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Wilson Audio TuneTot im Test – Der kompakte High-end Referenz Monitor

Es ist zwar das „kleinste“ Lautsprecher-System im breit aufgestellten Produktsortiment der US-amerikanischen High-end Lautsprecher-Schmiede Wilson Audio Specialties Inc., aber dennoch eine Lösung, die in jeder Beziehung die DNA von Wilson Audio in sich vereint: die Wilson Audio TuneTot.

Beim Wilson Audio TuneTot schlichtweg von einem Regal-Lautsprecher-System zu sprechen, gleicht eigentlich einem Frevel, wenngleich diese Bezeichnung im Wesentlichen zutreffend ist. Ebenso könnte man auch von einem so genannten Monitor Lautsprecher-System sprechen, denn diese Beschreibung ist gleichfalls passend, wenngleich auch diese letztlich viel zu kurz greift und nicht im Ansatz das vermitteln kann, womit man es bei dieser Lösung aus dem Hause Wilson Audio Specialties Inc. zu tun hat.

Tatsächlich handelt es sich beim Wilson Audio TuneTot um ein in jeder Beziehung außergewöhnliches Lautsprecher-System, dafür bürgt schon der Hersteller Wilson Audio Specialties Inc., und damit eines der renommiertesten High-end Unternehmen der gesamten HiFi-Welt schlechthin. Das Wilson Audio TuneTot stellt dabei den kompakten Einstieg in die ganz spezielle Welt dar, die das US-amerikanische Unternehmen Wilson Audio Specialties Inc. über viele Jahrzehnte hinweg erschaffen hat.

Wilson Audio Specialties Inc. – Ein Unternehmen wie kein anderes…

Wer sich mit High-end HiFi-Systemen befasst, der wird über kurz oder lang auf Wilson Audio Specialties Inc. stoßen, wenn es um Lautsprecher-Systeme geht. Das Unternehmen wurde im Jahr 1974 von David A. Wilson gemeinsam mit seiner Frau Sheryl Lee Wilson begründet, und zwar von Anbeginn an mit dem klaren Vorsatz, Musik so abbilden zu können, als würde sie vorm Zuhörer live dargeboten.

Dieses Bestreben ist natürlich der Antrieb vieler Entwickler, soweit würde dies also nichts Besonderes darstellen. Für den Unternehmensgründer David A. Wilson als ausgewiesener Musik-Liebhaber bedeutete dies aber, dass er bei seinen Lösungen nicht bereit war, irgendwelche Kompromisse einzugehen und sich nicht nur von seiner Hingabe zum leidenschaftlichen Musik-Genuss leiten ließ, sondern ebenso von einem tiefen technischen Verständnis der Materie.

Und wie das nunmal so ist, wenn sich ein Entwickler mit Leidenschaft und Hingabe ans Werk macht, seine Vorstellungen in Produkte umzusetzen, dabei nicht bereit ist, irgendwelche Kompromisse einzugehen und aus technologischer Sicht sich mit nicht weniger als dem Besten zufrieden gibt, landet man unweigerlich in einem Bereich, der im Hinblick auf nüchtern wirtschaftliche Aspekte nicht immer kompatibel mit dem Markt ist.

So war es auch zu Beginn bei Wilson Audio Specialties, man musste aus einer Garage in Novato in Kalifornien, die zunächst die Unternehmenszentrale bildete, über Jahre hinweg im wahrsten Sinne des Wortes Überzeugungsarbeit leisten, und zwar dahingehend, dass das, was man da tut, tatsächlich Hand und Fuss hat, dass die Produkte genau so konzipiert sein müssen, um das angestrebte Ziel auch tatsächlich zu erreichen, und das diese Perfektion eben ihren Preis habe. Gut, dass David A. Wilson seine Frau Sheryl Lee Wilson an seiner Seite wusste, die über den entsprechenden Weitblick und das kaufmännische Geschick verfügte, um diese frühen Jahre zu meistern und nichts an der gewählten Strategie ändern zu müssen.

Tatsächlich kann Wilson Audio Specialties bis heute für sich in Anspruch nehmen, ganz klar zu jenen Unternehmen im Bereich Lautsprecher-Systeme zu zählen, die die exklusivsten Lautsprecher-Systeme am Markt bereit halten.

Allerdings gelang es Wilson Audio Specialties auf kongeniale Art und Weise, dass heutzutage nicht mehr darüber diskutiert werden muss, ob die aufgerufenen Preise auch tatsächlich gerechtfertigt sind, man weiss, dass die Systeme aus Provo in Utah, wo das Unternehmen nun bereits seit Jahr und Tag residiert, tatsächlich zum Besten zählen, was der Markt im Bereich High-end Lautsprecher-Systeme bereit hält.

