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Von Datenpaketen zum Klangwunder - Wie Bluetooth die Audio-Welt revolutionierte

Was einst als stromsparende Nahbereichsverbindung für Tastaturen und Mäuse begann, hat sich zum Herzstück drahtloser Audiotechnologie entwickelt. Bluetooth durchlief eine technische Evolution mit immensen Auswirkungen auf Klangqualität, Latenz und Nutzererlebnis. Von Mono-Headsets bis hin zu hochwertigen Kopfhörern, von SBC über aptX HD bis zu Bluetooth LE Audio – wir beleuchten die Geschichte, Meilensteine und aktuellen Standards der Bluetooth-Audiotechnologie.

In aller Kürze
  • Was als drahtlose Signalübertragung in der IT begann, ist längst eine unverzichtbare Technologie der Unterhaltungselektronik: Bluetooth. Wie Bluetooth die Audiotechnik revolutionierte – und was uns mit Bluetooth LE Audio erwartet, beleuchten wir in unserer Reportage.

Die Bluetooth-Technologie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verändert – nicht nur in ihrer Reichweite und Energieeffizienz, sondern auch in puncto Datenübertragung und Anwendungsbreite. Während sie zunächst als Mittel zur kabellosen Verbindung von Peripheriegeräten diente, avancierte sie vor allem im Audio-Bereich zu einer Schlüsseltechnologie. Heute versorgt Bluetooth nahezu jede mobile Audio-Umgebung – von den True Wireless In-ear Headphones bis hin zu hochwertigen moderne Bluetooth-Lautsprecher, ja selbst Hi-res Audio ist möglich.

Bluetooth begann als simple Funkverbindung für kabellose Tastaturen und Headsets. Heute ist es ein komplexes Ökosystem für hochwertige Musik-Übertragung, True Wireless Technologie und öffentliches Audio-Streaming. Diese Reportage zeigt, wie sich die Bluetooth-Audiotechnologie entwickelt hat, welche Codeces den Unterschied machen und warum Bluetooth LE Audio der größte Fortschritt seit Jahrzehnten ist.

Die Anfänge – Bluetooth 1.0 bis 2.1 – Verbindung ohne Kabelsalat

Bluetooth wurde Ende der 1990er-Jahre vom schwedischen Telekommunikationsunternehmen Ericsson entwickelt und 1999 erstmals als Branchenstandard definiert. Die Spezifikationen der frühen Versionen (1.0, 1.1, 1.2) waren primär auf einfache Datenübertragungen in einem Nahbereich bis rund zehn Meter ausgelegt. Die maximale Übertragungsrate lag bei rund 1 Mbit/s, ausreichend für einfache Signale, etwa von einer Maus, einer Tastatur oder aber auch einem Headset.

Mit Bluetooth 2.0 + EDR (Enhanced Data Rate) verdreifachte sich 2004 die Datenrate theoretisch auf bis zu 3 Mbit/s – eine wichtige Voraussetzung für die ersten ernst zu nehmenden Stereo-Audio-Übertragungen. Doch die Kompression durch den zugehörigen SBC-Codec und die hohe Latenz machten frühe Produkte rund um Audio und Bluetooth eher zu einem Notbehelf. Vielfach sind es Erfahrungen aus diesen Jahren, die bis heute etwaige Ressentiment gegenüber dem Bluetooth-Standard bei vielen anspruchsvollen HiFi-Enthusiasten begründen.

Evolution durch Codeces – Von SBC bis hin zu aptX HD und LDAC für Hi-res-Audio

Den entscheidenden Qualitätssprung sollten erst alternative Codeces bringen, allen voran aptX und später aptX HD von Qualcomm Inc., aber auch AAC, das insbesondere bei Produkten aus dem Hause Apple Corporation zum Einsatz kam, nicht zu vergessen LDAC der Sony Corporation. Diese Codeces versprachen höhere Bitraten, geringere Latenzen und eine insgesamt hochwertigere Klangwiedergabe. aptX HD etwa unterstützte Audio mit bis zu 24 Bit bei 48 kHz mit einer maximalen Datenrate von 576 kbit/s, während LDAC unter optimalen Bedingungen sogar bis zu 990 kbit/s bei 24 Bit und 96 kHz lieferte.

