Report

Net Maestro 2000 AV – Audiophiler WiFi Access Point und Router exklusiv im Test

Wie kann man sicherstellen, dass audiophile Streaming-Systeme ihr volles Potential auch tatsächlich ausspielen können? Geht es nach Net Technology Limited Research, so muss man bereits am Beginn der Kette ansetzen, und zwar bei der Netzwerk-Infrastruktur. Und die Basis dafür soll der Net Maestro 2000 AV sein, der erste audiophile WiFi Access Point und Router.

„Streaming ist die Zukunft, das ist bereits klar“ zeigt sich Peter C. Meiers, Gründer des Start-up Unternehmens Net Technology Limited Research im Gespräch mit sempre-audio.at überzeugt. „Wir setzen dabei auf Technologien, die sich über Jahre in der IT bewährt haben, und natürlich immer wieder teils drastisch verbessert wurden. Es gab ein Mehr an Geschwindigkeit, ein Mehr an Datensicherheit, aber eins müssen wir uns klar eingestehen: all diese Lösungen, sind für die Übertragung von Daten im kommerziellen Umfeld konzipiert, nicht aber für die Übertragung von Musik. Hier haben wir angesetzt!“

Natürlich bedürfen auch audiophile Streaming-Systeme eine Netzwerk-Infrastruktur als Basis, allerdings sollte man dabei auf die speziellen Anforderungen bei der Musik-Wiedergabe achten, und das können bisherige Systeme nicht leisten, so Meiers. Herkömmliche Netzwerk-Produkte wie Access Points und Router mögen für Consumer-Systeme durchaus genügen, wer aber tatsächlich allein beste Performance, aber vor allem eine audiophile Qualität erzielen will, der wird mit den üblichen Produkten der IT-Welt nicht glücklich. „Der Router, Access Point oder Switch vom IT-Fachhändler ist einfach nicht für die Übertragung von Musik ausgelegt. Hier stoßen diese Systeme an ihre Grenzen“, so Peter C. Meiers von Net Technology Limited Research.

Dabei darf man Meiers Ansichten keinesfalls leichtfertig als Spinnerei abtun, denn dieser Mann scheint durchaus sehr genau zu wissen, wovon er spricht. Schlussendlich war er selbst über Jahre hinweg in der IT tätig, und somit kann der studierte Mathematiker, Physiker und Philosoph auf eine lange Erfahrung in der Entwicklungsabteilung eines führendes Netzwerk-Spezialisten verweisen. Darüber hinaus ist er seit Jahren begeisterter Musikliebhaber, der sogar selbst aktiv musiziert. So galt seine Liebe von Kindesbeinen an der Maultrommel, die er geradezu meisterhaft beherrscht. Zudem initiierte Meiers in seiner Heimatstadt Fredericksburg ein Orchester, mit dem er durchaus lokale Berühmtheit erlangte und – wenn immer es die Zeit des geschäftigen Mannes zulässt – auch die ein oder andere Tournee unternahm.

Peter C. Meiers weiss also recht genau, worum es bei der Musik-Übertragung im Netzwerk geht, und wo herkömmliche Lösungen an ihre Grenzen stoßen. „Wenn es um herkömmliche Datensignale geht, so sind bestehende Systeme natürlich ideal, Musik-Signale bedürfen aber einer viel größeren Sorgfalt. Schließlich sollen Streaming-Systeme ja das komplette Frequenzspektrum, die komplette Dynamik darbieten können, und da sind spezielle Technologien gefragt, die für normale Consumer-Produkte viel zu kostspielig wären. Natürlich ist dies alles den Ingenieure in den Unternehmen bewusst, allerdings wird bewusst darauf verzichtet, um einen möglichst günstigen Preis für den Massenmarkt erzielen zu können“, so Meiers.

So gründete Peter C. Meiers sein eigenes Unternehmen in Fredericksburg, das sich gleich mit dem ersten Produkt wohl die Aufmerksamkeit einer gesamten Branche sichern könnte, und zwar nicht der IT, sondern vielmehr der High-end HiFi.

Meiers ist davon überzeugt, dass seine Lösung die Industrie revolutionieren werde, denn erstmals stünde damit enthusiastischen Musikliebhabern ein Produkt zur Verfügung, dass alle Tugenden der klassischen High-end HiFi mit modernsten, bislang noch nicht verfügbaren Technologien der IT verbindet, der Net Maestro 2000 AV.

