmt nicht mehr das Verhältnis zwischen technischem Anspruch und praktischem Nutzen.

Das gilt allerdings auch in die andere Richtung. Eine möglichst unsichtbare Audio-Lösung, die zwar bequem funktioniert, Musik aber auf austauschbaren Hintergrundklang reduziert, erfüllt nicht automatisch den Anspruch einer hochwertigen Stereoanlage. Komfort und Qualität sind keine Gegensätze. Eine wirklich zeitgemäße Lösung muss beides zusammenbringen.


FAQ – Ist eine Stereoanlage noch zeitgemäß?

  • Was versteht man heute überhaupt unter einer Stereoanlage?

    Eine Stereoanlage ist heute nicht mehr an einen Turm aus mehreren Einzelkomponenten gebunden. Sie kann aus einem klassischen Verstärker mit verschiedenen Zuspielern, einem kompakten Streaming-Verstärker und zwei passiven Lautsprechern oder aus einem vollständig aktiven Lautsprechersystem bestehen. Entscheidend bleibt die Wiedergabe über zwei Kanäle und zwei entsprechend positionierte Lautsprecher.

  • Benötigt eine hochwertige Stereoanlage noch mehrere Einzelkomponenten?

    Nein. Moderne Just add speakers-Systeme vereinen Streaming-Client, D/A-Wandler, Vorverstärker und Leistungsverstärker in einem einzigen Gerät. Solche Lösungen werden vom Einstiegsbereich bis in die High-end-Klasse angeboten. Separate Komponenten bleiben dennoch sinnvoll, wenn größtmögliche Auswahlfreiheit, spätere Aufrüstbarkeit oder eine besonders individuelle Abstimmung gewünscht sind.

  • Sind Aktiv-Lautsprecher eine vollwertige Alternative zur klassischen Stereoanlage?

    Ja. Moderne Aktiv-Lautsprecher können Verstärker, D/A-Wandler, Streaming-Client und digitale Signalverarbeitung vollständig integrieren und damit eine eigenständige Stereoanlage bilden. Durch die gezielte Abstimmung der Verstärker auf die einzelnen Chassis und den Einsatz digitaler Frequenzweichen sind selbst kompromisslose High-end-Lösungen möglich. Vor dem Kauf sollte allerdings geprüft werden, welche analogen und digitalen Eingänge, Streaming-Dienste, Connect-Technologien und TV-Anschlüsse vorhanden sind, wie die beiden Lautsprecher miteinander verbunden werden und ob sich bei Bedarf ein Plattenspieler, Subwoofer oder weiteres Quellgerät einbinden lässt.

  • Was unterscheidet ein Just add speakers-System von aktiven Lautsprechern?

    Bei einem Just add speakers-System befindet sich die gesamte Elektronik in einem zentralen Gerät, an das passive Lautsprecher angeschlossen werden. Bei aktiven Lautsprechern sind die Verstärker und vielfach auch Streaming, D/A-Wandlung sowie Signalverarbeitung direkt in den Lautsprechern integriert. Beide Konzepte reduzieren die Zahl sichtbarer Komponenten, unterscheiden sich aber hinsichtlich Verkabelung, Aufstellung und späterer Austauschmöglichkeiten.

  • Kann Streaming eine klanglich hochwertige Quelle sein?

    Ja. Dienste wie TIDAL und Qobuz stellen Musik in verlustfreier Qualität und teilweise als Hi-res Audio bereit, mittlerweile bietet auch Spotify Lossless Audio. Entscheidend sind darüber hinaus die Qualität des Streamers, des D/A-Wandlers und der gesamten Wiedergabekette. Streaming ist daher nicht automatisch mit eingeschränkter Klangqualität gleichzusetzen.

  • Wie gelangt die Musik vom Smartphone auf die Stereoanlage?

    Über Spotify Connect, TIDAL Connect oder Qobuz Connect lässt sich ein kompatibles Audio-System direkt in der App des jeweiligen Dienstes auswählen. Die Anlage ruft den Stream anschließend selbst über das Netzwerk ab, während das Smartphone als Fernbedienung dient. So kann die Wiedergabe nach dem Musikhören unterwegs über Bluetooth-Kopfhörer komfortabel auf der Stereoanlage im Wohnzimmer fortgesetzt werden.

  • Kann eine Stereoanlage auch den Fernsehton übernehmen?

    Ja. Besonders komfortabel gelingt dies über HDMI ARC oder HDMI eARC, da sich die Anlage damit gemeinsam mit dem TV-Gerät einschalten und über dessen Fernbedienung in der Lautstärke regeln lässt. Eine gute Stereoanlage kann für Filme, Serien, Konzerte und Spiele eine überzeugende Alternative zur Soundbar sein. Für echten Surround Sound oder Immersive Audio ist allerdings weiterhin ein Mehrkanal-System erforderlich.

  • Gehören Plattenspieler und CD-Player noch zu einer modernen Stereoanlage?

    Sie können dazugehören, müssen es aber nicht. Vinyl besitzt weiterhin große kulturelle und emotionale Strahlkraft, bleibt gemessen am gesamten Musikmarkt jedoch eine Nische. Auch die CD ist keineswegs verschwunden und wird von vielen Hörern wegen ihrer unkomplizierten Nutzung, der vorhandenen Sammlungen und des physischen Besitzes geschätzt. Eine zeitgemäße Anlage kann analoge und digitale Quellen ohne ideologische Trennung miteinander verbinden.

  • Worauf sollte man beim Kauf einer modernen Stereoanlage achten?

    Die Anlage sollte zu den eigenen Hörgewohnheiten und zum Wohnraum passen. Wesentlich sind die Unterstützung der tatsächlich genutzten Streaming-Dienste, eine intuitive Bedienung, geeignete Anschlüsse für vorhandene Quellen sowie gegebenenfalls HDMI ARC oder HDMI eARC für das TV-Gerät. Ebenso wichtig sind passende Lautsprecher, eine realistische Aufstellung und die Möglichkeit, das System später zu erweitern oder anzupassen.


Wir meinen …

Die Stereoanlage ist nicht aus der Zeit gefallen. Aus der Zeit gefallen ist lediglich die Vorstellung, sie müsse aus einer festgelegten Zahl von Geräten bestehen und nach einem seit Jahrzehnten unveränderten Muster benutzt werden. Just add speakers-Systeme, aktive Lautsprecher, Streaming und die direkte Einbindung des TV-Geräts haben HiFi nicht verwässert, sondern für neue Lebensmodelle geöffnet. Zugleich behalten klassische Komponenten und Vinyl ihren Wert für all jene, die genau diese Form des Musikhörens schätzen. Zeitgemäß ist eine Stereoanlage dann, wenn sie sich selbstverständlich in das Leben und den Wohnraum ihrer Besitzer einfügt – und dennoch jene Momente ermöglicht, in denen Musik nicht bloß läuft, sondern unsere ganze Aufmerksamkeit erhält.

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Michael Holzinger

Michael Holzinger, Gründer und Chefredakteur von sempre-audio.at | Der HiFi Blog - Das HiFi Magazin und HiFi BLOG, ist seit Jahrzehnten als Journalist in den Bereichen IT, Fotografie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik tätig. Mit den Magazinen HiFi.Luxury sowie the LUXURY HOME guide begründete er zudem zwei weitere Plattformen, die für modernen, exquisiten Lebensstil stehen.

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