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mo°sound Speaker im Test - Dynamischer Klang im Porzellan-Laden...

Foto © mo-sound KG

Lautsprecher-Systeme sind wohl mit das liebste Betätigungsfeld für Klangtüftler. Es ist schlicht beeindruckend, welch mitunter gänzlich unterschiedliche, teils sogar völlig konträre und sich sogar wiedersprechende Lösungsansätze erdacht werden, die allesamt zu gutem Klang führen sollen. Eine besonders elegante Lösung wurde in Wien ersonnen, und diese präsentiert sich in Form kleiner Kugel, gefertigt aus Porzellan.

Kurz gesagt...

Ein Werkstoff mit minimaler Eigenschwingung, die ideale geometrische Form, ein elegantes, sehr reduziertes Design, dies sind die wesentlichen Merkmale der mo°sound Speaker.

Wir meinen...

Die mo°sound Speaker sind ein perfektes Beispiel dafür, wie man Design und HiFi auf einzigartige Weise verbinden kann und dadurch ein herausragendes Produkt schafft, das sich harmonisch in jeden Wohnraum integrieren lässt.
Hersteller:mo-sound KG
Vertrieb:mo-sound KG
Preis:€ 760,-

Von Michael Holzinger (mh)
22.12.2011

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Die Welt der HiFi ist ein immens bunter Spielplatz. Überspitzt formuliert gibt es nichts, was es nicht gibt. Jedes Segment, jede noch so unscheinbare Komponente bietet reichlich Raum für Verbesserungen und trägt somit dazu bei, dass HiFi geradezu ein sprichwörtliches El Dorado für Tüftler und Visionäre ist. Erstaunlich dabei ist, dass sich verschiedenste Lösungsansätze teils sogar völlig widersprechen. Fakten, die für die einen Grund genug sind, gänzlich andere Wege zu beschreiten, stellen für andere die wesentlichen Punkte dafür dar, um es exakt so, und nicht anders zu machen. Und erstaunlicherweise haben beide Seiten jeweils sehr gute Argumente für den von ihnen eingeschlagenen Weg, allein wenn es nur um die nüchternen technischen Daten geht. Bedenkt man zudem noch, dass Technik in diesem Bereich zwar wesentlich, bei weitem aber nicht alles ist, und vor allem eine zusätzliche emotionale Ebene zum tragen kommt, kann man sich ungefähr ausmalen, welch Spielraum für verschiedenste Ideen hier geboten wird.

Zumal dies, wie bereits erwähnt, für nahezu alle wesentlichen und auch gar nicht so wesentlichen Teilbereiche der HiFi gilt. Die wohl auch für Außenstehende spektakulärsten Entwicklungen finden sich jedoch vor allem im Bereich der Lautsprecher-Systeme, denn hier kommen nicht nur technische Aspekte sowie individuelle Klangvorstellungen zum tragen, auch das Design spielt hier natürlich eine wesentliche Rolle. Zumal Lautsprecher-Systeme für die unterschiedlichsten Aufgaben, gänzlich verschiedene Anforderungen und eben verschiedene Geschmäcker entwickelt werden.

Und auch hier gilt: es gibt nichts, was es nicht gibt. Zudem kann man vor allem in diesem Bereich niemals sagen, dies oder jener Weg sei der einzig richtige. Es gibt nur verschiedene Wege, und die führen bekanntlich alle nach Rom, oder eben zum perfekten Klang, je nach persönlichem Anspruch.

Einen besonders spannenden Lösungsansatz verfolgt ein Entwickler aus Wien, über dessen außergewöhnliche Produkte wir bereits vor einiger Zeit berichten konnten. Zu einem Zeitpunkt, als diese noch nicht ganz finalisiert, aber bereits in einem sehr weit fortgeschrittenen Entwicklungsstadium waren. Ronald Jaklitsch präsentierte sein überaus ambitioniertes Konzept besonders kompakter, sehr außergewöhnlicher Lautsprecher-Systeme, damals noch unter der Bezeichnung Sonoor moOi.