Tatsächlich ist es so, dass das Angebot von Wilson Audio Specialties da beginnt, wo bei so manch anderem renommierten Hersteller der Branche längst das Ende der Fahnenstange erreicht ist, Produkte der US-Amerikaner dürfen daher durchaus mit der Bezeichnung Luxus benannt werden, allerdings im wahrlich besten Sinne dieses Wortes.

Lautsprecher-Systeme vom Kaliber einer Lösung aus dem Hause Wilson Audio Specialties folgen dabei aber keinesfalls jenem Trend, der in den letzten Jahren in der Branche leider immer öfter zu beobachten ist, und zwar das ein möglichst imposantes Preisschild allein gleichbedeutend mit exklusivem High-end sein soll, ohne das dahinter tatsächlich entsprechender Mehrwert steht.

Die DNA von Wilson Audio Specialties begründet sich allen voran darauf, dass man nicht nur einzigartige Konzepte verfolgt, sondern stets das Maximum des technisch Machbaren anstrebt, und wenn dies gleichbedeutend damit ist, Vieles selbst zu fertigen, weil das Angebot im OEM-Bereich nicht den hohen Anforderungen gerecht werden kann, dann tut man das einfach.

Wilson Audio Specialties ist somit, wie beschrieben, ein Unternehmen, das eine ganz besondere Rolle am Markt einnimmt, und dessen Leitung nicht erst seit dem Tod des Unternehmensgründers David A. Wilson im Jahr 2018 dessen Sohn Daryl C. Wilson als CEO inne hat, der das Rüstzeug für diese Aufgabe nicht nur von der Pike auf an der Seite seiner Eltern erlernte, sondern die von diesen begründete Philosophie gleichfalls lebt. Die Aufgaben als COO werden von Korbin Vaughn verantwortet.

Wilson Audio TuneTot – Der Einstieg in die Welt von Wilson Audio Specialties

Betrachtet man das Produktsortiment von Wilson Audio Specialties, so fällt wohl sofort auf, dass man es hier überwiegend mit sehr mächtigen Lösungen zu tun hat, mancher mag sogar von gigantisch anmutenden Lautsprecher-Systemen sprechen.

Produkte mit einer Höhe von über 2 m sind da ebenso wenig eine wirkliche Besonderheit, wie ein Gewicht von knapp unter einer Tonne fürs Paar, wie dies etwa bei der bemerkenswerten Wilson Audio WAMM Master Chronosonic der Fall ist.

Vielmehr stellt unser Testkandidat, die Wilson Audio TuneTot die große Ausnahme dar, denn hierbei handelt es sich nach der Definition von Wilson Audio Specialties um das Kompakt-System der Amerikaner.

Und das besonders Spannende an der Sache ist, dass es angesichts der mächtigen Lautsprecher-Systeme, die Wilson Audio Specialties im aktuellen Line-up aufbieten kann, ausgerechnet die „Kleinste“, also die Wilson Audio TuneTot ist, die unmittelbar an die Wurzeln von Wilson Audio Specialties zurück führt.

Wilson Audio TuneTot – Back to the roots…

Das erste kommerzielle Produkt aus dem Hause Wilson Audio Specialties war ein so genannter Monitor Speaker, eine Lösung also, die vom Prinzip her eigentlich im Umfeld der Musik-Produktion zum Einsatz kommt und hier die möglichst exakte Darbietung für eine objektive Beurteilung gewährleistet. 

WAMM wurde dieses System getauft, wobei diese Abkürzung letztlich ganz nüchtern für Wilson Audio Modular Monitor stand, das sich aber, im Gegensatz zu in diesem Bereich üblichen Lösungen, als ein überaus mächtiges Lautsprecher-System darstellte.

Die Besonderheit, die diese Lösung auszeichnete, bestand in einer patentierten Lösung zur Justierung im Zeitbereich über bewegliche Module. Diese Fähigkeit, die die richtige Laufzeitverzögerung für jede Installation ermöglichen soll, ist seither die Grundlage für die Konzeption jedes großen Lautsprecher-Systems aus dem Hause Wilson Audio Specialties Inc.

Nun gut, dieses spezielle Merkmal fehlt der Wilson Audio TuneTot zwar, und sie ist ungleich kompakter ausgefallen, steht also nicht direkt im Zusammenhang mit der WAMM. Aber, eins verbindet dann doch die beiden Lösungen, denn auch bei der Wilson Audio TuneTot handelt es sich um ein Lautsprecher-System, das man, wie einleitend beschrieben, streng genommen als Monitor Speaker mit all den damit einhergehenden Merkmalen bezeichnen kann.

