sempre-audio.at Live dabei… Mor Karbasi in der Sargfabrik

Auf eine ganz außergewöhnliche Reise entführte die israelische Sängerin Mor Karbasi und ihre Band am Abend des 14. November 2013 in der Wiener Sargfabrik. Auf einzigartige Art und Weise mischte sie Elemente des Fado und des Flamenco mit ihrer eigenen jüdischen Tradition, vorgetragen mit unglaublich ergreifender Stimme, und begleitet von einer mit Spielwitz und Genialität aufspielenden Band.

Von Michael Holzinger (mh)
15.11.2013

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Mor Karbasi, geboren im Jahr 1986 in Jerusalem, verdankt wohl vieles, was ihr Schaffen ausmacht, ihren Eltern. Während ihr Vater ebenfalls aus Jerusalem stammt, allerdings auf persische Wurzeln verweisen kann, stammt ihre Mutter aus Nazaret und ist marokkanischer Abstammung. Und genau diese Mischung verschiedenster Kulturen ist es, die sich sich auch in den Liedern der Sängerin und Liedermacherin niederschlägt. Basierend auf der jüdischen Tradition, in der sie aufwuchs, orientiert sie sich dabei vorwiegend Richtung Westen, und zwar der jüdischen Tradition der iberischen Halbinsel. So finden sich in ihren Liedern viele Elemente des traditionellen Fado, aber ebenso des Flamenco, kurzum, ihre ganze Liebe gilt der so genannten sepharischen Musik, deren Sprache Ladino ist.

Ladino, das ist jene Sprache, die Juden im späten 15. Jahrhundert in Spanien sprachen, also jenem dunklen Kapitel abendländischer Geschichte, als im Zuge der so genannten Reconquista in Spanien ansässige Juden gezwungen wurden, aus ihrer Heimat Spanien zu emigrieren.

Für Mor Karbasi zählt Ladino, eigenen Angaben zufolge, zu den melodischsten, schönsten Sprachen überhaupt. Diese verbinde sie mit Lebensfreude, mit Sinnlichkeit, die einen immensen Reichtum biete. Daher sei diese das perfekte Mittel für Mor Karbasi, um sich damit auszudrücken, vor allem auch alle Aspekte dessen, was es heisst, Frau zu sein. Dies mag zunächst wie ein Widerspruch erscheinen, dass eine junge Frau im Jahr 2013 eine über 500 Jahre alte Sprache als ihr Ausdrucksmittel auserkoren hat, allerdings nur solange, bis man Mor Karbasi erleben durfte.

Gekonnt nutzt sie alte überlieferte Melodien und Texte, um mit ihrer Stimme diese Tradition neu zu vermitteln, und all die Macht und Magie zum Ausdruck zu bringen. Auch ihre eigenen Lieder basieren auf dieser Tradition, greifen aber ebenso Stile des Flamenco und Fado auf, sodass sich eine überaus leidenschaftliche, energiegeladene, teils sehr melancholische und dennoch überaus sinnliche Mischung ergibt, die bereits auf ihren Tonträgern hervorragend zur Geltung kommt, im Rahmen ihrer Live-Konzerte aber noch viel mehr zu spüren ist. Denn hier kommt die immense Bühnenpräsenz der Künstlerin sowie der unglaubliche Spielwitz und Genialität ihrer Musiker noch dazu.

Einmal mehr erstaunlich war, das selbst eine kleine Formation ausreicht, um bravourös großartig aufzuspielen. So überzeugte nicht nur Joe Taylor an diesem an der Gitarre, Davide Mantovani am Bass, sondern allen voran Andres Ticino Moron an der Percussion vollends, die die Stimme von Mor Karbasi geradezu auf Händen trugen. Und zwar sowohl in den ganz leisen Passagen, wie auch bei so manch rhythmischen Feuerwerk, das auf die Zuhörer an diesem Abend mitunter einprasselte.