Nun, die vergangenen Monate waren für den österreichischen Entwickler durchaus turbulent und sehr arbeitsintensiv, denn neben der eigentlichen Entwicklungsarbeit, vor allem dem Feintuning in verschiedensten Bereichen, galt es ein paar ungeplante Umbrüche zu bewältigen, mit denen wohl so mancher frisch gebackene Unternehmer zu kämpfen hat. Doch all dieses Hürden, die entweder rein gar nichts oder nur sehr peripher mit dem Produkt selbst zu tun hatten, sind inzwischen umschifft und voll Stolz konnte uns Ronald Jaklitsch nunmehr die ersten Serienprodukte seines Lautsprecher-Systems mo°sound Speaker präsentieren.

Der Entwickler aus Wien setzt bei seinen Lautsprecher-Systemen auf einen durchaus ungewöhnlichen Werkstoff in diesem Produktsegment. Und zwar auf Porzellan. Dieses auch als weißes Gold bezeichnete Material war über Jahrhunderte heiß begehrt und gilt nach wie vor als besonders exquisiter Werkstoff für edle Gebrauchsgegenstände, aber aber vor allem Kunstgegenstände aller Art. Im Bereich von Lautsprecher-Systemen ist dieses ganz besondere Gemisch aus Kaolin, Quartz und Feldspat allerdings eher ungewöhnlich, wenngleich man der Fairness wegen anführen muss, dass es durchaus bereits diverse darauf basierende Lösungen gibt. Dennoch nehmen die Produkte aus Wien eine Sonderstellung ein, denn Jaklitsch setzt dieses Material sehr bewusst, und nicht allein aus marketingtechnischen Gründen ein. Vielmehr sind es die ganz besonderen Eigenschaften, die dieses Material aus seiner Sicht ganz besonders für die Konstruktion von Lautsprecher-Systemen prädestinieren. Da wäre zunächst die sehr hohe Dichte, die sich durch die nahezu porenfreie Struktur des Werkstoffs ergibt. Dadurch weist es eine sehr geringe Eigenschwingung auf, sodass die von den eigentlichen Lautsprechern abgegebene Energie nicht in das Gehäuse übertragen, sondern weitestgehend abgestrahlt wird. Dazu trägt auch die besondere Form bei, die der Entwickler für seine Lautsprecher wählte, und zwar die Form einer Kugel, durch die es zudem zu keinerlei störenden Reflexionen im Gehäuse selbst kommt.

Diese wiederum war in dieser Form nur durch die Wahl des Materials umzusetzen, so Roland Jaklitsch im Gespräch mit sempre-audio.at. Porzellan erlaube es, im Vergleich zu anderen Werkstoffen sehr dünne Wandstärken zu realisieren, dabei aber dennoch ein sehr massives Gehäuse und somit die besten Vorraussetzungen für die volle Entfaltung des Potentials der Treiber zu schaffen. Vor allem, da man bemüht war, sehr kompakte Lautsprecher-Systeme zu konstruieren. So weisen die Kugeln mit einem Durchmesser von 175 mm eine Wandstärke von 5 mm auf.

Aber genau diese zunächst in der Theorie durchaus zu realisierende sehr dünne Wandstärke war es, die in der praktischen Umsetzung mit den meisten Aufwand bedeutete. Es war keineswegs einfach, so Jaklitsch, einen Produzenten zu finden, der diese spezielle Form mit den gewünschten Eigenschaften auch tatsächlich in Serienfertigung umsetzen könne. Denn auch wenn jedes Lautsprecher-System eigentlich ein Unikat darstellt, so müsse man doch sicherstellen, dass die natürlich paarweise verkauften Lautsprecher jeweils absolut identische Eigenschaften aufweisen und somit, trotz der klassischen Porzellan-Fertigung, nur sehr enge Toleranzen akzeptiert werden können.