Ein weiteres spannendes Konzept der frühen Jahre von Wilson Audio Specialties war der WATT, der Wilson Audio Tiny Tot, ein kompaktes Zwei-Wege-Lautsprecher-System, das Unternehmensgründer Dave A. Wilson eigentlich nie als tatsächlich kommerziell zu vermarktendes Produkt entwickelte, sondern vielmehr ganz schlicht aus Eigenbedarf, als zuverlässiges Werkzeug für das von ihm und seiner Frau Sheryl Lee Wilson begründete Label Wilson Audiophile Definitive Recordings.

Und genau der WATT ist es, auf den sich das Konzept des Wilson Audio TuneTot letztlich direkt bezieht, und zwar einschließlich der zur Präsentation des WATT durchaus ungewöhnlich anmutenden Form einer kleinen Pyramide, die natürlich auch der aktuelle Wilson Audio TuneTot aufgreift, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt.

Wilson Audio TuneTot – Ein kompaktes Zweiwege-Bassreflex-System

Ganz nüchtern betrachtet handelt es sich beim Wilson Audio TuneTot um ein kompaktes Zweiwege-Bassreflex-System, das, wie beschrieben, den Einstieg in die Welt von Wilson Audio Specialties darstellt.

Wie wir schon einleitend angeführt haben, geziemt es sich allerdings nicht wirklich, einfach nur von einem Regal-Lautsprecher-System oder einem Monitor Speaker zu sprechen, selbst wenn beide Bezeichnungen eigentlich zutreffend wären.

Dass man es bei den Wilson Audio TuneTot zumindest mit ganz besonderen Vertretern dieser Gattungen zu tun hat, merkt man spätestens dann, wenn es gilt diese Speaker aus der Verpackung zu hieven, denn dies erfordert einiges an Kraft.

Mit Abmessungen von lediglich 37,67 cm in der Höhe, 21,87 cm in der Breite, sowie 25,88 cm in der Tiefe, bringt es diese Lösung auf stattliche 13,15 kg pro Stück.

Um nochmals auf die Wurzeln des Wilson Audio TuneTot zurück zu kommen, wie der WATT aus den 1980er Jahren, weist auch die Wilson Audio TuneTot ein sich nach oben hin verjüngendes Gehäuse auf, allerdings verfolgt man hier die Pyramidenform nicht ganz so konsequent, sondern lediglich sehr dezent im Ansatz. Ausreichend aber, um allein durch die Form diese asymetrische Form des Chassis klangschädigende Faktoren wie stehende Wellen und Reflexionen im Inneren zu unterbinden. Dafür ist das Gehäuse an der Front zusätzlich mit abgeschrägten Kanten an der Oberseite versehen und man vertraut auf ein aufwendiges internes Reflexionsmanagement-System. Zudem ist es auffallend stark nach hinten hin geneigt, und erfüllt damit eine ganz essentielle Aufgabe.

Perfektes Timing

Für Wilson Audio Specialties ist es geradezu unerlässlich, die Laufzeit-Unterschiede der Chassis bestmöglich auszugleichen, um am Hörplatz stets ein perfektes Timing zu garantieren. Was bei den „Großen“ der Produktlinie durch individuell justierbare Module erledigt wird, schafft bei der „Kleinen“ Wilson Audio TuneTot die besagte abgewinkelt ausgelegte Schallwand.

Doch damit nicht genug, auch ein weiteres unscheinbar anmutendes Detail ist hier ein geradezu essentielles Bauteil, und zwar die Spikes, auf denen das Lautsprecher-System thront.

Diesen kommt bei den Wilson Audio TuneTot die Aufgabe zu, die Neigung optimal auf den Hörplatz auszurichten, also ebenfalls für ein optimales Timing zu sorgen. Es erstaunt somit nicht, dass im Lieferumfang gleich zwei unterschiedliche Sets enthalten sind, und zwar defakto „Standard-Spikes“ in vergleichsweise kurzer Ausführung, zudem geradezu sehr lange erscheinende Varianten. Schraubt man die kurzen Spikes mit fest verbundener Mutter in die hinteren Löcher der Speaker und die langen mit variabler Mutter zur Arretierung in die vorderen, so lässt sich eine individuelle, den jeweiligen Anforderungen optimal entsprechende, wenn es sein muss gar eine vergleichsweise starke Anwinkelung erzielen, wobei abgesetzte Gewinde an den langen Spikes zur Orientierung bei der Justierung dienen.

Passend dazu sind natürlich entsprechende Unterlagsscheiben Teil des Lieferumfangs, in denen die Spikes auch bei „Schräglage“ ihren sicheren Halt finden und keinerlei Gefahr besteht, Möbel auf denen sie platziert werden, zu beschädigen.