Ganz nüchtern betrachtet ist der Net Maestro 2000 AV ein Wireless LAN Access Point sowie einer Netzwerk-Router, dessen Aufgabe die zentrale Datenverwaltung im Netzwerk ist. Das Produkt ist also das Bindeglied zwischen der Datenquelle, einer so genannten NAS, einer Network Attached Storage-Lösung, auf der die Audio-Daten abgelegt sind, und den Abspielgeräten, den Streaming-Clients der HiFi-Anlage. Dank WiFi können natürlich auch mobile Devices integriert werden, um etwa die komfortable Steuerung bei der Musikwiedergabe zu übernehmen. Der Net Maestro 2000 AV bietet also alles, was man von einem derartigen Produkt erwarten darf. Allerdings soll sich dieser schon durch sein Gehäuse von der „Massenware“ unterscheiden.

Für unseren Test stand uns lediglich ein erster Prototyp zur Verfügung, der noch nicht allen Anforderungen der finalen Version entspricht. So soll die finale Version ein überaus massiv ausgeführtes Gehäuse aufweisen, dass komplett aus Metall gefertigt ist. Die Front soll aus gebürstetem Aluminium bestehen, sodass diese Lösung etwa direkt ins HiFi-Rack eingebunden werden kann. Das massive Gehäuse wird im Inneren mehrfach verstrebt und somit bestens gegen Resonanzen und Vibrationen geschützt sein. Dies ist, so Meiers, auch bei diesem Gerät immens wichtig, um eine stets störungsfreie Signalverarbeitung zu garantieren. Dazu passt auch, dass die Innenseite des Gehäuses komplett mit einer Kupferschicht versehen sein wird. Das Anschlussfeld an der Rückseite wird zudem separat gekapselt sein, um jedweden störenden Einfluss zu unterbinden. Im Lieferumfang sind zudem Blindstecker aus vergoldetem Messing mit Teflon-Beschichtung enthalten, um nicht benötigte Stecker zu verschließen, und störende Einflüsse zu unterbinden.

Wer sich nun ein schlankes Gerät erwartet, der wird enttäuscht, denn der Net Maestro 2000 AV ist, wie bereits aus dem genannten ersichtlich, ein durchaus massives Produkt, das die volle Rackbreite aufweist, und wohl mit einem knappen halben Meter Bautiefe aufwartet. Satte 27 kg wird das finale Gerät wohl wiegen, wobei das massive Gehäuse nur für einen Bruchteil davon verantwortlich ist.

Die Besonderheit des Net Maestro 2000 AV besteht nämlich unter anderem darin, dass Peter C. Meiers auf Röhrentechnik setzt, ein absolutes Novum in der IT, zumindest in den letzten 30, 40 Jahren. Das habe aber gar nichts mit falsch verstandener Nostalgie zu tun, und sei natürlich auch keine Reminiszenz an die allerersten Computer der 30iger, 40iger oder 50iger Jahre, vielmehr weisen Röhren Eigenschaften auf, die auch bei der Signalübertragung von Audiosignalen im Netzwerk von immensem Vorteil seien. Bevor allerdings Netzwerk-Daten diese Röhrenvorstufe erreichen, durchlaufen sie bereits eine umfangreiche Filtersektion. Genau diese Filtersektion findet sich in der zuvor beschriebenen, separat gekapselten Baugruppe. Vier Ethernet-Ports stehen beim Net Maestro 2000 AV zur Verfügung, wobei in Handfertigung produzierte RJ45 Stecker zum Einsatz kommen, die den üblichen Lösungen aus der Massenfertigung in allen Belangen überlegen sind. Zudem ist jeder dieser vier Ports galvanisch getrennt, sodass keinerlei störenden Einflüsse auftreten können.

Danach gelangen die Signale in besagte Röhrenvorstufe, wobei für jeden der Ports ein eigener handselektierter Glaskolben zur Verfügung steht. Diese stammen aus russischer Fertigung, wobei die Bezeichnung sorgfältig weggeätzt wurde. „Hier lassen wir uns nur ungern in die Karten schauen, denn hier die richtigen Typen auszuwählen, war eine immens schwierige und zeitraubende Aufgabe“, so Meiers.