Die Lautsprecher-Systeme mo°sound Speaker können natürlich nicht für sich allein auf einer Fläche platziert werden. Vielmehr werden sie mit passenden Standfüssen ausgeliefert, die natürlich ebenfalls aus Porzellan gefertigt sind und einfach unter die Kugeln gelegt werden. Somit können die mo°sound Speaker völlig individuell ausgerichtet werden, um ein stets optimales Abstrahlverhalten zu gewährleisten.

Bei den eigentlichen Lautsprechern setzt Roland Jaklitsch auf so genannte Breitband-Lautsprecher, die eine punktförmige Klangquelle darstellen und somit nach Ansicht des Entwicklers eine deutlich klarere, natürlichere Abbildung gegenüber herkömmlichen Mehrweg-Systemen mit separaten Treibern für die verschiedenen Frequenzbereiche bieten.

Der hier eingesetzte Breitband-Treiber weist eine 3 Zoll Membran aus Polypropylen auf, wobei Jaklitsch hier durchaus auch mit anderen Werkstoffen experimentiert und Lautsprecher-Systeme auf Wunsch auch mit etwa Bambus-Membranen sowie aus einer Aluminium/ Magnesium Legierung ausstattet. In jedem Fall kommt ein leistungsstarker Neodynmium-Magnet zum Einsatz, der als Antrieb für das Lautsprecher-System dient. An der Rückseite findet man tadellos ausgeführte Lautsprecher-Anschlüsse in Form vergoldeter Cinch-Buchsen, für die im Lieferumfang bereits vorkonfektionierte, sehr hochwertig ausgeführte Kabel enthalten sind, an deren Ende wiederum Anschlüsse für übliche Schraub- und Steckklemmen zu finden sind. Der Hersteller setzt hierbei auf Kabel, die die Bezeichnung mo°sound Kabel tragen und hochflexible Lösungen aus dem Bühnenbau sind.

Normalerweise werden wir bei der Präsentation neuer Produkte oftmals geradezu mit technischen Daten erschlagen. Datenblätter, Meßprotokolle... was es da nicht alles gibt, um die besonderen Eigenschaften diverser Lösungen hervorzustreichen und im besten Licht erscheinen zu lassen. Roland Jaklitsch ist da erfrischend anders, auch wenn seine Visitenkarte das Kürzel DI FH ziert. Ja, er wisse wohl, dass er sich irgendwie auch einmal um diese Details kümmern müsse, denn allzuoft würde danach verlangt. Allerdings, er selbst wisse eigentlich nicht wirklich wofür, denn er entwickle Lautsprecher-Systeme, die gut klingen sollen, und das könne man nicht wirklich in einem Diagramm oder einer Tabelle abbilden. Das müsse jeder für sich selbst mit dem einzig „zuverlässigen“, keineswegs standardisierteren „Meßinstrument“, den eigenen Ohren überprüfen.

Eine Einstellung, mit der wir uns durchaus identifizieren können. Daher belassen wir es an dieser Stelle mit der Erwähnung der für den Betrieb essentiellen technischen Kenndaten. So ist der mo°sound Speaker mit einer Impedanz von 8 Ohm für eine empfohlene Verstärker-Leistung von etwa 15 bis 30 Watt ausgelegt. Wir gehen daher nicht weiter auf Details ein, wie etwa den Frequenzgang von 120 bis 20.000 Hz und einen Wirkungsgrad von 87 dB.

Um es abschließend nochmals ganz deutlich zu betonen, falls es nicht ohnedies bereits aus den bisherigen Erläuterungen hervorgegangen ist: die mo°sound Speaker sind sicher keine Systeme, um ganze Hallen zu beschallen. Wir haben es hier mit geradezu kleinen Lautsprecher-Systemen zu tun, die für den typischen Wohnraum konzipiert wurden, sich in diesen aber absolut harmonisch einfügen. Was sonst ließe sich besser in jedes Wohnambiente integrieren, als eine kaum 2 kg schwere kleine Kugel aus Porzellan, die einen Durchmesser von lediglich 175 mm aufweist und auf einem eleganten, ebenfalls sehr dezenten Sockel aus Porzellan ruht?