Massives Chassis

Dass die Wilson Audio TuneTot ein geradezu massives Chassis aufweisen, haben wir ja schon angedeutet, haben auch schon angeführt, dass man sich bewusst für eine asymmetrische Auslegung in Verbindung mit aufwendig gestaltetem inneren Aufbau entschied, um internen Reflexionen zu begegnen.

Was wir allerdings noch nicht gebührend würdigten ist, dass man selbst in dieser kompakten Klasse bei Wilson Audio Specialties nicht auf einfaches MDF als Werkstoff für das Gehäuse setzt, sondern hier die gleichen Maßstäbe ansetzt, wie bei den größeren und viel größeren Geschwistern.

Das Unternehmen setzt hier auf eine ganz spezielle, ausgeklügelte Materialmischung, wobei man selbst von einer Kombination aus Wilson X Material und Wilson S-Material spricht, die jeweils selbst Verbundwerkstoffe darstellen.

Allzu sehr lässt sich Wilson Audio Specialtis diebezüglich nicht in die Karten blicken, gibt lediglich an, dass es sich um eine über viele Jahre hinweg optimierte Materialkombination handle, die man als perfekt für diese Aufgabe ansieht.

Fakt ist, dass es sich um spezielle Kunststoff-Verbundwerkstoffe handelt, deren hohe Dichte mit dazu beiträgt, dass schon die „Kleinen“ Wilson Audio TuneTot derart viel Masse auf die Waage bringen.

Das Unternehmen hat über die Jahre hinweg eine ganze Palette an unterschiedlichen Werkstoffen für die Fertigung der Gehäuse entwickelt, wobei man für jedes neue Produkt in aufwendigen Messverfahren entscheidet, welche Kombination man tatsächlich einsetzt. Hierzu werden Prototypen mittels so genannter Laser Vibrometrie vermessen, um selbst kleinste Gehäuseschwingungen zu erkennen und diesen entsprechend begegnen zu können.

Foto © Wilson Audio Specialties Inc. | Wilson Audio TuneTot im Test
Foto © Wilson Audio Specialties Inc. | Wilson Audio TuneTot im Test

Bemerkenswerte Detailliebe

Während der Tief-Mittenton-Treiber natürlich makellos aber vergleichsweise unspektakulär in die Schallwand eingelassen ist, ist der Hochtöner leicht nach hinten versetzt montiert und wird zudem von gleich zwei Filzauflagen flankiert: eine, die großflächig die gesamte Ausnehmung des Hochtöners bedeckt, eine zweite, die unmittelbar rund um den Hochtöner angebracht ist und sternförmig ausgestanzt wurde. Damit sollen Gehäuse-Reflexionen sowie Beugungseffekte an der Schallwand im Ansatz unterbunden werden.

Die Rückseite hält natürlich allen voran die Anschlüsse bereit, diese sind in Form hochwertiger Schraubklemmen aus dem Hause WBT ausgeführt. Eine der wenigen Komponenten übrigens, die Wilson Audio Specialties nicht selbst fertigt und sich stattdessen auf Komponenten eines renommierten Anbieters am Markt verlässt.

Auffallend ist hier, dass das Anschluss-Panel ins Gehäuse hinein versetzt und abgeschrägt ausgeführt ist, selbst massive Kabel können hier somit problemlos angeschlossen werden und ragen kaum aus dem Gehäuse hervor.

Direkt über dem Anschluss-Panel findet man das Bassreflex-System der Wilson Audio TuneTot, wobei dieses nicht wie so oft üblich als Bassreflex-Rohr, sondern als länglicher, so genannte Tuning Port ausgeführt ist.

Im Lieferumfang ist übrigens ein Schaumstoff-Stück enthalten, mit dessen Hilfe man diesen Tuning Port verschließen kann, um so etwa bei Wandnaher Aufstellung die Bassleistung ein wenig zu drosseln.

Direkt darüber findet man an der Rückseite eine massive Metall-Abdeckung an der Rückseite, die das Embleme des Herstellers sowie den Schriftzug der Lautsprecher-Bezeichnung trägt.

Foto © Wilson Audio Specialties Inc. | Wilson Audio TuneTot im Test
Foto © Wilson Audio Specialties Inc. | Wilson Audio TuneTot im Test

Das Herz der Speaker…

Erstaunlich zugeknöpft gibt sich Wilson Audio Specialties ausgerechnet bei den wohl wichtigsten Komponenten eines Lautsprecher-Systems, also den eigentlichen Treibern sowie der Frequenzweiche.

