Musik

David Munyon „Big shoes“

Auf seinem neuen Album finden sich ausnahmsweise keine neuen Songs von David Munyon, vielmehr widmet sich der US-amerikanische Singer/Songwriter diesmal auf seine ganz spezielle, unverwechselbare Art und Weise auf Folk- und Rocksongs seiner ganz persönlichen musikalischen Helden.


Mit „Big shoes“ präsentiert David Munyon einmal mehr ein ganz besonderes Album. Es sind diesmal aber nicht seine Songs, mit denen der Sänger seine Zuhörer in seinen Bann zieht, es sind Titel seiner ganz persönlichen musikalischen Helden. Der Künstler übt sich mit Erklärungen rund um die Auswahl der Lieder, die auf diesem Album zu finden sind, in vornehmer Zurückhaltung. Im Begleitheft zur CD finden sich hier daher keinerlei Erläuterungen, warum er gerade diese Titel erwählt hat. Zu jedem Song finden sich zwar fein säuberlich die jeweiligen Musiker aufgelistet, die an der Aufnahme beteiligt waren, David Munyon, ein zutiefst spiritueller Mensch, steuert aber nur sein ganz persönliches Glaubensbekenntnis bei.

Daher kann der Zuhörer nur selbst darüber spekulieren, was Munyon sich bei der Auswahl der Songs für dieses Album wohl gedacht haben mag. Fest steht, David Munyon hat ein gutes Gespür dafür, welche Songs für seine so typische Stimme, für seine einzigartige Art und Weise des Vortrags perfekt geeignet sind.

Eröffnet wird das Album von Tom Waits „Ol’55“, ein Song, der schon von zahlreichen Künstlern in den verschiedensten Stilen interpretiert wurde. Umso erstaunlicher ist es, dass Munyon dem Titel eine gänzlich neue Seite entlockt, wobei er sich gar nicht so weit vom Original entfernt.

„Who‘ll stop the rain“ von John Fogerty und „Imagine“ von John Lennon erstrahlen ebenfalls dank Munyons Interpretation in gänzlich neuem Licht. Gleiches gilt für „Sugar mountain“ von Neil Young und Tom Pettys „Louisiana rain“. Ein wirkliches Highlight des Albums stellt Munyons Interpretation des Bob Dylan Klassikers „A hard rain‘s a-gonna fall“ dar, gleich gefolgt von einem weiteren Gustostück, Cat Stevens „Father and son“.

Mit „500 miles“ von Hedy West, „Fire and rain“ von James Taylor, „Angel from Montgomery“ und „Hello in there“, beide aus der Feder des Folk- und Country-Sängers John Prine, „Industry“ von Lee Clayton und „Atlantic City“ von Bruce Springsteen finden sich weitere überaus gelungene Cover-Versionen auf dem Album.

Zwei weitere Höhepunkte haben wir aber noch unterschlagen. Diese beiden sind gleichzeitig ein Beweis dafür, wie vielseitig David Munyon bei der Auswahl der Titel vorging. Da wäre zunächst „Purple rain“ von Prince, das sich in der Version von Munyon als sanfte Folk-Ballade ins Herz des Zuhörers schleicht. Und dann ist da „Yesterday“, die wohl legendärste Ballade der Beatles aus der Feder von Paul McCartney, das natürlich auch bei Munyon weiterhin sehr still und sanft aus den Lautsprechern plätschert, dem aber jedweder Kitsch, der dem Original doch ein wenig anhaftet, fehlt.

Das liegt natürlich an der deutlich raueren Stimme Munyons, die Lebenserfahrung ausstrahlt und der man jede Textzeile des Songs abnimmt, aber auch am sehr reduzierten Arrangement. Keine Streicher, dafür ein fast gequält vor sich hin eierndes Memotron, und ein ganz dezent gehaltener Freetless Bass begleiten das Gitarrenspiel David Munyons bei diesem Lied.

Aber nicht nur bei „Yesterday“, reduzierte Arrangements – Gitarren, Bass, ein wenig Hammond Orgel hier, ein Dobro, eine Mandoline da, gelegentlich Background-Stimmen – sind auf dem gesamten Album ein Garant dafür, dass David Munyons Stimme im Vordergrund steht. Und mehr braucht es in diesem Fall nicht, um den Zuhörer zu packen, und nicht mehr loszulassen.

Perfekt eingefangen wurde die intime Stimmung und dichte Atmosphäre natürlich von Günther Pauler und Inés Breuer. Das Mastering hat auch diesmal Hans-Jörg Maucksch in bravouröser Weise vollbracht, nachdem er bei den Recording-Sessions selbst zum Freetless Bass gegriffen hatte.

Wir meinen…

Mit „Big shoes“ beweist David Munyon, dass ihm auch sehr große Schuhe nicht zu groß sind. Er schlüpft hinein, und geht damit zielstrebig seinen eigenen Weg. Ein Album, das Bekanntes in völlig neuem Licht erstrahlen lässt. Auch wenn das Licht in diesem Fall zum Teil nicht mehr als eine kleine, mit warmen, sanften Licht brennende Kerze ist.

David Munyon „Big shoes“Big shoes
Artist:David Munyon
Composer:Waits, Fogerty, Young, Lennon, McCartney, Dylan, usw.
Genre:Folk, Pop
Label:Stockfisch Records
Format:Audio CD, Vinyl, Download, Hi-res Download
Year:2009

Wertung

KLANG
MUSIK

Empfehlung

Mit „Big shoes“ präsentiert David Munyon einmal mehr ein ganz besonderes Album. Es sind diesmal aber nicht seine Songs, mit denen der Sänger seine Zuhörer in seinen Bann zieht.

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Michael Holzinger

Michael Holzinger, Gründer und Chefredakteur von sempre-audio.com und HiFi BLOG, ist seit Jahren als Journalist in den Bereichen IT, Fotografie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik tätig.

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