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TIDAL – Direktzahlungen an KünstlerInnen für faires Streaming

Wie können KünstlerInnen im Zeichen florierender Streaming-Plattformen fair entlohnt werden, diese Frage will TIDAL nunmehr allen voran mit der neuen Option von Direktzahlungen an KünstlerInnen beantworten.

TIDAL sieht sich als Vorreiter einer für KünstlerInnen fairen Entlohnung in Zeiten florierender Streaming-Dienste. Man sei bemüht, in Kooperation mit einer Vielzahl an bekannten Major- und Indie-Label sowie Distributionspartner Lizenzzahlungen an Künstler und Rechteinhaber völlig neu zu gestalten und transparent zu machen, so das Unternehmen.

Man gehe bei diesen neuen Ansätzen weit über die aktuellen Branchenstandards hinaus und wolle damit den Beweis antreten, dass vom stark zunehmenden Interesse an Musik-Streaming als Distributionsform sowohl Musikliebhaber als auch Rechteinhaber bis hin zu den KünstlerInnen profitieren können.

Nur 0,4 Prozent aller MusikerInnen können von Streaming-Einnahmen leben

Laut TIDAL stelle sich die aktuelle Situation so dar, dass mit Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Music und Co laut einer aktuellen Studie nur 0,4 Prozent aller MusikerInnen von ihren Streaming-Einnahmen leben können. Man bezieht sich hierbei auf die Studie Music Creators Earnings 2021. Der Grund liegt laut TIDAL an den veralteten Vergütungsmodellen, die eine kumulierte Streaming-Zahl aller KünstlerInnen betrachten und dabei die individuellen Vorlieben der HörerInnen ignorieren. Genau da wolle man nunmehr ansetzen, um die präkere Situation vieler KünstlerInnen zu verbessern.

Nachhaltiges und faires Streaming

TIDAL sei bestrebt, eine nachhaltige und faire Streaming-Plattform für KünstlerInnen und Musikbegeisterte darzustellen. Dazu sollen gleich eine Reihe von Maßnahmen gesetzt werden, wie das Unternehmen nunmehr in einer Aussendung bekannt gab.

„TIDAL macht den nächsten Schritt, um einen echten Paradigmenwechsel im Musikstreaming herbeizuführen. Seit dem Beginn von TIDAL hatten wir die Vision, eine Streamingplattform zu schaffen, die KünstlerInnen und Fans voll im Fokus hat und für faire Rahmenbedingungen sorgt. Das neue Abo-Modell von TIDAL führt erstmals schnelle Direktvergütungen ein, wodurch Musikliebhaber ihre Lieblingsartists direkt unterstützen können. Wir freuen uns darauf, mit unseren neuen Tools kleine wie große KünstlerInnen auf der ganzen Welt zu unterstützen. Von nun an beschreiten wir völlig neue Wege im Markt.” 

Lior Tibon, Chief Operating Officer von TIDAL

Direkte Künstlervergütungen

TIDAL will ab sofort monatliche Direktzahlungen an KünstlerInnen einführen, wie das Unternehmen mitteilt. Man versteht dies als innovatives Programm, das Musikern eine zusätzliche Einkommensquelle garantiere.

KünstlerInnen werden hierbei direkt von ihren Fans auf TIDAL bezahlt, und zwar dadurch, dass jeden Monat ein bestimmter Prozentsatz der Mitgliedergebühren von TIDAL HiFi Plus Abonnenten an den von ihnen am häufigsten gestreamten Künstler fließen, den sie in ihrem Aktivitäts-Feed sehen.

Ausdrücklich hebt TIDAL hervor, dass es sich bei dieser direkten Zahlung an die KünstlerInnen um zusätzliche Einnahmen handle, die somit unabhängig von den regulären Streaming-Tantiemen ausgeschüttet werden.

Was dies in der Praxis heisst, beschreibt der Streaming-Anbieter so: jeden Monat werden zehn Prozent des HiFi Plus Abo-Preis an den vom jeweiligen Nutzer meistgehörten Künstler ausgeschüttet. Die direkte Künstlervergütung bringe Künstler und ihre größten Fans daher nach Ansicht von TIDAL noch näher zusammen.