Viel offener zeigt sich der Entwickler, wenn es um die Beschreibung der weiteren Signalverarbeitung des Net Maestro 2000 AV geht. So setzte der Entwickler auf zwei hochpräzise Taktoszillatoren, die einem DSP aus dem Hause Texas Instruments als Referenz für ein sehr exaktes Masterclock-Signal dienen, auf dessen Basis die Signalverwarbeitung stattfindet. Hier will sich das Unternehmen nicht auf das anliegende Signal verlassen, das viel zu störanfällig sei, und daher nicht als Basis dienen könne. Anhand dieses Masterclock-Signals werden ausnahmslos alle eingehenden Datenpakete quasi komplett neu aufgebaut. Und genau hier findet sich die tatsächliche Besonderheit des Net Maestro 2000 AV, die so bislang noch niemand wohl auch nur angedacht hat.

Der Net Maestro 2000 AV kann auf einen hochintegrierten DSP zurückgreifen, der zu etwas geradezu Unglaublichem imstande sein soll.

Werden mit dem Net Maestro 2000 AV normale Daten übers Netzwerk übertragen, so ist es tatsächlich ein ganz normaler WiFi Access Point bzw. Router. Die Signalverarbeitung begnügt sich dabei mit einer Neutaktung des Signals, was durchaus ebenfalls zu einer zuverlässigeren Datenübertragung führt. So richtig spannend aber wird es, wenn der Net Maestro 2000 AV „erkennt“, dass an einem Port Musiksignale anliegen. Dann greift besagter zusätzlicher DSP ein, der das wahre Herz des Net Maestro 2000 AV darstellt. Auch hier findet zunächst eine Neutaktung des Signals statt, was allerdings nur der Beginn einer umfangreichen Bearbeitung ist. Nach dieser Neutaktung werden Audio-Daten einem Bufferspeicher zugeführt, und basierend auf Artificial Intelligence, kurz auch als AI bezeichnet, ermittelt der DSP, um welches Musiksignal es sich handelt, und bildet daraus eine Prüfsumme. Über eine Online-Datenbank wird anhand dieser Prüfsumme die Datenintegrität sichergestellt, in dem die ermittelte Prüfsumme mit bereits bestehenden Daten verglichen, und gegebenenfalls sogar etwaige Fehler korrigiert werden. All dies muss natürlich geradezu blitzschnell vonstatten gehen, sodass der Net Maestro 2000 AV dafür eine separate Netzwerk-Schnittstelle für eine VPN-Verbindung direkt mit dem Rechenzentrum von Net Technology Limited Research aufweist.

Nach Aussage Meiers besteht die größte Herausforderung darin, diese Referenz-Datenbank aufzubauen, sodass man möglichst rasch eine bestenfalls vollständige Bibliothek zur Verfügung hat, um jederzeit eine absolute Datenintegrität bei der Übertragung von Musik-Signalen sicherstellen zu können. Natürlich ist man dabei auf Partner angewiesen, wobei man bereits verkünden könne, mit Neil Young und dessen Pono-Projekt einen sehr engagierten Mitstreiter gefunden zu haben. Überhaupt sei Neil Young sehr von der Leistungsfähigkeit des Produkts von Net Technology Limited Research angetan gewesen, und er wird wohl auch einer der ersten Kunden sein, so Meiers stolz.

Offen ist noch, welche Audio-Formate vom Net Maestro 2000 AV unterstützt werden sollen. Bislang konzentriere man sich auf Daten im FLAC-, Apple Lossless-, WAF- und AIFF-Format, DSD-Daten stünden ebenfalls bereits auf der Liste. Offen hingegen ist, ob man auch AAC- oder gar MP3-Daten unterstützen solle. „Das Problem bei MP3-Daten ist, dass unser DSP hier tatsächlich an seine Grenzen stösst. Denn dieser versucht, stets das Optimum, also 100 % Datenintegrität zu erzielen. Erkennt dieser nun anhand eines MP3-Files ein Musik-Stück, so ist der DSP vielfach überfordert, und auch die Datenübertragung ist zumeist nicht leistungsfähig genug, all die Daten zu liefern, die bei MP3-Dateien fehlen, und dennoch einen konstanten Datenstrom zu liefern. Dies wird wohl erst mit einer zukünftigen Version funktionieren.“

Nachdem das Musik-Signal nun derart aufbereitet wurde, wird es wieder der Röhrensektion zugeführt, wobei man hier sogar mittels einer weiteren Filtersektion dezent in das Klanggeschehen eingreifen kann. So stehen die Optionen „Flat“, „Mid Presence“ und „Bass Boost“ zur Verfügung, wobei audiophile Musikliebhaber wohl erstgenannte Einstellung bevorzugen werden.