Diesbezüglich gibt das Unternehmen lediglich an, dass es sich um Treibertechnologie handelt, die direkt von den großen Geschwistern Wilson Audio Alexx und Wilson Audio Sabrina abgeleitet wurde. Konkret handelt es sich beim Woofer der Wilson Audio TuneTot um einen hinterlüfteten 5,75 Zoll Treiber mit Membran aus Zellstoff, wobei auffallend ist, dass diese Membran als auch die Staubschutz-Kappe des Treibers in unregelmässigen Abständen Einkerbungen aufweist, die dazu dienen, unkontrollierte Schwingungen derselbigen zu unterbinden, die einer präzisen Abbildung entgegen wirken könnten. Der 1 Zoll Hochtöner des Wilson Audio TuneTot ist als Seidengewebe-Kalotte ausgeführt.

Über den Aufbau und Wirkweise der Frequenzweiche verliert das Unternehmen tatsächlich keine Silbe, gibt für das System letztlich nur eine Empfindlichkeit von 86 dB sowie eine nominelle Impedanz von 8 Ohm sowie eine empfohlene Leistung von zumindest 25 Watt pro Kanal an. Der Frequenzgang, den die Wilson Audio TuneTot abdecken können, wird mit 65 Hz bis 23 kHz ausgewiesen.

Ein wenig erinnert dies im übertragenen Sinne an die vielzitierte Aussage rund um die Frage, wieviel PS ein Rolls Royce habe, auf die es ja bekanntlich nur die eine Antwort gibt: Genug!

Dazu passt auch irgendwie das, was Wilson Audio Specialties Inc. rund um die Wilson Audio TuneTot aufbaut, und zwar das Wilson Audio TuneTot Ökosystem.

Das Wilson Audio TuneTot Ökosystem

Für einen Kompakt-Lautsprecher erscheint das, was der Hersteller als das Wilson Audio TuneTot Ökosystem bezeichnet, geradezu als verschwenderisch üppig, für Wilson Audio Specialties Inc. ist dies jedoch Standard, eben auch in dieser Klasse.

Die Möglichkeiten, die dem Käufer einer Wilson Audio TuneTot an Individualisierungs-Optionen sowie Erweiterungen geboten wird, ist schlichtweg bemerkenswert.

Farbenpracht ganz nach individuellen Vorlieben

Das beginnt ganz simpel bei der Farbe, denn der Hersteller gibt zwar eine Auswahl an Standard-Varianten vor, bietet aber darüber hinaus jedwede Anpassung auf Wunsch. Galaxy Grey, Carbon, GT Silver und Quartz gelten als Standard-Ausführungen, wobei man hierzu anmerken muss, dass es sich bei der Lackierung dieses Lautsprecher-Systems um einen besonders aufwendigen Prozess handelt, der letztlich jenen Standards entspricht, nach denen auch die Automobilindustrie arbeitet, wenn nicht gar mehr…

Jedes Gehäuse wird mehrfach lackiert und poliert, bis sich eine wirklich aus allen Betrachtungswinkeln makellose Oberfläche ergibt. Wenn man bedenkt, dass mitunter Lacke zum Einsatz kommen, die eine Metallic Oberfläche aufweisen, kann man ermessen, wie kritisch dieser Arbeitsschritt ist.

Die vier genannten Farben sind aber, wie beschrieben, nur die „Grundausstattung“, als WilsonGloss Upgrade Colors stehen zwölf weitere Farbvarianten gegen Aufpreis zur Verfügung, hinzu kommen zudem fünf weitere Lackierungen als WilsonGloss Premium Pearl.

Und wem auch das noch nicht reicht, kann seine ganz individuelle Ausführung der Wilson Audio TuneTot mit jedweder RAL-Farbe ordern.

Foto © Wilson Audio Specialties Inc. | Wilson Audio TuneTot im Test
Foto © Wilson Audio Specialties Inc. | Wilson Audio TuneTot im Test

Trim Rings für Wilson Audio TuneTot

Damit nicht genug, das US-amerikanische Unternehmen bietet so genannte Trim Rings für die Wilson Audio TuneTot an, wobei es sich dabei um Metallringe handelt, die mittels Magneten an der Schallwand angebracht werden können, damit den Tief-Mittenton-Treiber umrahmen, und sich in vier verschiedensten Farben präsentieren. Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, dass es sich hierbei nicht um einen klangrelevanten Bauteil handelt, sondern lediglich ein optionales Design-Merkmal.

Dies gilt auch für die Individuell lackierbare Metall-Abdeckung aus Aluminium an der Rückseite, wobei sich dahinter aber sehr wohl ein klangentscheidendes Teil verbirgt, das ebenfalls vom Anwender zur individuellen Anpassung seiner Wilson Audio TuneTot genutzt werden kann.

