Musik

The Funk Brothers – Standing in the shadows of Motown

Im Jahr 1959 gründete der Songschreiber und Schallplattenverkäufer Berry Gordy Jr. das legendäre Label Motown Records in Detroit. Für sein junges Label suchte er aus der lokalen Musikszene die besten Jazz und Blues-Musiker, die er sich leisten konnte, und engagierte sie als Studiomusiker, die die Grundlage für den typischen Motown-Sound liefern sollten.


Sie gaben sich selbst den Namen The Funk Brothers und waren maßgeblich am Welterfolg zahlloser Hits des Labels aus Detroit beteiligt. Von 1959 bis in die frühen 1970er Jahre war es vor allem ein Label, dass einen Hit nach dem anderen produzierte: Motown Records. In Zeiten, in denen in weiten Teilen der USA Rassendiskriminierung noch alltäglich war, gründete Berry Gordy Jr. als erster Afroamerikaner sein eigens Label. Sein Ziel ist es, afroamerikanische Musiker zu fördern, aus ihnen Stars zu machen, und – dies muss man fairerweise auch anführen – reichlich Geld damit zu verdienen.

Nahezu klischeehaft erfüllt sich der amerikanische Traum für Gordy binnen kürzester Zeit. Mitverantwortlich für den überwältigenden Erfolg sind – neben einem goldenen Händchen bei der Auswahl junger Talente, einem Team aus erstklassigen Songschreibern und Produzenten und nicht zuletzt der Aufbruchstimmung in den USA in der Zeit der Bürgerrechtsbewegung – die von Berry engagierten Studiomusiker.

Es sind die Funk Brothers, die den typischen Motown-Sound prägen. Einfache, aber auf den Punkt gebrachte Arrangements, mit dem richtigen Groove und Leidenschaft gespielt. Songs, die selbst auf einem lausigen Kofferradio erstklassig klingen und genau den Zeitgeist treffen.

Gleichgültig, welches aufstrebende Talent im Mittelpunkt stand, es waren die Funk Brothers, die die Grundlage für hunderten Hits von Motown lieferten. Die stillen Helden im Hintergrund, denen erst Allan Slutsky unter seinem Pseudonym Dr. Licks in dem Buch „Standing in the shadows of Motown“ 1989 ein würdiges Denkmal setzte. Erstmals bekamen jene, die für den Erfolg anderer sorgen „einen“ Namen: Joe Messina, Eddi „Chank“ Willis, Richard „Pistol“ Allen, William „Papa Zita“ Benjamin, Eddie „Bongo“ Brown, Johnny Griffith, James „Igor“ Jamerson, Earl „Chunk of Funk“ Van Dyke und Robert White.

Das Buch von Allan „Dr. Licks“ Slutsky diente dem Regisseur Paul Justman als Grundlage für seinen im Jahr 2002 erschienen Dokumentarfilm gleichen Titels über die Studioband von Motown Records. Die Arbeiten an dem Film nahmen rund zehn Jahre in Anspruch. Anhand alter Fotos, Interviews mit Zeitzeugen und natürlich den Musikern selbst erzählt der Regisseur in diesem überaus sehenswerten Film die Geschichte der Funk Brothers und indirekt auch die Entstehungsgeschichte zahlloser Hits der goldenen Motown-Ära und zeigt auf, an welchen Songs die Mitglieder der Funk Brothers beteiligt waren.

Ein wichtiger Bestandteil des Films ist der Mitschnitt eines Konzerts, das alle damals noch lebenden Mitglieder der Funk Brothers wieder vereinte. Diesmal standen sie aber nicht im Hintergrund, sondern sie waren die Stars des Abends, auch wenn die Gesangsparts von Künstlern wie Ben Harper, Gerald Levert, Joan Osborne, Bootsy Collins oder Chaka Khan übernommen wurden.

Und es ist genau dieser Konzertmitschnitt, der auf dem gleichnamigen Soundtrack zum Film zu finden ist. Es ist ein wirklich wunderbares Album, dass noch reizvoller ist, wenn man zuvor den Film gesehen hat. Denn wenn man nur die Musik hört, so fehlen den Musikern auch bei dieser CD die Gesichter. Nicht aber, wenn man weiß, dass hier eine Gruppe alter Herren spielt. Und zwar so virtuos aufspielen, dass so mancher Jungspund vor Neid erblassen muss.

Wir meinen…

„Standing in the shadows of Motown“ erweckt die alten Soul-Hits der 60iger Jahre zu neuem Leben. Frisch, mit mitreißendem Groove und vollgepackt mit Kraft und Spielfreude. Dieses Album ist der beste Beweis dafür, dass Musik ein Quell ewiger Jugend sein kann. Ein Album, dass man sich nicht entgehen lassen sollte.

The Funk Brothers - Standing in the shadows of MotownStanding in the shadows of Motown
Artist:The Funk Brothers
Composer:Diverse
Genre:Pop, Rock, Funk
Label:Universal Music Group
Format:Audio CD, Download
Year:2002

Wertung

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Empfehlung

Sie haben mehr Nr.1 Platten eingespielt, als die Beatles, The Beach Boys, The Rolling Stones und Elvis Presley zusammen - The Funk Brothers.

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Michael Holzinger

Michael Holzinger, Gründer und Chefredakteur von sempre-audio.com und HiFi BLOG, ist seit Jahren als Journalist in den Bereichen IT, Fotografie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik tätig.

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