Doch trotz der technischen Möglichkeiten blieb ein Problem bestehen: Die tatsächliche Nutzung der Codeces war abhängig von den jeweiligen Endgeräten und nicht immer transparent für den Nutzer. Häufig wurden vielversprechende Codeces auf der Verpackung beworben, in der Praxis jedoch aufgrund fehlender Kompatibilität oder Lizenzbeschränkungen nicht genutzt.

Bluetooth 4.0 und BLE – Wegbereiter für Audio 2.0?

Parallel zu diesen Entwicklungen wurde mit Bluetooth 4.0 im Jahr 2010 eine weitere bedeutende Neuerung eingeführt: Bluetooth Low Energy (BLE). Diese stromsparende Variante ermöglichte neue Anwendungsbereiche – etwa für Fitness-Tracker oder Smartwatches – spielte aber zunächst im Audio-Bereich keine Rolle, da die verfügbare Bandbreite nicht ausreichte. Dennoch führte BLE langfristig zu einem Paradigmenwechsel, der sich ab 2020 mit der Vorstellung von Bluetooth LE Audio durch die Bluetooth SIG voll entfalten sollte.

Bluetooth LE Audio – Der neue Standard für Bluetooth Audio

Bluetooth LE Audio ist mehr als nur ein Upgrade bestehender Standards – es stellt einen grundlegenden Neuanfang dar. Herzstück ist der neue LC3-Codec (Low Complexity Communication Codec), der nicht nur bei geringerer Bitrate eine bessere Klangqualität bietet als der bisherige SBC-Standard, sondern auch deutlich energieeffizienter arbeitet. Durch seine hohe Skalierbarkeit kann LC3 sowohl für anspruchsvolle HiFi-Anwendungen als auch für Hörhilfen eingesetzt werden.

Ein weiteres zentrales Feature von Bluetooth LE Audio ist Multi-Stream Audio. Im Gegensatz zum bisherigen Verfahren, bei dem ein kombinierter Stereo-Stream auf ein Gerät übertragen wurde, erlaubt Multi-Stream Audio die unabhängige und synchronisierte Übertragung beider Kanäle. Das verbessert insbesondere die Performance von True Wireless Earbuds, da jeder Hörer einen eigenen Stream erhält – mit weniger Latenz, stabilerer Verbindung und höherer Synchronität bei Video oder Gaming.

Auracast Broadcast Audio

Einen noch weiterreichenden Schritt stellt Auracast dar – eine mit Bluetooth LE Audio eingeführte Funktion, die es erlaubt, einen Bluetooth-Audiostream gleichzeitig an eine Vielzahl von Empfängern zu senden. Damit wird es beispielsweise möglich, in öffentlichen Räumen wie Flughäfen oder Museen Audio gezielt auf persönliche Endgeräte zu übertragen. Auch Mehrraum- oder Gruppenlösungen im privaten Bereich lassen sich damit realisieren.

Die ersten Endgeräte mit vollständiger Bluetooth LE-Audio-Unterstützung kamen ab 2023 auf den Markt, doch ein breiter Durchbruch wird erst in den Jahren danach erwartet, wenn Smartphones, Kopfhörer und Betriebssysteme flächendeckend auf den neuen Standard setzen.

Glossar zu Bluetooth

  • SBC (Subband Codec): Basis-Audio-Codec für Bluetooth, standardisiert, aber klanglich limitiert.
  • aptX, aptX HD, aptX Adaptive, aptX LL: Proprietäre Codecs von Qualcomm für höhere Audioqualität und geringere Latenz.
  • AAC (Advanced Audio Coding): Codec mit guter Effizienz, bei Apple-Geräten bevorzugt.
  • LDAC: Hochauflösender Codec von Sony, erlaubt theoretisch Hi-res-Audio über Bluetooth.
  • LC3 (Low Complexity Communication Codec): Neuer Standard-Codec für LE Audio, effizient und skalierbar.
  • Bluetooth LE Audio: Neuer Bluetooth-Audio-Standard mit energieeffizientem Design, LC3, Multi-Stream und Auracast.
  • Auracast: Broadcast-Funktion von Bluetooth LE Audio für paralleles Audio-Streaming an viele Geräte.
  • Multi-Stream Audio: Gleichzeitige Übertragung mehrerer synchroner Audioströme, v. a. für True Wireless wichtig.