Foto © Wilson Audio Specialties Inc. | Wilson Audio TuneTot im Test
Foto © Wilson Audio Specialties Inc. | Wilson Audio TuneTot im Test

Anpassung des Hochton-Pegels mittels optionaler Widerstände

Die Abdeckung verbirgt nämlich die Option zur Anpassung des Hochton-Pegels mit Hilfe auswechselbarer Widerstände, die der Hersteller als Zubehör bereit hält. Diese Anpassung kann der Anwender natürlich jederzeit selbst vornehmen, das passende Werkzeug ist, dies sei an dieser Stelle gleich angeführt, natürlich im Lieferumfang enthalten und die nötigen Arbeitsschritte binnen weniger Minuten erledigt.

Optionaler Lautsprecher-Grill in unterschiedlichsten Farben

Allen voran optischen Belangen wiederum dient der optionale Lautsprecher-Grill, der natürlich auch ganz praktisch zum Schutz der Membranen beiträgt. Dieser Wilson Audio TuneTot Grille wird nicht mittels Magneten, sondern vielmehr durch Metall-Stifte in Position gehalten und steht in sechs unterschiedlichen Farben zur Verfügung.

Foto © Wilson Audio Specialties Inc. | Wilson Audio TuneTot im Test
Foto © Wilson Audio Specialties Inc. | Wilson Audio TuneTot im Test

Wilson Audio TuneTot IsoBase

Ein ganz besonderes Zubehör-Angebot für die Wilson Audio TuneTot steht in Form der so genannten Wilson Audio TuneTot IsoBase zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Plattform, die der Wilson Audio TuneTot defakto „untergeschoben“ wird, wenn man diese auf einem Lowboard, Sideboard oder tatsächlich in oder auf einem Regal platziert bzw. auch auf einem Schreibtisch aufstellt.

Wie beim Gehäuse der Speaker setzt das Unternehmen auch hier auf die spezielle Kombination unterschiedlicher Materialien um eine besonders effektiv arbeitende Entkopplung zu garantieren, und das kann, je nach Untergrund, tatsächlich eine massive Verbesserung gegenüber der Aufstellung allein mit Hilfe der Spikes mit sich bringen.

Wilson Audio TuneTot Stand

Die wohl beste Variante, einen kompakten Lautsprecher wie die Wilson Audio TuneTot im Raum aufzustellen, ist natürlich einmal mehr die Platzierung auf einen für das System optimierten Stand-Fuss, und natürlich bietet Wilson Audio Specialties Inc. diesen an, und zwar in Form des Wilson Audio TuneTot Stand.

Dieser von der Wilson Audio Special Applications Engineering Division konzipierte Standfuss ist von Grund auf für die Wilson Audio TuneTot konzipiert, passt also auch optisch perfekt zu dem Lautsprecher-System und ist in verschiedenen Farbvarianten verfügbar. Wesentlichstes Merkmal dieser Lösung ist aber, dass es sich um einen besonders stabilen Standfuss handelt, wie der Hersteller zu Protokoll gibt, sodass keinerlei Resonanzen zu befürchten sind und der zudem so ausgelegt ist, dass die Speaker optimal abstrahlen. Einmal mehr führt der Hersteller damit das perfekte Timing als oberstes Ziel bei der Entwicklung an.

Der Wilson Audio TuneTot Stand misst in der Höhe 63,45 cm, und weist eine Breite von 28,26 cm sowie eine Tiefe von 31,75 cm auf. Wirklich bemerkenswert ist hierbei die Angabe des Gewichts, denn dieses wird mit knapp 31 kg angegeben. Solider kann ein Standfuss also kaum ausfallen.

Aus der Praxis

Ein derart kompakter Lautsprecher wie die Wilson Audio TuneTot lädt ja geradezu ein, an verschiedensten Orten im Haus platziert zu werden, es ist der große Vorteil von Kompakt-Lautsprecher-Systemen, dass diese nahezu überall ihren Platz finden.

Also haben wir genau das getan, und so nebstbei verschiedenste Elektronik als Spielpartner heran gezogen.

Den Anfang machte mit dem Ayon Audio Spirit V ein von uns heiß geliebter Stereo Vollverstärker in Röhren-Technologie und „bescheidenen“ zweimal 40 Watt Leistung im Power-Triode-Mode. Platziert wurde die Wilson Audio TuneTot dabei auf einem Lowboard, wobei uns die ausführlich beschriebenen langen Spikes für eine optimale Ausrichtung sehr gelegen kamen.

Schon da zeigte sich, dass es sich wirklich lohnt, der optimalen Aufstellung des Lautsprecher-Systems viel Aufmerksamkeit zu widmen. Zwar tönt das Lautsprecher-System schon einfach ohne weitere Gedanken über dessen korrekte Aufstellung durchaus bemerkenswert, hat man aber dann tatsächlich den richtigen Anstellwinkel sowie die richtige Ausrichtung durch Einwinkeln der Speaker in Richtung des Hörplatzes gefunden, dann weiss man sofort, welch enormes Potential man ohne diese Arbeitsschritte verschenken würde.