In der neuesten TIDAL App können Nutzer jederzeit genau sehen, an wen ihre direkte Künstlervergütung ausgezahlt wird.

Fan-basierte Tantiemen

TIDAL gibt außerdem bekannt, dass man ab 2022 bei den Tantiemen einen komplett neuen Ansatz verfolge. Die Tantiemen werden auf der Grundlage der tatsächlichen Streaming-Aktivitäten der einzelnen TIDAL HiFi Plus Abonnenten gezahlt, somit im Gegensatz zur branchenüblichen Methode, bei der die Streams zusammen gefasst und den beliebtesten KünstlerInnen zugewiesen werden.

Gerade diese Vorgangsweise ist es, die immer wieder aufs Neue von KünstlerInnen und Rechteverwertern kritisiert wird, da damit nur sehr wenige profitieren, wohingegen die Mehrheit defakto leer ausgeht.

Auch hier bringt es TIDAL praktisch auf den Punkt: durch TIDAL HiFi Plus werden Künstler deutlich besser pro einzelnem Stream bezahlt als bei anderen bekannten Streaminganbietern. 

Statt alle Streams in einem Pro-Rata-Modell zusammenzufassen, werden bei TIDAL HiFi Plus die Tantiemen nur an die Künstler ausgezahlt, die auch von einem Nutzer tatsächlich gehört wurden. Fans können dies in ihrem TIDAL Feed ab Januar 2022 sehen.

Kooperation mit Zahlungsdienstleistern und Distributoren

TIDAL führt zudem aus, dass man ab sofort mit verschiedensten Zahlungsdienstleistern kooperiere, um die Abrechnung mit KünstlerInnen auf eine besonders breite Basis zu stellen. So listet man etwa Dienste wie Square, Cash App und PayPal, um eine direkte Zahlung ohne Umwege an Künstler weltweit zu gewährleisten. Führende Distributoren wie CD Baby, DistroKid, Equity Distribution, Sterm, Symphonic, Tunecore und Vyda haben sich laut TIDAL der Initiative ebenfalls angeschlossen.

Mit diesen Partnerschaften sei laut TIDAL sichergestellt, dass KünstlerInnen, die ihre Musik über diese Distributoren verbreiten, ihre Zahlungen nahtlos über die jeweilige Plattform-interne Registrierung erhalten.

Registrierung für KünstlerInnen auf breiter Basis

Um Direktauszahlungen zu erhalten, müssen sich Künstler per Einladung über die Direktanmeldung oder über Vertriebspartner registrieren, so das Unternehmen. TIDAL werde den Zugang zum Programm in den kommenden Monaten weiter öffnen. Informationen für KünstlerInnen, deren Musik auf TIDAL verfügbar ist, werden unter TIDAL.com/ForArtists zur Verfügung gestellt. 

Wir meinen…

Es ist ein komplett neuer Ansatz, den TIDAL nunmehr bei der Bezahlung von KünstlerInnen verfolgt, man wolle ein faires, nachhaltiges Geschäftsmodell entwickeln, so lautet der Vorsatz des Unternehmens. Tatsächlich ist es höchst an der Zeit, dass rund um Streaming allen voran die KünstlerInnen in den Fokus gerückt werden, und zwar im Hinblick auf eine anständige, damit wirklich faire Bezahlung. Selbst Abertausende gestreamte Titel bringen bislang defakto nichts ein, während auf der anderen Seite alte Distributionsformen rund um klassische Tonträger massiv einbrechen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Ansätze von TIDAL letztlich tatsächlich in der Praxis bewähren, aber es ist zumindest mal erfreulich, dass Bewegung in die Sache kommt.

MarkeTIDAL
HerstellerSquare Inc.
VertriebTIDAL
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Fishhead Audio

Michael Holzinger

Michael Holzinger, Gründer und Chefredakteur von sempre-audio.com und HiFi BLOG, ist seit Jahren als Journalist in den Bereichen IT, Fotografie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik tätig.

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