Bluetooth Audio – Meilensteine der Entwicklung

  • 1999 – Bluetooth 1.0: Verbindungstechnologie entsteht
  • 2004 – Bluetooth 2.0 + EDR: Audio erstmals möglich
  • 2009 – 2016 – aptX, AAC, LDAC: Klangqualität steigt
  • 2010 – Bluetooth 4.0: BLE für stromsparende Anwendungen
  • 2020 – Bluetooth 5.2 / Bluetooth LE Audio mit LC3, Multi-Stream
  • 2023 – Auracast startet: Broadcast über Bluetooth

Die wesentlichen technischen Eckdaten rund um Bluetooth

Standard / CodecJahrMaximal BitrateAudio-AuflösungBesonderheit
SBC1999~328 kbps16 Bit / 48 kHzBasis-Codec, hohe Kompatibilität, mäßige Qualität
AAC2007~250 kbps24 Bit / 48 kHzOptimiert für Apple-Geräte
aptX2009~384 kbps16 Bit / 48 kHzGeringe Latenz, bessere Dynamik
aptX HD2016~576 kbps24 Bit / 48 kHzHi-res Audio-tauglich, geringer Verlust
LDAC2015bis 990 kbps24 Bit / 96 kHzVariable Bitrate, Hi-res Audio-fähig, instabil bei Störung
LC3 (LE Audio)2020~160–345 kbpsbis 24 Bit / 48 kHzSynchronisierte Dual-Streams für True Wireless
Multi-Stream Audio (LE)2020variabelSynchronisierte Dual-Streams für True Wireless
Auracast2023BLE-basiertÖffentliche Audioübertragung von einem Sender auf viele Empfänger
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Ein Ausblick – Audio over Bluetooth auf dem Weg zur Studio-Qualität?

Mit Bluetooth LE Audio und LC3 ist Bluetooth-Audio endgültig in der Moderne angekommen. Doch wie nahe kommt man der verlustfreien Studioqualität?

Obwohl Codeces wie LDAC und LC3 beeindruckende Datenraten bieten, bleibt Bluetooth-Audio verlustbehaftet. Selbst die besten Codecs komprimieren, wenn auch nunmehr sehr effizient. Für den Großteil der Nutzer ist der Unterschied somit kaum hörbar – insbesondere bei mobilen Geräten. Und die Vorteile kabelloser Übertragung überwiegen in der Praxis zunehmend.

Spannend bleibt auch, wie sich Bluetooth LE Audio in professionellen Anwendungen, z. B. in Hörhilfen, Konferenz-Systemen oder im Automotive-Bereich, etablieren wird. Erste Produkte mit vollständiger Bluetooth LE Audio-Unterstützung sind seit 2023 auf dem Markt, in den kommenden Monaten dürfte die Technologie noch breitere Durchdringung erreichen.

Wir meinen…

Bluetooth hat sich von einer datenorientierten Nahbereichsverbindung zu einer ernst zu nehmenden Audio-Plattform entwickelt. Die Einführung neuer Codeces und der Paradigmenwechsel durch Bluetooth LE Audio markieren Meilensteine in einer technologischen Evolution, die die kabellose Audiowelt grundlegend verändert hat. Damit ist Bluetooth endgültig aus dem Schatten kabelgebundener HiFi-Lösungen getreten und hat sich zu einer zentralen Technologie für Musikgenuss, Kommunikation und barrierefreie Informationsübertragung entwickelt – im Alltag im privaten Umfeld, im Beruf und im öffentlichen Raum.

ThemaVon Datenpaketen zum Klangwunder – Wie Bluetooth die Audiowelt revolutionierte
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Michael Holzinger

Michael Holzinger, Gründer und Chefredakteur von sempre-audio.at | Der HiFi Blog - Das HiFi Magazin und HiFi BLOG, ist seit Jahrzehnten als Journalist in den Bereichen IT, Fotografie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik tätig. Mit den Magazinen HiFi.Luxury sowie the LUXURY HOME guide begründete er zudem zwei weitere Plattformen, die für modernen, exquisiten Lebensstil stehen.

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