Eine besondere Herausforderung war laut Meiers auch die WiFi-Sektion, die in der Basis auf IEEE 802.11n aufbaut, allerdings ebenfalls eine Besonderheit aufweist. So werden Signale hier voll symmetrisch übertragen, um eine jederzeit fehlerfreie, sichere Übertragung zu gewährleisten. Diese Option wird natürlich von herkömmlichen WiFi Modulen nicht unterstützt, allerdings bietet Net Technology Limited Research entsprechende USB-Dongle als optionales Zubehör an, um Streaming-Clients damit auszurüsten. Man habe die entsprechenden Technologien zudem bereits den entsprechenden Gremien übersandt, sodass diese in kommenden Standards implementiert werden können.

Selbstverständlich widmete man auch der Stromversorgung des Net Maestro 2000 AV viel Aufmerksamkeit. So steht der Röhrenstufe ein eigener Ringkern-Transformator zur Verfügung, während man für die digitalen Schaltkreise auf ein herkömmliches, aber ebenfalls mit rein selektierten Bauteilen bestücktes Schaltnetzteil setzt. Wer auf besonders akkurate Signalverarbeitung wert legt, der kann ein zusätzliches externes Netzteil als Erweiterung einsetzen. Zudem plane man bereits eine Stromversorgung basierend auf einem Akku, sodass auch jedweder negativer Einfluss durch den Netzstrom unterbunden wird. Dieser Akku soll eine Laufzeit von immerhin vier Stunden aufweisen, was wohl problemlos für einen entspannten Musik-Abend reichen sollte.

Wie bereits erwähnt stand uns für diesen ersten exklusiven Test lediglich ein erster Prototyp des Systems zur Verfügung. Dieser war leider noch nicht mit der Röhrenstufe ausgestattet, und auch der DSP konnte noch nicht sein wahres Potential beweisen, da die entsprechenden Kapazitäten der Online-Datenbank erst aufgebaut werden müssen. Hier steht das Unternehmen noch in Verhandlungen mit Microsoft, Google und Apple. Je nachdem, welcher Dienst es letztendlich wird, für den Kunden reicht dann entweder ein Apple iCloud-, Microsoft MSN- oder Google Gmail-Account für die Anmeldung, die allesamt kostenlos angeboten werden.

Natürlich können wir somit noch keine letztgültige Aussage über die Qualitäten des Net Maestro 2000 AV treffen, schon jetzt zeigt diese Lösung aber überaus vielversprechende Ansätze, die tatsächlich dazu in der Lage sind, die Art und Weise, wie künftig audiophile Streaming-Lösungen aussehen könnten, zu revolutionieren.

Wann das System den Prototypen-Status verlassen, und in die Serienfertigung gehen kann, hängt sehr stark von der Begeisterungsfähigkeit der Zielgruppe ab. Denn Meiers verfolgt hier die Taktik, jedem Kunden sein eigenes System, ganz seinen Wünschen entsprechend, zu fertigen. So soll der DSP-Algorithmus perfekt auf die musikalischen Vorlieben des Kunden zugeschnitten sein, um tatsächlich jederzeit bestmögliche Ergebnisse zu erlauben. Nachdem dieser DSP natürlich auch problemlos mittels Firmware-Updates erweitert werden kann, ist auch für die Zukunft gesorgt. Denn sollte sich der Musikgeschmack des Kunden gravierend ändern, so spielt man einfach die entsprechende Erweiterung ein, die das Unternehmen ebenfalls ganz exakt den Vorgaben des Kunden anpasst.

„Wenn alles klappt, so werden wir bereits im Herbst erste Geräte ausliefern können“ so Meiers. Entsprechende Anfragen seien bereits eingegangen, einige davon seien durchaus schon recht konkret, sodass man guter Dinge sei, dass sich das Konzept durchsetzen, und damit eine neue Welt für die audiophile Musik-Wiedergabe auftun werde.

Wir meinen…

Man darf ja wirklich nichts unversucht lassen, wenn es um das Erzielen eines perfekten Klangs geht. Da muss man auch ganz am Anfang der Kette beginnen, beim Musik-Streaming also direkt am Router fürs Netzwerk. Lösungen wie diese hier beschriebenen zeigen ganz klar auf, dass es da viel mehr gibt, als uns die Wissenschaft bislang an Erklärungen geboten hat.

Fishhead Audio

Michael Holzinger

Michael Holzinger, Gründer und Chefredakteur von sempre-audio.com und HiFi BLOG, ist seit Jahren als Journalist in den Bereichen IT, Fotografie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik tätig.

Weitere Artikel

Lassen Sie uns Ihre Meinung wissen...

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"