Allerdings sollte man keineswegs den Fehler begehen, dieses Lautsprecher-System zu unterschätzen. Wer die mo°sound Speaker allein als Design-Lösung abtut, der hat sie noch niemals gehört. Ja, Design ist ein wesentliches Merkmal der mo°sound Speaker, aber nicht umsonst bezeichnet sich Ronald Jaklitsch selbst durchaus mit Stolz als Querkopf mit Liebe zum Detail und bringt damit wohl die besten Vorraussetzungen für die Entwicklung außergewöhnlicher Lösungen mit. Sein Ziel war es, Lautsprecher-Systeme zu entwickeln, die nicht nur gut aussehen, sondern ebenso überzeugend klingen. Und, dies zeigte unser Test eindrucksvoll, dieses Vorhaben ist ihm perfekt gelungen.

Fast wäre man versucht zu sagen, dass dem mo°sound Speaker schon allein auf Grund der Materialwahl die besondere Liebe zum Detail, zu den Feinheiten der Musik mit in die Wiege gelegt wurde. Aber diese Feststellung würde zu kurz greifen, denn dieses Lautsprecher-System kann durchaus auch knackig, durchaus kernig aufspielen und einen, wenn‘s sein muss, geradezu staubtrockenen Bass und feste Mitten, und nicht allein feinst aufgelöste Höhen liefern. Und zwar auch dann, wenn man den Pegelregler ein wenig weiter nach rechts dreht. Wobei wir an dieser Stelle nochmals betonen möchten, dass es eben nicht Aufgabe dieses Systems ist, die nächste Party akustisch zu begleiten. Es fühlt sich eher in einem schicken Wohnzimmer wohl, in dem sie ihren stolzen Besitzer nicht nur optisch erfreut, sondern auch dessen Mußestunden durch wahren Musikgenuss versüsst.

Unser Fazit lautet damit, dass es dieses Lautsprecher-System aus Wien wirklich wert ist, gehört zu werden. Eine überaus spannende Idee, die perfekt umgesetzt wurde und den ohnedies reichhaltigen Markt in diesem Produktsegment bereichert. Der Anspruch der Entwickler, mit diesem Produkt zwei Wiener Traditionen, Porzellan-Kunst und Musik zu vereinen und diese neu zu interpretieren, ist unserer bescheidenen Einschätzung nach voll und ganz gelungen. Der Kunde hat vorerst die Wahl zwischen einer blütenweißen sowie schwarzen Ausführung. In beiden Fällen kommt natürlich die strahlend glatte Oberfläche durch das spezielle Material des Gehäuses, dem Porzellan, besonders intensiv zur Geltung.

Derzeit werden die Lautsprecher-Systeme - man möge uns diese Bemerkung verzeihen - allerdings noch „unter Wert“ verkauft, denn erstaunlicherweise haben vor allem Design-Läden zuerst das Potential dieses Produkts erkannt. Es würde uns freuen, wenn man dieses Lautsprecher-System aber künftig auch im klassischen HiFi-Fachhandel finden könnte, denn dort gehören sie hin. Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von € 760,- pro Paar erscheinen sie zudem auch aus diesem sehr nüchternen Betrachtungswinkel als überaus attraktive Lösung, die wir nur - und das ist nun wirklich unser abschließendes Fazit - eindringlich empfehlen können. Anhören!

Auf den Punkt gebracht

Die mo°sound Speaker sind ein perfektes Beispiel dafür, wie man Design und HiFi auf einzigartige Weise verbinden kann und dadurch ein herausragendes Produkt schafft, das sich harmonisch in jeden Wohnraum integrieren lässt.

8,0 (Exzellent)

The Good

  • Überaus elegant
  • jeder Lautsprecher ist ein Unikat
  • ausgewogener
  • sehr natürlicher und detailreicher Klang

The Bad

  • Nur für Verstärker mit vergleichsweise geringer Leistung geeignet
7 Klang
10 Design
8 Preis/Leistung

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