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Wir brauchen mehr Bass – Passen Smart Speaker, All-in-Ones und Soundbars zur aktuellen Musik?

Mit einer interessanten These lässt Ole Witthøft von System Audio A/S aufhorchen. Seiner Einschätzung nach sind viele der aktuell genutzten Lautsprecher-Systeme nicht für die meist gehörte Musik geeignet.

In aller Kürze
  • Menschen konsumieren Musik, die immer mehr Bass aufweist, und zwar vielfach über Speaker, die immer kompakter werden und damit gar nicht in der Lage sind, das erweiterte tiefe Frequenzspektrum auch nur annähernd abzubilden.

Man kann es drehen und wenden wie man will, die Zukunft der Musik-Distribution ist Streaming. Dies belegt die Entwicklung in den letzten Jahren ganz klar, und schon jetzt stellt Streaming für viele Anwender die zentrale Art und Weise dar, wie sie Musik konsumieren. Dass sich daran künftig etwas ändern wird, ist nicht abzusehen, ganz im Gegenteil wird Streaming noch stärker an Bedeutung gewinnen.

Spotify, Amazon Music und Apple Music beherrschen den Markt

Ganz klar gibt es im Bereich Streaming einige dominante Anbieter, hier ist allen voran Spotify zu nennen, ebenso Amazon Music sowie Apple Music. Spezialisten, die sich mit besonders hoher Qualität hervor tun wollen, nehmen global gesehen eine eher untergeordnete Rolle ein, wie etwa TIDAL, Qobuz oder HIGHRESAUDIO.

Betrachtet man also das Angebot speziell dieser führenden Anbieter, so kann man sich sehr gut ein Bild davon machen, welche Musik am meisten konsumiert wird, welche Trends vorherrschen, kurzum, welche Künstler, welche Genres und welche Alben bei den Musikbegeisterten gerade hoch im Kurs stehen.

Das dürfte auch Ole Witthøft, Gründer und Chefentwickler des dänischen Lautsprecher-Spezialisten System Audio A/S getan haben, zumal er basierend darauf eine durchaus spannende Theorie entwickelte.

Smart Speaker, Bluetooth Speaker, Soundbar – Die technischen Unzulänglichkeiten

So stellt Ole Witthøft fest, dass die überwiegende Zahl an Lautsprecher-Systemen bzw. Audio-Systemen aus rein technischer Sicht nicht zu der Musik passt, die heutzutage hauptsächlich konsumiert wird.

Fakt ist, und darauf bezieht sich Ole Witthøft wohl, dass Konsumenten zum überwiegenden Teil Musik mit kompakten All-in-One Lösungen, so genannten Smart Speakern, Bluetooth Speakern, Soundbar-Systemen und ähnlichem konsumieren. Dies lässt sich ganz simpel schon allein auf Grund der Verkaufsstatistiken belegen, die seit Jahr und Tag allen voran Soundbar-Systeme in den Spitzenplätzen auflisten.

Natürlich kann man nicht pauschalierend diese Produktgruppen verdammen, schließlich gibt es auch in diesen Bereichen so manch feine Lösung ausgewiesener Spezialisten, die überwiegende Zahl an derartigen Lösungen entspricht aber letztlich ganz klar nicht wirklich hohen Qualitätsstandards und insgesamt sind Systeme dieser Produktgruppen nicht dazu geeignet, wirklich raumfüllenden, satten, detailreichen Klang zu liefern.

Musik mit immer mehr Bass

Und genau das setzt Ole Witthøft in Verbindung mit der Musik, die hauptsächlich konsumiert wird und stellt fest, dass allein die Top 50 Songs von Spotify bei genauerer Betrachtung aus technischer Sicht eben schlichtweg von vielen Audio-Systemen nicht richtig abgebildet werden können.

So habe er mittels Spectral Analysis festgestellt, dass sich Musik allein in den letzten fünf Jahren derart verändert habe, dass immer mehr Bass eingesetzt wird, das Frequenzspektrum drastisch nach unten hin erweitert wurde. Natürlich liegt das allen voran darin begründet, dass immer mehr elektronische Musik konsumiert wird, zudem aber auch die Produktionen mit modernster Technik ein breiteres Frequenzspektrum abdecken.

„Musik hat heute tiefere Bässe als noch vor 5 Jahren. Die Musik umfasst einfach eine größere Bandbreite an Tönen als früher. Es gibt mehr Töne in der Musik. Das ist ein künstlerischer Trend. Die Musik klingt „größer“ als in den 80er Jahren. Sie fesselt unsere Aufmerksamkeit auf eine stärkere Weise als früher.“

Ole Witthøft, Gründer und Chefentwickler System Audio A/S

Technisch gesehen liegen 63 Prozent der Energie der Musik jetzt unter 70 Hz. Das bedeutet schlicht und einfach, dass die bekannten Streaming-Lautsprecher auf dem Markt zu klein sind, um moderne Musik wiederzugeben. Sie können die tiefen Töne nicht wiedergeben!

Und da ist noch gar nicht die Rede von einer akkuraten Stereo-Abbildung, die man sich als Musik-Liebhaber ja eigentlich auch wünschen sollte, die derartige kompakte All-in-One Lösungen, Bluetooth Speaker und Smart Speaker, Soundbars, wie immer man auch diese Lösungen nennen will, zumeist ja auch nicht liefern können.

Aus Sicht von Ole Witthøft sei es also anzuraten, bei der Wahl des Audio-Systems auch ein wenig den technischen Aspekt zu beachten, um Musik auch tatsächlich in allen Details genießen zu können. Und zwar auch dann, wenn man sich für bewusst simple, einfache Systeme entscheidet, etwa für Bluetooth Speaker. Dass er selbst mit seinem Unternehmen System Audio A/S hier entsprechende Lösungen bietet, die eine Wohnraum-freundliche Integration mit Qualität zu verbinden wissen, sei abschließend natürlich auch erwähnt.

Nubert Banner 1 April 2022

Wir meinen…

Klar, als begeisterter Musik-Enthusiast und HiFi-Liebhaber ist es ohnehin klar, dass man sich für ein feines Audio-System entscheidet, die breite Masse an Kunden sieht dies aber ganz klar anders bzw. legt vielfach keinen Wert darauf, sich intensiver auch mit den technischen Aspekten auseinander zu setzen, die für eine möglichst ansprechende Qualität entscheidend sind. Auch der finanzielle Aspekt spielt da natürlich ganz klar eine wesentliche Rolle, auch das darf man nicht außer Acht lassen. Dennoch ist es spannend festzustellen, dass es letztlich ganz simple Dinge sind, die hier im Widerspruch stehen, und zwar der Trend zu immer tiefer reichender Frequenzabbildung bei Musik auf der einen Seite – ein Mehr an Bass – und auf der anderen Seite der Trend zu möglichst kompakten, möglichst schlanken Audio-Systemen, die dies überhaupt nicht abbilden können.

MarkeSystem Audio
HerstellerSystem Audio A/S
VertriebRobert Ross Audiophile Produkte GmbH
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Michael Holzinger, Gründer und Chefredakteur von sempre-audio.at | Der HiFi Blog - Das HiFi Magazin und HiFi BLOG, ist seit Jahren als Journalist in den Bereichen IT, Fotografie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik tätig.

Über
System Audio A/S
Quelle
System Audio A/S

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