Auch wenn man die Wilson Audio TuneTot vergleichsweise großzügig nach innen drehen muss, um wirklich das Ideal zu erzielen, so erstaunt es dennoch, wie breit die Bühne ist, die man damit vor sich aufbauen kann, und speziell das dann der so genannte Sweet Spot gar nicht so eng ist, wie vermutet, ganz im Gegenteil. Die Wilson Audio TuneTot sind also keineswegs Speaker, bei denen man den Kopf nur ja nicht um ein paar Zentimeter aus dem Sweet Spot bewegen darf, vielmehr kann man durchaus gemütlich auf der Couch Platz nehmen und Musik auch zu zweit in perfekter Qualität genießen.

Bemerkenswert auch, wie opulent die Wilson Audio TuneTot bereits mit derart wenig Leistung aufspielen kann, auch wenn der Partner, wie beschrieben, ein vergleichsweise zurückhaltender Röhren-Verstärker ist.

Prägnant und druckvoll werden Bassläufe abgebildet, und zwar in einer Intensität, die man einem derart kompakten Lautsprecher-System schlichtweg nicht zutrauen würde. Gleichzeitig werden Stimmen klar definiert und mit allen Nuancen in den Raum gezaubert. Besonders erstaunt waren wir aber über die Detailliebe, die die Wilson Audio TuneTot im obersten Frequenzbereich an den Tag legen.

Dass die Wilson Audio TuneTot aber auch jede Steigerung der Leistung wohlwollend mit einer noch satteren, kraftvolleren Darbietung belohnen, stellten wir fest, als wir diesen eine Vor- und Endstufen-Kombination aus dem Hause Cambridge Audio der Cambridge Audio Edge Series in unserem ausgewiesenen Hörraum als nächste Station des Tests zur Seite stellten, also den Cambridge Edge NQ Network Preamplifier im Verbund mit zwei Cambridge Audio Edge M Monoblock Power Amplifier.

Kurioses Detail am Rande: bei dieser Kombination spielt zwar die Elektronik in etwa im gleichen Preisniveau wie die Lautsprecher-Systeme, neben dem Geräte-Turm der Elektronik wirkt das Lautsprecher-System aber schon fast verloren….

Wenn es um die Darbietungsqualität geht, da spielt die Wilson Audio TuneTot mit derartiger Unterstützung aber zur Höchstform auf, das ist die Klasse, in der sie sich richtig wohl fühlt.

Beachtlich, welch druckvolle, dennoch detailreiche Abbildung hier zu erzielen ist, auch wenn es höhere Pegel sind, als langfristig gute Beziehungen zur Nachbarschaft zumeist zulassen.

Bei einer Aussage juckt es uns ja immer geradezu in den Fingern, diese einen ausführlichem Praxistest zu unterziehen, und zwar jene, die in unserer Branche allzu oft bemüht wird: Musik werde exakt so wiedergeben, wie dies vom Künstler gewollt sei.

Diese Aussage trifft auch Wilson Audio Specialties Inc. mehrfach bei der Wilson Audio TuneTot, mehr noch, es ist gar die DNA des US-amerikanischen Unternehmens aus Utah und soll somit auch für die Kleinste im Portfolio gelten.

Um diese Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, greifen wir gerne auf Aufnahmen zurück, bei deren Entstehung wir das Glück und die Freude hatten, tatsächlich mit dabei gewesen zu sein.

Und da war er dann wieder einmal, dieser wunderbare Moment, wo man nach nur wenigen Takten schlichtweg weiß, dass es genauso, und nicht anders klingen muss! Perfekt!

Insofern erscheint uns die Beschreibung der Wilson Audio TuneTot als Monitor geradezu perfekt, denn genau diese Aufgabe kann sie problemlos erfüllen: Musik so darzubieten, dass man das Gefühl hat, hier genau das zu hören, was der Künstler, die Künstlerin im Studio auf Band oder Festplatte bannte. Im Vergleich zu so manch anderem derartigen Werkzeug aus dem Studioumfeld gerät die Wiedergabe bei den Wilson Audio TuneTot aber niemals zu analytisch, was immer die Gefahr in sich birgt, dass das Gehör bei längerem Hören überfordert wird, man ermüdet, anstatt entspannt, und schlechte Aufnahmen schlichtweg nerven. Musik soll über die Wilson Audio TuneTot dargeboten immer ein Genuss bleiben, und genau das schafft das Lautsprecher-System mühelos und mit Bravour.

Abschließend sei gesagt…

Einleitend haben wir uns ja geradezu geweigert, die Wilson Audio TuneTot als Kompakt-Lautsprecher-System bzw. gar als Regal-Lautsprecher-System zu bezeichnen, selbst wenn diese Bezeichnungen ebenso zutreffend sind, wie die Beschreibung als kompakter Monitor.

Der Grund dafür ist simpel, sprechen wir ihn also offen aus: die Wilson Audio TuneTot ist zwar der Einstieg in die Welt von Wilson Audio Specialties Inc., letztlich handelt es sich aber ganz nüchtern betrachtet um ein Lautsprecher-System, das wohl für einen Großteil selbst ambitionierter HiFi-Enthusiasten auf Grund des Preises unerreichbar ist und wohl auch bleiben wird.

Die Wilson Audio TuneTot spielt in einem Preisbereich, den man normalerweise einfach nicht mit „Regal-Lautsprecher-Systemen“ in Verbindung bringt. Aber nochmals, genau das ist sie, und zwar auf einem Niveau, das man als High-end, ja gar absolute Referenz in dieser Klasse bezeichnen kann.

Insofern erspielt sich die Wilson Audio TuneTot als Fazit unseres ausführlichen Tests eine klare Empfehlung als ebendieses, als Referenz in der Klasse kompakter Monitor-Lautsprecher-Systeme. Es kann gut sein, dass viele HiFi-Enthusiasten mit diesem Lautsprecher-System trotz seiner kompakten Abmessungen bereits am Ende ihrer Suche nach dem perfekten Lautsprecher-System angekommen sind.

Wahre Größe misst man beim Wilson Audio TuneTot nicht in Zentimeter, diese begründet sich vielmehr durch jahrzehntelange Expertise der Entwickler, der Auslegung auf höchstem technischen Niveau und einer Fertigung frei von Kompromissen die Qualität betreffend.

In diesem Sinne kann, nein man muss vielmehr die Wilson Audio TuneTot als wahres High-end Lautsprecher-System bezeichnen, das in kompaktester Form die DNA von Wilson Audio Specialties Inc. in sich vereint.

ProduktWilson Audio TuneTot
PreisWilson Audio TuneTot Standard € 12.000,- pro Paar
Wilson Audio TuneTot Upgrade € 12.600,- pro Paar
Wilson Audio TuneTot Custom € 13.900,- pro Paar
Wilson Audio TuneTot Premium € 16.600,- pro Paar
Wilson Audio TuneTot IsoBase € 1.050,-
Wilson Audio TuneTot Stand € 1.850,-
Wilson Audio TuneTot Trim Ring € 490,-
MarkeWilson Audio
HerstellerWilson Audio Specialties
VertriebAudio Reference GmbH
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sempre-audio.at Review Award Referenz

Wahre Größe misst man beim Wilson Audio TuneTot nicht in Zentimeter, diese begründet sich vielmehr durch jahrzehntelange Expertise der Entwickler, der Auslegung auf höchstem technischen Niveau und einer Fertigung frei von Kompromissen die Qualität betreffend. Die Wilson Audio TuneTot verkörpert die DNA der Traditionsmarke bis ins letzte Detail.


Positiv

  • enorm vielseitig den individuellen Vorstellungen anpassbar
  • reichlich Zubehör für Aufrüstungen
  • Konzept frei von Kompromissen
  • bemerkenswerte Verarbeitungsqualität
  • erstaunlich detaillierte, kraftvolle Darbietung
  • klar gestaffelte und tiefe Bühnenabbildung
  • flexibel bei der Elektronik

Negativ

  • bedarf einiger Aufmerksamkeit für optimale Aufstellung

Testumgebung

  • NUCLEUS+ by Roon
  • TIDAL HiFi
  • Ayon Audio Spirit V
  • Bluesound Node 2i
  • Cambridge Edge NQ Network Preamplifier
  • Cambridge Audio Edge M Monoblock Power Amplifier
  • Strom- und Signalkabel von Supra Cables

WERTUNG

KLANG
DESIGN
BEDIENUNG
PREIS/LEISTUNG

REFERENZ

Wahre Größe misst man beim Wilson Audio TuneTot nicht in Zentimeter, diese begründet sich vielmehr durch jahrzehntelange Expertise der Entwickler, der Auslegung auf höchstem technischen Niveau und einer Fertigung frei von Kompromissen die Qualität betreffend.

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Michael Holzinger, Gründer und Chefredakteur von sempre-audio.at | Der HiFi Blog - Das HiFi Magazin und HiFi BLOG, ist seit Jahren als Journalist in den Bereichen IT, Fotografie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik tätig.

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